Sonia Abian Rose

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Das documenta-Lexikon
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Sonia Abian Rose, 1966 in Posadas geboren, lebt in Barcelona und hat an der documenta 12 teilgenommen.


Werk

Die argentinische Künstlerin setzt sich in ihren Arbeiten mit der Geschlechterrolle und kunsthistorischen Bezügen auseinander.[1]

Ihre documenta-Arbeit "Das Konzentrationslager der Liebe" (im Schloss Wilhelmshöhe bezieht sich auf die Tischplatte von Marin Schaffner (1533) und auf das Pan und Syrinx-Gemälde von Rubens/Brueghel. Beide Bilder sind in der Gemäldegalerie in Wilhelmshöhe zu sehen.


Das Konzentrationslager der Liebe von Sonia Abían Rose

Kassel. Ein Gewinn für die documenta 12 ist die Einbeziehung von Schloss Wilhelmshöhe. Obwohl dort vergleichsweise wenige Arbeiten gezeigt wurden, ist das Schloss kein Nebenschauplatz. Zwei Faktoren tragen dazu bei - die überzeugende Inszenierung des Sonderausstellungsraumes im 2. Stock und die intensive Auseinandersetzung mehrerer Künstler mit der Sammlung und der Stadt.

Eine Kostbarkeit steuerte die in Barcelona lebende Argentinierin Sonia Abían Rose (Jahrgang 1966) bei. Sie entwarf ein zierliches Schränkchen, dessen obere bemalte Platte sowie die darunter befindlichen ebenfalls bemalten Ebenen ausziehbar sind, sodass beim stufenweisen Ausziehen immer neue Bildwelten eröffnet werden können.

Die obere Platte ist so bemalt, dass der umlaufende Bilderfries von jeder Seite zu betrachten ist. An den Ecken sieht man zudem aufgerollte Textrollen, die das Bild erläutern. In dieser Beziehung schließt sich die Arbeit direkt an die 1533 von Martin Schaffner bemalte Tischplatte an, die im Nachbarkabinett der Gemäldegalerie zu sehen ist. Außerdem hat sich Sonia Abían Rose durch das Rubens-Brueghel-Bild „Pan und Syrinx“ aus der Kasseler Sammlung inspirieren lassen.

Die bewegten barocken Figuren täuschen eine leichte, heitere Atmosphäre vor. In Wahrheit geht es in der Arbeit um das Grausamste, was sich Menschen ausgedacht haben - um die Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Nicht nur, dass dort die Menschen gequält, zur Zwangsarbeit herangezogen und getötet wurden. In einigen Fällen waren Frauen im doppelten Sinne Verfolgte, weil etliche von ihnen gezwungen wurden, im Bordell des Konzentrationslagers privilegierten Gefangenen zur Verfügung zu stehen. Genau das thematisiert die Künstlerin in Wort und Bild in ihrer Arbeit „Das Konzentrationslager der Liebe“. Die Welt des Grauens und der Perversion öffnet sich allmählich. Dabei bezieht Sonia Abían Rose Aquarelle des Auschwitz-Überlebenden Wladislaw Siwek vom Lagerterror ein.

Aber die Künstlerin zielt nicht bloß auf das Regime der Nationalsozialisten. Für sie ist die erotische Jagd, wie sie von Rubens und Brueghel heiter ins Bild gesetzt wurde und tödlich im KZ endet, ein in der Geschichte durchgehendes Motiv der Verfolgung und Unterdrückung von Frauen. Sie veranschaulicht, wie dieses Motiv in der Kunst verniedlicht und ästhetisiert wurde.

So gibt es für Sonia Abían Rose auch kein Ende dieser Jagd. Dementsprechend führt das unterste Bild in unsere Gegenwart: Man sieht eine schemenhafte Frauengestalt, an der ein brutal und lüstern schauender Mann im Auto vorbeifährt und durch das offene Fenster mit einer Hand nach ihr greift.

Beim Betrachten der Arbeit konnte man über Kopfhörer einen Song von Carlos Piegari hören, der die Verstörung verstärken soll. Erweitert wird das Werk durch äußerst poetische Texte, die an der Wand angebracht sind.


aus der HNA vom 28. Juni 2007

Weblinks und Quellen

  1. Wikipedia-Eintrag zu Sonia Abián

siehe auch