Siedlergemeinschaft Lindenberg 1

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Chronist: Erich Bing, Eschenweg 2A, Tel: 0561 / 513922

August / September 1933

Es erfolgte ein Aufruf des damaligen Ministerialdirektors Tomala an kinderreiche Familien unserer Stadt zum „Siedeln“ auf dem Lindenberg, um aus der Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit herauszukommen und auf eigener Scholle mit Nebenerwerb aus Obst und Gemüseanbau, sowie Kleintierhaltung den Familienunterhalt zu sichern.

Es waren zunächst 50 Siedlerstellen mit einer Grundstücksgröße von je ca. 1000 qm vorgesehen. Die Grundstücke wurden nach dem Reichsheimstättengesetz ausgegeben und von der Hessischen Heimstätte, die an der Verwirklichung des Vorhabens tatkräftig mitarbeitete, verwaltet.

Zunächst fanden sich nicht die erhofften 50 kinderreichen Familien, so dass auch andere Familien bei Vergabe der Plätze zum Zug kamen. Nach den damaligen Richtlinien mussten die Bewerber vor der Kommission unter anderem weiter folgende Voraussetzungen erfüllen:

Eignung des Mannes: Arbeitswilligkeit, Bescheidenheit, Verträglichkeit und Befähigung zu den für die Siedlerstelle wichtigen Arbeiten. Die Frau musste die Fähigkeit besitzen, einen Haushalt ordentlich zu führen und vor allem musste sie Mut und Liebe zum Siedeln haben.

Erhebliche Schwierigkeiten sah man schon bei der Besichtigung und Vergabe der Grundstücke auf sich zukommen, da auf dem sehr steinigen Gelände mit vielen Sandsteinplatten nur wenig Mutterboden vorhanden war, der später fuderweise herangekarrt werden musste.

„Steinreich“ fand sich mancher auf der eigenen Scholle wieder.

08. Januar 1934

erscheint in der damaligen Kasseler Post ein mit dem Titel „Spaziergang rund um Kassel" Die Kleinen Berge sind schön zur Winterzeit. Darin wird der Lindenberg wie folgt beschrieben:

  • „Vom Eichwald schreiten wir am Fischhaus, wo in früheren Zeiten manches Schöppchen Wein getrunken ward und am Eisenhammer, der heutigen Rocholschen Stockfabrik vorbei, dem Lindenberg zu, der nicht etwa, wie böse Zungen behaupten, nach dem Fichtenwäldchen benannt ist, das den Nordrand des Berges und die Gärten des Krankenhauses Lindenberg säumt, sondern wohl nach den wunderschönen Linden, die noch vereinzelt im Felde stehen, hoffentlich geschützt vor dem Abbau der sich an vielen ihrer Brüder vergriffen hat.

Des Lindenbergs Eigenart ist sein Losgelöstsein von der Stadt. Das ganze grüne Meer des Forstes breitet sich dazwischen aus. Wenn auch der Westhang jetzt erheblich bebaut ist - hier führt nicht die Stadt das erste Wort, sondern die Saatenflur und vor allem das Gebirge. Hier ist die Pforte zu den Waldbergen, hier ist´s an klaren Tagen, als ließe sich der dunkle Waldmantel der Söhre, als ließen sich die prächtigen Bergwiesen am Belgerkopf mit der Hand greifen Ein schöner Abstieg ist‘s durch die Heidenkopfstraße und durch die Erlenfeldsiedlung, von deren Bauweise, aber auch von deren Siedlern der besinnliche Mensch lernen kann, was mit Schlichtheit, Lebensweisheit und Gemeinsinn zusammenhängt.“

05. Mai 1934

Beginn der Bauarbeiten für den ersten Bauabschnitt Eschenweg -Kastanienweg-Birkenweg durch die Firma Hagen und Schaub aber auch gleichzeitig unter eigener Mitarbeit und Eigen- wie Nachbarschaftshilfe.


1. Oktober 1934

waren die ersten Siedlerhäuser fertig gestellt und konnten bezogen werden. 1. Vorsitzender der Gemeinschaft wurde Karl Fiegand.

1936

erfolgte durch die Hessische Heimstätte der 2. Bauabschnitt in der Eisenhammerstraße, Ahornweg und Eibenweg.

Um die Baukosten niedrig zu halten, mussten die Siedler die Planierungsarbeiten selbst durchführen. Das Holz für die notwendigen Umzäunungen wurde zum großen Teil von den Siedlern selbst in der Söhre geschlagen.

Dann ging es an die Pflanzung von Obstbäumen, von denen noch heute einige stehen, an Beerensträucher und Herrichtung des Grabelandes.

Nach Überlieferungen wurden in den damaligen Jahren auf dem Gebiet der ehemaligen Kernsiedlung 67 Schweine, 38 Ziegen bzw. Milchschafe, nahezu 300 Kaninchen und ungezähltes Federvieh gehalten.

Welche Bedeutung der Mitarbeit der Frauen in dieser Zeit zukam - da die Männer ihrem Beruf mit 10 und 12 Stunden Arbeitstag nachgehen mussten - wird gerade an Hand dieser Zahlen mehr als deutlich unterstrichen.

Wegen der einheitlichen Bauweise und vor allem der einheitlich kalkweißen Fassaden wurde die Siedlung damals spöttisch als „ Mehldörfchen“ bezeichnet und ist unter diesem Namen auch heute noch bei der älteren Generation im Forstfeld und in Bettenhausen bekannt.



1939 – 1945

Von den Kriegsjahren und Kriegsereignissen blieb auch die Siedlung nicht verschont. Nach Aufzeichnungen des Chronisten Kurt Klehm erfolgten vom Juli 1940 bis Dezember 1944 mehrere Luftangriffe auf das Gebiet von Bettenhausen. Bekannt ist, dass im Siedlungsgebiet Lindenberg bei Bombenangriffen auf die Stadt Kassel auch hier einige Häuser von Brandbomben getroffen wurden. Der Schaden konnte in Selbst- und Nachbarschaftshilfe in Grenzen gehalten werden. Einer der wenigen Zeitzeugen von damals ist Sfr. Hans Karl Jacob. Er lag Anfang 1945 als Verwundeter im Kriegslazarett am Lindenberg.

Er berichtet, dass er sich trotz seiner Verwundung sofort nach einem weiteren Luftangriff in das Siedlungsgebiet begeben hat. Aus dem Eckhaus Kastanienweg / Eisenhammerstraße rief Frau Pieczonka um Hilfe, weil der Dachstuhl nach einem Brandbombentreffer brannte. Den Brand konnte er mit den damals zur Verfügung stehenden Mitteln löschen, sodass das Haus gerettet wurde. Er erinnert sich auch heute noch, dass Sohn Walter seinerzeit zur Kinderlandverschickung weg war. Zu gleichen Zeit hatte es auch im Haus der Eheleute Siebert -Schwiegereltern vom Zahnarzt Gustav Runte - im Ahornweg -eingeschlagen. Dort half der Vater von Hans Karl Jacob beim Löschen. Allerdings stand das ganze Treppenhaus in Flammen und musste dann neu hergerichtet werden.

Im Eschenweg 13 wurde von der damaligen Siedlerfamilie Becker ein massiver Luftschutzbunker hinter dem Haus gebaut, den man auch heute noch bei Sfr. Faupel sehen kann.

1945

Paul Osterberg war von 1937 bis 1945 1. Vorsitzender. Leider konnten bisher aus dieser Zeit noch keine Aufzeichnungen oder Berichte aus der Siedlerarbeit gefunden werden.

1945 - 1952

Notzeit, aber auch Blütezeit der Nachbarschaftshilfe und Gemeinschaftsarbeit in der Siedlung.

August Fricke, Vater von 11 Kindern, war damals 1. Vorsitzender und übte dieses Amt unter erheblichen persönlichen Opfern und Schwierigkeiten mit Unterstützung seiner Frau und seiner Kinder, die heute kaum noch nachvollziehbar ist, aus. Da wurden unter anderem Sammelbestellungen von Düngemitteln und Saatgut ebenso organisiert, wie das Spritzen und Schneiden der Obstbäume.

1200 Küken wurden im Handwagen von Zwehren herangekarrt, in der Küche versorgt und jedem Siedler persönlich überbracht.

Lotte Gleiter, Tochter von August Fricke wohnte noch lange im elterlichen Haus, Eschenweg 8 und war - Vaters Erbe - mit inzwischen 76 Jahren noch immer als Beisitzerin im Vorstand der Siedlung und Betreuerin für den Eschenweg und Kastanienweg tätig.

1952 – 1960

leitete „Jungsiedler“ Fritz Jeromin, Eschenweg 17, aus der Nachbarschaft von August Fricke nun die Geschicke der Siedlung. Er setzte sich mit dem Vorstand erfolgreich dafür ein, dass die Straßenbahnlinie von der ursprünglichen Endstation Leipziger Platz in zwei Bauabschnitten bis zur Haltestelle Lindenberg geführt wurde.

Die Straßen im Siedlungsgebiet, bis dahin nur Schotterwege mit Straßengräben, wurden ebenfalls auf Druck der Siedlergemeinschaft voll ausgebaut, also kanalisiert. Damit verschwanden nicht nur die bis dahin üblichen Plumpsklos, sondern später auch die Freilichtleitungen und es gab für jedes Haus die Möglichkeit eines Telefonanschlusses.

Das war aber auch alles mit erheblichen Kosten für die fälligen Anliegerbeiträge verbunden und so setzte sich wiederum der Vorstand für die Stundung der enormen Kosten und Zahlung in vertretbaren Raten bei der Stadtverwaltung ein.

1954

Nach Erfahrungen von Siedlerfreund Wissler in der SGM Süsterfeld wurde auch in unserer Siedlergemeinschaft eine Gemeinschaftseinrichtung zur Linderung finanzieller Not bei Sterbefällen innerhalb der Familien gegründet. 75 Mitglieder schlossen sich in der zunächst als „Sterbehilfe“ später „ Sterbekasse“ benannten Solidargemeinschaft zusammen.

Bei jedem Sterbefall wurde eine Umlage von 1 DM von den Kassierern pro Mitglied erhoben und der betroffenen Familie 75 DM in bar ausgezahlt. Nach mehrmaliger Erhöhung der Umlagen und der Auszahlungsbeträge aber auch gleichzeitigem Mitgliederschwund, nicht zuletzt wegen anderweitiger Versicherungsangebote u. a. durch den Deutschen Siedlerbund, war es unumgänglich, diese Sterbekasse mit Beschluss der Jahreshauptversammlung im Jahr 1997 aufzulösen, das Vermögen in die Hauptkasse zu übernehmen und entsprechende Regelungen im Rahmen der bestehenden Richtlinien für Ausgaben und Maßnahmen bei Freud und Leid zu treffen.

1958

wurde die Mehrzahl der Eigentümer der sog. Finnenhäuser im Bereich Kupferhammerstr. Mitglied unserer Siedlergemeinschaft. Der Begriff „Finnenhäuser“ soll auf die in den Kriegsjahren von finnischen Arbeitern und Arbeiterinnen in einfacher Bauweise errichteten Häuser in diesem Wohngebiet zurückzuführen sein.

Dort wohnte auch der Lehrer Müller, der zeitweilig Kassierer war.

1959

feierte die Siedlergemeinschaft am 8. und 9. August das 25-jährige Bestehen in einem Zelt auf der Wiese im verlängerten Birkenweg – Richtung Autobahn. Verdienstvolle Siedler wurden ausgezeichnet und auch der damalige Oberbürgermeister Dr. Lauritzen, der damals das Grußwort schrieb, wurde für seinen unermüdlichen Einsatz um die Belange des Deutschen Siedlerbundes mit der silbernen Verdienstnadel geehrt.

1960 – 1964

wurden noch bestehende Baulücken in der Eisenhammerstraße, dem Ahorn- und Eschenweg sowie der Heidenkopfstraße geschlossen. Neue Häuser entstanden in dieser Zeit weiterhin im Platanenweg und in der unteren Heidenkopfstraße. Georg Bürger war in dieser Zeit 1. Vorsitzender.

Die Siedlerfrauen trafen sich ursprünglich einmal im Monat in der Gaststädte Theumer, im ehemaligen „Lettenlager“ zum gemütlichen Beisammensein. Diese Gaststätte lag etwa in Höhe der jetzigen Zufahrt zur Heinrich Steul Straße. Aus diesen lockeren Treffen - die Männer kamen abends zum Abholen - entwickelte sich nach und nach die „Frauengruppe der Siedlergemeinschaft Lindenberg 1“. die unter Leitung der unvergessenen Herta Brinkmann nicht nur im Bereich der Siedlergemeinschaft, der Kreisgruppe des DSB und darüber hinaus im Landesverband des DSB viel Beachtung und Anerkennung fand.

„Tante Herta“ wie sie liebevoll genannt wurde, war ebenfalls eine“ Fricke Tochter“, die mit der Siedlung so verbunden war, dass ihre ganze Arbeit, nicht nur der Leitung der Frauen- und Singgruppe, sondern auch dem Aufbau einer Jugendgruppe galt. Und das, obwohl sie wegen ihrer Wohnung außerhalb des Siedlungsgebietes und mangels eigener Siedlerstelle nie Mitglied der Siedlung wurde.

Unvergessen die Aufführungen der Weihnachtsmärchen im Gasthaus Gundlach bei denen viele Kinder eifrig erste Bühnenerfahrungen sammeln konnten. Und natürlich die Auftritte der Singgruppe bei allen Feiern und Geburtstagen. Als offizieller Gründungstermin der Frauengruppe wird in alten Aufzeichnungen der 26. August 1981 genannt.


1963 - 1983

In diesen Jahren wurde die Gemeinschaftsarbeit trotz einiger Turbulenzen und wiederholtem Vorstandswechsel kontinuierlich fortgesetzt. 1. Vorsitzende waren: 1963 – 1967 Willi Koschella 1967 - 1969 Georg Bürger 1969 - 1980 Rudi Gürth 1980 - 1983 Georg Bürger


31.12.1982

zählte die Siedlergemeinschaft ausweislich des Protokolls zur Jahreshauptversammlung am 21.01.1983 164 Mitglieder - also Siedlerstellen.


17.10.1983

wurde in der Mitgliederversammlung auf Wunsch des Landesverbandes beschlossen, die Mitglieder der ehemaligen Siedlergemeinschaft „Lindenberger Höhe“ in unsere Gemeinschaft aufzunehmen, da sich diese Gemeinschaft mangels eines Vorstandes aufgelöst hatte und die restlichen 9 Mitglieder als Einzelmitglieder geführt wurden. Die Betreuung übernahm Sfr. Erna Schwandt.

1983

wurde Günter Lambach nach krankheitsbedingtem Rücktritt von Georg Bürger zum 1. Vorsitzenden gewählt. Auf ihn und seine Vorstandsmitglieder kamen mannigfaltige Aufgaben zu, denn:

1984

standen die Feiern zum 50 jährigen Jubiläum der Siedlergemeinschaft an. Gefeiert wurde unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeister Hans Eichel mit einem tollen Festprogramm vom 24. bis 26. August in einem großen Zelt an der Ecke Birkenweg - Kastanienweg.

Ein Festzug mit starker Beteiligung befreundeter Gemeinschaften und Vereine führte durch das gesamte Siedlungsgebiet. Wie immer bei Festen und Veranstaltungen zeichnete sich auch hier wieder einmal mehr die treue Schar der eifrigen Helferinnen und Helfer aus. Zwei gemeinsame gut organisierte Busreisen in den Bayerischen Wald rundeten die Feiern im Jubiläumsjahr ab.

Schließlich konnte mit dem erwirtschafteten Überschuss ein guter finanzieller Grundstock für die Kasse der Siedlung gelegt werden, von der die Gemeinschaft noch viele Jahre zehren und zahlreiche Anschaffungen zum Nutzen aller Siedler tätigen konnte. Hier sei nur das Partyzelt für ca. 20 - 30 Personen genannt, dass den Mitgliedern für Feiern im eigenen Garten zur Verfügung stand.

Im Frühjahr hatte Dagmar Brethauer die Leitung der sehr starken Jugendgruppe übernommen. Man traf sich auch unter Beteiligung der Muttis mindestens einmal im Monat bei Dagmar und Helmut um zu üben und zu basteln. Die Jugendgruppe war schon bald für Auftritte bei anderweitigen Festen und Veranstaltungen gefragt und produzierte sogar eine eigene Musikcasette

1989

verstarb die unvergessene, langjährige Leiterin der Frauengruppe, Herta Brinkmann.

Zu ihrer Nachfolgerin wurde Anita Thiem gewählt, die schon viele Jahre die Gruppenarbeit sehr aktiv mitgestaltet hatte. Die regelmäßigen monatlichen Treffen der Frauengruppe im Haus Forstbachweg wurden weiterhin gepflegt und jährlich mehrere Busfahrten mit “Reckelkamms Lindenberger“ zum Schlachteessen oder auch bei Mehrtagesfahrten in die Ferne organisiert.

1990

stand Günter Lambach bei der Jahreshauptversammlung aus gesundheitlichen Gründen zur Wiederwahl als 1. Vorsitzender leider nicht zur Verfügung. In einer turbulenten Sitzung wurde K.H. Buch zum Vorsitzenden gekürt, übte das Amt aber nur bis zu seinem Rücktritt am 15. Oktober aus.

Erich Bing, bis dahin stellv. Vorsitzender, übernahm die Gemeinschaftsleitung zunächst kommissarisch und wurde anlässlich der Jahreshauptversammlung 1991 zum 1. Vorsitzenden gewählt.

1991 – 1997

Die Jugendgruppe wächst aus den Kinderschuhen, fällt, mangels Nachwuchs und wegen dem plötzlichen Ausscheiden von Dagmar Brethauer, aus persönlichen Gründen, auseinander. Auch die Rettungsversuche von Thomas Friedrich und René Hofmann als Jugendgruppenleiter halfen da nichts.

Das gleiche Schicksal war dem Versuch beschieden, evtl. eine 2. Frauengruppe, mit jüngeren Frauen und eine neue Singgruppe um Dagmar Brethauer aufzubauen oder in die bestehende Frauengruppe zu integrieren.

Um alle Mitglieder ständig über die Vorkommnisse und Termine in der Siedlung zu informieren und bessere Kontakte zu pflegen, aber daneben auch Informationen aus anderen Bereichen weiter zu geben, wurden von Erich Bing die Lindenberger Informationen als monatliche Beilage zur Verbandszeitschrift eingeführt. Ergänzt wurden die Lindenberger Informationen durch eine Geburtstagsliste, mit der allen Geburtstagskindern gratuliert wurde. Damit entfiel das Austragen bisher üblicher Geburtstagskarten durch die Kassierer und es bot sich die Möglichkeit, den Geburtstag, eines Nachbarn oder Siedlerfreundes nicht zu vergessen.

In diese Zeit fällt auch die Gründung einzelner persönlicher Interessengruppen zur Pflege nachbarlicher Geselligkeit beim Skaten oder Kegeln. Schnell fand sich auch ein Kreis von Wanderfreunden und -freun-dinnen, die sich fortan zu monatlich regelmäßigen Wanderungen überwiegend durch die Söhre oder den Kaufunger- bzw. Reinhardswald verabredeten. Die daraus entstandene Wandergruppe ist eigentlich keine Gruppe im herkömmlichen Sinn, sondern steht allen Siedlern und Siedlerinnen jederzeit zur Teilnahme offen. Mit viel Fröhlichkeit legt die kleine Truppe bei ihren Tageswanderungen mit jeweils 15 -20 Teilnehmern immerhin im Jahr ca. 150 - 200 Wanderkilometer zurück.

Mit der Anschaffung eines eigenen gebrauchten Personal Computers konnte die Mitglieder-Bestandsverwaltung reorganisiert und durch Kauf eines Vereins- Verwaltungsprogramms der Sparkasse ganz wesentlich vereinfacht und hinsichtlich aller Daten aussagefähig gestaltet werden. In einem 2. Schritt wurde mit Beschluss der Mitgliederversammlung auch die Beitragszahlung von dem bisher persönlichen Inkasso durch die Unterkassierer auf Lastschrift – Einzugsverfahren der Banken und Sparkassen umgestellt. Das war eine wesentliche Entlastung der Unterkassierer und der Hauptkasse, zumal sich die überwiegende Mehrheit der Mitglieder für diese, heute übliche Form regelmäßiger Zahlungen ausgesprochen hatte.

Die Mitgliedsbeiträge werden seither je nach gewünschter Zahlungsweise vom Konto des Mitglieds abgebucht.

Rosi Angersbach, seit Jahren bewährte Hauptkassiererin, hat die Umstellung allein organisiert und - mit großem Lob - bedacht ebenso hervorragend gemeistert wie die Buchführung überhaupt und die Erstellung der jeweiligen Jahresabschlüsse.

Nach Auflösung, bzw. Abwicklung der früheren Sterbekasse wurden anlässlich der Mitglieder-Versammlung vom 11. März 1995 einheitliche Richtlinien für Ausgaben und Maßnahmen bei Freud und Leid beschlossen, um zu gewährleisten, dass alle Mitglieder bei entsprechenden Ereignissen gleichermaßen berücksichtigt werden.


27.06.1995

Das Büro der Stadtverordnetenversammlung bestätigt auf eine Anfrage des 1. Vorsitzenden, aus wichtigem Grund, bei der Sitzung des Ortsbeirates Bettenhausen vom 31.05.1995:

Bis auf einen Teilbereich südwestlich der Kupferhammerstraße, der im Flächennutzungsplan als gemischte Baufläche dargestellt ist, ( Molkerei Krell) ist der gesamte Bereich Lindenberg als

REINES WOHNGEBIET

ausgewiesen.

Das ist für die weitere Entwicklung unserer Siedlung im Hinblick auf die Erhaltung der Wohn- und Lebensqualität und Abwehr von der Ansiedlung industrieller und gewerblicher Betriebe von besonderer Wichtigkeit. Das gesamte Wohngebiet Lindenberg, einschließlich Lindenberger Höhe zwischen dem Eibenweg, Forstbachweg, und in Verlängerung „Unter dem Steinbruch“ bis zur Autobahn, gehörte bisher als Enklave gegen manche Widerstände zum Verwaltungsbereich des Ortsbeirates Bettenhausen.

Nachdem frühere Bemühungen gescheitert waren, verhandelte Erich Bing wegen einer möglichen Änderung der Ortsbeiratsgrenzen bereits seit 1993 mit den Ortsvorstehern von Bettenhausen und dem Forstfeld. Der Vorstand der Siedlergemeinschaft Lindenberg 2 schloss sich schon damals diesen Bestrebungen an. Gestützt auf eine Resolution zur Jahreshauptversammlung vom 11. März 1995 und einen gleich lautenden Antrag der SGM Lindenberg II wurde unter gleichem Datum dem Oberbürgermeister ein Antrag auf Änderung der Satzung zu den Ortsbereichsgrenzen persönlich übergeben. Nach einer von beiden Siedlergemeinschaften organisierten und getragenen Bürgerbefragung ergab sich gegen den massiven Widerstand von Mitgliedern des SPD - Ortsvereins Bettenhausen, aber mit Billigung und Unterstützung der Ortsvorsteher von Forstfeld – Falk Urlen – SPD und von Bettenhausen - Erhard König – CDU eine eindeutige Aussage für den geforderten Anschluss des Wohngebietes Lindenberg an den Bereich des Kasseler Stadtteils Forstfeld. Unterstützung fanden die damaligen Bestrebungen von allen im Ortsbeirat Forstfeld vertretenen Parteien. Dem wurde vom Stadtparlament und den zuständigen Gremien mit Wirkung zu den nächsten anstehenden Wahlen entsprochen. Somit gehören Lindenberg und Forstfeld seit dem 01.04.1997 zu einem gemeinsamen großen Stadtteil. Die Wege für Fragen, Klagen, Lob und Tadel, also für Mitbestimmung über die Gestaltung unseres Stadtteiles sind für die Lindenberger seither wesentlich kürzer geworden.

1997

Im Oktober trat der Gemeinschaftsleiter Erich Bing, der zwischenzeitlich auch in den Vorstand der Kreisgruppe Kassel des DSB berufen war, aus gesundheitlichen Gründen als Gemeinschaftsleiter, wie auch von allen weiteren bisherigen Ehrenämtern, zurück.

Siggi Stangor aus der Eisenhammerstraße, bisher stellvertretender Vorsitzender, und seit vielen Jahren eine der wichtigsten Stützen der Vorstände, Kassierer, Organisator und unentbehrlicher Helfer bei allen Veranstaltungen, hat die Geschäfte bis zu der anstehenden Jahreshauptversammlung souverän weitergeführt.

1998

übernahm Wilhelm Angersbach auf massives Drängen der Mitglieder und trotz starker beruflicher Belastungen befristet auf ein Jahr die Gemeinschaftsleitung bis zu den ohnehin im Jahr 1999 anstehenden Neuwahlen. Dafür und für die Art und Weise, wie er diese schwere Arbeit meisterte, gebührt ihm ein besonderer Dank.


1998

Renè Hofmann und Renè Correus zeichneten sich als Mitglieder des Festausschusses wiederholt durch Ideenreichtum und tatkräftige Unterstützung aus. Der „ Lindiman“ und die „Silbernen Siedler aus dem Jahr 2000“ bei den Umzügen zur Bärenkirmes legten davon ein beredtes Zeugnis ab.

1999

stellte sich mit Falk Thiele erstmals ein Neusiedler der jungen Generation zur Wahl und wurde von der Jahreshauptversammlung einstimmig zum 1. Vorsitzenden gewählt. Mit ihm, seinem unkonventionellen Führungsstil und dem gewählten Gesamtvorstand begann eine neue, bis dahin unbekannte Ära in der Geschichte unserer nun schon 66-jährigen Siedlergemeinschaft. Auf eine Berichterstattung über diese Zeit verzichtet der Chronist.

2002

standen Neuwahlen des Vorstandes an. Falk Thiele, der zu dieser Zeit nur noch wenig Unterstützung in der Gemeinschaft hatte, verzichtete aus beruflichen Gründen auf eine Wiederwahl. Es war ein Glücksfall oder Ergebnis umfangreicher Überredungskunst, dass sich Karl-Heinz (Heinz) Grebe aus dem Faustmühlenweg bereit erklärte, künftig die Geschicke der Siedlergemeinschaft zu lenken.

Heinz Grebe ist ein echtes Siedlerkind vom Lindenberg, denn seine Großeltern hatten schon seit 1911 „dort oben“ , nahe der alten, leider gefällten Linde einen Garten. Er besitzt nicht nur am Lindenberg, sondern im ganzen Forstfeld, auch durch seine Tätigkeit im Kirchenvorstand der Immanuelkirche, Anerkennung und einen hohen Bekanntheitsgrad.

Die Wahl zum 1. Vorsitzenden erfolgte ebenso einstimmig wie die Wahl seiner beiden Stellvertreter Herbert Blatz und Dieter Bittner.

Heinz Grebe kann sich bei der künftigen Vorstandsarbeit der Unterstützung seiner beiden Stellvertreter und der gesamten Vorstandsriege mit Schriftführerin Renate Stangor und Kassiererin Cornelia Arnold sowie der Betreuer einzelner Siedlungsbereiche und Verteiler der Vereinszeitschrift einschließlich der Lindenberger Informationen, sicher sein.

Damit bestehen beste Voraussetzungen für eine künftig wieder positive Entwicklung des Gemeinschaftslebens in unserer auf das siebzigste Jahr zusteuernde Siedlergemeinschaft.

2004

Der Chronist schließt seine Aufzeichnungen zunächst mit dem Bericht über die Jahreshauptversammlung 2002 unter Verzicht auf Informationen über die noch laufende Wahlperiode. Das soll dann einer späteren Ergänzung vorbehalten bleiben.

Zur Mitarbeit hierbei, wie auch bei notwendigen Berichtigungen und Ergänzungen sind alle Siedlerfrauen und Siedlerfreunde vom Lindenberg, wie auch alle anderen interessierten Leser herzlich aufgerufen.

Ein besonderer Dank gilt allen, die mit Rat und Tat, Wissen und Informationen zum Umfang und erhofften Erfolg dieser Chronik der Siedlergemeinschaft Lindenberg 1 beigetragen haben.

siehe auch

Weblinks

--Falk D. Urlen 12:02, 24. Jun. 2009 (UTC)