St. Blasius-Kirche in Hann. Münden

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Blasiuskirche (Foto: Siebert)

Die St. Blasius-Kirche in Hann. Münden ist eine dreischiffige gotische Hallenkirche im Zentrum der Altstadt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bauwerk

Bereits um das Jahr 1000 gab es in Hann. Münden die erste Steinkirche, um 1125 den ersten Ausbau zu einer Basilika, um 1180 die nächste Erweiterung zu einer Kreuzbasilika und 1290 begann der Umbau zu einer gotischen Hallenkirche.

Die Kirche wurde auf den Grundmauern einer romanischen Basilika errichtet. Bis zum Jahr 1584 zog sich der Kirchbau hin, bevor schließlich auch der Kirchturm fertiggestellt wurde.

Im Inneren der Kirche

Sehenswert ist die reiche Innenausstattung der Kirche (u. a. Taufbecken von 1392 und Kanzel).

Die St. Blasiuskirche ist einst von den Bürgern Mündens erbaut worden, um in ihrer Mitte einen Platz zu haben, wo sie sich in allen Situationen des Lebens Gott nahe fühlten. Diese Aufgabe erfüllt die Kirche bis zum heutigen Tage. Dabei hat das Gotteshaus im Innern vielerlei Veränderungen erfahren, jeweils nach den Vorstellungen und Bedürfnissen der betreffenden Zeit. Die seit 1540 evangelisch-lutherische Kirche zeigt sich heute vor allem als eine offene Kirche.

Süßer Fratz auf Großmutters Schoß: Das Anna selbdritt, also eine Darstellung von Maria, ihrer Mutter Anna und dem Jesuskind, befindet sich oberhalb der Orgel in St. Blasius. Das Wandegemälde stammt aus dem Jahr 1519, freigelegt wurde es 1976 bei der Restaurierung der Kirche. Ein Postkarte von dem Fresko gibt es für 40 Cent in der Kirche.

Wer Schönes entdecken will, muss mitunter den Hals recken. Besucher der St. Blasius-Kirche jedenfalls, die unterhalb der Orgel stehen, können bei günstigen Lichtverhältnissen eine wahre Kostbarkeit auf dem Gurtbogen zwischen den beiden Turmpfeilern entdecken Dort sieht man ein Wandgemälde, mit dem die 1519 neu errichtete Kirche geschmückt wurde.

Es zeigt Maria mit dem Jesuskind und der Heiligen Anna, die Mariens Mutter gewesen seit soll. Dieses Motiv, ein so genanntes Anna selbdritt, war im Mittelalter ein beliebtes Motiv, erläutert Waltraud Kock, die sich seit vielen Jahren in der Stadtkirchengemeinde engagiert.

Das Gemälde in St. Blasius zeigt die beiden Frauen einander zugewandt auf einer typisch gotischen Truhenbank sitzen. Links Maria, im blauen Gewand und mit Krone als Himmelkönigin und als Jungfrau mit langen offenen Haaren dargestellt. Ihre Mutter Anna ist wie eine Bürgersfrau aus dem 16. Jahrhundert gekleidet, mit Haube. „Sobald die Frauen damals unter die Haube kamen, waren auch die Haare unter der Haube“, sagt Waldtraud Kock schmunzelnd. Auf ihrem Schoß steht das nackte Jesuskind.

Das Baby sieht propper aus, hat einem vollen Lockenschopf und blickt freundlich in die Welt. Es greift nach dem Apfel, den ihm seine Mutter hinhält. Die Frucht steht für die Verführbarkeit und Verfehlungen der Menschen und weist darauf hin, dass das Christuskind der Heiland alles Menschen sein und ihre Sünden auf sich nehmen wird. Alle drei Figuren tragen einen Heiligenschein, aber der des Kindes ist besonders prächtig.

Im 16. Jahrhundert war das Fresko übrigens nur eines von zahlreichen Bildern in der Kirche. Damals konnten die meisten Menschen nicht lesen, sodass die Kirchenwände quasi als biblisches Bilderbuch dienten. Freigelegt wurde das historische Anna selbdritt erst vor gut 30 Jahren während der Sanierung der St. Blasius-Kirche. Unter den Malschichten mehrere Jahrhunderte war es erstaunlich gut erhalten geblieben. Die Restauration finanzierte damals das Landeskultusministerium.

Um die Farben nicht zu beschädigen, darf das Anna selbdritt leider nicht angestrahlt werden. Wer aber Glück hat und St. Blasius bei Sonnenschein besucht, kann die traute Dreisamkeit über der Orgel bestaunen. (rud)

Antonius Corvinus

Inschrift am südöstlichen Strebepfeiler des Chores der St.-Blasius-Kirche
Foto: v. Petzold
Ehrfurchteinflößendes Monument: das Grabmal Wilhelms des Jüngeren in der St. Blasiuskirche, das noch zu seinen Lebzeiten als Herzog geschaffen wurde.
Foto: v. Pezold

In der St. Blasius-Kirche hängt oberhalb der Sakristeikirche eine Tafel aus dem Jahr 1901 - dem 400. Geburtstag von Antonius Corvinus, „der Herzogin Elisabeth zu Münden und ihrem treuen Berater Antonius Corvinus, dem Reformator Südhannovers zu Gedächtnis gewidmet“.

Als Herzog Erich I. von Braunschweig-Lüneburg 1540 starb und Herzogin Elisabeth die Regentschaft fortführte, lud diese Corvinus in das Mündener Schloss ein. Er sollte fortan in Elisabeths Fürstentum die Einführung des evangelischen Glaubens organisieren. Bei dem ersten Besuch predigte Corvinus auch in St. Blasius.

1542 ernannte Elisabeth I. den Reformator zum Landessuperintendenten und damit zum höchsten Geistlichen im Fürstentum Calenberg-Göttingen. Sein unermüdlicher Einsatz für die Reformation bleib nicht ohne Widerstand: 1549 wurde Corvinus verhaftet, weil er sich gegen die Rekatholisierungsversuche seines zum Katholizismus konvertierten Landesherren Erich II. wehrte. Erst drei Jahre später, als sich die Stimmung im Land wieder zugunsten der Evangelischen gewendet hatte, wurde er entlassen. Er starb kurz darauf am 5. April 1553.

siehe auch

Weblinks

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