Soldatenhandel

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Landgraf Friedrich II. und sein Nachfolger Landgraf Wilhelm IX. gehören zu den "Kasseler Landgrafen", die es in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts mit dem Soldatenhandel zugunsten Englands zu großem Reichtum brachten.

Soldatenhandel zugunsten Englands

Geschichte

Den größten Umfang nahm der Soldatenhandel während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs an: etwa 30.000 Mann wurden dazu - vor allem aus Hessen-Kassel, dem Herzogtum Nassau, aus Waldeck, dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und anderen Fürstentümern - für Großbritannien gestellt, das dafür den Fürsten dieser Staaten etwa 8 Millionen Pfund Sterling zahlte. [1]

Im Januar 1776 schickte der hessische Landgraf Friedrich II. seinen Gesandten Martin Ernst von Schlieffen nach London, um dort den Subsidienvertrag mit England zu unterzeichnen. Schon im März wurden die ersten der insgesamt 12.500 Soldaten aus Hessen-Kassel in Bremerlehe eingeschifft (dabei schwanken die Angaben in den Darstellungen zur Geschichte zwischen 12000 und 17000 Soldaten).

Über 10 Millionen Taler erhielt der Landgraf für die Vermietung seiner Landeskinder und fremder Söldner. Von Schlieffen muss ein guter Unterhändler gewesen sein, denn der Herzog von Braunschweig bekam für seine nach England vermieteten Soldaten nur die Hälfte der Bezahlung, die der hessische Landgraf erhielt. Kein Wunder, dass Schlieffen diesen Subsidienvertrag für den vorteilhaftesten Vertrag in der Geschichte Hessens hielt.

Auch der spätere Kurfürst Wilhelm I. vermehrte das landgräfliche Vermögen durch den Abschluss von Subsidienverträge mit England erheblich. Er galt als einer der reichsten Fürsten seiner Zeit. So wurde etwa das alte Schloss Weißenstein im Jahre 1786 abgerissen und durch Schloss Wilhelmshöhe ersetzt, nachdem Landgraf Wilhelm IX. einen weiteren Subsidienvertrag über 12 000 Soldaten mit England abgeschlossen hatte. [2]

Vor der Regierungszeit von Landgraf Friedrich II. wurden bereits unter seinen Vorgängern Landgraf Karl und Landgraf Wilhelm VIII. Soldaten gegen Subsidiengelder in fremde Dienste verliehen. Karl trieb nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs den Wiederaufbau eines Heeres voran, das unter anderem im Spanischen Erbfolgekrieg eingesetzt wurde. Und von Landgraf Wilhelm VIII. ist bekannt, dass er während des österreichischen Erbfolgekriegs Truppen sowohl an England als auch an Kaiser Karl VII. "vermietete" und für nahezu 17.000 Soldaten 1,254 Millionen Pfund Sterling erhielt. [3]

Nach der Darstellung bei Max von Eelking (The German Allied Troops in the North American War of Independence 1776 – 1783, 1893) schloss das benachbarte und stets geldarme Fürstentum Waldeck unter Friedrich Karl August bereits am 25. April 1775 mit der britischen Krone einen Vertrag zur militärischen Unterstützung im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ab.

Von Karlshafen in die Welt

Landgraf Friedrich II. benutzte den Hafen im nordhessischen Karlshafen. Von dort reisten die jungen hessischen Männer weserabwärts nach Bremen und dann weiter über den Atlantik nach Nord-Amerika, um als Soldaten für England gegen die aufständischen Kolonialisten zu kämpfen. Die so "Verkauften" sollen Zigtausende gewesen sein.

Hierüber zeigte vor über 20 Jahren die ARD einen mehrteiligen Fernsehfilm, mit dem Titel: "Der Sommer der ein Winter war". Vom HR gedreht, spielt er zum großen Teil an historischen Stätten; zu erwähnen ist hierbei Kassel-Wilhelmshöhe und Karlshafen, aber auch die Gegend um Wabern - wo heute noch das ehemalige Lust- und Jagdschloss Karlshof steht.

- H.-J.Schulz, 3.4.06 -


Ergänzung:

Wie oben schon dargestellt wurde, ist der Name von Martin Ernst von Schlieffen eng verbunden mit der Geschichte der "verkauften" hessischen Soldaten, die auf der Seite der englischen Truppen gegen die nach Unabhängigkeit strebenden Amerikaner unter Georg Washington kämpfen mussten. Erst im Jahr 1884 kehren die letzten von ihnen in die Heimat zurück, zahlreiche weitere waren auf den Schlachtfeldern gefallen oder in der "Neuen Welt" geblieben.

Einer der Rückkehrer (im Jahr 1784) war der Dichter Johann Gotthold Seume, der als Student hessischen Werbern in die Hände gefallen war und in seiner Autobiographie „Mein Leben" von seinen Erfahrungen berichtete. Darin heißt es u. a.: ... Endlich ging es von Ziegenhain nach Kassel, wo uns der alte Betelkauer [gemeint ist Friedrich II.] in höchst eigenen Augenschein nahm, keine Silbe sagte und uns über die Schiffbrücke der Fulda, die steinerne war damals noch nicht gebaut, nach Hannövrisch-Münden spedierte. Unser Zug glich so ziemlich Gefangenen; denn wir waren unbewaffnet, und die bewehrten Stiefletten-Dragoner und Gardisten und Jäger hielten mit fertiger Ladung Reihe und Glied fein hübsch in Ordnung. ...

Sehr viel später hat auch die Schriftstellerin Sandra Paretti die historischen Ereignissen zur Grundlage ihres Romans "Der Winter, der ein Sommer war" gemacht, der als Fernsehfilm an nordhessischen Schauplätzen verfilmt wurde.

Es handelt sich dabei um eine Verfilmung (aus dem Jahr 1976) des Romans von Sandra Paretti (Pseudonym von Irmgard Schneeberger) von 1972. In romanhafter Ausschmückung werden dort das Leben zur Zeit Friedrichs II. und die Auswirkungen der Subsidienverträge mit England (Vermietung von Soldaten für den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg) für die Untertanen behandelt.

Literatur

  • Friedrich Kapp, Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika (1775-1783), Berlin 1864 (Projekt Gutenberg - gutenberg.spiegel.de)
  • Wilhelm Hopf, Friedrich II. und die neuere Geschichtsschreibung: Ein Beitrag zur Widerlegung der Märchen über angeblichen Soldatenhandel hessischer Fürsten, 1879
  • Philipp Losch, Soldatenhandel, Kassel 1933 (Fotomechanischer Nachdruck. Kassel 1974)

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Informationen auf de.wikipedia.org
  2. Informationen auf www.bookumenta.de
  3. Informationen auf de.wikipedia.org

Weblinks