Schlafsaal und Führerraum

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Schlafsaal und Führerraum

Von Thomas Schattner

Homberg. „Weihe“ war am Sonntag, den 25. Juni 1933. Das neue Lager des Freiwilligen Arbeitsdienstes (FAD) in Oberhülsa wurde mit Platzkonzert, Tanz, Gottesdienst und Geländespiel gefeiert.

Der Anlass war der Bezug eines neuen Blockhauses oberhalb der Hülsaer Teiche, der ganze Stolz von Lagerführer Behn-Rotfelser, Spross einer althessischen Adelsfamilie. Die FAD-Leute hatten das Gebäude selbst errichtet und bereits bezogen. Das Blockhaus hatte eine Küche, ein Führerzimmer, einen Tagesraum und zwei große Schlafsäle für bis zu 120 Personen.

Plumpsklo und Bodenroste

Die hygienischen Anlagen wurden aufs Primitivste gelöst. Nur das tägliche Einstreuen von Chlorkalk im Plumpsklo machte den Gestank erträglich. Die Doppelwände zum Schutz gegen Wind und Kälte waren mit Heidekraut ausgestopft. Ein großer, langer Trog mit darüber liegendem, durchlöcherten Wasserrohr war die Waschgelegenheit für die Männer. Roste dienten dazu, dass nicht alles im Morast versank.

Ebenso primitiv waren die Duschanlagen konzipiert. „Bis ins Dorf war das Gejohle zu hören, wenn sich die Jungs mit dem eiskalten Wasser duschten“, heißt es in einer Zeitzeugenschilderung.

Die Verpflegung stand unter der Aufsicht eines Obertruppführers. Besorgt wurde sie aber von fünf Frauen, die den FAD-Männern zur Hand gingen. Laut Kreisblatt war die Verpflegung gut und reichlich.

Urbarmachung

Die Hauptaufgabe des FAD ab 1932 in Hülsa bestand darin, 130 Morgen im Bereich der Oberförsterei Wallenstein urbar zu machen. Das Land sollte den umliegenden Gemeinden anteilmäßig zur Verfügung gestellt werden. Jeder FAD-Mann erhielt 2 Mark pro Tag hinzu kamen 30 Pfennig Taschengeld.

Eigentlich dienten die FAD- Lager zweifellos ideologischen Zwecken. Ein „Kampfplatz zur Schulung des deutschen Volkes gegen die Weltanschauung des Marxismus und des Liberalismus sein“ und eine „Charakterschule“ sollten sie sein.

So erfüllten sie eine wichtige Aufgabe im nationalsozialistischen Deutschland (siehe Stichwort), sorgten für die Sicherung der im Januar 1933 errungen Macht der NSDAP. Weitere fliegende FAD-Lager waren bereits in Planung. Je eines sollte in Remsfeld, Wallenstein und Appenfeld entstehen.

Nach Ende der Arbeiten wurde die Unterkunft in Hülsa ab- und bei Saasen wieder aufgebaut. Noch heute erinnert ein Sandsteinfindling nahe des Rüstzeitheims Hülsa mit seiner Inschrift „NOT/ARB 1932“ an die Zeit des Arbeitsdienstes.


Quellen

  • Der Freiwillige Arbeitsdienst in Hülsa, in: Jakob Maikranz und Horst Gunkel: Mein Dörflein im Knüll, Eine Ortsgeschichte in Texten und Bildern von Ober- und Niederhülsa (1998).
  • Homberger Kreisblatt vom 17. und 20. Juni 1933.