Siedlergemeinschaft Erlenfeld

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Die Forstfelder Pioniere

Die folgende Chronik ist ein Zusammenschnitt aus dem Bildband zum 50-jährigen Jubiläum der Siedlergemeinschaft Erlenfeld, der von dem damaligen 1. Vorsitzenden Friedrich Marquardt erstellt wurde. Auch die Bilder sind diesem Bildband entnommen. Weitere Verfasser sind u. a. Karl Hugo und Irmtraud Siebert. Enthalten ist der Bericht in den "Forstfelder Geschichte[n]" von Falk Urlen.

Jenseits der Söhrebahn standen 1932 erst einige Häuser, umgeben von schönen Gärten am Forstbachweg, in der Nachbarschaft der Krell'schen Molkerei und in der Eisenhammerstraße sowie am Faustmühlenweg. Gegenüber der Krell'schen Molkerei, dort wo heute die Häuser der Heinrich-Steul-Straße stehen, befand sich noch ein mit Schilf bewachsener Teich, in welchem sich Wildenten aufhielten und an stillen und schönen Sommerabenden das Froschkonzert zu hören war. Auch stand noch bis zum Jahre 1936 am Forstbachweg das alte Wachhaus des zur ehemaligen Muni gehörenden Pulverlagers.

Stadteinwärts, wo jetzt die Forstfeld und Städtische Siedlung steht, waren Felder und Rasenwege links und rechts der Ochshäuserstraße.

1932: Noch wehte der kalte Märzwind über die Äcker, da standen mit den Spaten in der Hand die ersten Siedler vor einem Stückchen Land und konnten es noch nicht fassen, dass hier ihr Lebenswerk, die erste Siedlung, entstehen sollte. Zermürbt durch lange Arbeitslosigkeit und oft verzweifelt, ohne Hoffnung, wollten sie sich dennoch einen Halt schaffen. Der Ruf der Regierung, durch Selbsthilfe eine eigene Scholle und ein Häuschen zu schaffen, wurde freudig aufgenommen. So entstand die erste Vorstadtsiedlung, die aus Not der 30-er Jahre durch die 37. Notverordnung vom 6.10.1931 geboren wurde, noch weit vor den Toren der Stadt Kassel, am äußersten Rande von Bettenhausen. Der Zweck dieser Notverordnung war, tausende von Kleinsiedlerstellen im damaligem deutschen Reich zu schaffen und mit einer entsprechenden Landzuweisung Arbeiter und Angestelltenfamilien gegen evtl. Wirtschaftsgeschehen und Krisen unabhängig zu machen, aber auch um diese Familien aus der Enge der Großstadt herauszuführen, die durch die ungezügelte Stadtbaupolitik der Jahrzehnte vor und nach der Jahrhundertwende mit ihren Miets- und lichtlosen Hinterhäusern ein soziales Problem geworden war.

Mit einer Gartenfläche von zirka 1000 qm als Erbpachtland (welches laut § 17 der 3. Notverordnung auch käuflich erworben werden kann) und einer der Futtergrundlage für Umfang der Kleintierhaltung entsprechenden Zupachtlandfläche wurde die Erlenfeldsiedlung mit zunächst 103 Siedlerstellen geschaffen. Unser Erlenfeld.

Mit über 1400 Stunden arbeitete jeder Siedler durchschnittlich bis zur Fertigstellung. Als erstes galt es, das goldene Nass herbeizuschaffen. Allein 3,5 km Wasserleitung wurden von den Siedlern gebaut, welche auch den angrenzenden außerhalb der Siedlung liegenden und später ausgebauten Wohnbaugebieten sehr zugute kam. Da gab es so manche Blase in den Händen, aber geschafft wurde es. Die Straßen wurden provisorisch angelegt. Grober Kies und Kohlenasche waren das Straßenbaumaterial. Den Kies mussten mehrere Siedler unterhalb der Bleichen in wochenlanger Arbeit für die Stadt durchsieben. Dafür durften sie den groben Kies behalten und als Straßenbaumaterial verwenden.

Als im Mai 1932 die ersten Grundmauern aus der Erde wuchsen, stieg von Tag zu Tag die Freude höher. Die Unterstützung war gering, mit zwei Kindern 16 bis 18 Mark in der Woche, und so musste die Arbeit manchmal mit einem Stück trocken Brot geleistet werden. Da war es die Arbeiterwohlfahrt, die auch hier helfend eingriff und für 10 Pfennig ein gutes, reichliches Mittagessen lieferte. Da zogen jeden Mittag einige Siedler mit den Handwagen zum Kastell, um das Essen abzuholen.

Zum Bau der Siedlerhäuser teilten sich die Siedler in 4 Gruppen. Jede Gruppe unterteilte jedoch wieder Siedler in die einzelnen Baufachgruppen. Die Arbeit stand unter Aufsicht einiger Baufirmen mit ihren Polieren. Nur ein geringer Teil der Siedler war Bauhandwerker, so dass 90 % aus anderen gelernten Berufen kamen. Davon über 30 beste Facharbeiter von Henschel.

Am 1. Oktober 1932 war es soweit. Der Siedler kehrte der Stadt den Rücken und bezog ein eigenes Heim. Es war der schönste Tag, nun frei zu sein und zu wissen, dass die Arbeit ihren Lohn und wieder Wert bekam. Es folgten Jahre friedlicher Arbeit, und vergessen waren die schweren Stunden. Machte es sich doch immer mehr bemerkbar, dass die Siedlerstelle eine spürbare Hilfe für die ganze Familie war. Der Gesundheitszustand unserer Kinder hatte sich gebessert. Der Siedler war wieder ein zufriedener Mensch geworden.

Aber auch hier stellte es sich heraus, dass der Einzelne nicht imstande ist, alle Schwierigkeiten allein überwinden zu können; erst ein Zusammenschluss zur Gemeinschaft brachte manchen Erfolg, später war es der Deutsche Siedlerbund, der die Betreuung übernahm.

Der Siedler hatte sich mit seiner Familie in sein Lebenswerk hineingelebt, da kam der unselige Krieg. So mancher Siedler, und insbesondere der heranwachsende Jungsiedler, mussten von der Siedlerstelle hinaus in fremde Länder. Die Siedlerstelle war den Frauen und Kindern überlassen. Neben den wirtschaftlichen Sorgen blieb ihr nun auch die Unterhaltung der Siedlerstelle. Aber zu Ehren der Siedlerfrauen muss gesagt werden: sie haben es verstanden, diese Siedlerstellen zu erhalten.

Der Krieg forderte Opfer an Menschen, Hab und Gut. 42 Siedler und Jungsiedler sind gefallen oder vermisst, 2 Kinder fielen den Bomben zum Opfer, 19 Siedlerstellen waren total vernichtet, viele andere mehr oder weniger beschädigt. 1945 begann aus schwierigsten Verhältnissen heraus auch in der Siedlung der Wiederaufbau, zum größten Teil im Wege der Selbsthilfe, unter großen persönlichen und finanziellen Opfern. Das letzte zerstörte Haus wurde 1957 wieder aufgebaut.

Nach 1945 sind noch weitere Heimstätten im Erlenfeld gebaut worden, so im 2. und 3. Erlenfeldweg, am Forstbachweg und in der Ochshäuserstraße.

1957 feierten wir unser 25-jähriges Bestehen. Leider fehlte es bei diesem Fest und auch in den Jahre danach an geeigneten Räumlichkeiten, um auch in kultureller Hinsicht solche Feste würdig zu gestalten.

In den Jahren 1955 bis 1960 wurden endlich die Straßen ausgebaut, so dass Gummistiefel bei schlechtem Wetter zu Hause gelassen werden konnten. Die Omnibuslinie, die sonst nur bis zum Erlenfeld fuhr, wurde bis Lohfelden-0chshausen verlängert.

Im Jahre 1961 wurde innerhalb der Siedlungsgemeinschaft eine Frauengruppe gegründet. Hier treffen sich die Siedlerfrauen einmal monatlich, um bei Kaffee und Kuchen ihre Probleme und den Alltag zu vergessen. Es wird gesungen und kleine Spiele werden vorgeführt. Heute ist die Frauengruppe der Grundstein der Gemeinschaft. Nachdem beide Gaststätten in der Siedlung aus Gesundheitsgründen von ihren Besitzern aufgegeben wurden, fehlte wieder ein Raum für alle Belange, die in einer Gemeinschaft anfallen. Das 35-jährige Jubiläum 1967 wurde in der alten Kirche gefeiert.

So manches Siedlerhaus musste nun erweitert werden, da die Kinder nachgerückt waren und der Platz nicht mehr ausreichte. Ein Wanderweg entlang der Wahlebach ist entstanden, mit Ruhebänken für Jung und Alt. Das 40-jährige Bestehen 1972 wurde in der Turnhalle der Schule Am Lindenberg gefeiert, welche vom Stadtschulamt zur Verfügung gestellt worden war. Hier trat wieder einmal mehr das Fehlen eines geeigneten Raumes in den Vordergrund.

Vom Vorstand der Siedlergemeinschaft konnte ein Raum der ehemaligen Gaststätte "Zur Tante" gemietet werden. Hier trafen sich nun jeden Freitag die Siedler, spielten Skat und besprachen anfallende Probleme. Auch die Frauengruppe hatte damit wieder ein Zuhause nach vielem Umherwandern. Die Frauengruppe ist 1976 mit ihrer Arbeit an die Öffentlichkeit getreten. In Kaufungen und Sontra sowie bei ihrem 15-jährigen Bestehen brachten sie mit viel Erfolg ein abendfüllendes Programm.

Mittlerweile wurde auch eine Singgruppe ins Leben gerufen. Von anfangs 18 Personen im Jahr 1976 ist sie auf 41 Personen angewachsen und wird gerne bei Veranstaltungen - auch der Nachbarvereine - in das Programm aufgenommen. Die Singgruppe pflegt in erster Linie das deutsche Volkslied. In den ersten drei Jahren wurde sie von Herrn Barthel aus Kaufungen betreut, danach übernahm der erste Vorsitzende Friedrich Marquardt die Leitung der Singstunde alle 14 Tage im Haus Forstbachweg.

Das 45-jährige Bestehen wurde am 24.9.1977 in der Turnhalle der Schule Am Lindenberg begangen. Zu dem Festabend konnte der Vorsitzende, Fr. Marquardt folgende Gäste begrüßen: Stadträtin Heléne Luci, Stadtschulrat Becker, den Landesverbandsvorsitzenden Otto Schleiff, den Kreisgruppenvorsitzenden Heinrich Mackenrodt, Verwaltungsausschussvorsitzenden Gottfried Massmann sowie einige Vorsitzende der Nachbargemeinschaften. Die Singgruppe brachte musikalisch einen Rückblick auf 45 Jahre Erlenfeld. Auch die Frauengruppe konnte mit einigen Darbietungen den Abend mitgestalten.

Mitglieder der Gemeinschaften besuchten gemeinsam die Junge Bühne mit Axel-Herwig-Stücken, unternahmen Busfahrten und beteiligten sich mit bis zu 50 Personen an den Kasseler 63 %-Wanderungen. Weihnachtsfeiern für die Älteren wurden im Gemeindehaus der Immanuel-Gemeinde ausgerichtet.

Friedrich Marquardt führte diese Chronik im Februar 2002 fort. Ich verwende im Wesentlichen seine Formulierungen, musste seinen Bericht aber etwas kürzen:

Am 17.09.1982 war Kommersabend zum 50-jährigen Jubiläum in der Turnhalle der Schule Am Lindenberg. Der Schirmherrschaft hatte der Hessische Ministerpräsident Holger Börner übernommen. Weitere Gäste waren Landtagsvizepräsident Jochen Lengemann, Stadtbaurat Carsten Coordes, Ehrenamtlicher Stadtrat Gottfried Massmann, der Landesverbandsvorsitzende des Deutschen Siedlerbundes Karl Brand, Kreisgruppenvorsitzender des Deutschen Siedlerbundes Heinrich Mackenrodt sowie Vorsitzende der Nachbargemeinschaften. Else Hennemuth und Erich Melcher wurden an diesem Abend zu Ehrenvorsitzenden ernannt.

Am Samstagnachmittag spielten Süsterfeld und Erlenfeld gegeneinander Fußball, welches die Erlenfelder 6:2 gewannen. Am Sonntagmorgen war Festgottesdienst in der Immanuelkirche mit Pfarrer Lucan, danach gemeinsames Singen mit der Frauengruppe Holtensen und Mittagessen aus der Gulaschkanone. Der anschließende Festzug hatte folgenden Verlauf: Wahlebachweg bis Autobahn, Ochshäuser Str., Erlenfeldweg, Lohfeldener Weg, Anger, Erlenfeldweg bis Schulhof. 44 Gruppen (Fußgänger und Fahrzeuge) nahmen am Festzug teil. So etwas hatte Forstfeld noch nicht erlebt.

8 Tage nach unserem 50-jährigen, feierte der Lohfeldener Weg am 25.09. das 1. Straßenfest in der Gemeinschaft. Die erste Gemeinschaftswanderung wurde auf der alten Söhrebahntrasse am 31.10.1982 mit Oberbürgermeister Hans Eichel zum Naturfreundehaus in Vollmarshausen durchgeführt. Spätere Wanderungen führten auf das Grundstück der Familie Herdes in Söhrewald und zum Schäferhundeplatz nach Kaufungen. Es wurden mehrere Straßenfeste gefeiert.

Am 01.02.1986 waren wir bei der 1. Karnevalsfeier von ER.LO.FO.LI (Erlenfeld, Lohfelden, Forstfeld und Lindenberg II) dabei. Auch am Festzug zum 50. Jubiläum zu Eingemeindung Bettenhausens nach Kassel waren wir mit einem LKW und die Jungsiedler als "Arme Säcke" mit von der Partie. Der Vorsitzende Friedrich Marquardt bekam bei dem Kommers von Bürgermeister Wurbs den Ehrenbrief des Landes Hessen für seine geleistete ehrenamtliche Arbeit überreicht. Nach 10-jähriger Amtszeit legte ich aus Gesundheitsgründen den Vorsitz nieder. Jürgen Busch wurde zum Vorsitzenden gewählt, Irmtraud Siebert wurde stellvertretende Vorsitzende und am 09.12.1989 wurde ich zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Ein Heim für die Siedler

Ein Bericht von Friedrich Marquardt


1977 wurde Friedrich Marquardt zum l. Vorsitzenden gewählt und machte das Thema Gemeinschaftshaus zur dringendsten Aufgabe des Vorstandes. In der alten Gaststätte "Zur Tante" hatte Siedlerfreund Niemeyer nach deren Schließung uns die Räumlichkeiten als Gemeinschaftsräume sichern können. Fort an hatten die Frauen und Singgruppe wieder eine feste Bleibe. Jeden Freitag wurden die Räumlichkeiten von der Gemeinschaft genutzt.

Im Januar 1978 wurden uns die Räumlichkeiten wegen Eigennutzung gekündigt und wir mussten ausziehen. Die Frauengruppe kam in der Gaststätte Rode Lohfelden unter, die Singgruppe konnte der 1. Vorsitzende im Haus Forstbachweg unterbringen. Nun ging es wieder auf Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. Nach Anfrage bei der Stadt Kassel wurden uns zwei leerstehende Schulbaracken kostenlos angeboten. Wegen Überbreite hätte der Transport nur Nachts geschehen können, für den Transport wollte die Firma trotz Fürsprache der Stadt Kassel 12.000 DM haben. Ein utopischer Preis, der für uns nicht finanzierbar war.

Als nächstes Objekt hatten wir die geschlossene Bäckerei Wendel an der Ochshäuserstraße ins Auge gefasst. Herr Hühner, Schwiegersohn von Wendel, hatte uns auch eine Halbzusage gegeben, welche er später zurück zog. Else Hennemuth hatte in einer Zeitung eine Annonce heraus gefischt: "Kantine zu verkaufen". Der Vorstand hat sich sofort die Adresse besorgt und das Objekt besichtigt. Es handelte sich um die Kantine der Eisenbahn Neubaustrecke Kassel-Frankfurt. Sie war in einem sehr verschmutztem Zustand. Trotzdem haben wir sie gekauft. Mit der Bahn wurde ein Termin vereinbart und am 16. 04. 1988 begannen wir mit dem Abriss. Die Firma Herdes hat mit ihrem LKW die abmontierten einzelnen Teile von Kirchhof (Melsungen) nach Kassel transportiert und auf unserem Grundstück bis zur Wiedererrichtung gelagert. Mittlerweile hatten wir das Grundstück Lohfeldener Weg 48 von der Stadt Kassel vertraglich auf 99 Jahre Erbpacht in 1985 erworben.

Die ersten Arbeitsstunden auf unserem Grundstück wurden mit der Einzäunung von den Siedlerfreunden Willi Mühlhausen, Peter Pütz, Gerd Metzger, und Friedrich Marquardt vorgenommen. Das Grundstück wurde am 10.05.1985 mit der Lindenberger Musikgruppe Kellergeister im Festzelt eingeweiht. Als Gäste hatte der 1. Vorsitzende Friedrich Marquardt den Oberbürgermeister der Stadt Kassel, Hans Eichel, den Landesvorsitzenden des deutschen Siedlerbundes Hessen Karl Brandt und den Kreisvorsitzenden des Siedlerbundes Heinrich Mackenrodt eingeladen. Die Gäste pflanzten auf dem Grundstück gemeinsam 2 Erlen. Damit sie auch gut angingen, wurden sie mit Bier getauft auf die Namen Eichel-Erle und Brand-Erle. Da die Jungs der Siedlung beim Bolzen die Bäume als Tore benutzten, sind beide Bäume eingegangen.

Peter Pütz hatte ein Schild angefertigt mit dem Namen Siedlertreff, welches von Hans Eichel und Karl Brand enthüllt wurde. Der Name ist leider nicht akzeptiert worden. Heute heißt es Gemeinschaftsgrundstück und Gemeinschaftshaus. Anfang Juni begannen wir mit der Errichtung unseres Gemeinschaftshauses. Als am 13.07.1988 die Kommission für die „Beste Kleinsiedlung“ unsere Siedlung besichtigte, waren die Fundamente schon ausgehoben und teilweise mit Zement gefüllt. Zur Überraschung brachte die Singgruppe ein paar Lieder für die Kommission und die arbeitenden Siedlerfreunde. Mit mindestens 10 Mann und mehr auf der Baustelle konnte man das Haus täglich wachsen sehen. Die Siedlerfrauen brachten uns am Abend ‚Wurstenbrote’ und einmal sogar Eintopf. Die Getränke wurden uns von verschiedenen Siedlern zum Grundstück gebracht, immer alles kostenlos.

Man musste staunen, mit wie viel Geschick die einzelnen Siedler an die Arbeiten heran gingen. Am 06.08.1988 wurde Richtfest gefeiert. Else Hennemuth hat den Richtspruch zusammengestellt und verlesen. Danach gab es nur noch Feinarbeiten zu verrichten. Die Firma Herdes hat ihren gesamten Fuhrpark kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch der Wasserablauf wurde von der Firma Herdes installiert, zusammen mit Horst Almeroth und geeigneten Siedlern. Von Friedrich Marquardt als Stellvertretendem Bauführer wurden die jeweilig geleisteten Stunden in einem Notizbuch festgehalten. Insgesamt 3.269 Stunden. Die Einweihung unseres Gemeinschaftshauses mit Oberbürgermeister Hans Eichel feierten wir am 29. 10.1988. Es ist ein schönes Heim geworden, wo viele Feste und Familienfeiern stattfinden.

Die Singgruppe der SG-Erlenfeld

//Zum 25-jährigen Bestehen der Singgruppe Kassel-Erlenfeld von Friedrich Marquardt//


Die Gründung der Singgruppe Kassel-Erlenfeld erfolgte von 18 Interessenten während der 1. Singstunde mit Jack Bärtel in der Gaststätte "Zur Tante". Zum Vorsitzenden wurde Friedrich Marquardt ernannt, der diese Singgruppe, die kein Chor sein wollte, durch 25 Jahre mit viel Idealismus, Herz und Geschick leitete. Bis zum 5. Dez. 1977 konnten die Übungsabende noch alle 14 Tage in der Gaststätte "Zur Tante" im Wahlebachweg stattfinden. Dann wurde das Haus verkauft und die Gruppe fand einen neuen Übungsraum im Haus Forstbachweg.

Von der 50. Übungsstunde an, am 5.12.1978, übernahm Friedrich Marquardt neben dem Posten des 1. Vorsitzenden auch noch die Funktion des Chorleiters, weil Jack Bärtel nicht mehr zur Verfügung stand. Die Gruppe trat dem Mitteldeutschen Sängerbund bei. Bis Ende der neunziger Jahre hatte der Chor immer ca. 40 Mitglieder. Um 1999 bewegte sich die Mitgliederzahl durch zahlreiche Todesfälle und aus Altersgründen dann auf 25, wovon ca. 18 die Singstunden noch regelmäßig besuchten.

Die Singgruppe hatte ihre 500. Singstunde am 16. Dezember 1997. Das 10-jährige Bestehen der Singgruppe wurde am 4. Oktober 1986 gefeiert und mitgestaltet von Chören aus Waldau und Bettenhausen.

In den 25 Jahren ihres Bestehens hat die Singgruppe Kassel-Erlenfeld mit ihren gekonnten Gesangsbeiträgen zum Gelingen vieler Veranstaltungen und Festlichkeiten beigetragen. Es waren Auftritte zum Karneval (einmal sogar in Nachthemden), zu Vereinsfesten, Neujahrsbegrüßungen und Kreissiedlerfesten. Sie sang zum Kreissiedlerfest im Bürgerhaus in Lohfelden erstmals 3- und 4-stimmige Lieder. Dreimal beteiligte sich die Singgruppe am Sängerfest „Singender, klingender Sensenstein“.

Selbstverständlich untermalte sie auch Jubiläen und Ereignisse der Siedlergemeinschaft Erlenfeld, wie z. B. die Einweihung des Siedlergrundstücks im Mai 86, die Einweihung des Siedlerheims am 29. Oktober 1988 und das 50- und 60-jährige Bestehen der Siedlergemeinschaft. Familienfeste im Erlenfest waren oft ein Grund, ein Ständchen zu singen. Am 3. April 1982 reiste die Singgruppe zum befreundeten Frauenchor nach Langenholtensen, wo sie mit einer prächtigen Kaffeetafel und kaltem Buffet verwöhnt wurde. Am abendlichen Freundschaftssingen nahmen außerdem der Männerchor Langenholtensen und der Ostpreußenchor teil.

Freundschaftliche Verbindungen hat die Singgruppe auch zum Chor in Waldau, dessen Feier zum 125-jährigen Jubiläum sie am 24. Juni 89 im Hessischen Hof in Waldau mit Gesangsbeiträgen unterstützte.

Nicht unerheblich haben die Busfahrten das Wir-Gefühl geprägt. Unsere Gruppe hat ganz Deutschland bereist. Wir waren am Rhein, an der Mosel und der Lahn, in Würzburg, Heidelberg und Mainz, im Schwarzwald und am Bodensee, im Altmühltal, auf der Wasserkuppe und am Biggesee und einmal sogar in Dänemark.

Die Singgruppe hat dazu beigetragen, dass alte Volkslieder bewahrt und gesungen werden. Sie war mit ihren Beiträgen gern gesehener Gast bei vielen Feierlichkeiten. Es war aber nicht nur die Freude am Singen, die diese Gruppe über 25 Jahre geprägt hat: Die gemeinsam erlebten vielen netten Stunden und schönen Tage haben den Gemeinschaftssinn gestärkt und so manche Freundschaft enger werden lassen. Kameradschaft wurde in den Vordergrund gestellt. Lustiges Beisammensein, Freude und auch Besinnlichkeit haben die Singstunden getragen. Im freundschaftlichen Miteinander liegt der eigentliche Gewinn für jeden Einzelnen in all den Jahren.

Bericht der Frauengruppe (1992)

//Von Irmtraud Siebert//


Die Frauengruppe wurde 1960 gegründet. Das erste Treffen war in der Gaststätte „Zur Tante“, die von den Siedlern Fritz und Irmchen Wagner geführt wurde. Es waren Frauen aller Altersstufen, die sich von da ab regelmäßig einmal im Monat trafen. Else Hennemuth wurde zur Vorsitzenden gewählt, sie führte die Gruppe mit viel Geschick und großem Idealismus. Die Frauengruppe betreute alte und kranke Siedler, bei besonderen Geburtstagen und bei Familienfeiern sangen die Frauen den Siedlern ein Ständchen, und so mancher alleinstehende Siedler wurde zu Weihnachten mit einem kleinen Gruß überrascht.

Als Friedrich und Elfriede Marquardt Ihre Gaststätte „Zum Erlenfeld“ eröffneten, gingen wir abwechselnd in beide Gaststätten. Wir waren damals 35 Frauen, und jeder freute sich auf die Zusammenkünfte. Leider wurden beide Gaststätten geschlossen.

Im Haus von Fritz Wagner konnten wir uns aber weiter treffen. Rös-chen Niemeyer betreute uns hier, kochte Kaffee und am Abend holten uns die Männer etwas zum Essen, und so konnten wir auch hier schöne Stunden verleben. Später trafen wir uns dann mehrere Jahre in der Gaststätte Rohde.

Gern erinnern wir uns aber auch an viele schöne Busfahrten, die oft nicht sehr weit gingen. Das Geld war damals bei uns Siedlern noch knapp, und jeder übrige Pfennig wurde zum Modernisieren der Siedlerhäuser gebraucht. Viele von uns hatten damals noch kein Auto, und so hat mancher auf unseren Fahrten erst unsere schöne Heimat kennen gelernt. Oder denken wir an die vielen Aufführungen der Frauengruppe in unserer Siedlung, an unser erstes öffentliches Auftreten beim Kreissiedlertreffen in Oberkaufungen. Mit wieviel Herzklopfen sind wir da auf die Bühne gegangen. Der Beifall der vielen Siedler und des damaligen Ministerpräsidenten Holger Börner war für uns alle der schönste Lohn.

Gern denken wir aber auch an den schwungvollen Can-Can, an die Sexyband, an die tolle Modenschau, den Tanz mit unseren gebastelten Männern, das Reiten auf unseren Holzsteckenpferden, an den Besentanz zum Karneval in der Gaststätte Rohde, wo wir uns noch über selbstgebastelte Papporden gefreut haben. Es gab so vieles, nicht alles kann man aufzählen, aber alles war immer ein großer Erfolg, und ausgedacht hatte sich dies meist unsere Else. Ganz groß haben wir unser 25-jähriges Bestehen in der ausverkauften Turnhalle der Schule Am Lindenberg gefeiert. Ob alt oder jung, alle Frauen unserer Gruppe haben sich am Programm beteiligt und mit der großen Tombola haben wir so manchen Siedler erfreut.

Heut nun hat die Frauengruppe einen neuen Treffpunkt gefunden. Noch immer treffen wir uns am ersten Mittwoch im Monat, aber jetzt in unserem Gemeinschaftshaus. Hier haben wir schon oft die Frauengruppe Lohfelden zu Gast gehabt, und hier können wir uns auch mal selbst verköstigen.

Aber auch heute noch ist die Frauengruppe immer bereit, wenn es in unserer Siedlung heißt zu helfen. Sei es bei der Betreuung der Aussiedler auf der Weihnachtsfeier, beim Kuchenbacken oder auch nur beim Arbeitsdienst in unserem Gemeinschaftshaus.

Else Hennemuth hat nach 30 Jahren die Leitung der Frauengruppe an Irmtraud Siebert abgegeben und war dann unsere Ehrenvorsitzende. Heute sind wir in unserer Gruppe 42 Frauen und jede Frau, die sich uns anschließen möchte, ist bei uns immer herzlich willkommen. 42 Jahre Frauengruppe eine lange Zeit. Viele der Frauen, die beim ersten Treffen dabei waren, kommen auch noch heute zu uns, aber von vielen Frauen haben wir leider Abschied nehmen müssen, die wir in unserem Kreis vermissen aber nicht vergessen haben.

Und der Wunsch heut' an die Zukunft der kostet kein Geld


haltet weiter zusammen Ihr Frauen vom Erlenfeld!

Es war kein leichter Weg zum Hausbesitzer

Siedler im Erlenfeld sehen mit Stolz auf ihre Leistung zurück: Ein Bericht in der HN vom 7. Juli 1952

Kassel. "Sie hätten mal sehen müssen, wie das 1932 hier aussah: Steine, Schlamm und dichtes Gestrüpp", erzählt uns Schorsche Jakob, einer von jenen 50 Männern, die vor 20 Jahren vor den Toren Kassels mit dem Bau der Erlenfeld-Siedlung begannen. Und an der gleichen Stelle erheben sich heute schmucke Häuschen, Umgeben von gepflegten Gärten, in denen vom Rhabarber bis zur Edelkirsche und von der Kartoffel bis zum Riesenblumenkohl alles zu finden ist, was ein Gärtner pflanzen und veredeln kann. Man kann es verstehen, wenn die von der "alten Garde" mit sichtbarem Stolz davon erzählen, was sie mit ihrer Hände Arbeit aus dem Nichts heraus geschaffen haben.

50 Arbeitslose hatte die Stadt damals ausgewählt. Sie bekamen die Möglichkeit, sich einen eigenen Besitz zu schaffen. Keiner war darunter, der diese Chance nicht erkannte und sie nicht zu nutzen gewusst hätte. "Wir haben um das Land gelost berichtet Siedler Fritz Wagner, und dann ging es zunächst an den Straßenbau".

Die gesamte Kasseler Geschäftswelt nahm Anteil am Schicksal dieser aktiven Gruppe, die sich wie die Maulwürfe ins Erdreich des Erlenfeldes wühlte. 14, 16 und 20 Stunden am Tag. Es kam gar nicht darauf an, wie lange gearbeitet wurde, Hauptsache, es ging vorwärts.

Der damalige Polizeipräsident Hohenstein spendete den Dünger für die Gärten, die Arbeiterwohlfahrt sorgte für ein 10-Pfennig-Mittagessen, die Reichswehr half mit, die Kirche stiftete Geräte und was es an Organisationen gab, alle wetteiferten sie miteinander, den Erlenfeldern auf die Beine zu helfen.

"Kerle, waren das noch Zeiten, als sich 23 Mann eine Speckschwarte geteilt haben", erinnert man sich im Garten von Philipp Hi1debrand, der damals als "Kieskommandant" dabei war. 14,20 Reichsmark Arbeitslosenunterstützung gab es 1932 für jeden, davon wollten Frau und Kinder ernährt werden und für den "buddelnden" Familienvater reichte es im besten Fall zu einer Margarine Stulle.

Dennoch: am 2. Mai wurde begonnen und bereits am 1. Oktober zog man ein. 105 Familien und über 500 Köpfe ließen die dunklen Wohnungen der Altstadt und der Mietskasernen hinter sich, um inmitten der blühenden Natur neu zu beginnen. Heute, am Tage ihres 20-jährigen Jubiläums, wohnen in der Erlenfeld-Siedlung über 1000 Menschen. Die zweite und die dritte Generation wuchs inzwischen heran, die Häuser wurden innen und außen verschönt, der "Tierpark" vergrößert.

Mit einem Ferkel fing es 1932 an. Da zog ein Abgesandter der Stadt mit gefüllter Kasse vor den Siedlern her zum Ferkelmarkt und kaufte jedem von ihnen eines dieser rosafarbenen, grunzenden Tierchen. Heute gibt's im Erlenfeld etwa alle "Viecher", die zu einer zünftigen Landwirtschaft gehören. Wagner hat sich sogar noch Meerschweinchen zugelegt und ist Hoflieferant der Behring-Werke in Marburg.

"Unsere Straßen müssten instand gesetzt werden, einen Versammlungsraum brauchen wir und einen Kinderspielplatz", lautet der Wunschzettel. Und wenn man ihnen die notwendige Unterstützung angedeihen lässt, werden die Leute vom Erlenfeld noch mal in die Hände spucken und auch diese Probleme mit dem gleichen Elan lösen, wie sie es vor zwei Jahrzehnten taten.

Übers Wochenende wurde gefeiert. Mit Musik, Festzelt, Karussell und einer Ansprache des ersten Kreisvorsitzenden des Landesverbandes Hessischer Kleinsiedler, Karl Hugo. Siedlerfreund W. Jüngst hatte einen Prolog verfasst und Heinz Heidersdorf entpuppte sich als humorgeladener Ansager. Am Sonntag bewegte sich ein Festzug durch die geschmückten Straßen des Erlenfeldes, zu dem die Siedler Wagen gestellt hatten, auf denen die Geschichte der kleinen Gemeinde dargestellt wurde. --Falk D. Urlen 12:04, 24. Jun. 2009 (UTC)