Schlachtfeld am Harzhorn

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Luftbild: So sieht das Harzhorn von oben aus.

Das Schlachtfeld am Harzhorn ist ein archäologischer Fundplatz nahe dem Kalefelder Ortsteil Wiershausen im Landkreis Northeim.

Zahlreiche Fundstücke deuten auf ein Gefecht zwischen Römern und Germanen in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts nach Christus hin. Das Schlachtfeld ist eine der wenigen römischen Fundstellen östlich der Weser im norddeutschen Raum.

Inhaltsverzeichnis

Zufällige Entdeckung am Harzhorn

Fund vom Harzhorn: Schaufelhacke. Foto: Silvana Streichhardt (NLD, studentische Hilfskraft)
Fund vom Harzhorn: Geschossspitzen. Foto: Silvana Streichhardt (NLD, studentische Hilfskraft)
Fund vom Harzhorn: Hipposandalen. Foto: Silvana Streichhardt (NLD, studentische Hilfskraft)
Fund vom Harzhorn: Hülsenzierfibel (Gewandnadel). Foto: Thorsten Schwarz (NLD)
Fund vom Harzhorn: Münzen. Foto: Silvana Streichhardt (NLD, studentische Hilfskraft)
Fund vom Harzhorn: Zierbeschlag von Pferdegeschirr. Foto: Thorsten Schwarz (NLD)
Fund vom Harzhorn: Diese Hipposandale diente den Römer quasi als Hufeisen für Pferde und Maulesel.
Fund vom Harzhorn: Römische Geschoss-Spitzen.
Diese Denare haben das Zeiträtsel um die Schlacht gelöst.

Zwei Sondensucher stehen am Beginn der Entdeckung eines römisch-germanischen Schlachtfeldes am Harzhorn in der Gemeinde Kalefeld. "Die ganze Sache ist einem Zufall zu verdanken", berichtet einer der Finder später. "Wir sind im Mai 2000 mit unseren elektronischen Krückstöcken den Wald abgegangen und kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Das piepste andauernd, wohin wir uns auch drehten", berichten sie weiter. Sie nahmen einige der Stücke mit, säuberten diese und stellten Fotos davon später ins Internet. Dadurch kam der Stein ins Rollen: Ein Geschichtsinteressierter aus Köln hatte diese Seiten gesehen und den Findern mitgeteilt, dass es sich um römische Stücke handelt, die eigentlich nicht aus Südniedersachsen stammen könnten. Die beiden Finder wandten sich deshalb 2008 an die Northeimer Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne. Sie setzte eine gezielte Suchaktion in Gang.


Staunen im Amtszimmer

Anfang Juni 2008 hatte Kalefelds Bürgermeister Edgar Martin erstmals von dem Schlachtfeld und den Funden erfahren. „Damals rief mich Landrat Michael Wickmann an und kündigte einen Besuch von Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne an. Außerdem verlangte er strikte Geheimhaltung.“ Der Bürgermeister staunte nicht schlecht, als einige Tage später die Archäologin einen Koffer mit Exponaten in das Amtszimmer von Bürgermeister Edgar Martin mitbrachte. „Sie zeigte unter anderem Sandalen-Nägel, die Hippo-Sandale, eine Axt und einen Spaten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Exponate noch im Rohzustand. Klar war schon, dass es sich um Objekte aus der Römerzeit handelt.“

Großes Interesse bei den Medien

Im Dezember 2008 kam es zu einem riesigen Medieninteresse im Alten Amt. Bei einer Pressekonferenz in Oldenrode wurde das Projekt vorgestellt.

Zeitliche Einordnung durch Denare

Sechs Silbermünzen, die am Harzhorn gefunden wurden, machen die zeitliche Einsortierung der von der akademischen Archäologie "unterschlagenen" Römerschlacht im Landkreis Northeim genauer möglich. Da man fest davon ausging, dass nach den Vergeltungszügen nach der Varusschlacht, Rom alle Ansprüche an Germania Magna aufgegeben hatte, "korrigierte" man kurzerhand die durchaus vorhandenen schriftlichen Beweise für den Feldzug und die detailliert beschriebene Schlacht, die Maximinus Thrax selbst befehligte. Die Angaben von 300-400 röm. Meilen(ca.450-600 km), die das Heer vom Limes entfernt operiert haben soll, setzte man als Abschreibefehler auf 30-40 röm.Meilen zurück, ein fataler Fehler, der nun behoben werden musste. Dadurch ist die zeitliche Eingrenzung auf die Jahre 235-238 n.Chr. gegeben, der Regierungszeit des Maximinus Thrax nämlich, dabei kommen eher die Jahre 236/237 n.Chr. in Betracht. Daher ist die Bedeutung dieser Funde außerordentlich hoch, weil über die Erkenntnisse der Schlacht selbst hinaus, muss die gesamte "Germanenpolitik" der römischen kaiserzeit neu betrachtet werden. Im April 2009 wurden die aktuellen Forschungsergebnisse während einer Pressekonferenz in der Auetalhalle in Willershausen vorgestellt. Unter den Münzen, so genannten Denaren, ist eine von Kaiser Caracalla (regierte von 211 bis 217 nach Christus), drei von Kaiser Elagabal (regierte von 218 bis 222 nach Christus) sowie zwei von Severus Alexander (regierte von 222 bis 235). Münz-Experte Dr. Frank Berger aus Frankfurt am Main nahm die geschichtliche Einordnung der Münzfunde vor. Ein römischer Legionär erhielt laut Dr. Berger damals jährlich zwischen 500 und 600 Denare Sold – das entspricht einer heutigen Kaufkraft von 50 000 bis 60 000 Euro.

So könnte die Schlacht abgelaufen sein

Die Römer brachen nach Angriffen der Germanen auf den Limes unter Kaiser Maximinus Thrax um 235 zu einem Vergeltungsfeldzug auf. Beim Rückmarsch könnten die Germanen den Römern am Harzhorn bei Oldenrode den Weg abgeschnitten haben. Die römischen Truppen überzogen die Germanen mit einem Hagel von Pfeilen und Geschossen aus ihren High-Tech-Katapulten, bis der Weg über den Pass frei war.

Ehrenamtliche Guides informieren Besucher

Seit Frühjahr 2010 stehen ehrenamtliche Führer für die Information der Besucher bereit. Die Führungen sind ein wichtiges Angebot für Interessierte. Mehrere Freiwillige hatten sich bereit erklärt, als ehrenamtliche Führer zu fungieren. Bevor sie aber zum Einsatz kamen, mussten sie ausgebildet werden. Professor Dr. Günther Moosbauer von der Universität Osnabrück, ein anerkannter Kenner der römischen Geschichte, übernahm die Schulung der Führer. Die Führungen gibt es nicht zum Nulltarif.

Vermarktung mit Hilfe von drei Säulen

Ein Drei-Säulen-Modell soll die Vermarktung des Schlachtfeldes am Harzhorn in einigen Jahren sicherstellen. Ein archäologischer Park soll Besuchern die Schlachtsituation vor Ort veranschaulichen. Ein Lehrpfad, Schautafeln sowie Duplikate von Fundstücken sollen das Geschehen erlebbar und begreifbar machen.

In einem vorhandenen Gebäude könnte ein Museum entstehen. Das sieht die zweite Säule vor. Die Ausstellung soll mit anderen Museen vernetzt werden. Landrat Wickmann will sich unbedingt dafür einsetzen, dass einige der Fundstücke in der Region ausgestellt werden. Dritte Säule ist eine Wanderausstellung. Bei diesem Projekt soll mit nationalen und internationalen Ausstellungshäusern zusammengearbeitet werden.

Unterdessen wurde zum Thema touristische Vermarktung des Harzhorns vom Landkreis Northeim ein Gutachten bei der Technischen Hochschule Aachen in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr 2012 vorliegen.

Weiteres Schlachtfeld in drei Kilometern Entfernung

Römer und Germanen kämpften im dritten Jahrhundert nach Christus nicht nur am Harzhorn im heutigen Landkreis Northeim gegeneinander. Weitere spektakuläre Funde wurden an einer neuen Stelle in drei Kilometern Entfernung gemacht, darunter eine Axt mit Inschrift. Zwei professionelle Techniker des Landkreises Northeim hatten an der neuen Stelle bereits Ende 2010 Funde gemacht. Jedoch erst im Januar 2012 wurde die Öffentlichkeit darüber informiert. Offiziell will Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne den genauen Ort des neuen Kampfplatzes bislang nicht bekannt geben. Die betroffenen Grundstückseigentümer sind dagegen. Außerdem hat man in der Northeimer Kreisverwaltung Angst vor illegalen Fundsuchern.

Pionieraxt mit Inschriften und weitere neue Funde

Fund vom zweiten Schlachtfeld: Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne präsentiert eine römische Pionieraxt mit Inschriften. Foto: Bernd M. Schlegel

Absolutes Prunkstück der neuen Funde, die im Januar 2012 präsentiert werden, ist eine zwei Kilogramm schwere, vollständig erhaltene Pionieraxt aus Eisen, eine Kombination aus Axt und Hacke. Beim Restaurieren dieser so genannten Dolabra kam auf der Breitseite eine Inschrift zu Tage, die erstmalig einen genauen Hinweis auf das am Harzhorn kämpfende römische Heer gibt. Mit den Neufunden ist nach Ansicht der Experten der Beweis erbracht, dass das Harzhorn selbst nur ein Ausschnitt aus einer weiträumigen militärischen Operation der Römer ist. Die Beteiligung von Einheiten der vierten Legion ist ein zusätzlicher Hinweis darauf, dass es sich bei den Funden am Harzhorn um die Spuren eines Feldzuges von Kaiser Maximinus Thrax aus dem Jahr 235 nach Christus handeln muss.

Was verraten die Inschriften auf der Axt?

In großen Lettern ist auf der Axt der Eigentümer vermerkt, die „LEG IIII“, die vierte Legion. Einem Expertenteam ist es gelungen, die geheimnisvolle Inschrift vollständig zu deuten. Die Experten sind sich nun sicher, dass bei der Schlacht am Harzhorn war die vierte Legion Flavia felix eingesetzt war. Sie war in Singidunum (heute Belgrad) in der Provinz Obermoesien stationiert und gilt unter den Geschichtsforschern als besonders schlagkräftige Einheit, die an vielen militärischen Operationen des dritten Jahrhunderts beteiligt war. „Serben waren in Germanien“, brachte es Professor Dr. Günther Moosbauer von der Universität Osnabrück auf den Punkt. Ein Einsatz von Einheiten der vierten Legion in Germanien ist auch durch einen Gedenkstein für den gefallenen Soldaten Aurelius Vitalis in Speyer überliefert, auch wenn dabei unklar bleibt, ob ein Zusammenhang zu den Ereignissen am Harzhorn besteht.

Quelle: Veröffentlichungen aus der HNA/ Northeimer Neueste Nachrichten zwischen Dezember 2008 und Januar 2012


siehe auch

Ausstellungsplakat aus 2013 an einer Litfaßsäule in Hann. Münden

Weblinks

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