Schloss Berlepsch

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Schloss Berlepsch, Südostseite, Zufahrt mit Torhaus

Schloss Berlepsch, frühere Namen lauten Berleipse, Berlepse, Berleiffen, ist eine dreiflügelige Anlage mit Binnenhof und Park bei Witzenhausen.

Die Zufahrt von der Bundesstraße B 80 aus ist ab Gertenbach ausgeschildert.

Geschichte

Im 14. Jahrhundert wurde die Stammburg der Adelsfamilie Berlepsch in Barlissen zerstört. Da die Familie bereits Güter an der Werra besaß, ließ sich dort nieder und bewohnte das landgräfliche Schloss in Bischoffhausen. An der heutigen Stelle von Schloss Berlepsch ließ 1368 bis 1369 Arnold von Berlepsch das nuwe Hus Berleybischhin errichten. Die dreiflügelige Anlage umschloss eine Wehrmauer mit Portal und Zugbrücke über den Halsgraben an der freien Nordseite.

Der zum Erbkämmerer ernannte Arnold von Berlepsch erhielt für seine Dienste unter dem hessischen Landgrafen Heinrich II. die Lehen der Dörfer Hübenthal, Albshausen, Hermannrode und Grebenhain. Da Arnolds Sohn Hans von Berlepsch kinderlos blieb, brachte sich 1392 der Burgmann Thilo von Berlepsch aus Ziegenberg gegen den Willen des Landgrafen in den Besitz der Burg. 1400 zerstörten hessischen Truppen die Burg. 1461 wurde der vermögende Ritter Sittich von Berlepsch mit der inzwischen wieder aufgebauten Burg belehnt. Sie wurde von ihm mit starken Mauern umgeben und mit Türmen und Zwingern befestigt. 1593 kam ein Treppenturm mit Renaissanceportal hinzu. Im Dreißigjährigen Krieg plünderten 1623 Tillys „Soldateska“ das Schloss und brannten es nieder. Zwei Jahre später fielen Wallensteins Truppen über das Schloss her. 1631 wurde das Schloss wiederum von Tillys Truppen verwüstet und danach nur notdürftig wieder aufgebaut.

Am 14. August 1801 besuchte Goethe Schloss Berlepsch. 1809 lebte Friedrich Ludwig Freiherr von Berlepsch auf dem Schloss. Von 1881 bis 1894 gaben der Dichter Karl Graf von Berlepsch und der Ornithologe Hans Graf von Berlepsch dem Schloss durch umfassende Umbauten und Veränderungen die heutige Gestalt.

Während Hans von Berlepsch auf dem Schloss eine vogelkundliche Sammlung einrichtete, versammelte Karl Graf von Berlepsch von Zeit zu Zeit einen Kreis bekannter Dichter auf dem Schloss. Auf dem Wappenstein am äußersten der drei Tore ist das Wappen der beiden Berlepschlinien eingemauert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss durch Hubertus von Berlepsch in ein Hotel mit Restaurant umgestaltet. 1980 wurde dies wieder geschlossen, als Hans-Sittich Graf von Berlepsch auf dem Schloss das Sannyasinzentrum Arvind der Bhagwananhänger gründete, das jedoch 1982 wieder aufgelöst wurde. Seitdem ist das Schloss privat bewohnt und außer dem Innenhof nicht mehr öffentlich zugänglich.

Anlage

Der zum Schloss gehörende Park stammt aus dem 18. Jahrhundert und weist Merkmale des Englischen Landschaftsgartens auf. In ihm befindet sich knapp unterhalb westlich der mittelalterlichen Umfriedung die Schlosskapelle. Park und Schlosskapelle sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Sonstiges

In Schauspielerkreisen erzählte man sich, dass der Schauspieler Thilo von Berlepsch in den 1950er und 1960er Jahren Schloss Berlepsch mehrfach als Filmlocation für Dreharbeiten zu Krimis (z.B. Edgar Wallace-Filme) und "Gruselfilmen" dieser Jahre zur Verfügung stellte und in diesen deutschen Filmproduktionen auch Nebenrollen übernahm, etwa als Butler (auf seinem eigenen Familienschloss!) oder eben als "Bilderbuch"-Adliger.

Die Schiftstellergemeinschaft Gruppe 47 hielt vom 31. Oktober bis zum 2. November 1952 ihr elftes Treffen auf Schloss Berlepsch ab.

Literatur

  • Eduard Brauns: Wander- und Reiseführer durch Nordhessen und Waldeck. Bernecker Verlag, Melsungen, 1971, S. 392-394

siehe auch

Weblinks