Schloss Wilhelmshöhe

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Schloss Wilhelmshöhe liegt im Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe. Es ist unter anderem für den Weißensteinflügel und eine umfangreiche Kunstsammlung bekannt.

Geschichte

Schloss Wilhelmshöhe


Ab dem 12. Jahrhundert befand sich an dieser geschichtsträchtigen Stelle zunächst das Augustinerkloster Weißenstein, das nach der Säkularisierung unter der Herrschaft von Landgraf Philipp I. als Jagdschloss genutzt wurde.

Später ließ Landgraf Moritz in den Jahren 1606 bis 1610 ein neues Jagdschloss erbauen, bevor unter Landgraf Wilhelm IX. (später Kurfürst Wilhelm I.) in den Jahren 1786 bis 1798 nach Entwürfen des Architekten Simon Louis du Ry der Weißensteinflügel des heutigen Schlosses und nach den Entwürfen von Heinrich Christoph Jussow der Mittelteil und der Kirchflügel entstanden.

Während der Zeit des Königreichs Westfalen in den Jahren 1806 bis 1813 wurde das Schloss Napoléonshöhe genannt und diente dem König von Westphalen Jérôme Bonaparte zeitweise als Residenz, nachdem das ehemalige Landgrafenschloss 1811 abgebrannt war.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage von Fliegerbomben beschädigt und das Schloss nach dem Krieg wieder hergerichtet.

Im Jahr 1972 fanden hier deutsch-deutsche Gepräche zwischen dem damaligen Bundeskanzler Willy Brandt und Willi Stoph statt.

Wiederaufbau nach dem Krieg

Schloss Wilhelmshöhe

Bei den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg wurde der Mitteltrakt von Schloss Wilhelmshöhe zerstört. Mitte der 1950er-Jahre begann eine mehrjährige Diskussion um den Wiederaufbau.

Als Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau hatte 1938 Prinz Philipp von Hessen den Abbruch der ungeliebten Verbinderflügel von Schloss Wilhelmshöhe verfügt. Der ein Jahr später beginnende Krieg verhinderte den Abriss. Statt dessen legten Bomben den Mitteltrakt in Schutt und Asche.

Mitte der 1950er-Jahre entwickelte sich eine breite Diskussion um den Wiederaufbau, die sich schließlich im Jahre 1962 zuspitzte. Dabei war anfangs völlig unklar, für welchen Zweck das Schloss wiederhergestellt werden sollte.

Nutzung für die Kunst

Erst ab 1960 wurde zielgerichtet darauf hingearbeitet, die Gemäldegalerie Alte Meister und die Antikenabteilung dorthin zu verlagern. Im Verkehrsverein war 1956 zuerst die Idee entwickelt worden, im Schloss ein Kurhaus einzurichten.

Drei Jahre später geisterte der Vorschlag durch die Presse, das Schloss zu einem Forum für internationale Kunst zu machen. Arnold Bode, der documenta-Begründer, und seine Freunde standen dahinter. Über einen längeren Zeitraum hatten sie nämlich den Plan verfolgt, die dritte documenta im wiederaufgebauten Schloss zu zeigen.

Schloss Wilhelmshöhe

Dazu kam es nicht. Doch der Grundgedanke, das Schloss Wilhelmshöhe als Ausstellungshaus mit wechselnden Bestimmungen auszubauen, floss in die Planungen des Architekten Paul Posenenske mit ein, als endlich feststand, dass dort ein Museum für die Alten Meister und Antikenabteilung entstehen sollte: Bis heute sind die Ausstellungsräume im Schloss durch die offene Raumstruktur mit im Prinzip mobilen Stellwänden geprägt. Man sollte jederzeit umgestalten können. Aber die beim Ausbau verlegten Teppichböden verhinderten ebenso das Verschieben der Stellwände wie das Eigengewicht dieser Architekturteile.

Posenenske, seit 1958 Architektur-Professor in Kassel, war ein Mann der Moderne, einer, der im Geiste des Bauhauses arbeitete. Von ihm stammt der Kunsthochschulbau an der Menzelstraße. Als er den Auftrag übernahm, den Mitteltrakt des Schlosses wiederaufzubauen, dachte er keinen Moment an eine Rekonstruktion.

Er selbst hatte ein kritisches Verhältnis zum überlieferten Schloss, wie er 1986 in einem Vortrag darlegte: "Besonders die plumpen Leberwurstsäulen sind Du Ry auf die Nerven gegangen, und ich denke, daß ihm auch die etwas verwegen und unorganisch aufgestülpt wirkende Kuppel nicht hat gefallen können... Alles spricht dafür, daß es besser gewesen wäre, wenn der Landgraf auf Du Ry gehört hätte." Und: "Nach wie vor spricht eine Reihe wichtiger Gründe auch gegen den Kuppelaufsatz." Erst zehn Jahre später sollte sich seine Meinung ändern.

Schloss Wilhelmshöhe

Aber die Kuppel war 1962 ebenso wenig Thema der öffentlichen Schlossdiskussion wie das Konzept für die Innenarchitektur.

Damals stritt man fast ausschließlich um die Verbinderflügel. Deren Abriss war schon fast beschlossen, dann wurde aber doch ihr Fortbestand gesichert: Einerseits tat man sich schwer, intakte Gebäudeteile aus rein ästhetischen Gründen abzutragen, zumal die Staatlichen Museen dankbar für jeden zusätzlichen Quadratmeter Ausstellungsraum waren. Zum anderen machte sich Posenenske das Wort der Denkmalpflege zu eigen, daß das Schloss ein "gewachsenes" Denkmal sei, das sich beständig verändert habe und geschichtliche Abläufe spiegele.

Auch für sich selbst nahm Posenenske diesen Grundsatz in Anspruch: Mit seinem Plan für das Museum im Schloss entwickelte er das Denkmal weiter. Er setzte in die historischen Mauern einen kompletten Neubau aus Beton, Stahl, Aluminium und Glas, der auf den Kontrast setzte. Ein neues, lichtdurchflutetes (keine Sprossenfenster) und variables Museum sollte entstehen. Die Begegnung mit den Meisterwerken sollte im modernen Raum geschehen.

Je weiter und konkreter Posenenskes Pläne gediehen, desto größer wurde aber die Entfremdung zum Bauherrn. Am Ende mußte der Architekt das Feld räumen. Und als 1974 Schloss Wilhelmshöhe als Kunstmuseum eröffnet wurde, waren viele der Ursprungsideen beiseite geschoben. So konnte auch Posenenske in den Chor der Kritiker einstimmen.

Rasenallee

Karte der Rasenallee

Schloss Wilhelmshöhe ist mit Schloss Wilhelmsthal in der Nähe von Calden über die etwa 9 km lange Rasenallee fast geradlinig verbunden.

Angelegt wurde die Rasenallee im Jahre 1797 für Landgraf Wilhelm IX.. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein wurde diese historische Strasse Fürstenallee genannt. Leichte Kutschen im Sommer und Schlitten im Winter fuhren hier durch Feld und Wald, durch Täler und über Höhen.

Gemäldegalerie

Ab 1994 wurde die Gemäldegalerie im Schlossgebäude innen vollkommen neu gebaut und am 19. Juni 2000 wiedereröffnet. Ein Glaslichtdach bringt heute das Tageslicht in den oberen Geschossteil und zeigt die weltberühmte Rembrandt- und Rubenssammlung.

Die Gemäldegalerie wurde ursprünglich im Jahre 1751 von Wilhelm VIII. (1682-1760) angelegt, der Gemälde der flämischen und holländischen Meister aus dem 17. und 18. Jahrhundert erworben hatte. Die Ausstellungsräume wechselten im Laufe der Jahrhunderte bis 1974 die Etagen des Schlosses bezogen werden konnten.

Aus dem Geschäftsbericht des Landes Hessen aus dem Jahr 2014 geht hervor, dass zehn der dort ausgestellten Gemälde zu den 15 teuersten des Landes gehören. Darunter viele von Rembrandt van Rijn wie auch Tizian und Peter Paul Rubens. Das wertvollste Gemälde: Rembrandts Jacob segnet Ephraim und Manasse, Rembrandts Saskia im Profil, Rembrandts Die Heilige Familie mit dem Vorhang, Tizians Bildnis eines stehenden Feldherren in ganzer Figur, Rembrandts Bildnis eines stehenden Herren in ganzer Figur, Rubens Der Triumph des Siegers, Rembrandts Bildnis des Nicolaes Bruyningh, Rembrandts Bildnis eines federscheidenden Mannes, Rembrandts Bildnis eines Mannes und Rubens Venus, Amor, Bacchus und Ceres.

siehe auch

Schloss Wilhelmshöhe im Juli 2014


Weblinks

Schloss Wilhelmshöhe um 1900



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