Schlacht bei Udenborn/Englis 1427

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Scharmützel

Wie kam es dazu, dass Udenborn plötzlich, am 23. Juli 1427, in den Fokus der hessischen Geschichte rückte?

Ausgangspunkt war das Streben des Erzbistums Mainz nach territorialer Vorherrschaft in Hessen, seit dem Aussterben der Thüringer Landgrafen. Schon der erste hessische Landgraf, Heinrich I. (das Kind, 1247 - 1308) hatte mit den Auseinandersetzungen zwischen der Landgrafschaft und den Mainzer Bischhöfen zu kämpfen. Der Langsdorfer Vertrag 1263 brachte kurzzeitig etwas Ruhe. Die Konflikte nahmen jedoch in der Folgezeit wieder zu. Als Landgraf Ludwig 1418, 17 jährig, die Regierung übernahm, gab es einige Spannungsbereiche in der Landgrafschaft, wie z.B. das Verhältnis zum Kloster Fulda, zum Kloster Hersfeld, der Grafschaft Waldeck, zu den Grafen von Ziegenhain, zu Hofgeismar, zu Grebenstein und zum Gericht Schartenberg. Ab November 1426 hielt sich Erzbischof Konrad III. in Fritzlar auf. Ein Feldzug gegen den Landgrafen schien immer näher zu rücken. Bis zum Jahresende kam es zu kleineren Scharmützeln bei Naumburg und Gudensberg.

Die Auseinandersetzung

Am 21. Juli 1427 schickte der Erzbischof seinen Fehdebrief an Landgraf Ludwig I. Reiter unter Führung des Grafen von Leiningen verwüsteten landgräfliches Gebiet um Gudensberg und Felsberg. Die mainzischen Truppen plünderten am 23. Juli 1427 das Dorf Udenborn. Der Landgraf rückte ihnen an der Spitze einer Streitmacht entgegen. Auf der Höhe zwischen Udenborn, Großenenglis der Kalbsburg und Kleinenglis (der "Großenengliser Platte") tobte die Schlacht.
Schlachtfeld 23.Juli 1427 auf der "Großenengliser Platte"

Die Einschwörung

Der Landgraf soll seine Truppen auf den bevorstehenden Kampf eingeschworen haben mit dem Spruch:"Sie haben meinen Vater nicht in Frieden gelassen, der war ihnen zu fromm; wenn sie diese Eigenschaft bei mir gewahrten so müßte ich ihnen allzeit zu Diensten sein wie ein Zinsmeyer, und meine armen Untertanen müßten sie nähren und keinen Frieden darzu haben. Heute Landgraf oder keiner mehr und wer ein getreuer Hesse sein will, der folge mir!" Landgraf Ludwig blieb siegreich gegen die mainzischen Truppen. Diejenigen, die nicht gefangen wurden flüchteten sich auf die mainzische Burg Jesberg. Die Zahl der Gefangenen wird mit ca. 340 angegeben. Am 10. August 1427 kam es zu einer weiteren Auseinandersetzung zwischen den erzbischhöflichen und den landgräflichen Truppen auf dem Münsterfeld bei Fulda. Auch hier blieb der Landgraf siegreich. Mit diesen beiden Erfolgen wurden die territorialen Vorherrschaftspläne des Erzbistums Mainz für immer zerschlagen.

Der Frieden

Am 06. bis 08. Dezember 1427 kam es zum Frankfurter Frieden. Die Festsetzung einer Kriegsentschädigung von 44.000 Gulden traf den Erzbischof schwer.

Territoriale Einheit Hessens

Nach 200 Jahren kehrte nun Ruhe ein. In der Folge, nach 1450, als der kinderlose Graf Johann von Ziegenhain starb, wurde mit dem erblichen Anfall der Grafschaft Ziegenhain/Nidda eine territoriale Vereinigung zwischen Ober- und Niederhessen herbeigeführt. Die tiefgreifenden Veränderungen Hessens hatten ihren Ausgangspunkt in Udenborn, mit dem Geschehen vom 23. Juli 1427. Ein Ereignis von landesweit historischer Bedeutung. Udenborn ist heute Ortsteil der nordhessischen Gemeinde Wabern.

Literatur

  • Friedrich Döring
 - K.E.Demandt, Geschichte des Landes Hessen
 - Korners, Deutsche Chronik
 - ZHG Nr. 46, 1912, Wilhelm Auener;Seite 92-167
 - ZHG Nr. 43, 1909, F.Küch, Eine Quelle zur Geschichte des Landgrafen Ludwig I., Seite 166/167

siehe auch

Weblinks