Schlosshotel Bad Wilhelmshöhe

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Das Schlosshotel Bad Wilhelmshöhe ist eines der renommiertesten Hotels in Kassel.

Der Eingangsbereich des Schlosshotels im Kasseler Schlosspark.
(Archivfoto: © HNA/Fischer)
Mit der Klassifizierung „Vier Sterne Superior“ des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes trat das Hotel am Bergpark Wilhelmshöhe im November 2013 in einer höheren Liga an.[1]

Lage und Größe

Das Hotel liegt im Kasseler Schlosspark direkt neben dem Schloss Wilhelmshöhe unterhalb des Herkules. Einen Anschluss an den Nahverkehr bietet die nahgelegene Haltestelle Wilhelmshöhe (Park), die von der Straßenbahn-Linie 1 angefahren wird.

Insgesamt bietet das Schlosshotel 186 Betten in 101 Zimmern und Suiten. Zudem stehen acht Veranstaltungsräume zur Verfügung, die bis zu 190 Personen Platz bieten. [2]

Geschichte

Eröffnung mit der Bundesgartenschau

Mit der Vergabe der Bundesgartenschau nach Kassel reifte bei der Stadtverwaltung zu Beginn der 1950er Jahre der Wunsch nach einem hochklassigen Hotel mit mindestens 60 Betten. 1952 wurden mit einem Wettbewerb verschiedene Bauentwürfe gesammelt. Die Verwaltung entschied sich letztlich für die Planung des Kasseler Architekten Paul Bode, obwohl sein Entwurf beim ursprünglichen Wettbewerb lediglich als zweiter hinter dem seines Marburger Kollegen Dieter Rittmeyer ausgezeichnet wurde. [3]

Nach dem Baubeginn im Frühjahr 1954 wurden die Arbeiten durch den harten Winter verzögert, so dass der damalige Kasseler Oberbürgermeister Lauritz Lauritzen das Hotel erst knapp zwei Wochen nach dem Start der Bundesgartenschau am 11. Mai 1955 einweihen konnte. [4] Die ursprünglich kalkulierten Baukosten von 1,6 Millionen DM hatten sich mit 3,1 Millionen Mark beinahe verdoppelt. [5]

Die Geschäfte laufen zunächst gut. 1970 empfängt das Hotel prominenten Besuch: Am 21. Mai treffen sich der damalige Bundeskanzler Willy Brandt und DDR-Ministerpräsident Willi Stoph im Schlosshotel, um über die Verbesserung der innerdeutschen Beziehungen und die völkerrechtliche Anerkennung der DDR durch die Bundesrepublik zu verhandeln.[6]

Verkauf und mehrere Neueröffnungen

Anfang der 1970er Jahre verschlechtert sich die Lage des Hotels jedoch. Die zuständigen Ämter sorgen lediglich dafür, dass die Bausubstanz des Hotels, das sich noch immer in städtischer Hand befindet, gepflegt wird. Investitionen in die Weiterentwicklung der Anlage bleiben ebenso aus wie die nötigen Gästezahlen. 1974 wird erstmals öffentlich über einen Verkauf des Hotels diskutiert. [7] Im Sommer 1975 übernimmt die Mainzer WAF Werbeagentur GmbH und Co. Hotel-Management KG - eine Tochter der aus Luxemburg stammende Europa-Hotel-Gesellschaft - das Hotel, neuer Geschäftsführer wird Berno Heinrich Feuring. Kurze Zeit später muss die mit über 2 Millionen DM verschuldete WAF jedoch Konkurs anmelden. [8][9]

Nachdem das Hotel zwischenzeitlich mit dem Kasseler Gastronomen Hugues Innocenti einen neuen Pächter gefunden hatte, übernimmt die Cuntze KG, die zu diesem Zeitpunkt bereits den Schweizer Hof in Kassel betreibt, das Schlosshotel im September 1979 - und verspricht Investitionen von über 10 Millionen DM.[10] Es folgen mehr als eineinhalb Jahre Umbauarbeiten, am 31. Juli 1981 wird das Schloßhotel neu eröffnet. [11] 1990 werden mehr als 4 Millionen DM in die zum Schlosshotel gehörende Remise investiert, um das Gebäude denkmalschutzgerecht zu restaurieren und Raum für neue Hotelzimmer zu schaffen. [12]

Übernahme durch Michael Lamm

Im Dezember 2000 übernimmt der Erfurter Hotelier Michael Lamm das Hotel. Er verspricht Investitionen in Millionenhöhe, um das Schlosshotel in ein edles Grand Hotel umzuwandeln. [13] Kurze Zeit später wird jedoch bekannt, dass Lamms Hotels Resort Villas Management GmbH beim Erfurter Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt hat. Laut Lamm seien die Investitionen im Schlosshotel davon nicht betroffen. [14] Im April 2003 gibt Lamm bekannt, dass nach Investitionen von etwa 1,8 Millionen Euro mittlerweile 60 von 101 Zimmern sowie die Heizungsanlage über dem Restaurant, die Fassade und Bäder der übrigen Zimmern fertig renoviert worden seien. [15]

Einen Monat später entbrennt die Diskussion um die finanzielle Lage des Schlosshotels jedoch erneut. Mitarbeiter berichten von Streit um ausstehende Gehälter und Sozialabgaben, internen Querelen sowie Schwierigkeiten mit Lieferanten. Zudem werden Gerichtsverfahren gegen Lamms Hotelgruppe, die zu diesem Zeitpunkt zehn Häuser in ganz Deutschland umfasst, bekannt. [16] Im Juli kündigt die Mietgrund Immobilien GmbH & Co Liegenschaften KG, mittlerweile Eigentümerin des Schlosshotels, den Pachtvertrag mit Lamm[17], der Betrieb wird von dem Hotelier Volker A. Deigendesch übernommen. [18] Erneut wird ein Teil der Hotelanlage renoviert, gleichzeitig regt der hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, einen Abriss und Neubau durch eine große Hotelkette an, was letztlich jedoch nicht realisiert wird. [19]

Ersteigerung durch die Jochinger Bauconsulting

Nachdem der von Deigendesch geplante Ausbau des Schlosshotels zu einem Fünf-Sterne-Haus nicht realisiert wird[20], ersteigert die Jochinger Bauconsulting des Kasseler Unternehmers Gerhard Jochinger das zuletzt unter Zwangsverwaltung stehende Schlosshotel im Juni 2008 für 3,5 Millionen Euro. [21] Den Pachtvertrag des Schlosshotels, das zu diesem Zeitpunkt etwa 45.000 Gäste pro Jahr empfängt, mit Volker A. Deigendesch wird zum 1. April 2009 gekündigt. Deigendeschs Hotelbetriebs-GmbH meldet daraufhin Insolvenz an. [22]

Neben Restaurierungsarbeiten werden im Bereich der mittlerweile geschlossenen Spielbank auch neue Zimmer gebaut. Im November gibt das Rathaus grünes Licht für Jochingers Planungen zu einem weiteren Ausbau des Hotels, wobei Absprachen mit den Ministerium für Wissenschaft und Kunst bezüglich des Weltkulturerbes Bergpark nötig sind. Jochingers Ziel: Ein Abschluss der Umbauarbeiten bis zur Documenta 2012. [23]

siehe auch

Schlosshotel Wilhelmshöhe im Juli 2014

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Aus HNA.de vom 12. November 2013: Schlosshotel am Bergpark hat jetzt viereinhalb Sterne
  2. Schlosshotel-Kassel.de: Tagungen
  3. Kasseler Post vom 10. September 1953: Schloßhotel: Baubeginn Oktober
  4. Kasseler Post vom 12. Mai 1955: Chancen für internationalen Ruf
  5. Hessische Allgemeine vom 25. März 1974: Ein Verkauf ist nicht so einfach
  6. Schlosshotel-Kassel.de: Geschichte
  7. Hessische Allgemeine vom 25. März 1974: Ein Verkauf ist nicht so einfach
  8. Hessische Allgemeine vom 28. November 1975: Konkurs eröffnet
  9. Hessische Allgemeine vom 8. Januar 1976: Mit zwei Mill. überschuldet
  10. Hessische Allgemeine vom 29. September 1979: Cuntze KG pachtet das Schloßhotel
  11. Hessische Allgemeine vom 30. Juli 1981: Neubau-Eröffnung Schloß-Hotel Wilhelmshöhe am 31. Juli 1981
  12. Hessische Allgemeine vom 2. Januar 1990: Denkmalschutz und neue Hotelzimmer
  13. Hessische Allgemeine vom 9. Januar 2001: Schlosshotel mit neuem Betreiber
  14. Hessische Allgemeine vom 19. April 2001: Betreiber: Es bleibt beim Umbau des Schlosshotels
  15. Hessische Allgemeine vom 23. April 2003: Langer Weg zur Topadresse
  16. Hessische Allgemeine vom 10. Mai 2003: Stammgast ist nur der Gerichtsvollzieher
  17. Hessische Allgemeine vom 19. Juli 2003: Lamm muss Feld räumen
  18. Hessische Allgemeine vom 3. September 2003: Schlosshotel vor Neuanfang
  19. Hessische Allgemeine vom 6. Juni 2004: Erst kaufen, dann abreißen
  20. Hessische Allgemeine vom 17. November 2007: Sterne bleiben in der Ferne
  21. Hessische Allgemeine vom 18. Juni 2008: Jochinger im Schlosshotel
  22. Hessische Allgemeine vom 25. März 2009: Schlosshotel ist insolvent
  23. Hessische Allgemeine vom 17. November 2009: Neues Hotel bis 2012

Weblinks