Sprachgrenze

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Es ist kein Zufall, dass die „Fachwerkgrenze", die etwa mitten im Landkreis Kassel verläuft, mit der wichtigsten deutschen Sprachgrenze zusammenfällt, die die hochdeutschen von den niederdeutschen Mundarten trennt. Die sog. Benrather Linie stellt die Grenze zwischen dem nieder- und hochdeutschem Sprachgebiet dar (auch "Ick-Ich-Linie" oder "Maken-Machen-Linie" genannt).[1]

So wurde etwa die Mundart von Holzhausen im Reinhardswald sprachwissenschaftlich intensiv von Hermann Soost (1920) und Stefan Arend (1990) untersucht. Die Mundart von Holzhausen zählt noch zu den mitteldeutschen Mundarten, in den Nachbarorten Wilhelmshausen und Immenhausen wird (wurde) bereits Niederdeutsch gesprochen. [2]

Ein weiteres Beispiel sind auch die Orte Altenstädt (heute ein Stadttteil von Naumburg) und Bründersen (heute ein Stadttteil von Wolfhagen). Obwohl sie nur zwei Kilometer voneinander entfernt liegen, spricht man einen anderen Dialekt. Hinter der Wasserscheide zwischen Eder und Diemel an der ehemals hessisch - (nieder-)sächsischen Grenze (frühes Mittelalter), verläuft die Sprachgrenze zwischen Mitteldeutsch und Niederdeutsch. [3]

Beispiel für das Wort "Kühe":

Niederhessisch

  • (südl.von Kassel): Kiwwe
  • (nördl.von Kassel): Köwe

Nordhessisches Niederdeutsch ("Plattdeutsch")

  • (nördl. d. Linie Immenhs.-Calden-Wolfhagen): Kooie

Ein Plattdeutscher Hesse

aus Bodo Zwingmann, Ein plattdeutscher Hesse:

"... Ein paar Tausend soll es rund um Hofgeismar noch geben, die diese eigenständige Sprache beherrschen. Plattdeutsche Hessen. ... Drum jetzt an dieser Stelle: Maket et gaut, un wenn jie moa en Minschen plattspräken hart, et könnt auck en Hesse sien!"

Geschichte

Das Diemelsächsische Bauernhaus (Diemelhaus) ist neben der bis heute nur noch zum Teil erhaltenen diemelländisch-niederdeutschen Sprache Teil der altsächsisch-niederdeutschen Kultur des nördlichen Hessen. Das Diemelhaus ist im Wesentlichen nördlich, z. T. auch noch südlich der "ick-ich-Linie" beheimatet. Es ist heute zu finden im Altkreis Hofgeismar und im Altkreis Wolfhagen, die beide zum heutigen Landkreis Kassel gehören, sowie im Altkreis Waldeck (dort mit weiteren Variationen). [4]

Keine geringeren als die Brüder Grimm interessierten sich für die auffallenden Lautverschiebungen in den Dialekten die Grundlagen ihrer sprachwissenschaftlichen Arbeiten und damit der Germanistik entstanden genau hier.

Für Interessierte bietet das neue Brüder-Grimm-Museum, die Grimm-Welt Kassel auf dem Weinberg in Kassel eine Fülle von anschaulichen Informationen auch dazu. [5]

Literatur

  • Stefan Arend, Das Lautsystem der Mundart von Holzhausen am Reinhardswald - Eine phonetische-phonologische Studie zur Erforschung der grammatischen Struktur der niederhessischen Dialekte, Diss. Marburg 1990
  • Stefan Arend, An der Sprachgrenze: die Mundart von Holzhausen, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 1999, S. 106 ff.

siehe auch

Watt ick nau vertellen wollte

"Watt ick nau vertellen wollte“ - Mundart-CD des Westuffelner Geschichtsvereins. [6]

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Informationen auf www.landkreiskassel.de
  2. Informationen auf de.wikipedia.org
  3. Informationen auf www.altenstaedt.de
  4. HNA-online vom 22.01.10: Die Sprachgrenze läuft durch den Reinhardswald
  5. Informationen auf www.landkreiskassel.de
  6. HNA-online vom 11.5.14: Upp Platt Herzen erobert

Weblinks