Städtische Brauerei Northeim

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Im Turm der früheren Brauerei ist eine Gaststätte zu finden. Foto: HNA
Historisches Bild: So sah das Gebäudeensemble der Städtischen Brauerei Northeim aus.

1978 versiegte der Bierhahn

Bier in unserer heutigen Zeit ein gern getrunkenes Getränk

1978 versiegte der Bierhahn der Northeimer Brauerei. Privatisierung und spätere Schließung sind für den ehemaligen stellvertretenden Braumeister Arnold Hampe nicht nachvollziehbar. Wenn er an die Northeimer Brauerei denkt, überkommt ihn Wehmut und Wut. Bis zum Ende der Braustätte am Schaupenstiel war er dort fast 30 Jahre tätig. Zuletzt als stellvertretender Braumeister. Es war eine schöne Zeit, erinnert sich der Rentner zurück. Nur die Schließung im Jahr 1978 hat er auch heute noch nicht verwunden. Es ging aufwärts und es wäre noch weiter aufwärts gegangen, ist er überzeugt. Die produzierte Biermenge, verrät ihm ein Blick in seine sorgsam gehüteten Geschäftsbücher der letzten Brauerei-Jahre, ist bis zum Schluss gewachsen. Wurden im Geschäftsjahr 68/69 rund 35.000 Hektoliter Bier gebraut, waren es 71/72 über 41.000 Hektoliter und 74/75 fast 46.000 Hektoliter. Dazu kamen noch rund 500 Hektoliter Limonade aus eigener Herstellung. 42 Mitarbeiter und vier Lehrlinge hatte die Brauerei (Stand 1975). Zwischen 309 und 359 Biersude wurden dazu in der Brauerei pro Jahr angesetzt.

Produktionsgarantie

Der Rat hat uns verschaukelt, ist sein Fazit über die Umwandlung des ehemaligen städtischen Eigenbetriebs in eine GmbH in den 70-er Jahren. Die Übernahme durch die Binding-Brauerei bedeutete dann letztlich das Ende. Obwohl die Frankfurter Großbrauerei eine fünfjährige Produktionsgarantie gegeben hatte, war nach zwei Jahren Schluss.

Konzentrationsprozess

Dem gegenüber steht die Position des ehemaligen Northeimer Stadtdirektors Werner Hesse, der an der Entscheidung für die Kooperation mit Binding als damaliger SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat beteiligt war. Nach seinen Worten war die sich ändernde Marktsituation auf dem Biersektor ausschlaggebend für den Abschluss des Vertrages mit Binding. Dem beginnenden Konzentrationsprozess der Brauereien wäre die kleine Northeimer Braustätte nicht gewachsen gewesen. Die großen Brauerei hätten nur ein Jahr auf Preiserhöhungen verzichten müssen und die städtische Brauerei hätten die steigenden Unkosten nicht mehr ausgleichen können. Die vorfristige Schließung der Brauerei habe ausschließlich wirtschaftliche Gründe gehabt. Die Vereinbarung mit den Frankfurter aus dem Jahr 1976 sah vor, dass Binding jährlich 80.000 Mark Gewinn an die Stadt ausschütten musste. Auch die Möglichkeit der vorfristigen Aufgabe der Braustätte war bin diesem Vertrag verankert. Außerdem verpflichtete sich Binding, in die Gaststätten der Northeimer Brauerei Waldschänke, Gesundbrunnen, Gaststätte Wieterturm und 2,8 Millionen Mark zu investieren. Auch der Kaminsaal des BSG-Schießhauses profitierte nach Hesses Worten von der Übernahme durch Binding.

Geschenk der Stadt

Dagegen sieht Hampe im Geschenk der Stadt, die eigenen Gaststätten der Brauerei zuzuschlagen, als weiteren Sargnagel an, der zum Tod der Brauerei geführt hat. Die hohen Investitionen, die in den Schankstätten notwendig waren, haben sich seiner Ansicht nur nachteilig auf die Brauereibilanz ausgewirkt. Vielleicht wäre es für die Brauerei besser gelaufen, wenn die Pläne aus der Vorkriegszeit realisiert worden wären, die Brauerei aus der Innenstadt heraus an den Stadtrand zu verlegen. Nach Hampes Worten war dabei an ein Areal an der heutigen Breslauer Straße gedacht. Durch den Krieg kam es nicht zum Umzug. Das dafür angesparte Geld ging durch die Währungsreform verloren und was noch schlimmer war, so der stellvertretende Braumeister, den Umzug vor Augen war in den 30-er Jahren nicht mehr in die alte Brauerei investiert worden, so dass nach dem Kriege mit ziemlich maroder Technik gearbeitet werden musste.

Pils, Bock und Export

Als einer der ersten Brauereien in Norddeutschland hat die Northeimer Brauerei Pils gebraut. Braumeister Max Brendel, der Ende der Anfang der 1950-er Jahre in Northeim tätig war, hatte die Pilsener Brauart eingeführt. Pils war unser führendes Produkt, erinnert sich der ehemalige stellvertretende Braumeister Arnold Hampe. Grafenkrone hieß das Northeimer Spitzenbier. Nur in den Dörfern wurde damals noch das inzwischen in Vergessenheit geratene Export aus Northeimer Produktion getrunken, so Hampe. Außerdem wurde auch Bockbier gebraut.

Hopfen aus Bayern - Bier für die Region

Die Geschichte der städtischen Brauerei in Northeim beginnt 1841, nachdem die Stadt 171 Braurechte von Northeimer Bürgern gekauft hatte, die noch aus dem Mittelalter stammten. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Northeimer Bier in das gesamte Umland geliefert. Die Brauerei hatte Niederlassungen in Osterode, Herzberg, Bad Sachsa, Duderstadt, Witzenhausen, Eschwege, Bad Hersfeld, Kassel, Hofgeismar und Beverungen. Der für die Bierherstellung notwendige Hopfen kam damals aus Bayern. Das Malz kam aus Vienenburg (Nordharz), Peine und Hildesheim. Die produzierte Biermenge betrug damals rund 100 Hektoliter.