Secklenbörger

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Oberhalb von Mandelbeck, am gleichnamigen Straßendreieck im Westerhöfer Wald, befindet sich im Jagen 74 und 85 der Forstort "Secklenburg". Die Secklerburg, wie sie auch in alten Karten, z.B. der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1784, bezeichnet wurde, ist wahrscheinlich eine Anlage der Herren von Mandelbeke, die historisch mehrfach bezeugt sind. Sie war offenbar eine kleine Turmburg mit zugehörigem Fachwerkgebäude, umgeben von Wall und Graben. Mauerreste sind noch erhalten. Bei einer Suchgrabung in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts fanden sich Keramikscherben aus dem 13. und 14. Jahrhundert.

Es ist unbekannt, inwieweit die Secklerburg mit dem im 14. Jahrhundert in Südhannover bestehenden Ritterbund, dem Sichlerorden, im Zusammenhang zu sehen ist.

Um diese Burg und den angeblich darin hausenden Secklenbörger ranken sich eine Vielzahl von Erzählungen und Sagen, in denen insbesondere die Grausamkeit des Secklenbörgers hervorgehoben wird.

Unter der Dachtraufe der Wiebrechtshäuser Klosterkirche soll der Secklenbörger angeblich begraben sein.

Wer aber liegt dort nun wirklich begraben ?

Es ist Otto der Quade, Herzog von Braunschweig zu Göttingen. Otto wurde um 1340 als Sohn des Herzogs Ernst von Göttingen geboren. Bereits im Alter von 17 Jahren wurde er mit Mirislava, der Tochter Herzog Johanns von Holstein-Plön vermählt und übernahm schon 1364 von seinem Vater einen Teil der Regierungsgeschäfte, bevor er nach dessen Tod 1367 seine Nachfolge antrat und alleiniger Regent wurde.

Bereits 1368 lud er viele Ritter zu einem Großturnier nach Göttingen ein. Während andere Regenten in ihrer Regierungszeit nur 1 oder 2 Turniere ausrichteten, brachte es Otto auf insgesamt 8. Die enormen Kosten hierfür erpreßte er von seinen Untertanen oder verpfändete seine Besitzungen. So bekam die Stadt Göttingen im Gegenzug für die Finanzierung eines aufwendigen Turniers Gerichts-, Münz- und Zollrechte. Da Otto aber trotz chronischen Geldmangels weiter auf großem Fuß lebte, mußte er nach und nach auch seine Burgen, so auch die Burg Brunstein, verkaufen und verpfänden. Seine Gefolgsleute zogen durch die Lande, um zu rauben, zu stehlen, zu brandschatzen und zu morden. Dazu kamen Geiselnahmen, mit denen Otto enorme Geldsummen erpreßte.

Otto war ein fehdelustiger Ritter, der nicht nur mit den Bischöfen, sondern auch mit den Städten Braunschweig, Göttingen und Hildesheim sowie den benachbarten Fürsten in Hessen und Thüringen ständig Streit führte.

Als er 1370 von der Harzburg aus mit seinen Rittern Brandenburgs Altmark überfiel und mit reicher Beute, darunter viel Weidevieh, heimkehrte, schenkte er einen großen Teil dem Kloster Wiebrechtshausen gegen die Zusicherung, seine letzte Ruhestätte in der Klosterkirche in geweihter Erde zu erhalten.

Als dann Herzog Otto am 13. Dezember 1394 auf seiner Burg in Hardegsen starb, stand er unter dem Kirchenbann, weil er bei kriegerischen Auseinandersetzungen die Kirche in Kirchgandern niedergebrannt hatte. Seine Witwe, Herzogin Margarete, die er nach dem Tod von Mirislava irn Jahr 1379 geheiratet hatte, konnte beim Mainzer Erzbischof lediglich erreichen, daß sein Leichnam unter der Dachtraufe der Klosterkirche unmittelbar an der nördlichen Kirchenmauer ohne Ehren beigesetzt werden durfte.

Erst nach vielen Mühen seiner Witwe wurde Jahre später die Exkommunikation durch den Bischof Konrad von Mainz rückgängig gemacht. Margerete ließ über der Begräbnisstätte eine kleine Kapelle als Erweiterungsbau der Kirche errichten und einige Jahre später einen Durchbruch durch die Kirchenmauer herstellen. Somit liegt Otto der Quade nunmehr in geheiligter Erde im Innenraum der Kirche.

Auf dem Leichenstein befindet sich ein Bildnis Ottos, bei dem das Gesicht leider stark zerstört ist. Es läßt sich aber so viel erkennen, daß Haupt und Kinn stark behaart waren. Um den Hals hängt an einem Band eine kleine Sichel, daß Zeichen des Sichelordens, dem Otto angehörte.

Wegen der Zugehörigkeit zum Sichelorden wird Otto auch der "Secklenbörger" genannt. Inwieweit ein Zusammenhang zwischen seinem Wirken und der eingangs erwähnten Secklerburg bei Mandelbeck besteht, ist unbekannt. Sein Leben, die Raubzüge seiner Gefolgsleute und seine Grausamkeit können aber die Ursache für die vielen Sagen um den Secklenbörger sein.

Auf jeden Fall hat ihn der Volksmund mit der Secklenburg in Verbindung gebracht und seine Grausamkeit und seine Sichel tauchen immer wieder in den Sagen auf.

Alte Leute, die rund um den Westerhöfer Wald wohnen, sprechen noch heute bei starken Herbst- und Frühjahrsstürmen, wenn die Luft von Heulen und Brausen erfüllt ist, vom Secklenbörger, der mit seiner Meute durch die Lüfte zieht, ähnlich dem "wilden Jäger" im Solling.



Quellen (Verwendete Literatur):

Sandfuchs,Karl

Das Kloster Wiebrechtshausen in Northeimer Heimatblätter, Heft4/Jg.1975


Kühlhorn, Erhard

Die mittelalterlichen Wüstungen in Südniedersachsen, Band 2: F-N S. 396


Ehrenpfort, Paul

Otto der Quade, Herzog von Braunschweig zu Göttingen, Hannover 1913