Schorsche Holstein

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Das Wehlheider Urgestein Schorsche Holstein starb am 24. April 2006 im Alter von 88 Jahren

„Entweder man sagt bei ihm gleich Ja oder später.“ Das soll Hans Eichel über Schorsche Holstein gesagt haben. Oft genug sprach Holstein im Rathaus beim damaligen Oberbürgermeister vor, um Belange für seinen Stadtteil durchzusetzen. Sein Wehlheiden. Wenn der Schorsche vorne aus dem Rathaus rausgeworfen wurde, dann kam er hinten wieder rein. Rund zehn Jahre kämpfte Holstein zum Beispiel dafür, dass in Wehlheiden ein Wochenmarkt eröffnet wird. Er setzte seinen Willen gegen alle Bedenken und Widerstände aus dem Rathaus durch. Am 14. Oktober 1983 wurde der Markt eröffnet. Dank Schorsche Holstein.

2005 wurde Holstein mit der Goldenen Wagenrunge, der höchsten Auszeichnung Wehlheidens, ausgezeichnet. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Wehlheider Platzes. Und da waren sie alle wieder da: Hans Eichel, Georg Lewandowski, Bertram Hilgen und die Bundes- und Landtagsabgeordneten. Und obwohl Holstein gerade geehrt worden war, stellte er gleich wieder eine Forderung: die Haltestelle Kirchweg sollte in Kirchweg/Wehlheider Platz umbenannt werden. Der Doppelname steht inzwischen auf den Haltestellenschildern.

Holsteins Markenzeichen waren Hartnäckigkeit und ein offenes Wort. Auch wenn er Auseinandersetzungen hatte - lange war ihm keiner böse. Er war ein Rebell, der für seinen Stadtteil kämpfte. Ob nun für einen passenden Weihnachtsbaum auf dem Platz oder gegen die Ansiedelung neuer Supermärkte, durch die er seinen Markt und den ortsansässigen Einzelhandel in Gefahr sah. Zudem sammelte er stets für Kinder im Stadtteil.

Holstein war ein Wehlheider Urgestein, das gleichwohl nicht aus Kassel stammte. Er wurde in Bebra-Weiterode (Kreis Hersfeld-Rotenburg) geboren. Der gelernte Kaufmann kam 1953 nach Kassel. Holstein arbeitete bei den Hessischen Heimstätten und anschließend beim Liegenschaftsamt der Stadt Kassel.

Als er in den Ruhestand ging, da sei er dann durchgestartet, sagt seine Tochter Inge Thaetner.

Gleich nachdem die Ortsbeiräte in Kassel 1981 eingerichtet wurden, übernahm Holstein für zwei Legislaturperioden das Amt des Ortsvorstehers. Davor war der Sozialdemokrat Mitglied des früheren Verwaltungsausschusses. Keine Frage, natürlich hatte Holstein auch schon das Kirmes-Ehrenamt des Wehlheider Bürgermeisters inne. Das war von 1988 bis 1989. Erst eine fröhliche, aber dann auch sehr traurige Zeit. Denn nach langer Krankheit starb 1989 seine erste Frau Marlene.

1996 heiratete er zum zweiten Mal. Seine Frau Else Hänisch-Holstein unterstützte ihn bei seinen Aktivitäten. Seine Familie, seine Frau, seine Tochter und seine zwei Söhne, mussten mitunter auch zurückstecken. Als Schorsche Holstein 85 wurde, lud er kurzerhand seine Familie und Freunde wieder aus und verschob das Fest. Grund war die gleichzeitig stattfindende Wehlheider Kirmes, deren Auftakt er vorbereiten musste. Das war wichtiger.

Im Dezember 2005 erlitt Holstein einen Schlaganfall. Seitdem traf man ihn nicht mehr wie sonst freitags auf dem Markt, im Kiosk oder bei Edeka Kroll. Seitdem parkt kein roter Lupo mehr auf dem Wehlheider Platz. Mit Schorsche Holstein ist ein Stück Wehlheiden gegangen.