Spitzhacke

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Die Spitzhacke an der Fulda ist ein Kunstwerk in Kassel. Es entstand 1982 zur documenta 7. Sie ist zwöf Meter hoch und wiegt fünf Tonnen.

Schöpfer des Kunstwerks

Schöpfer der Spitzhacke ist Claes Oldenburg. Der amerikanische Künstler hat zahlreichen Plätzen und Städten zu monumentalen Denkmälern der Alltagskultur verholfen. Im Vergleich zu manchen dieser Skulpturen erscheint die Kasseler Spitzhacke eher klein und bescheiden. Aber auch diese Arbeit ist aus dem Denken der Pop-Art entstanden: In einer Zeit, in der das klassische Denkmal seine Bedeutung verloren hat und in der die abstrakte Skulptur schnell zum Leerzeichen werden kann, begann Oldenburg damit, die Objekte des täglichen Lebens ins Riesenhafte zu übersetzen.

Oldenburg war erstmals 1968 zur documenta eingeladen worden. Zusammen mit den anderen Hauptvertretern der Pop-Art – wie Roy Lichtenstein, Warhol oder Segal – hatte er die Kunst der 1960er-Jahre in den USA repräsentieren dürfen. Zu seinen Beiträgen gehörten in der documenta 4 auch die London Knees – zwei Abformungen von Knien, die für damalige Verhältnisse mit großer Radikalität die realen Formen in die Kunst zurückbrachten und die heute zum Bestand der Neuen Galerie in Kassel gehören.

Inspiration

Oldenburg wollte er eine Skulptur schaffen, die dank Sponsoren in der Stadt bleiben konnte. Schon lange vor der documenta war Oldenburg nach Kassel gekommen. Er sah die Parks und die Herkules-Anlage und stieß in der Stadt mehrfach auf Baustellen, an denen eine Spitzhacke lag oder im Boden steckte oder benutzt wurde. Damit hatte er die Grundform gefunden, nach der er seine Skulptur gestalten wollte.

Mythologie um die Spitzhacke

Da ihn die Herkules-Figur hoch oben über der Stadt faszinierte, erfand er zu seiner Skulptur eine Geschichte: Die überdimensionale Spitzhacke habe zum Werkzeug des Kasseler Herkules gehört, und der Halbgott habe sie an das Ufer der Fulda geschleudert, wo sie sich in die Erde bohrte und von wo aus der Stiel der Spitzhacke auf Herkules zurück weist.

So erlangte die Skulptur neben ihrer ironischen Überhöhung des gewöhnlichen Werkzeugs eine Bedeutung, die in die Mythologie verweist. Sie wird zu einer Skulptur, deren Sinn sich nur an diesem Ort erfüllt.

Verlängerung der Achse

Da, wo die Spitzhacke am Fulda-Ufer steht, vergisst man schnell den Bezug zur Stadtgestalt. Man weiß sich zwar am Rande der barocken Karlsaue, aber die anderen Elemente geraten aus dem Blickfeld. Das gilt insbsondere für die prägende Achse, die vom Herkules über die Kaskaden, das Schloss und die Wilhelmshöher Allee bis zum Brüder Grimm-Platz führt. Am Grimm-Platz bricht die Achse ab, denn die bestimmende Innenstadt-Achse, die Königsstraße, beginnt nach einem großen Knick.

Oldenburg hat diesen wunden Punkt gesehen und wollte mit seiner Skulptur zumindest andeutungsweise die Achse Herkules-Wilhelmshöher Allee verlängern. Also ließ er die Spitzhacke an dem Punkt am Fulda-Ufer aufstellen, an dem die Verlängerung der Wilhelmshöher Allee auf den Fluss stoßen würde. Der Stiel der Achse deutet diese gedachte Verlängerung an.

siehe auch

Weblinks und Quellen

Dirk Schwarze: Meilensteine - documenta 1-12