Schwalmgymnasium

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Die höhere Schule in Treysa, vom städtischen Bürgertum und den Bahnbeamten seit Jahren gewünscht, wurde am 19. April 1909 im Hospitalgebäude feierlich eröffnet.

Im ersten Schuljahr besuchten 42 Schüler die Sexta (Klasse 5) und 28 die Quinta (Klasse 6). Das Schulgeld betrug 100 Mark im Jahr. Französisch wurde von der ersten Klasse an unterrichtet, Englisch kam in der Untertertia (Klasse 8) hinzu. Das zweite Schuljahr wurde Ostern 1910 bereits von 101 Kindern begonnen. 1912 hatten die fünf Klassen (Sexta bis Obertertia) insgesamt 127 Schüler.

Im Hospital standen sechs Klassenzimmer, ein Lehrerzimmer und der Saal für Schulfeiern und den Chorgesang zur Verfügung. Der Turnunterricht wurde auf dem Schulhof oder im Gelände, Schwimmunterricht in der Schwalm abgehalten.

Am 1. Januar 1914 löste Dr. Horny den bisherigen Schulleiter Dr. Steininger ab. Des Kaisers Geburtstag (27. Januar) und die Übergabe der Franzosen 1870 bei Sedan (2. September) wurden in der Schule würdig gefeiert.

Das Schulregiment war streng: "Gut lesbare, rechtsschräge Schrift ist zu verlangen. Linksschräge, steile, unleserliche, flüchtige Schrift ist zu verbieten. In jedem Heft muss sich mindestens ein Löschblatt befinden, das weder bekritzelt, noch mit Zeichnungen versehen, noch zu sehr gebraucht sein darf. Andernfalls vernichte es der Lehrer und verlange ein neues."

Auch außerhalb der Schule durften die Schüler nicht "durch unangemessenes Betragen die Anstalt in der Öffentlichkeit ihrer Würde entkleiden." Das Blasen einer Mundharmonika im Wartesaal des Bahnhofs zog ebenso zwei Stunden verschärften Arrests nach sich wie das "Poltern gegen die Tür" des Gärtners Adam. Die Schüler der höheren Schule waren an ihren farbigen Schülermützen leicht zu identifizieren.

Während zu Beginn des Krieges die Schule öfter wegen verschiedener Siege ausfiel, ließ der Schulausfall im Winter 1916/17 wegen Kohlenmangels die drohende Niederlage ahnen.

Nach dem Krieg wuchs der Wunsch nach einem Ausbau der Schule zu einer sechsstufigen Anstalt und damit zum Erwerb der mittleren Reife. Die Regierung verlangte aber zuvor die Vereinigung der höheren Schulen in Ziegenhain und Treysa zu einer leistungsfähigen Anstalt. Treysa setzte sich durch, musste aber Ziegenhain erhebliche Zugeständnisse machen und einen Neubau errichten. Der Vertrag trat am 1. April 1922 in Kraft, und zu Ostern 1923 schnellte die Schülerzahl auf 230 hoch.

Treysa konnte jedoch auf Dauer die Lasten der Schulunterhaltung alleine nicht tragen und drängte auf Gründung eines Zweckverbandes. Der kam 1928 zustande und verteilte die Lasten zu 42 Prozent auf den Kreis und zu 58 Prozent auf die Stadt Treysa. Ziegenhain weigerte sich, dem Zweckverband beizutreten, brachte aber das Frauengefängnis und Teile des Schlosses als Standort der Schule ins Gespräch.

Man entschied sich jedoch für einen Neubau an der Ascheröder Straße, der am 14. Oktober 1930 feierlich in Besitz genommen wurde. Genau einen Monat zuvor, am 14. September, hatte die NSDAP bei der Reichstagswahl mit 40,8 Prozent die Macht in der Schwalm ergriffen.


Quelle

  • Artikel von Bernd Lindenthal in der HNA vom 28. April 2009