Ständehaus

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Das Ständehaus in Kassel – heute Hauptsitz des Landeswohlfahrtsverbandes – wurde als erstes Parlamentsgebäude in Hessen errichtet. Es entstand von 1834 bis 1836 im Stil der Neorenaissance und diente einst als Sitz des Kurhessischen Parlaments.

Das Ständehaus ist eines der wenigen historischen Gebäude der Kasseler Innenstadt, welches die Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs – wenn auch nicht unbeschadet – überstanden hat.

Geschichte

Das Ständehaus in Kassel - LWV Hessen-Archivbild

1831 rang Hessens Bürgerschaft dem Kurfürsten Wilhelm II. eine für die damalige Zeit außerordentlich liberale und fortschrittliche Kurhessische Verfassung ab. Eine weitere Forderung der demokratischen Bewegung, die mit dem Namen des ersten Kasseler Oberbürgermeister Karl Schomburg verbunden ist, war die nach einem eigenen Parlamentsgebäude. Auch diesem mit Nachdruck vorgebrachten Wunsch konnte sich der Monarch nicht verschließen: 1836 wurde das Ständehaus als erstes hessisches Parlamentsgebäude errichtet, die Abgeordneten des Kurhessischen Landtages nahmen das auch in seiner architektonischen Gestaltung bewusst als Palais für die Bürger errichtete Gebäude voller Enthusiasmus in Besitz.

Die Annexion des Kurfürstentums Hessen durch Preußen 1866 wandelte Rolle und Aufgabe des dort tätigen Parlamentes. Fortan tagten Kommunal- und Provinziallandtage im Ständehaus.

1933 endete die Selbstverwaltung vorerst, die im Ständehaus tätige Fürsorgeverwaltung wurde für die verbrecherischen Ziele des NS-Regimes instrumentalisiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten Demokratie und kommunale Selbstverwaltung in ein nach den Bombenhageln von 1943 wiedererrichtetes Ständehaus zurück: 1953 nahm der neu gegründete Landeswohlfahrtsverband Hessen in dem traditionsreichen Gebäude seinen Hauptsitz. Die regelmäßig im Ständesaal tagende Verbandsversammlung mit seinen mannigfaltigen sozialpolitischen Aufgaben eroberte sich rasch das Wertschätzung ausdrückende Etikett „Hessisches Sozialparlament“.

Bauwerk

Seit mehr als 170 Jahren beeindruckt das durch den jungen und damals noch unbekannten Baumeister Julius Eugen Ruhl am damaligen Stadtrand Kassels errichtete Gebäude.

Ruhl fand für das Haus Vorbilder in Genua und Florenz, nicht zufällig wählte er den Stil der italienischen Hochrenaissance, der an die bekannten Stadtrepubliken und an die Macht des dortigen Bürgertums erinnerte. 1836 wurde der zwei Jahre zuvor begonnene Bau abgeschlossen. Im Laufe seiner Geschichte wurde das Ständehaus mehrfach erweitert, auch mussten erhebliche Kriegsschäden beseitigt werden.

1904 bis 1906 wurde der Ständesaal um zwei benachbarte Sitzungssäle erweitert, hinzu kam auch ein Querbau für eine wachsende Zahl von Verwaltungsbeamten des Bezirkskommunalverbandes.

In der Schreckensnacht vom 22. zum 23. Oktober 1943 trafen alliierte Bombardements Kassel und mit ihnen das Ständehaus. Beschädigt wurde überwiegend jedoch nur das Dach und die Wandgestaltung des Ständehaussaales. Einige Jahre nach Kriegsende wurde der Ständesaal nach einem künstlerischen Entwurf des späteren Documenta-Begründers Prof. Arnold Bode wieder hergestellt. Heute erkennt man in ihm die charakteristische Innenarchitektur der fünfziger Jahre.

1952 konnten die Arbeiten am Gebäude beendet werden, für das ein parlamentarischer Zweck allerdings noch nicht endgültig feststand. Neben der Wiederherstellung des historischen Baukörpers wurde im Anschluss an die Jahrhundertwendeerweiterung an der Nordseite ein Büroflügel im Stil der 50er Jahre errichtet.

Quelle: LWV Hessen

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