Schlösschen Schönburg in Hofgeismar

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Schlösschen Schönburg im Frühling

Schlösschen Schönburg in Hofgeismar (das zunächst den Namen „Montcherie“ trug) entstand in den Jahren 1787 - 1789 im klassizistischen Baustil nach den Plänen von Simon Louis du Ry.

Das Schlösschen war ursprünglich Wohnsitz für Landgraf Wilhelm IX. (ab 1803: Kurfürst Wilhelm I.) in den Sommermonaten am Gesundbrunnen in Hofgeismar und diente später auch Kurfürst Wilhelm II. als Sommerresidenz.

Es beheimatet heute die Evangelische Akademie Hofgeismar.

Bauwerk

Das zur Zeit des Landgrafen Wilhelm IX. erbaute Schlösschen Schönburg ist ein Werk frühklassizistischer Architektur, das Simon Louis du Ry auf einem künstlichen Hügel anlegte. Der Name deutet offenbar auf die ehemals in der Nähe gelegene Burg Schöneberg hin.

Die Vorderfront des Schlösschens mit seinem ursprünglich französischen Namen prägen vier Säulen, die einen nach antikem Vorbild geschaffenen Giebel tragen. Dahinter liegt der rechteckige Baukörper eines freistehenden, villenartigen Landhauses mit zweigeschossiger Fassade und einem Walmdach.

Im Erdgeschoss reichen die hohen Fenster bis hinunter zum Sandsteinsockel des Kellergeschosses. Das Dachgeschoss wird zum kleinen See hin durch vier runde Oberlichter beleuchtet.

Schlösschen Schönburg

Der See (Lac) vor dem Schlösschen, für dessen Planung Heinrich Christoph Jussow verantwortlich war, wurde im Jahre 1805 als „natürliches“ Gewässer im neu geschaffenen Park des Gesundbrunnens angelegt. Bereits während der Errichtung des Schlösschens unter Landgraf Wilhelm IX. wurden auch die Gartenanlagen am Gesundbrunnens erweitert und im englischen Landschaftsgartenstil gestaltet, womit schon zu Zeiten von Landgraf Wilhelm VIII. begonnen worden war. Allein 40 Eichen aus dem Reinhardswald wurden 1794 eingepflanzt.

Im Innern des Schlösschens dominiert im Erdgeschoss der grosse Saal, an den sich kleinere Räume anfügen sowie das hallenartige Treppenhaus.

Nach Georg Dehio (Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Zweite Auflage, Berlin1914) entstand eine „fast genaue Wiederholung des Schlößchens in Bad Nenndorf“. Das Schlößchen in Bad Nenndorf entstand allerdings erst im Jahre 1806 im Auftrage des Kurfürsten Wilhelm I. als Sommerresidenz. Es fällt ebenfalls durch seine repräsentative Nordfassade mit der dorlschen Kolonnade auf.

Rückwärtige Ansicht

In Hofgeismar wurde zur Zeit des Kurfürsten Wilhelm II. in den Jahren 1822 und 1823 das heutige Treppenhaus nach der Planung des damaligen Hofarchitekten Johann Conrad Bromeis gestaltet, nach dessen Plänen auch die teilweise noch erhaltene Ausstattung der Innenräume entstand.

Bis heute erhalten geblieben ist auch das originelle kurfürstliche Badezimmer mit abgesenkter Badewanne und Fußboden aus Marmor. Kurfürst Wilhelm II. ließ um das Jahr 1824 das Bad vom Keller in das Erdgeschoss des Schlösschens verlegen und wie eine romantische Laube ausmalen.

Die 1824 von dem Hofmaler Carl Greineisen geschaffene Gartenlaubenmalerei (Holzspaliere, an denen Geißblatt und Weinreben hochranken) wurde hochwertig und detailreich ausgeführt. Bei einer anstehenden Restaurierung soll auch die bei einem Wasserschaden zerstörte Deckenbemalung wieder entstehen, indem das von einem Archivfoto bekannte Motiv auf einen Stoff gedruckt und dieser an die Decke gespannt wird. An der Zimmerdecke hatte Greineisen seine Laubenmalerei fortgesetzt und in das Zentrum der Decke ein himmelblaues Oval mit einigen Schmetterlinge gesetzt.

Geschichte

Im Hofgeismarer Stadtteil "Bad Gesundbrunnen" erholten sich einst nicht nur die Mitglieder des kurhessischen Hofes sondern auch Gäste aus ganz Deutschland und über die Grenzen hinaus. Im 18. Jahrhundert stieg die Stadt mit dem schon im Dreißigjährigen Krieg entdeckten Gesundbrunnen zum Badeort auf.

Schlößchen und Brunnenteich im Sommer

Der Überlieferung nach fand ein schwer verwunderter Soldat am Ostertag des Jahres 1639 auf einer Wiese an der Lempe eine Quelle, deren heilende Kraft ihm half, gesund zu werden. Diese Kunde verbreitete sich rasch und wurde in späteren Jahren noch unterstützt, etwa durch das Lob des Kasseler Hof- und Garnisonsarztes Johann Conrad Wagner, der 1727 in einer Schrift 32 erfolgreiche Kuren beschrieb, die dem Hofgeismarer Gesundbrunnen zu verdanken waren und der sich selbst "Brunnen-Medico zu Hof-Geißmar" nannte. An diese Zeiten erinnern bis heute die Bauten, die rund um die Heilquelle entstanden sind. Der Kuraufenthalt diente damals nicht allein der körperlichen Erholung sondern war letztlich auch ein gesellschaftliches Ereignis.

Den Plan zum Ausbau einer Kur- und Badeanlage fasste Landgraf Karl von Hessen-Kassel. Noch zu seinen Lebzeiten wurde ab dem Jahre 1728 mit der Errichtung des ersten Badehauses ("Karlsbad") begonnen. Der Plan zum Ausbau des "Sauerbrunnens" zu einem Heilbad stammte offenbar von einem Aufenthalt des Landgrafen in Pyrmont im Jahre 1681.

Erst unter der Regentschaft seiner Nachfolger, der Landgrafen Wilhelm VIII. und besonders Friedrich II. erhielt die Anlage am Gesundbrunnen aber ein angemessenes architektonisches Gepräge, wobei der weitere Ausbau zum Heilbad durch den Siebenjährigen Krieg empfindlich gestört wurde. Landgraf Friedrich II. beauftragte dann im Jahre 1764 mit der Planung und Errichtung einer einheitliche Gebäudegruppe den damaligen Obrist-Lieutnant J. L. Splittorf. Zu den schon bestehenden Gebäuden des "Wilhelmsbads" kam 1770 insbesondere ein neues Flügelgebäude, "Friedrichsbad" genannt, hinzu.

Der Nachfolger, Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel, der sich oft am Gesundbrunnen aufhielt, brach die Geschlossenheit der Bebauung wieder auf, die sich seither in der heutigen Form präsentiert. Hinzu kam das Schlösschen Schönburg etwas abseits gelegen im Park Gesundbrunnen.

Über dem "Gesundbrunnen" selbst wurde ein auf acht Sandsteinsäulen ruhender Rundtempel errichtet, passend zur klassizistischen Architektur im antiken Stil und bis heute ein Wahrzeichen der Stadt Hofgeismar.

Literatur

Brunnentempel im Park
  • Friedrich Pfaff, Geschichte der Stadt Hofgeismar, 2. Auflage, 1954
  • Gerhard Bott, Der Gesundbrunnen zu Hofgeismar, Heft 213 der Reihe „Große Baudenkmäler“, 2. Auflage, München – Berlin 1975
  • Jutta Schuchard, Schlösschen Schönburg bei Hofgeismar, in: Hessische Heimat – Sonderheft Hofgeismar -, Marburg 1978, S. 63 ff.

siehe auch

Weblinks