St. Michael-Kirche in Kleinenglis

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Geschichte

Das nordhessische Kleinenglis gehört heute zur Stadt Borken in Hessen.

Die Kirche St.Michael wird erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1262. Sie ist die älteste Kirche im Bereich der Stadt Borken.
St.Michael,Ev.Kirche in Kleinenglis
Es ist dort die Rede von einer Kapelle (die an diesem, dem heutigen, Standort wieder aufgebaut wurde). Aufgrund ihres Namens dürfte sie jedoch viel älter sein und eine Vorgängerin gehabt haben. Michaelskirchen gehören oftmals zu den frühen Kirchengründungen des Bonifatius. Auch der Ortsnamen "Angelgise", der 775 erstmals schriftlich erwähnt wurde, stärkt diese Annahme. Wird doch der Engel (Angel) auch hier schon genannt. Der Name Angel-gise deutet darauf hin, dass hier eine vorchristliche Kultstätte zu einer christlichen Kapelle/Kirche umgewandelt wurde. Auch dieses war eine durchaus gängige Missionspraxis des Bonifatius. Deshalb ist der Ortsnamen "Angelgise" eng mit der neu geründeten Kapelle/Kirche, die dem heiligen Michael geweiht war, auch zeitlich, verbunden. Die Umwandlung so wie die Entstehung des Namens "Angelgise" ist in der Zeit um 722 zu suchen, als Bonifatius von Amöneburg kommend, in der Gegend um Fritzlar missionierte und seinen Stützpunkt auf der fränkischen Festung Büraburg eingerichtet hatte. Auch die Örtlichkeit ist bekannt, wo sich diese erste, dem heiligen Michael geweihte Kapelle befand. Sie ist etwa 1km nördlich des heutigen Standortes der Kirche, in der Flur "Wüste Kirche" zu finden.

Der älteste Bauteil der heutigen Kirche ist der Kirchturm, der aufgrund seines kleinformatigen Bruchsteinmauerwerks für die Übergangszeit der Romanik zur Gotik, etwa 13. Jahrhundert datiert wird. Das Kirchenschiff, ein gotisches dreijochiges Kreuzrippengewölbe wurde im 14. Jahrhundert, nach 1369 angebaut. Kirchhof und Kirchturm wurden wurden zu einem Wehrkirchhof umgebaut und dienten dem Schutz der Dorfbevölkerung bei Gefahr. Nachdem die Wehrkirchhöfe in der Reformationszeit ausgedient hatten wurde im Jahr 1752 auf den Turm ein Schieferhelm aufgesetzt der bis heute als Glockenstube dient und die drei Glocken aus dem Jahr 1716,1950 und 1960 aufnimmt. Das Geläut erklingt in den Tönen "gis", "h" und "fis".

Die Malerei

Um 1500 wurden Kirchenschiff und Chorraum komplett mit spätgotischen Malereien ausgemalt in Seccotechnik. In Folge der nachreformatorischen Bilderstürmerei des Landgrafen Moritz wurden nach 1605 die Malereien übertüncht. Erst im Jahr 1927 bei Renovierungsarbeiten wurden sie im Chorraum durch den Borkener Maler Walter Kramer wiederentdeckt und restauriert. Im Kirchenschiff erfolgte die Freilegung und Restaurierung erst 1963. Die gesamte gotische Malerei wurde in einer großen Restaurierungsaktion in den Jahren von 1990 bis 1992 überarbeitet und erstrahlt seitdem in beeindruckender Weise und erfreut die interessierten Besucher, ebenso wie die zwischen 2009 und 2012 neu geschaffenen Kirchenfenster.

Die Orgel

Die 1995 angeschaffte Orgel ist eine Oestreich Orgel, die 1832 von dem Orgelbauer Adam Joseph Oestreich (1799-1843) aus Oberbimbach bei Fulda gebaut wurde. Sie wurde für das Ursulinenkloster in Fritzlar gebaut, wo sie auch bis 1877 ihren Dienst verrichtete. Der Bismarcksche Kulturkampf zwang die Ursulinen, Fritzlar zu verlassen und die Orgel zu verkaufen. So gelangte sie nach Großenenglis und verrichtete dort bis 1973 ihren Dienst. Der Bau einer neuen Kirche in Großenenglis führte zum Abbau der Oestreich-Orgel und zur Einlagerung bei einem Orgelbauer. Im Jahr 1995 wurde sie von der Kleinengliser Kirchengemeinde wieder aus ihrem "Dornröschenschlaf" erweckt und spielt seitdem in der St. Michaelskirche zur Freude der Kirchenbesucher.

Literatur

  • Friedrich Döring
 - G.Seib, Wehrhafte Kirchen in Nordhessen
 - Joachim Glatz, Mittelalterliche  Wandmalereien in der Pfalz 
 - Bistum Fulda 1983, St. Bonifatius, Leben und Wirken

Siehe auch

Weblinks