Siedlergemeinschaft Forstfeld

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Die Geschichte bis 1945

Die Vorgeschichte

1933, nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, wurde heimlich mit der Wiederaufrüstung Deutschlands begonnen. 1934 wurden die Gerhard-Fieseler-Werke zum offiziellen Rüstungsbetrieb erklärt. Gerhard Fieseler schrieb in seinem Buch "Meine Bahn am Himmel" darüber folgendes: "Neben der laufenden Produktion hatten wir nun die Aufgabe, für den geforderten wesentlich größeren Ausstoß zusätzlich zwei komplette Werke zu bauen, einzurichten, die notwendigen Mitarbeiter anzuwerben und möglichst bald Jagdflugzeuge zu liefern. Die schwierigste Aufgabe war wie immer, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. In der Kasseler Gegend suchte man bereits vergeblich nach guten Leuten. Unter den verbliebenen Arbeitslosen gab es nur wenige geeignete Kräfte, die zudem vorher geschult werden mussten. So schickten wir Werber in Gebiete, in denen die Verhältnisse anders lagen, und viele, die jahrelang arbeitslos waren, kamen gern und voller Hoffnungen nach Kassel. Sie lebten sich meistens bald ein, verdienten gut und konnten sich wieder hocharbeiten. Ihren Familien beschafften wir eine Wohnung und finanzierten den Umzug. So war es möglich, dass 15 Monate nach dem Geländekauf die erste startfertige Me 109 auf der neuen Straße zum Flugplatz rollte, wo sie eingeflogen und frontreif eingeschossen wurde." Man sieht aus diesen Äußerungen, dass die Fieselersiedlung nur unter dem Aspekt der Aufrüstung geplant und gebaut worden war. Als weiterer Grund kam hinzu, dass die aus ganz Deutschland zusammengezogenen Facharbeiter von ihren Familien getrennt waren und unruhig wurden. Das aber konnte man sich nicht leisten.

Der Bau der Siedlung

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Mit dem Bau der Fieseler-Siedlung wurde 1935 unter der Trägerschaft der Hessischen Heimstätte begonnen. Zuvor hatten die Fieseler-Werke das Gelände zwischen Lilienthalstraße, Ochshäuser Str. und Wahlebach erworben. In drei Bauabschnitten wurden von 1935 bis 1938 286 Häuser mit 484 Wohnungen erbaut.


In einheitlicher Flucht angeordnet, wurde durch eine Zusammenfassung der Häuser in Paaren oder Reihen eine günstigere Ausnutzung der Fläche erzielt, dafür aber die Anlage eines Wirtschaftsweges zwischen den Gärten erforderlich. Diese Wege nannte man dann "Schwarze Wege", die grundbuchmäßig noch Eigentum der angrenzenden Grundstücke sind. Bis heute gibt es wegen dieser Wege viel Nachbarschaftsärger wegen
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Verunreinigungen durch Tiere, Hecken- und Grasschnitt. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Mittelhäuser (die mittleren Häuser in den Viererblocks) können größere Anlieferungen nur durch diesen Weg erledigen, da die Güter sonst durch das ganze Haus getragen werden müssen, falls sie überhaupt durch die Tür passen.

Es gab 7 verschiedene Häusertypen: A, B, C waren zweigeschossige Häuser, in denen zwei Familien übereinander wohnten und sich das Grundstück für die Bewirtschaftung teilen mussten. D und G waren Eigenheime in Doppel- oder Reihenhäusern für kinderreiche Familien, F waren freistehende Einfamilienhäuser für Werkmeister und Ingenieure und Typ E schließlich war als „reine Siedlerstelle" gedacht. Die Wohnungen waren zwischen 48 und 58 Quadratmeter groß, was dann nach dem Krieg viele einzelne Umbaumaßnahmen nach sich zog und auch die Denkmalschutzmaßnahmen der 80-er Jahre.

Bewerber

Für den Erwerb mussten sich die Bewerber durch ärztliche Untersuchungen die „Siedlungsfähigkeit“ bescheinigen lassen. Dabei wurde der physische und psychische Gesundheitszustand untersucht. Bevorzugt wurden solche Bewerber, bei denen die Ehefrau vom Land kam und mit Gartenbewirtschaftung und Kleintierhaltung vertraut war. Auch spielte 'politische Zuverlässigkeit' im nationalsozialistischen Sinne eine Rolle und es musste ein sog. Ariernachweis erbracht werden.

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Nach bestandenem Test wurde ein Siedlungsschein ausgestellt (Vgl. S. 8) Dieser und eine dreijährige Bewährungszeit sowie die Bereitschaft, sich finanziell und durch Eigenarbeit am Bau der Häuser zu beteiligen, war Bedingung für den Erwerb der Siedlerstelle. Zuvor wohnten die Siedler für monatlich 35 Reichsmark zur Miete. Ein Zusatz besagte: „Falls Mieter aus der Fieseler-Flugbau G.m.b.H. Kassel-B. oder deren Rechtsnachfolgerin ausscheidet, ist die Vermieterin berechtigt, das Mietverhältnis mit einer einmonatlichen Kündigungsfrist zu kündigen, solange der Mieter zur Probe als Kleinsiedler ist. Nicht alle sollen die Probe erfolgreich geschafft haben, evtl. waren sie politisch nicht ganz zuverlässig, diese konnten "ihr" Haus dann erst nach dem Krieg kaufen. Die bis dahin gezahlte Miete wurde natürlich nicht auf den Kauf angerechnet. Die Auflassung geschah am 7. April 1941. Hier wurde in § 19 handschriftlich noch einmal ausdrücklich eingefügt:

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Die Eintragung ins Grundbuch erfolgte am 30. Oktober 1941 (Bäumerstr. 4, heute Radestr.). Die Übergabe der Häuser wurde durch die Hessenheim auf den 1. April 1941 festgesetzt. Ein Einheitswertbescheid liegt vor, danach wurde der Grundbesitz ab 1. Januar 1942 zugerechnet und hatte einen Einheitswert von 4620 RM (Singerstr. 17). Zu dem Zeitpunkt waren die Häuser mit 6649,85 RM belastet (4500 RM Hypothek der Preußischen Landespfandbriefanstalt, 1794 RM von der Fieseler GmbH und 355,85 als Grundschuld für ein Straßenbaudarlehen von der Fieseler GmbH), die vierteljährlichen Zins– und Tilgungsraten an die Landespfandbriefanstalt betrugen 67,50 RM (5 % Zinsen und 1 % Tilgung). An die Fieseler-Werke waren auch noch Zahlungen zu leisten, so für das Straßenbaudarlehen monatlich 1 RM und wahrscheinlich 7,48 RM monatlich.

Finanzierung

Die Finanzierung der Siedlung geschah zu 25 % von den Fieseler-Werken als Werksdarlehen (zinsfrei und 5 % Abtrag) und zu 75 % als Reichsbürgschaftsdarlehen mit wahrscheinlich 5 % Zinsen und 1 % Abtrag. Mit 600 RM Baugeld mussten sich die Siedler des 2. Bauabschnitts beteiligen. Der Wert der Häuser betrug einschließlich des Grundstücks 8 000 RM. Fensterläden, Fußabtreter und andere Kleinigkeiten mussten wegen Geldmangels ausfallen. Koks zum künstlichen Austrocknen der Häuser musste vom Siedler gestellt werden. Das Grundstück hatte 2,14 RM je Quadratmeter gekostet, das waren je Grundstück ca. 1300 RM. Der Kaufpreis des Hauses betrug 5355,85 RM (Neuenhofenstr. 17), darauf wurden die im Grundbuch eingetragenen Belastungen angerechnet mit 6294 RM (Differenzen sind ungeklärt).

Im Jahr 1945 fiel dann natürlich die Zinsfreiheit weg und es mussten nun 3 % Zinsen an die Abwicklungsstelle der Fieseler-Werke GmbH bezahlt werden. Zum Währungsstichtag am 21. Juni 1948 wurden die restlichen Hypothekenschulden im Verhältnis 10 : 1 umgestellt, so blieb für die Familie Sonnenschein in der Singerstraße eine Restschuld von 104,20 DM an die Fieseler-Werke. Es wurde dann nach gänzlichem Abtrag eine löschungsfähige Quittung durch einen Notar erstellt, mit dem die Hypothek dann gelöscht werden konnte (Kosten im Jahr 1956: 15,70 DM, Unterschriftbeglaubigung auf Löschungsantrag 3,53 DM; der jährliche Abtrag hatte 10,16 DM betragen).

Rechte und Pflichten

Die Pflichten des Heimstätters wurden in der Auflassung genau festgehalten, auch die Folgen, d. h. dass ihm bei Zuwiderhandlung die Heimstätte wieder entzogen wurde. Das galt auch bei einer fristlosen Entlassung aus den Fieseler-Werken-GmbH, d. h. dass das selbstverständlich auch nach dem Absetzen Fieselers als Betriebsleiter galt. Der Zwang zur Anpassung an das Regime war also allgegenwärtig.


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Damit die Häuser immer nur von Angehörigen der Fieseler Werke bewohnt werden konnten, musste sichergestellt werden, dass die Häuser nicht an andere Arbeitnehmer verkauft wurden. Das geschah durch das Eintragen eines Vorkaufsrechts zugunsten der Firma Fieseler. Dieses Vorkaufsrecht - es ist privates Recht - steht auch heute noch in vielen Grundbüchern, obwohl es jeden Sinn verloren hat. Alle Versuche, diese Rechte löschen zu lassen, sind bisher fehlgeschlagen. Wer also keine Hypothek erhält, weil das Vorkaufsrecht im Grundbuch steht, muss einige tausend Mark bezahlen, um dieses abzulösen ob er es für berechtigt hält oder nicht.

Selbstversorgung

In der Zeit um 1935 entstanden viele dieser Siedlungen, die mit einer Landparzelle zur Selbstversorgung verbunden waren. Hinter dieser Vorschrift, einen Nutzgarten anlegen zu müssen und Haustiere zu halten, standen Autonomiebestrebungen; denn durch die weitgehende Selbstversorgung mussten die Bewohner der Fieseler-Siedlung nicht so viele Lebensmittel zukaufen und die Lebenshaltungskosten blieben relativ niedrig, so dass letztendlich die Löhne bei den Fieseler-Werken auch geringer gehalten werden konnten als z. B. die Löhne bei Henschel. Außerdem wurde durch den weitgehenden Eigenanbau die längst schon auf Kriegsgütererzeugung umgestellte Industrie auch im Lebensmittelsektor etwas entlastet.

Die Hessischen Heimstätte stellte Apfelbäume, Birnbäume, Johannisbeersträucher und Stachelbeersträucher, die immer an dieselbe Stelle auf den einzelnen Grundstücken gepflanzt werden mussten. Es wurden Zäune errichtet, wofür die Siedler monatlich 2 RM Abtrag zu zahlen hatten. Die Vorschriften der Hessischen Heimstätte bestimmten, dass der Garten nicht als Ziergarten genutzt werden durfte (Es durfte sonst aber nach Belieben angepflanzt werden). Ein von Fieseler eingesetzter Gemeinschaftsleiter überprüfte, ob die Gartennutzung auch in der vorgeschriebenen Form eingehalten wurde. Kleintierhaltung war zwingend vorgeschrieben. Ein Hühnerhaus wurde von den Siedlern immer auf dem gleichen Platz innerhalb ihres Grundstücke errichtet, Bleiche und Wege mussten von allen gleich angelegt werden. Von der Familie Schweitzer aus der Singerstraße erhielt ich jetzt einen Originalplan der vorgeschriebenen Gartenanlage.


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Trägergesellschaft

Die Siedlung wurde von der Hessischen Heimstätte, die nach dem 1. Weltkrieg gegründet worden war, unterhalten und treuhänderisch verwaltet. Es war von Anfang an geplant, die Siedlerstellen den Bewohnern zu übereignen. Die Eigentumsübertragung fand aber wegen der Kriegsereignisse (Schließung der Grundbuchämter) nur bei den Häusern des 1. Bauabschnitts statt. Die übrigen Häuser blieben im Besitz der Hessischen Heimstätte. Da sie nur für Beratung und Finanzierung, nicht aber für den Bau zuständig war, gründete sie 1940 eine Tochtergesellschaft mit dieser zusätzlichen Kompetenz: Die Kurhessische Wohnungsbaugesellschaft. Mit dieser hatten die Siedler nach dem Krieg Differenzen wegen der nicht erfolgten Eigentumsübertragung. 1974 bot dann die Kurhessische Wohnungsbaugesellschaft viele Ein- und Zweifamilienhäuser zum Kauf an (Preis: 40000 bis 90 000 DM). (Vgl. Fieseler Siedlung, Projektarbeit 1980, GHK)

Infrastruktur

Die Straßen waren 1936 teilweise unbefahrbar und schlecht zu begehen. Einige Häuser in der Radestraße konnten nur über den „Schwarzen Weg“, der auch heute noch zu den Grundstücken der Siedler gehört, erreicht werden, weil vor den Häusern noch Ackerflächen waren. 1938 erst wurden die Straßen geschottert und die Siedler mussten ihren Anteil bezahlen (Darlehen Fieseler-Werke), die Mieter mussten monatlich 1 RM dafür entrichten. Nach dem Krieg übernahm die Stadt Kassel die Straßen und ließ sie asphaltieren. Die Flutgräben wurden dabei beseitigt.

Kanalisation, Trinkwasserversorgung und elektrischer Strom waren von Anfang an vorhanden, wobei jeder Siedler seinen Anschluss selber legen musste. Im 2. Bauabschnitt gab es dann sogar noch den Gasanschluss. Erst 1970 sollen die ersten Telefonanschlüsse gelegt worden sein. Es gab ein Lebensmittelgeschäft und die Schlachterei Bechstein. Schulen, Kindergärten oder Spielplätze gab es nicht, die nächste Schule war die in Waldau. Im Fieselerwerk stand den Siedlern das Gesundheitshaus“ der Werke zur Verfügung. 1938 wurde die Siedlung an das öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen über die Linie 22 „Sanderhausen – Hallenbad – Erlenfeld“.

Häuschen bauen

1935 war der erste Bauabschnitt der Siedlung im Rohbau fertig. Es handelte sich dabei um die modernste Arbeitersiedlung Deutschlands (Toilette im Haus). Im gleichen Jahre wurden die Häuser auch verlost. Die Siedler konnten darangehen, das Obergeschoss selber auszubauen. Einige erinnern sich auch noch heute, wie man auf den Freitag wartete, um mit dem verdienten Geld vom Steidel wieder einen Sack Zement mit dem Leiterwagen holen zu können - damit es am Wochenende weitergehen konnte.

Natürlich war das Ganze, wie sollte es beim Bauen auch anders sein, mit viel Ärger verbunden, viele Versprechungen des Bauherren wurden nicht eingehalten. Die ersten Siedler übernahmen die Häuser im Mai 1936 - aber wie?! Die Häuser waren noch nicht ausgetrocknet, deswegen musste Koks auf eigene Kosten in offenen Körben in den Häusern verbrannt werden. Es gab keine Straßen, um die Häuser herum stand das Wasser, von Gärten war noch nichts zu sehen.

Als erstes wurden dann die Höfe ausgehoben und mit Schlacke aufgefüllt. Diese Schlacke findet man noch heute beim Umbauen und Anlegen eines Rasens. Dann wurden die Gärten angelegt, jeder nach dem gleichen Plan, in jedem stand der gleiche Apfelbaum an der gleichen Stelle (Vgl. S. 9). Eigene kreative Gartengestaltung war noch nicht gefragt. Nicht alle Siedler der ersten Stunde blieben, einigen war dieses Leben zu hart, sie gaben auf. Obwohl doch die Gärten alle gleich waren mit den identischen Bäumen entwickelte sich unter den Siedlern ein gewisser Wettbewerb, bei dem jeder die „dicksten Kartoffeln“ haben wollte. Zu „Führers Geburtstag“ wurde geflaggt, und wer das nicht bis acht Uhr morgens getan hatte, wurde intensiv vom Ortsgruppenleiter der Partei in brauner Uniform gemahnt.

Das Leben verlief grundsätzlich in großer Harmonie, obwohl oder gerade, weil jeder einzelne mit irdischen Gütern nicht gesegnet war. Viele Siedler entwickelten sich deswegen zu "Kleinbauern" und hielten sich, wegen des Mistes für den Garten und des Bratens, Haustiere wie Hühner, Kaninchen, Ziegen und Schweine. Das war ja auch der eigentliche Siedlungsgedanke gewesen, den Arbeitern für schwere Zeiten ein Stück Land zur Verfügung zu stellen, von dem sie sich selber ernähren konnten. Es war die „Blut und Boden“-Ideologie, nach der der Mensch an die Scholle gebunden werden sollte, weil er diese dann ganz anders verteidigen würde.

Lebensstandard

Wenn auch Fieseler in seinem Buch meint, dass seine Arbeiter gutes Geld verdient hätten, so sah die Wirklichkeit anders aus. Gearbeitet wurde wöchentlich durchschnittlich 51 Stunden, maximal 65 Stunden. Ein Arbeiter verdiente durchschnittlich 146 RM im Monat. Die Mieter im Siedlungsgebiet zahlten 35 RM Miete, 1 RM für die Straße, 2 RM für die errichteten Zäune und für Brennstoffe ungefähr 9 RM. Ein Kilo Brot kostete 30 Pf., Zucker 78 Pf., Bohnenkaffee 4,80 RM, Rindfleisch 1,70 RM, Leberwurst 2,40 RM, Butter 3,20 RM und der Zentner Kohlen 2,05 RM. Kartoffeln kosteten 8 Pf. und Weißkohl 16 Pf. je Kilo.

Kriegszeiten

Aus heutiger Sicht ist es verwunderlich, dass der Ausbruch des Krieges die Siedler, so wie es überliefert wurde, völlig unerwartet traf, zumal sie ja alle in Rüstungsbetrieben arbeiteten. Manche Siedler – Väter und Kinder - wurden eingezogen und starben "fürs Vaterland", andere kamen bei Luftangriffen auf die Fieselerwerke um. Die Sirene bestimmte den Tagesablauf. Bei Nacht irrte man mit seinen Habseligkeiten auf den verdunkelten Straßen umher, man suchte Schutz in der Waschküche und unter der Treppe. Ab 1943 baute man kleine Bunker vor den Häuschen, in denen die Ehefrauen kauerten, während die Männer einige Hundertmeter weiter im Fieselerwerk im Bombenhagel ums Leben kamen. Bomben fielen bei uns auch, so zog ein Bomber eine Schneiße, die erste Bombe fiel in den Garten Bohlenders (Radestr. 22), die nächste beschädigte das Haus Goebels (Singerstr. 13) und eine weitere zerstörte das Haus von Meisters (Singerstr. 8). Dieses Haus wurde dann nach dem Krieg wieder aufgebaut, aber nicht mehr im alten Stil, wie man auch heute noch sieht. Schließlich wurden viele Siedler evakuiert und fanden, als sie nach Kriegsende zurückkamen, z. T. fremde Menschen in ihren Häusern vor. Gerade weil es eine bitterböse Zeit war, gingen die Menschen sofort wieder an die Bestellung ihrer Gärten. Die beschädigten Häuser wurden instand gesetzt, die Luftschutzbunker gesprengt oder von den Siedlern selber zerkleinert, damit Sprengschäden vermieden werden konnten. Mit dem anfallenden Schutt wurde der Schröderplatz in einen trostlosen Trümmerberg verwandelt.

Nach dem Krieg

Verbesserung der Infrastruktur

Nach 1945 ging es dann wieder langsam bergauf. Aufgrund der Gewerbefreiheit ließen sich Gewerbebetriebe in unserer Siedlung nieder. Es gab bald Ärzte, Apotheker und eine Hebamme, die Post errichtete eine Fernsprech- und Posthilfsstelle. Die Forderung nach einer Anbindung an den Nahverkehr ließ sich noch lange nicht durchsetzen. Schon damals bestand der Wunsch nach einem größeren Saalbau für das Kulturleben. Dieser Wunsch wurde erst in den 70er Jahren mit dem Bau des Hauses Forstbachweg und der Genehmigung von Vereinsfeiern in der Turnhalle durch Oberbürgermeister Eichel ermöglicht. Bis in die 60er Jahre hatte man bei "Theumer" in den Forstfeldterassen im „Lettenlager“ gefeiert.

Weniger beliebt war die Einführung einer Tempo-30-Zone. Gegen die Tempolimitierung hatten wohl nur wenige Siedler etwas einzuwenden, wohl aber gegen die Aufstellung der Blumenkübel, die insofern notwendig waren, als sonst damals noch keine 30-er-Zone hätte eingerichtet werden dürfen. Die Maßnahme war aber wichtig, weil sonst noch mehr Autofahrer, die Waldau umfahren wollten, durch unsere Straßen gefahren wären. Wir sollten dann für über 700 000 DM beispielhaft für Tempo-30 umgestaltet werden, aber da machte uns dann die ganz große Politik einen Strich durch die Rechnung. Statt dessen wurden für das Geld in ganz Kassel die berühmten „Lollis“ gesetzt und bald darauf wieder abgebaut. Sinnlos verschwendete öffentliche Mittel! Bei uns wäre das Geld wenigstens sinnvoll angelegt gewesen.

Mit vereinten Kräften konnten wir es erreichen, dass die Straßen bei uns nur 14-täglich gereinigt wurden und nicht, wie ursprünglich geplant, wöchentlich; das schlägt sich in den Gebühren nieder. Auch bei Entlastung für Eckgrundstücksbesitzer hatten die Siedler ihre Hände im Spiel. Leider meinte dann aber das Verwaltungsgericht, dass Eckgrundstücksbesitzer nicht zu entlasten seien, das wäre nämlich eine Ungleichbehandlung - leider.

Vereinsleben

50-er Jahre

Nachdem die Siedlerarbeit lange geruht hatte, wurde wieder eine Siedlerversammlung einberufen. Aus "Siedlerkameraden" waren nun "Siedlerfreunde" geworden. Die alten Obstbaumspritzen wurden wieder in Gang gesetzt, Leitern wurden angeschafft. Eine der ersten Handlungen war, für einen Siedlerfreund einen Rollstuhl anzuschaffen. Es wurde die Sterbekasse gegründet, die im Sterbefall 100 DM auszahlte, was in den 50-er Jahren für die Angehörigen eine große Hilfe war. Wenn der Betrag heute nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein ist, so kommt in ihm doch die Solidarität und das Mitgefühl der Mitglieder der Gemeinschaft mit den Trauernden zum Ausdruck.

Seit den ersten fünfziger Jahren liest man in fast allen Berichten von der spärlichen Beteiligung der Siedler an den Veranstaltungen und an den Versammlungen. Die Erntedankfeste waren aber eine Selbstverständlichkeit. Ohne dass sich die Siedler darauf vorbereitet hatten, erhielten sie 1952 im hessischen Landeswettbewerb um die schönste Kleinsiedlung den 4. Preis und stolze 120 DM. Nur die Straßen waren noch schlecht wie eh und je und keiner fühlte sich zuständig; dieses Problem wurde erst 1955 gelöst. Den Jungsiedlern, die sich 1955 zusammenschlossen, gelang es dann wieder mit ihren Blütenfesten Leben in die Gemeinschaft zu bringen, doch auch diese Aktivitäten hielten sich nur ein knappes Jahrzehnt. Die Frauengruppe war 1956 gegründet worden. Seither treffen sich die Frauen regelmäßig, sie singen gemeinsam und veranstalteten schöne Busfahrten. In den 80-er Jahren dann wurde eine zweite Frauengruppe geschaffen, die „Junge Frauengruppe“, die inzwischen die „Alte Frauengruppe“ abgelöst hat. 1975 musste man die Existenzberechtigung der Gemeinschaft in Frage stellen; denn niemand wollte mehr Ämter übernehmen, auf der Jahreshauptversammlung wurde der Vorschlag gemacht, die Gemeinschaft aufzulösen. Schließlich fanden sich doch einige Idealisten, um der Gemeinschaft wieder Leben einzuhauchen. Der neu gewählte Vorstand aber hatte es jetzt auch wesentlich leichter. Durch die Möglichkeiten, die das neu errichtete Haus Forstbachweg bot, war eine Gemeinschaftsarbeit erst wieder möglich geworden. Wiederbelebt wurden die Weihnachtsfeiern. Nachmittags erhalten alle Kinder vom Weihnachtsmann ein Geschenk, danach sieht man lustige Filme, Siedlerfrauen bedienen alle mit Kaffee, Kakao und Kuchen.

Karneval

Die Karnevalsfeiern wurden sehr beliebte Veranstaltungen, die Vorträge wurden immer besser, schließlich feierten die Forstfelder Siedlergemeinschaften zusammen mit den Lohfeldenern im Bürgerhaus Lohfelden. Den Karnevalsausklang feierten die Siedler dann wieder im Haus Forstbachweg. Es wurde immer schwerer, Idealisten für den Karneval zu finden, außerdem war vielen der Weg nach Lohfelden zu weit, so dass es immer weniger Teilnehmer gab. 2001 fand unter dem Dach der ARGE-Forstfeld der vorerst letzte Karneval in Forstfeld statt.

Die Siedler trafen sich im Haus Forstbachweg zuerst wöchentlich, dann 14-täglich, schließlich nur noch monatlich. Hier hörte man das Neueste aus der Siedlung, aus der Kreisgruppe und aus der Politik. Dann wurde geschnuddelt, Karten gespielt, gebastelt.

Schröderplatz

Der Schröderplatz, der wirklich etwas verwahrlost war, konnte nach intensiven politischen Bemühungen des Ortsbeirates 1985 den Bürgern renoviert übergeben werden. Aus dem ursprünglichen Trümmerberg wurde ein Treffpunkt für jung und alt. Für die Kinder wurden eine große Schaukel und eine Tischtennisplatte aufgestellt, die sehr gut angenommen wurden. Fußballspielen sollen die Kinder am Wahlebach, darum konnten jetzt auch Büsche und Sträucher auf den Platz gepflanzt werden. So richtig getestet wurde dann der Platz beim 50-jährigen Jubiläum 1986. Seitdem wurden immer gegen Ende der Sommerferien die beliebten Schröderplatzfeste abgehalten, 2001 das 15. Hierzu wurden erst geliehene Zelte, später das eigene Zelt aufgebaut. Besonders beliebt war immer am Nachmittag die Cafeteria mit Kuchen, den die Siedlerfrauen selber gebacken hatten. Am Abend gab es meistens eine Vorstellung (Heiditanz, Hütetanz, Playback) durch die Siedler, danach wurde bis nachts getanzt.

Durch die Anregung eines Siedlerfreundes, der selber aktiver Radrennfahrer ist, wurde einige Jahre lang das Radrennen "Rund im Forstfeld“ unter der Organisation eines großen Forstfelder Verbandes zu einer traditionellen Veranstaltung gemacht. Auch hier hat der Schröderplatz bereits seine Bewährungsprobe bestanden. Aus ganz Nordhessen kamen die Rennfahrer, um ihre Runden um den Schröderplatz zu drehen.

Veranstaltungen

Regelmäßig fährt die Siedlergemeinschaft zur Freilichtbühne nach Twiste, was seit vielen Jahren von Dieter Durstewitz organisiert wird, zusammen mit Helmut Kieler organisiert er auch seit vielen Jahren die Skatturniere im November im Haus Forstbachweg. Auch Neujahrsbegrüßungen im Haus Forstbachweg wurden bei uns zur Tradition.

Im Jahr 2002 wurde der Häschenplatz geschaffen. Die Idee erhielt die Künstlerin durch unser Chronik-Foto-Album, wo die Familie Schössler Angorakaninchen scherte. Das wiederum veranlasste die Landesgruppe des Siedlerbundes, ein Häschen zu finanzieren, da auch vor dem Siedlerhaus in Oberursel eine ähnliche Skulptur zu finden ist. Hier wurden früher Lehrgänge über Gartenbau und Kleintierhaltung angeboten.

Vom 25. bis 27. August 2006 wurde das 70-jährige Jubiläum zusammen mit dem 20. Schröderplatzfest gefeiert, was bei fast optimalem Wetter ein großer Erfolg wurde. Falk Urlen zeigte den Film dieses Heftes vor ca. 70 Zuschauern, am Samstag saßen alle bei angenehmen Temperaturen vor dem Zelt. Landesvorsitzender Starker überreichte Falk Urlen am Samstag die Goldene Verdienstnadel. Am Sonntag gab es bei Blasmusik einen zünftigen Frühschoppen und mittags Erbsensuppe.

Alle Siedler der 2. Generation sind älter geworden, es fällt ihnen immer schwerer die Arbeiten, die mit dem Fest verbunden sind, auszuführen. Wenn jetzt nicht die 3. Generation aktiv mitmacht, dann war es wohl das letzte Fest. Ich bin aber im Grunde meines Herzens optimistisch, dass es weitergeht.

Und mein Optimismus war berechtigt. Am 10. Februar 2009 rief die Siedlergemeinschaft eine Jahreshauptversammlung mit außerordentlichen Neuwahlen ein, gewählt wurden fast nur Mitglieder der 3. Generation, die in den 60er Jahren das Licht der Welt erblickten und nun mit neuem Schwung die Geschicke unserer Gemeinschaft leiten werden. Bereits 2 Tage nach der Wahl wurde die neue Internetpräsentation erstellt.

http://siedler-forstfeld.de.tl/

Denkmalschutz in Forstfeld

Wem ist das schon jemals gelungen, aus dem Denkmalschutz wieder herauszukommen? Ich glaube, wir haben da zu Beginn der 90-er Jahre etwas Einmaliges geschafft. Aber der Reihe nach: In den 70er Jahren – ich war Vorsitzender der SG-Forstfeld – kam ein Mitarbeiter der Stadt zu mir und eröffnete mir, dass unsere Siedlung unter Denkmalschutz gestellt werden sollte. Der erste Gedanke war eigentlich, dass das schmeichelhaft sei, aber nach genauerer Nachfrage ergab sich der eigentliche Grund: Unsere Siedlung sei die einzige noch so gut erhaltene Arbeitersiedlung aus den 30er Jahren (sprich: aus der Nazizeit).

Dieses Foto von 1981 aus der Singerstraße zeigt den "Erhaltungszustand".
---R.Stiehl

Ich trug unseren Siedlern das Ansinnen vor und es erhob sich jetzt schon ein Proteststurm. Natürlich wollte niemand, dass wir wieder in die dreißiger Jahre zurückversetzt werden sollten: Staketenzaun, Sprossenfenster, keine Anbaumöglichkeiten. Ein Siedler der ersten Stunde sagte:

"Das ist unglaublich, zuerst haben uns die Nazis vorgeschrieben, wo in jedem Garten der gleiche Baum stehen soll, wo überall der gleiche Weg verläuft und jetzt kommen die demokratischen Denkmalschützer und wollen uns wieder genauso gängeln".

Natürlich sprachen wir uns dagegen aus und ich gab das Ergebnis weiter. Dann hörten wir 12 Jahre nichts mehr von der ganzen Geschichte – für uns war das Ganze erledigt, bis wir dann vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Im Februar 1989 lasen wir in den Amtlichen Bekanntmachungen der HNA, dass die Forstfeldsiedlung weitgehend unter Denkmalschutz stünde.

Die Mitglieder der Siedlergemeinschaft schrieben jetzt Leserbriefe, sammelten Unterschriften, die Parteien wurden aktiv (öffentlich und im Stillen) – es war Wahlkampf zur Kommunalwahl.

Kurz vor der Wahl gab der Forstfelder CDU-Stadtverordnete Günther Schicketanz ein Flugblatt mit folgenden Text heraus: „Das ist das Schlimmste, was einem Hausbesitzer passieren kann. Gegen Feuer, Wasser, Einbruch kann man sich versichern, gegen Denkmalschutz nicht. Der Wert Ihres Hauses sinkt damit gewaltig. Die Denkmalschützer können nach Anmeldung jederzeit Ihr Haus und Ihre Wohnung betreten. Hausbesitzer dürfen ohne Genehmigung keine größeren Reparaturen ausführen. Umbauten und Anbauten werden nicht mehr genehmigt. Alles wird Ihnen vorgeschrieben. Damit sind Sie der Willkür der Verwaltung hoffnungslos ausgesetzt. Da ich selber betroffen bin, kann ich Ihnen versprechen, dass ich alles tun werde, um diesen unseligen Versuch, den halben Stadtteil unter Denkmalschutz zu stellen, zu verhindern. Aber dazu brauche ich Ihr Vertrauen und Ihre Stimme...“

Der Magistrat war aufgrund dieser Aussagen verärgert und gab ein Flugblatt heraus, welches die seiner Auffassung nach unrichtigen Aussagen klar stellte und auch Vorteile des Denkmalschutzes herausstellte.

Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Günther Schnell reagierte schnell. Er initiierte eine öffentliche Veranstaltung mit Oberbürgermeister Hans Eichel, Stadtbaurätin Christiane Thalgott und Professor Dr. Kiesow, dem damaligen Chef des Denkmalschutzes in Hessen – eine Woche vor der Wahl.

Fast 300 Menschen kamen, der Gemeindesaal der St. Andreas-Gemeinde war brechend voll, dicht gedrängt standen die Menschen und ich, da ich ja noch Ortsvorsteher war, sollte auf Wunsch von Hans Eichel moderieren – ohne Verstärkeranlage. Die Wogen gingen hoch und nach intensiver Diskussion, bei der die Denkmalschützer nicht geschont wurden, meinte ich, dass sich die Verantwortlichen doch einmal das Meinungsbild der Anwesenden mitnehmen sollten – ich fragte die Anwesenden, wer denn für den Denkmalschutz sei. Ganz hinten erhob sich zaghaft eine Hand – das war’s. Ich erhielt von den Denkmalschutzfunktionären giftige Blicke und unter Kopfschütteln die Frage: „Wie kann man nur über Denkmalschutz abstimmen lassen!“.

In die Enge getrieben, konnte Prof. Kiesow dann nicht anders, als zu erklären, dass er nach Besichtigung der Siedlung die Entscheidung seines Mitarbeiters nicht voll nachvollziehen könne, da nur noch wenige Gebäude vorhanden seien, die noch nicht verändert seien.

„Daher, so versprach der Landeskonservator nach langer, heftiger Diskussion, werde alles noch einmal genau überprüft. Und nachdem es ihm nicht gelungen war, die Forstfelder von der Bedeutung des Denkmalschutzes für die Stadtgestalt und das historische Bewusstsein der Menschen auch in ihrem Stadtteil zu überzeugen, gestand er auch noch zu, dass die per Handzeichen durchgeführte fast einstimmige Ablehnung der Forstfelder gegen jeglichen Denkmalschutz bei der Prüfung eine Rolle spielen werde. Erleichterung machte sich daraufhin breit, ohne dass die Skepsis vollends wich.“

Oberbürgermeister Hans Eichel erklärte außerdem, dass er immer betont habe, in Kassel werde der Denkmalschutz in keinem Fall auf dem Rücken von einkommensschwächeren Bürgern ausgetragen.

Monate später revidierte das Landesamt für Denkmalschutz die von den Forstfeldsiedlern als Versprechen interpretierte Aussage des Landeskonservators. Sie erklärte, dass die Siedlung nach wie vor unter Denkmalschutz steht obwohl der Magistrat bereits an einem Bebauungsplan für die Forstfeldsiedlung arbeitete, nach dem Veränderungen in vorgegebenem Umfang möglich sein sollten. Als Frau Thalgott, die Baudezernentin diese Pläne vorstellte, kochte die Siedlerseele vollkommen über.

An den Häusern sollte nichts verändert werden, dafür aber sollte in 5 m Abstand hinter dem Wohnhaus ein weiteres kleineres Haus errichtet werden können, das durch einem Gang mit dem Haupthaus verbunden werden könnte. Ein aufgebrachter Bürger wollte wissen, ob er dann im Nachthemd vom Wohnzimmer im Altbau ins Schlafzimmer im Neubau gehen solle. Zum Abschluss der Sitzung jedenfalls lehnte der Ortsbeirat diese Pläne einstimmig ab.

Im März 1990 führte der Ortsbeirat dann noch einmal in der Turnhalle der Schule Am Lindenberg eine Ortsbeiratssitzung durch, in der Bürgerinnen und Bürger Plakate angebracht hatten, die Prof. Kiesow als Lügner hinstellten (siehe Kommentar). Dieter Durstewitz, der Vorsitzende der Siedlung, übergab 300 Unterschriften unter der Forderung: „Wir Bürger der Forstfeld-Siedlung wehren uns gegen die Bevormundung durch Denkmalschutz bzw. Bebauungsplan. Wir möchten auch in Zukunft über den An- und Ausbau unserer Häuser - natürlich im Rahmen der Bauvorschriften - frei entscheiden. Wir wollen dem 3. Reich kein Denkmal setzen!“

Das war’s dann, wir waren das Volk und haben uns über unseren Erfolg gefreut. Geklappt hat das alles nur, weil wir - auch parteiübergreifend - zusammengehalten und zusammengestanden haben. Im Nachhinein muss gesagt werden, dass der Inhalt des Flugblattes von Herrn Schicketanz, der zwar sachlich nicht ganz korrekt war, den Volkszorn in Forstfeld so richtig aufgeheizt hat. Mehrfach setzte sich danach die neue Ortsvorsteherin Waltraud Massmann beim neuen Ministerpräsidenten Hans Eichel dafür ein, dass die gegebenen Versprechen auch gehalten wurden. Das alles und die Aktivitäten des Ortsbeirates trugen in dieser Sache dazu bei, dass in der Forstfeldsiedlung wieder Ruhe einkehrte. Auf einen Bebauungsplan wurde auch verzichtet.

Heute soll kein Haus im Stadtteil Forstfeld noch unter Denkmalschutz stehen.


Frauengruppen

„Die Frauengruppe war 1956 gegründet worden, seither treffen sich die Frauen regelmäßig, sie singen gemeinsam und veranstalten schöne Busfahrten. In den 80er Jahren dann wurde eine zweite Frauengruppe geschaffen, die „Junge Frauengruppe“, die inzwischen die „Alte Frauengruppe“ ganz abgelöst hat.“

Diese 4 Zeilen schrieb ich in meinen Forstfelder Geschichten im Jahr 2002 nur über die Frauengruppen über die doch so wichtige Arbeit, die die Frauengruppen geleistet haben. Ich will versuchen, das wieder gut zu machen: Die erste Leiterin war Frau Maria Ehmer, sie leitete die Gruppe bis 1987, also 31 Jahre. Ab 1975 konnte ich die Entwicklung begleiten, denn seit dem war ich Vorsitzender. Es wäre übertrieben, zu sagen, dass die Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Frauengruppe optimal gewesen wäre, was aber auch teilweise zu verstehen war, denn inzwischen verwaltete der Vorstand die Gemeinschaft nur noch.

Das Gemeinschaftsleben fand, wie auch in anderen Siedlergemeinschaften, im wesentlichen bei den Frauengruppen statt. Insofern war die Aussage, die damals häufig vom Landesvorstand zu hören war, dass das Gemeinschaftsleben lediglich durch die Frauen aufrechterhalten wird, richtig. Diese Aussage wurde aber weiterhin aufrechterhalten, als die Gemeinschaft als Ganzes wieder funktionierte, so dass das dann für die neuen Vorstandsmitglieder immer etwas kränkend war.

Gemeinsam haben wir den Karren wieder aus dem Dreck gezogen, insbesondere durch das Wiederaufleben der Weihnachtsfeiern und der Karnevalsfeiern. Bei diesen ersten Karnevalsveranstaltungen trugen die Frauen ihre alten lustigen Gedichte und Geschichten vor, wie sie es auch bei ihren Versammlungen machten. So hatte man zumindest für diese Veranstaltungen einen guten Einstieg. Die Weihnachtsfeiern für die Kinder, bei denen der Weihnachtsmann auch kleine Geschenke mitbrachte, wurde im Wesentlichen von den jungen Frauen durchgeführt, Kuchen war jedenfalls immer reichlich vorhanden.

Natürlich brauchten die Frauen für ihre Feiern auch Geld aus der Siedlerkasse, da gab es dann aber Probleme. Sehr viele Frauen der Gruppe waren damals gar nicht Mitglied der Gemeinschaft, wollten aber dennoch aus der allgemeinen Kasse profitieren. Das war nach Auffassung des damaligen Vorstandes schwierig, als Freundschaftsmitglieder eintreten wollten diese Frauen aber auch nicht, junge Frauen, die z. T. berufstätig waren, konnten sich noch nicht am Nachmittag treffen, so gab es dann auch keine Mischung mehr zwischen Alt und Jung, und wenn man ehrlich war, wollten die Älteren auch unter sich bleiben; so beschlossen die jungen Frauen, eine eigene Gruppe zu bilden, und das war eine Erfolgsstory - die Gruppe beteiligte sich seit jeher am Schröderplatzfest – Stichwort Cafeteria, und trug mit Auftritten zum Gelingen des Karnevals bei. Sie treffen sich regelmäßig abends, so dass auch junge berufstätige Frauen mitmachen könnten. Auch bei dieser „jungen Frauengruppe“ hat sich ein harter Kern gebildet, der das Rückgrat für diese Gruppe ist.

Seit den 80er Jahren entwickelten sich die Gruppen getrennt, Frau Ehmer gab ihren Vorsitz 1987 ab und fand keine Nachfolgerin, Frau Bickel opferte sich dann und führte die Gruppe von 1989 bis 1994, danach trafen sich einige Frauen noch sporadisch, inzwischen sind leider fast alle verstorben.

Die Junge Frauengruppe wurde ab 1986 von Karin Ehmer geleitet, sie wurde dann 1994 abgelöst von Margot Wölfl, seit 2001 wird die Gruppe nun von Edith Durstewitz geleitet, Dieter Durstewitz stärkt seiner Frau den Rücken, er arbeitet ihr aktiv zu, damit auch alles gelingt. Anders ginge es ja auch nicht. Unsere Frauengruppe hat sich zu einem selbstbewussten Team entwickelt, das jetzt sogar unsere Vorsitzende, Gerda Sabel, stellt.

Insofern ist es jetzt wieder so, dass man sagen kann, die Frauengruppe hält die Gemeinschaft zusammen, denn die Frauengruppe stellt auch fast den gesamten Vorstand.

Eigentlich müssten wir als Gegenstück eine „Alte-Männer-Gruppe“ gründen, das wird es aber so schnell nicht geben.

Arbeit in der Frauengruppe und für die Frauengruppe ist natürlich auch immer aktives Eintreten für die Siedlergemeinschaft Forstfeld!

--Falk D. Urlen 11:38, 27. Jan 2009 (CET)

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