Schwalbental

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Gefährdete Idylle: Im Bereich Schwalbenthal ist der Hang des Meißner in Bewegung.

Das Schwalbenthal am Hohen Meißner ist ein denkmalgeschütztes Kulturgut, das als letztes Gebäude noch vom gleichnamigen Dorf zeugt. Es liegt im Naturpark Meißner-Kaufunger Wald.


Geschichte

Das Schwalbenthal umfasst die Reste einer ehemaligen Bergarbeitersiedlung oberhalb von Vockerode, die durch einen Erdrutsch im Jahr 1907 starke Schäden erlitten hatte und geräumt werden musste. Erhalten ist noch das Wohnhaus des Berginspektors, das spätere Gasthaus Schwalbenthal, mit einem angeschlossenen Wirtschaftsgebäude und dem Keudellbrunnen, der zur Trinkwassergewinnung genutzt wird.

Die Halde, eine Senke, liegt 1000 Meter vom Schwalbenthal entfernt. Dort befindet sich das Mundloch des Neuen Erbstollens. Dieser Entwässerungsstollen wurde 1628 angehauen.[1]

2004 kaufte der Unternehmer Dieter Kohl das Anwesen, um hier zu leben und gastronomisch tätig zu sein.

Gefahr von Erdrutschen

Schwalbenthal, eine Bergbeamtensiedlung im Jahr 1898: Links der Ausspannstall, daneben ein Wohnhaus mit Glockentürmchen, rechts das frühere Ausflugslokal, dahinter das ehemalige preußische Bergamt.

Schon zweimal in den vergangenen 100 Jahren kam es zu Erdrutschen. 1907 musste das Dorf Schwalbenthal an gleicher Stelle abgerissen werden. Die Fundamente der Häuser waren verschoben, sodass sie einsturzgefährdet waren. Das einzige Haus, das diese Naturgewalt überstanden hat, ist das ehemalige Bergamt und heutige Gasthaus Schwalbenthal. Mitte der 1980er-Jahre kam es erneut zu einem markanten Erdrutsch, der das unterhalb des Schwalbenthals liegende Skiheim des Skiclubs Meißner stark beschädigte.[2]

Die Erdrutsche, die laut eines Gutachtens durch austretendes Wasser des Kalbesees verursacht werden, haben dem Wirt Dieter Kohl im Winter 2011 einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Spitzt sich die Situation weiter zu, droht ihm sogar ein Betretungsverbot.

Ein weiteres Gutachten stellte fest, dass die Ursache der Erdrutsche in der Vernässung des Hanges infolge zutretenden Wassers aus dem Kalbesee liegt. Demnach ist die Erdrutschgefahr eine Folge des Bergbaus.[3]

Das Szenario, vor den sich die Region fürchtet: Die Erde und das Wasser, das am Meißner überall zu finden ist und aus rund 40 Überlaufquellen sprudelt, verbinden sich zu Morast, der keinen Halt mehr gewährt.[4]

Es gibt technisch betrachtet die Möglichkeit, die Gefahr abzuwenden. Man könnte beispielsweise mit einer Bohrpfahlwand und einer verankerten Spundwand das Haus und den Trinkwasserbrunnen sichern. Eingelassen werden müssten dafür mehrere Anker mit hoher Tragkraft, etwa der ewichtskraft von 100 Tonnen. Das Ableiten des Wasser aus dem Berg hätte auch positive Nebeneffekte. „Der Stollen könnte bei genügend Zulauf und ausreichender Qualität zur Wasserversorgung genutzt werden“, heißt es in einem Gutachten.[5]

Rolle des Regierungspräsidiums in Kassel

Auch nach einem weiteren Gesprächstermin in Kassel im Dezember 2011 weist das Regierungspräsidium jegliche Zuständigkeit für die Gefahrenabwehr am von Erdrutschen bedrohten Schwalbenthal auf dem Hohen Meißner von sich. Die Gemeinde Meißner wägt nun rechtliche Schritte ab.[6]

Kohleabbau

Vor über 400 Jahren wurde auf dem Meißner mit dem untertägigen Abbau von Kohle begonnen. 1584 entstand das Bergbaudörfchen Schwalbenthal mit Ämtern, Schule, Wohnungen, Gasthaus, Glockentürmchen und Friedhof.

Der Name, in alten Aufzeichnungen oft auch als Schwalmenthal auftauchend, ist ein auf die ursprünglich das Kohlhaus genannte Siedlung übergegangener Flurname, der sich als solcher eines in der Nähe gelegenen Waldstückes auch erhalten hat. Mit Schwalben hat er nichts zu tun, wie es in dem Buch "Der Meißner" von Prof. Wilhelm Ulrich heißt.

1842 bestand das Dorf aus zehn Häusern mit 55 Einwohnern. 1880 waren es 113, davon 52 im Bergamt tätig. Die Steiger (Aufsichtsbeamte) und Angestellten wohnten hier, die Bergleute kamen aus den umliegenden Dörfern.

Wenige Jahre, nachdem die Schwalbenthaler Stollen stillgelegt waren, gerieten die Häuser ins Rutschen. Nach einem Stolleneinbruch wegen Wasseransammlung ließ die Forstverwaltung 1909 alle Häuser bis auf das Gasthaus abreißen. Dieses wurde durch Abstützen des Kellers gerettet und hat seinen Erhalt dem tatkräftigen Einsatz des Werratalvereins zu verdanken.

Schon im April 1891 hatte es einen unterirdischen Wasserdurchbruch gegeben, der laut Eschweger Tageblatt vom 29. April „den Wiesengrund nach Germerode hin mit Schlamm und Kohlenstücken bedeckte“. Den letzten Bergrutsch gab es im März 1988, wobei an Berghängen, Straßen und Wanderwegen große Schäden entstanden. Danach wurde der Hang saniert, die Böschung mit einer Bodenverdübelung gesichert.


Wandertipp

Karte: Wandertipp Hoher Meißner

Rundwanderweg auf dem Meißner

Ausgangspunkt ist der Parkplatz Viehhaus, der erste aus Richtung Velmeden.

Der Wanderweg führt ungezeichnet bergauf vom Parkplatz weg zum Basaltbruch und biegt, weiter bergauf, nach rechts ab. Er führt über die Kasseler Kuppe (die Wanderhütte liegt etwas versteckt in dem Wegdreieck) und folgt dem Weg 23 - später kommt der X 4 dazu - in Richtung Kalbe bis zum Aussichtspunkt an der Kalbe. Auf gleichem Weg zurück führt der Weg am Abzweig zum X 4 hinunter zum Frau-Holle-Teich, von dort über den Wanderweg X 4 in Richtung Schwalbenthal und Richtung Hoher Meißner, wo sich ein weiterer Aussichtsplatz findet. Auf der Höhe biegt der Wanderweg nach links ab und führt zu den Sendemasten auf dem Hohen Meißner.

Der Weg führt weiter zum Berggasthof Meißner und über den Wanderweg X 4 zum Meißnerhaus, einem Naturfreundehaus.

Internetadresse des Vereins: http://www.wandern-kurhessen.de/kassel

siehe auch

Weblinks

Quellen

  1. Informationen zum Schwalbenthal auf gemeinde-meissner.de
  2. Aus HNA.de vom 24. Oktober 2009: Erdrutsche am Meißner
  3. Aus HNA.de vom 21. Dezember 2011: Erdrutschgefahr am Meißner: RP gibt Gasthaus Schwalbenthal auf
  4. Aus HNA.de vom 4. Februar 2011: „Natur allein nicht schuld“
  5. Aus HNA.de vom 14. Dezember 2010: Gasthaus kann einstürzen
  6. Aus HNA.de vom 22.Dezember 2011: Wegen Erdrutschen: Gemeinde will nun klagen