Sirenengeheul prägte Schulzeit

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Adam Ritze aus Baunatal-Hertingshausen beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Bauna-Tals und mit Geschichten aus alten Zeiten. In einer Serie in der gedruckten HNA erzählt Ritze aus seinen Erinnerungen und ergänzt sie mit Fakten, die er zusammengetragen hat. Wir sammeln die einzelnen Teile an dieser Stelle.

Serienteil: Sirenengeheul prägte Schulzeit

Die alte Dorfschule von Altenbauna

Die unbekümmerten Erlebnisse der Kinderzeit waren vorbei. Spätestens zu dem Zeitpunkt, als mein Vater zur Wehrmacht eingezogen wurde. Das war im August 1939. Als er fortging, hat mich meine Mutter auf die Fensterbank gehoben, und wir haben hinterhergewinkt, bis er um die nächste Ecke verschwunden war. Hierbei hat mich besonders das Weinen meiner Mutter geprägt. Und sie hat oft geweint.

Als dann am 1. September der Zweite Weltkrieg ausbrach, hat mich und wahrscheinlich auch andere Kinder das nicht sonderlich beeindruckt. Aber als mein Bruder im Dezember 1939 geboren wurde, daran kann ich mich wieder gut erinnern. Mein Onkel hat mich auf den Arm genommen und hat mir den kleinen Schreihals gezeigt.

Die ersten Kriegsjahre haben keine besonderen Eindrücke hinterlassen. Starke Gewitter waren ein größeres Problem.

Eines Tages wurde dann auf dem Dach der Schule – genau bei uns gegenüber – eine Luftschutzsirene installiert. Das laute und durchdringende Geheul dieser Sirene machte die Luftangriffe für uns noch gefährlicher, als sie schon waren. Noch heute geht es mir durch Mark und Bein, wenn ich nur eine Sirene höre.

Im Herbst 1941 hatte für mich die Schulzeit begonnen, und auch die Luftangriffe nahmen zu. Es verging kaum noch ein Tag, an dem wir nicht von der Schule in den Luftschutzkeller beziehungsweise Bunker mussten. Oben am Baunsberg gab es eine große Baustelle. Dort wurde ein Luftschutzbunker gebaut.

Dieser Bunker hatte zwei Eingänge, das heißt: Er hätte zwei Eingänge gehabt, wenn er jemals fertig geworden wäre. Ein Eingang befand sich am heutigen Standort Am Bremenacker, circa Hausnummer 9, und der zweite Am Fuchsberg, auch circa Nummer 9.

Als die Stollen höchstens zehn Meter tief waren, suchte die Bevölkerung dort schon Schutz. Die Angst vor den Luftangriffen war nicht unbegründet, denn wir hatten ja einen Rüstungsbetrieb hier in Altenbauna. Aus Henschel-Flugmotoren – oder dem, was davon übrig blieb, wurde dann im Jahr 1957 das Volkswagenwerk.

Dieser Artikel ist erschienen am 30.4.2011 unter dem Titel "Sirenengeheul prägte Schulzeit - Auch in Altenbauna entstanden während des Krieges Luftschutzbunker: Einer davon wurde nie fertig".

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