Schloss Freudenthal

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Reste der Grundmauern von Schloß Freudenthal in Uslar.

Ein Lust- und Jagdschloss für Uslar

Wie die meisten seiner Zeitgenossen aus dem Hochadel liebte auch Herzog Erich II. von Braunschweig-Calenberg die Jagd. Von Uslar aus konnte er nicht nur auf die Pirsch gehen, sondern auch nach Herzenslust fischen. Die kleine Sollingstadt wurde deshalb Standort des herzöglichen Lust- und Jagdschlosses „Freudenthal“.

Die Uslarer konnten sich für dieses fürstliche Großprojekt kaum begeistern, weil sie ihrem Landesherrn zu unentgeltlichen Hand- und Spanndiensten verpflichtet waren. Diese umfangreichen Arbeitsleistungen verminderten für Jahre ihr Einkommen und schwächten die Wirtschaft vor Ort.

Häuser mussten weichen

Abbildung der Ruine von Schloss Freudenthal (Ausschnitt aus einem Merian-Stich von Uslar).

Außerdem ließ Erich am heutigen Uslarer Graftplatz etliche Häuser abreißen, um einen möglichst großen Schlossplatz zu bekommen. Den Betroffenen wurde „gnädigst gestattet, auf einem ihnen angewiesenen Platz außerhalb der Stadtmauern, vor dem Obertor, ihre Häuser wieder aufzubauen“. Die Stadt Uslar musste auf eigene Kosten diese „Neustadt“ für die Umsiedler und Bauhandwerker anlegen.

Mit dem aufwändigen Schlossbau am Westrand Uslars begannen Erichs Handwerker 1559 und vollendeten ihn wahrscheinlich in der zweiten Hälfte der 1560er Jahre. Bereits ein halbes Jahrhundert später, im Jahre 1612, zerstörte eine Brandkatastrophe das Gebäude.

Uslar – Schloss Freudenthal gehörte zu den größten Schlossbauten des 16. Jahrhunderts in Deutschland. Zusammen mit den welfischen Schlössern in Münden und Neustadt am Rübenberge zählt dieser Prachtbau zu den bedeutendsten Schlossanlagen Nordwestdeutschlands. Seine nur mühsam und teilweise durch militärische Raubzüge finanzierten Prunkbauten begründeten Erichs Ruf als avantgardistischer Bauherr der Weserrenaissance. Freudenthal war eine fast quadratische Vierflügelanlage mit einer Seitenlänge von 95 mal 85 Meter. Die äußeren Ecken der Flügel wurden durch vorspringende Türme besonders hervorgehoben. Nach dem Merian-Stich aus dem 17. Jahrhundert, der bereits nach dem Großbrand aufgenommen wurde, besaß das Uslarer Schloss mindestens drei Stockwerke.

Als fürstliche Residenz oder Jagdschloss wurde Freudenthal nie genutzt. Den Uslarern war Herzog Erich ohnehin gram, da sie sich weigerten, den Namen des Schlosses auf ihre Stadt zu übertragen.

Dr. Wolfgang Schäfer

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