Schlosskapelle

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Die Schlosskapelle befindet sich im nördlichen, dem sogenannten Kirchflügel, von Schloss Wilhelmshöhe in Kassel. Sie ist Teil der evangelischen Gemeinde Christuskirche Bad Wilhelmshöhe.

Innenansicht der Schlosskapelle


Geschichte

Kirchflügel

Wo einst das Jagdschloss Weißenstein stand, wurde unter Landgraf Wilhelm IX. (dem späteren Kurfürst Wilhelm I.) im Frühjahr 1786 ein neues Schloss errichtet, welches 1798 den Namen Wilhelmshöhe erhielt. Beauftragt wurde der Architekt Simon Louis du Ry, der das Schloss nach englischem Vorbild bauen ließ und von Heinrich Christoph Jussow unterstützt wurde. Ein Jahr nach Beginn der Bauarbeiten am südlichen Weißensteinflügel, wurde 1789 mit der Errichtung des Nordflügels begonnen, was bis 1792 dauerte. Die meisten Räume in der dritten Etage dienten als Wohnung für die fürstlichen Nachkommen, als Silberkammer oder Personalunterkünfte. In der unteren Ebene befanden sich die Küche sowie Wirtschaftsräume, doch der wichtigste Raum befand sich in der zweiten Ebene: Die Schlosskapelle. Aufgrund dessen Kapelle bürgerte sich für den Nordflügel der Name "Kirchflügel" ein. Am Sonntag, den 21. April 1793, wurde die Schlosskapelle von Oberhofprediger Justus Philipp Rommel mit dem 6. Vers des 95. Psalm protestantisch geweiht. Die stets vom Hofprediger gehaltenen Gottesdienste fanden nur auf Befehl des Fürsten statt. Dies änderte sich während der französischen Herrschaft 1806 bis 1813, als Schloss Wilhelmshöhe Hauptresidenz des von Jérôme Bonaparte regierten Königreich Westphalen war. In dieser Zeit wurden in der Schlosskapelle nur katholische Gottesdienste abgehalten, bis dann am 19. Mai 1814 unter Wiedereinsetzung des Landgrafen als Kurfürst Wilhelm I. eine Neuweihung stattfand. Auch unter Kaiser Wilhelm II. wurden regelmäßig protestantische Gottesdienste abgehalten. Dieser schenkte der Schlosskapelle 1892 eine gedruckte Bibel, die auch heute noch zu sehen ist. Seit 1906 wird die Kapelle von der Wilhelmshöher Christuskirche betreut.


Zerstörung und Restauration

1964 begannen in der Schlosskapelle die Renovierungsarbeiten, die nach den Zerstörungen im zweiten Weltkrieg notwendig geworden waren, als das Schloss am 29. Januar 1945 von einer Brandbombe getroffen wurde. Zwar hatte die Kapelle verhältnismäßig wenig gelitten, doch wurde sie mit der Zeit immer unansehnlicher und baufälliger.

In sechsjähriger Arbeit wurde sie so renoviert, dass ihre schöne Gestaltung wieder voll zur Geltung kam. Die alte Form wurde jedoch trotz der grundlegenden Erneuerung beibehalten, so dass die Schlosskapelle sich wieder in dem Glanz zeigte, wie sie vor über 170 Jahren geweiht wurde.
Die 1901 aufgestellte Orgel

Die Restauration wurde vollständig nach den originalen Farben und Maßen im alten Stil durchgeführt. Sogar die Orgel von 1901, zu der die Kirchengemeinde über 10000 Mark beisteuerte, wurde wieder mit eingebaut. Die Wände der Kapelle zieren bis heute acht Ölbilder von Wiskemann aus dem Jahre 1619, welche die Kindheitsgeschichte Jesu darstellen. Weiterhin wurde ein Vorraum neu geschaffen und der Kuppel musste mit Trägern und Balken wieder fester Halt gegeben werden. Außerdem wurde der Fußboden erneuert und eine Fußbodenheizung eingebaut. Sämtliche Stuckarbeiten mussten abgeklopft werden und wurden von Spezialisten nach altem Vorbild erneuert. Zuletzt wurde noch die Kanzel instand gesetzt und neu vergoldet. Diese Kosten der Renovierung trug das Land Hessen. Nachdem die Renovierungsarbeiten abgeschlossen waren, wurde am 6. September 1970 ein Festgottesdienst in der Schlosskapelle gehalten. Er wurde von Bischoff D. Vellmer, Dekan Dettmar und Pfarrer Kraushaar gestaltet. Die kleine Kapelle war an diesem Tag bis zum letzten Platz besetzt, sogar im neuen Vorraum standen und saßen die Besucher des ersten Gottesdienstes.


Architektur

Kassettendekor der Kuppel
Detailansicht

Heinrich Christoph Jussow hat sich stilistisch an französischen Kirchbauten wie St. Symphorien in Montreuil oder St. Philippe du Roule in Paris orientiert. Die Schlosskapelle füllt den ganzen westlichen Teil des Kirchflügels und wurde im klassizistischen Stil gebaut. Zwei toskanische Säulen sondern die ebenerdigen Seitenschiffe ab und tragen über dem Gebälk die kassettierte Tonne des Mittelschiffs. Diese läuft in der Apsis in einer Kalotte aus, in welche die Fenster der Beletage als Stichkappen einschneiden. Nach dem Bombeneinschlag während des zweiten Weltkrieges wurde bei der Restauration auf die stilistisch notwendigen Sprossenfenster verzichtet. An der westlichen Schmalwand liegt, über dem ehemaligen Fürstenstuhl, eine Orgelempore, welche ursprünglich von der Beletage aus unmittelbar zu begehen war.



Gegenwart

Ein Blick von der Empore

Heutzutage werden in der Schlosskapelle evangelische Gottesdienste gefeiert, die an Sonn – und Feiertagen um 15 Uhr stattfinden. Von Anfang Juni bis Ende August werden sie jedoch auf neun Uhr vormittags in den Musikpavillon im Bergpark Wilhelmshöhe verlegt. Der erste Gottesdienst im Freien erfolgt für gewöhnlich an Himmelfahrt.

In der Schlosskapelle können auch Hochzeiten gefeiert werden. Die Zeremonie selbst wird in der Regel von dem Pfarrer der Gemeinde vollzogen, der auch das zu trauende Paar angehört. Früher wurden die Jugendlichen der Gemeinde in der Schlosskapelle konfirmiert. Diese Feierlichkeit wird mittlerweile aber nur noch in der Christuskirche begangen.



Weblinks


Quellenverzeichnis

  1. Hinz, Berthold, Tacke, Andreas (Hrsg.): Architekturführer Kassel. Berlin: Dietrich Reimer 2002.
  2. Heidelbach, Paul: Geschichte der Wilhelmshöhe. Leipzig: Klinkhardt und Biermann 1909.
  3. Holtmeyer, Alois: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel. Band IV: Kreis Cassel-Land. Marburg: N.G. Elwertsche Verlagsbuchhandlung 1910.
  4. Wegner, Karl-Hermann: Kassel - Ein Stadtführer. Kassel: Johannes Stauda 1981.
  5. „Ausbau des Schlosses geht voran. Bald Umzug im Kirchenflügel. Räume werden Ende Oktober der Gemäldegalerie übergeben." Aus Stadtarchiv Kassel, Quelle unbekannt, 18.10.1969.
  6. „Von Weißenstein zu Wilhelmshöhe“. HNA Nr. 115 v. 21.05.1986.
  7. „Schloss Wilhelmshöhe“. HNA Nr. 288 v. 10.12.1988.
  8. „Die Wilhelmshöher Schlosskapelle“. HNA Nr. 089 v. 17.04.1993.