Schlacht bei Korbach

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Geschichte anschaulich: Die Sammlung von Jörg Eicken - darunter auch diese Soldatenfiguren mit Preußenkönig Friedrich II. (sitzend) - macht die Schlacht um Korbach nachvollziehbar.

Vor 250 Jahren, im Siebenjährigen Krieg, lieferten sich Preußens Alliierte östlich der Stadt ein schweres Gefecht mit den Franzosen. Die Bilanz: Mehr als 1000 Tote und ein nur vorläufiger Sieg der übermächtigen Franzosen.

Für die Korbacher Historie ist die Schlacht von besonderer Bedeutung. Betrachtet man den Kriegsverlauf, war das Gefecht nur eines von vielen. Auslöser und Motor des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763) waren die Interessen der Großmächte. Auf der einen Seite Preußen, die protestantischen Kleinstaaten und Großbritannien, auf der anderen Österreich, Frankreich, das Heilige Römische Reich und Russland.

Preußen hatte in den schlesischen Kriegen die wohlhabende österreichische Provinz Schlesien annektiert. Österreich setzte alles daran, seine Besitzungen zurückzubekommen. Russland hatte großes Interesse an Ostpreußen und an den polnischen Gebieten im heutigen Litauen. Das mit Großbritannien verbundene Kurfürstentum Hannover wurde zum Gegner Frankreichs, das sich mit England auf dem nordamerikanischen Kontinent bekämpfte.

Während der Preußenkönig Friedrich II. in Brandenburg, Sachsen und Schlesien kämpfte, mühte sich Herzog Ferdinand von Braunschweig auf den westlichen Kriegsschauplätzen, so auch in und um Waldeck herum.

Im Juni 1759 marschierten zwei französische Heere mit 70 000 Soldaten in Korbach ein. Während die Truppen vor den Toren ihre Lager aufschlugen, waren in der Stadt 56 Generäle samt Gefolge, Tross und Marketenderei zu beherbergen. In den Straßen brannten überall Kochfeuer, Kümpe und Teiche wurden ausgeschöpft. Gärten wurden geplündert, Felder abgeerntet.

Als die Franzosen abgezogen waren, trafen wenig später die Truppen der Herzöge von Holstein und Braunschweig ein: die Wiederholung der Umstände.

Im Juli 1760 spitzte sich die Lage zu. Die Truppen der Herzöge hielten Korbach besetzt, während sich zwei französische Korps vor der Stadt vereinigen wollten. Um das zu verhindern, rückte Herzog Ferdinand nach Sachsenhausen vor, dem Feind entgegen. Derweil wurde Korbach von den Franzosen eingenommen.

Die zurückeilenden Alliierten wurden durch englische Einheiten verstärkt. Bei den Auseinandersetzungen am 10. Juli ging aber Frankreich als Sieger hervor.

Kilianskirche als Lazarett
Als sich am Folgetag die französische Hauptmacht Korbach näherte, sank die Stimmung der Bewohner auf den Tiefpunkt. Die Kilianskirche wurde in ein Lazarett für 500 Verwundete umgewandelt. Genauso erging es Gymnasium, Rathaus und Privatwohnungen. Die Gefallenen wurden vorm Enser Tor begraben.

Wolfgang Medding über den Siebenjährigen Krieg

Wie Wolfgang Medding in seinem Standardwerk „Korbach - Geschichte einer deutschen Stand“ berichtet, war das Leid für die Korbacher im Siebenjährigen Krieg mit der Schlacht noch längst nicht vorbei. Im weiteren Verlauf des Krieges litt die Stadt weiterhin sehr unter französische Requirierungen und Einquartierungen.

Die Truppen rissen für den Bau ihrer Feldbäckereien den Butterturm und die Stadtmauer zwischen Tränketor und Dalwigker Tor ein. Für die Dächer wurden unter anderem die Ziegel des Gymnasiums und des Brauhauses verwendet. Durch die Verwüstungen auf den Feldern wuchs das Elend des Ackerbaustädtchens an. Allein im Jahr 1761 wurden 22 Korps innerhalb der Stadtmauern gezählt. Mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages am 10. Februar 1763 war die Erleichterung in Korbach so groß, dass Dankesfeste noch Wochen später gefeiert wurden. Die Schützengilde zog durch die Stadt und feuerte vor dem Haus des Bürgermeisters Strube Freudensalven ab.

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