St. Marien Kirche - Homberg

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Blick auf die Homberger Altstadt und die Marienkirche
Original Madonnenplastik aus der romanisch karolingischen Vorgängerkirche (11./12. Jahrhundert), ursprünglich über dem Südportal (Brauttor) angebracht.

Die spätgotische Stadtkirche St. Marien bestimmt das Bild der Altstadt von Homberg (Efze).

Sie liegt erhöht am Marktplatz mitten in der Altstadt und ist das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt. Die Kirche aus dem 13. Jahrhundert gehört - ebenso wie die Elisabethkirche in Marburg - zu den wichtigsten gotischen Bauwerken im nördlichen Hessen.

Geschichte

Stadtkirche St. Marien
Chor der Stadtkirche
Blick zur Orgel

Bauwerk

Die Stadtkirche in Homberg hat im Laufe der Geschichte etliche Umgestaltungen erfahren.

Die Grundsteinlegung im Jahre 1340 war auch ein Zeichen des Reichtums der Stadt. Seinerzeit entstand die Marienkirche als spätgotische Hallenkirche an Stelle von Vorgängerbauten, einer fränkischen Kapelle (vermutlich schon vor 900), einer romanisch-karolingischen Basilika (um etwa 1000) und einer romanischen Basilika oder frühen Hallenkirche (im 12. Jahrhundert).

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstand dann ein spätgotischer Um- bzw. Neubau als Hallenkirche hessisch-westfälischer Prägung und 1374 folgte der Bau des Kirchturms durch Kirchenbaumeister Heinrich von Hesserode. Das Westportal der Kirche gestaltete Baumeister Tyle von Frankenberg.

Während des Dreißigjährigen Krieges kam es nach der Besetzung durch kaiserliche Truppen im Jahre 1640 zu Sprengung und Einsturz von Turm und Langhaus, so dass die Kirche in den Jahren 1645 bis 1746 laut einer steinerner Tafel am Kirchturm oberhalb der Galerie wieder neu entstand.

Besonders sehenswert sind die Chorfenster der Kirche und die sieben Stationen des spätgotischen Kreuzwegs.

An die im Jahr 1526 durch Landgraf Philipp dem Großmütigen einberufene Homberger Synode erinnern die eindrucksvollen Reformationsfenster im Chorraum aus dem Jahr 1893.

Kirche der Homberger Synode

Besondere Bekanntheit erhielt das Bauwerk als Kirche der Homberger Synode, die am 21. Oktober des Jahres 1526 hier begann. Initiator war Landgraf Philipp I. von Hessen, der die Reformation auch in seinem Herrschaftsgebiet einführen wollte, darüber hinaus aber auch weitergehende Reformen plante. An der Synode nahmen sowohl Vertreter der Geistlichkeit als auch weltliche Vertreter der Landgrafschaft teil. Infolge der Synode wurde die Landgrafschaft protestantisch, da die Mehrheit der Anwesenden die Vorhaben des Landgrafen unterstützten.

Türmerwohnung im Kirchturm

Die Wohnung des städtischen Türmers wurde beim Wiederaufbaus des Kirchturms im Jahre 1687 oberhalb der Altane im Oktogon des Kirchturms errichtet. In früheren Jahrhunderten wohnte und wachte hier der Homberger Türmer bei Kriegs- oder Brandgefahr, der letzte im 19. Jahrhundert.

Über 217 Stufen erreicht man die aus zwei Zimmern bestehende Türmerwohnung in etwa 57 m Höhe. Rund um den Kirchturm verläuft der Balkon der Türmerwohnung mit weiter Aussicht bis zur Hohenburg oder nach Fritzlar.

Nachfolger des langjährigen Homberger Türmers Fritz Dreytzas ist Dennis Willershausen. Ihm wurde die Türmertrompete von Dreytzas Witwe Elfie Dreytza und Bürgermeister Martin Wagner überreicht.

Gerichtslinde

Neben der Marienkirche findet der Besucher einen etwa 700 Jahre alten Lindenbaum, angeblich die älteste Gerichtslinde Deutschlands.

Kirchenglocken

Fünf Bronzeglocken mit der Tonfolge c’-es’-f’-as’-b’ befinden sich im Westturm der Kirche:

Nr. Name Schlagton Gewicht Durchmesser Gussjahr, Gussort, Gießer Anschläge/Minute Läutewinkel in °
1 Reformationsglocke c' 1.790 kg 1,47 m 1926, Apolda, Franz Schilling Söhne 50,6 60,5
2 Gedächtnisglocke es' 1.120 kg 1,26 m 1949, Sinn/Hessen, Gebr. Rincker 53,2 67
3 Gebetsglocke f' 780 kg 1,11 m 1949, Sinn/Hessen, Gebr. Rincker 57,0 61
4 Feierglocke as' 470 kg 0,94 m 1949, Sinn/Hessen, Gebr. Rincker 61,4 60
5 Toten-/ Geschichtsglocke b' 260 kg 0,81 m 1656, Mansbach, Ambrosius Ulrich 64,8 70,5

Mehr Informationen mit aktueller Läuteordnung im Hauptartikel Die Glocken der Stadtkirche St. Marien

siehe auch

Galerie

Weitere Informationen

Wussten Sie schon, dass ...?

Glocken der Stadtkirche St. Marien in Homberg (Efze)
Eingang zur Stadtkirche
  • ... sich am Turm der Homberger Stadtkirche über 24 Steinmetzzeichen befinden? Sie dokumentieren eine technische Leistung aus dem 14. Jahrhundert.
    Oskar Breiding, Homberg
  • ... nach dem Dreißigjährigen Krieg der Türmer auf St. Marien in Homberg auch Stadtmusikus war und mit seiner Familie auf dem Turm wohnte?
    Friedrich Dreytza, Türmer von Homberg
  • ... ein Schuhmacher aus Kassel 1649 eine Spende von 200 Talern für den Wiederaufbau der St. Marienkirche, gespendet von der Kirchengemeinde Danzig, unbeschadet von Danzig nach Homberg überbrachte?
    Friedrich Dreytza, Türmer von Homberg
  • ... am 21. Mai 1878 auf dem Turm der Homberger Stadtkirche die neu vergoldete Fahne nebst dem Knopfe und den die vier Himmelsrichtungen bezeichnenden Eisenstangen angebracht wurde?
    Oskar Breiding, Homberg
  • ... der letzte Homberger Türmer um Unterstützung bei der Stadt bat? Ein Jahr, bevor Turmwächter Merkel endgültig aus der luftigen Wohnung auszog, richtete er an den Stadtrat die Bitte, „ihm wegen seiner misslichen Lage“ eine Unterstützung zu gewähren. „Ich habe als Turmmann meine Pflicht erfüllt und der großen Kälte halber in meinem Beruf nebst meiner Familie sehr leiden müssen.“ Seine Bitte wurde ihm seitens der Stadt erfüllt. Das Türmerdasein währte noch bis zum Jahre 1837.
    Thomas Schattner, Wabern
  • ... die jahrhundertelange Geschichte des Türmer und Stadtmusikers auf St. Marien in Homberg am 1. Januar 1897 beendet war?
    Friedrich Dreytza, Türmer von Homberg

Weblinks

Plakat zum Reformationsjahr 2017