Schifffahrt auf der Oberweser

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Baggerschiff auf der Oberweser bei Bursfelde

Zahlreiche Zeugnisse an der Oberweser erinnern bis heute an die Zeit, als noch viele Schiffer im Haupterwerb die Weser befuhren.

An die auf der Oberweser verkehrenden Personenschiffe werden bis heute aufgrund der geringen Wassertiefe besondere Anforderungen gestellt. Um auch bei niedrigem Wasserstand den Linienverkehr aufrecht erhalten zu können darf zwischen Hann. Münden und Bad Karlshafen ein Tiefgang von 45 cm nicht überschritten werden.

Gestern und heute

Dampfschiffe und Lastkähne

Lastkähne an der Schlagdspitze in Münden
Repro: von Pezold

Etwa ab dem Jahr 1843 wurde eine regelmäßige Dampfschiffahrt auf der Weser eingerichtet und es wurden zunehmend Wirtschaftsgüter mit Schiffen befördert.

Die Fahrzeiten auf der Weser waren jedoch von den jahreszeitlich zwischen hohem Wasserstand im Frühjahr und Herbst und Niedrigwasser im Sommer wechselnden Verhältnissen abhängig. Wartezeiten mussten die Schiffer auch in Kauf nehmen, wenn stromaufwärts nicht genügend Zugpferde zur Verfügung standen.

Auf der Fahrt von Bremen nach Münden konnten überdies Pferde nur von Landesbergen bis Minden und von Hameln bis Münden eingesetzt werden. Auf den anderen Abschnitten wurden die Schiffe von Menschen gezogen.

Fahrzeiten von 30 und mehr Tagen waren nicht selten. Stromabwärts waren die Fahrzeiten naturgemäß deutlich kürzer, sofern nicht Niedrigwasser die Fahrt behinderte.

Nach dem Krieg von 1870/ 71 lag die Schiffahrt auf der Oberweser zunächst danieder. Erst ab 1873 ging es langsam wieder aufwärts mit Transporten nach Karlshafen oder Hann. Münden. Etwa 25 Schiffe gab es zu dieser Zeit, darunter Schiffe aus Münden, Bodenfelde, Karlshafen, Herstelle, Holzminden, Heinsen oder Bodenwerder mit 90 bis 130 Last Tragfähigkeit.

Als die Edertalsperre in den Jahren 1908 bis 1914 von der Firma Philipp Holzmann AG gebaut wurde, dachte man noch nicht an die touristische Nutzung des Edersees. Gebaut wurde die Talsperre insbesondere, um der Weserschifffahrt auf der Weser und dem Mittellandkanal in den Sommermonaten ausreichend Wasser zuzuführen. Die Talsperre dient außerdem der Stromerzeugung.

Personenschifffahrt

Die "Hessen" weseraufwärts bei Bodenfelde

Der Gedanke, auf der Weser Dampfschifffahrt zu betreiben, ging 1841 von Bremen aus. Die Initiative zur Gründung einer Schifffahrtsgesellschaft wurde hingegen im folgenden Jahr in Hameln ergriffen und von Münden aus nachdrücklich unterstützt. In Bremen dachte man zunächst nur an die Strecke bis Minden, wobei man stromaufwärts die Personen- mit mit der Schleppschifffahrt kombinieren wollte.

In Hameln und Münden plante man von Anfang an nur die gegenüber der Schleppschifffahrt leichter zu betreibende Personenschifffahrt auf der gesamten Weser bis Bremen. Und man setzte sich damit auch durch, als Ende November 1842 in Hameln unter Bremer und Mindener Beteiligung die „Vereinte Weser-Dampfschifffahrt“ gegründet wurde.

Nach bescheidenen Anfängen mit dem Dampfschiff „Hermann“ im Oktober 1843 zwischen Hameln und Münden konnte der Fahrbetrieb mit Beginn der Schifffahrtssaison im März 1844 auf der gesamten Strecke von Münden bis Bremen zunächst mit zwei Schiffen, im Verlauf des Jahres dann mit insgesamt fünf Schiffen aufgenommen werden.

Im Frühjahr 1844 gab der Lehrer für Geschichte und Erdkunde am Rintelner Gymnasium, Dr. Ludwig Boclo, seinen „Begleiter auf dem Weser-Dampfschiffe von Münden bis Bremen“ heraus. Boclo war schon verschiedentlich als Reiseschriftsteller hervorgetreten. Das kleinformatige Büchlein sollte ein kundiger Mitreisender für alle fremden Passagiere sein.

Weserabwärts rühmte er neben vielem anderen den lieblichen Blick von Hilwartshausen auf Münden, der den dortigen Stiftsdamen ein Ausgleich für ihr entsagungsvolles Leben gewesen sein mochte. Auch die Eisengießerei in Veckerhagen sowie das Eisenhammerwerk in Lippoldsberg vergaß Boclo ebenso wenig wie den vom Fluss noch weithin sichtbaren Turm der Bramburg und die mit ihr verknüpften Sagen. Zudem warnte er vor den leicht reizbaren Bewohnern von Gewissenruh, die mit Prügel, Steinwürfen und Schimpfworten sehr freigiebig gewesen sein sollen.

Bis heute werden an die auf der Oberweser verkehrenden Personenschiffe aufgrund der geringen Wassertiefe besondere Anforderungen gestellt. Um auch bei niedrigem Wasserstand, besonders in den Sommermonaten, den Linienverkehr aufrecht erhalten zu können darf zwischen Hann. Münden und Bad Karlshafen ein Tiefgang von 45 cm nicht überschritten werden.

In den Sommermonaten wird etwa mit dem Fahrgastschiff "Hessen" einmal wöchentlich eine Tagestour von Bad Karlshafen flussaufwärts bis zum Weserdorf Oedelsheim und zurück angeboten.

Die Schifffahrt im Bereich von Südniedersachsen und Nordhessen führt vorbei an den niedersächsischen Orten Wahmbeck und Bodenfelde sowie auf hessischer Seite an den Orten Lippoldsberg und Gieselwerder.

Von Bad Karlshafen flussabwärts der Weser liegen die Hannoverschen Klippen im Kreis Höxter, nahe dem Dreiländereck von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen, die aus einer Gruppe von sieben bis zu 75 m hohen Felsvorsprüngen aus Buntsandstein (Wesersandstein) bestehen.


Artikel aus HNA-online vom 19.11.2009

Holzschiffe für die Region

Etwa 150 Jahre lang gaben Werften in Gieselwerder den Menschen Arbeit

von Antje Thon

Gieselwerder. Die Flut kam mit einem lauten Grollen und vernichtete alles, was sich ihr in den Weg stellte. Die Werft in Gieselwerder lag über einhundert Kilometer entfernt von der Edertalstaumauer, die von britischen Kampffliegern in der Nacht zum 17. Mai 1943 zerstört worden war. Aber auch sie war in Folge der Bombardierung von einer gewaltigen Welle erfasst worden. Sie spülte eine 150-jährige Schiffsbautradition die Weser hinab.

Gertrud Volle kann sich gut erinnern an den Untergang der Werft, die einst vielen Familien Arbeit gab. Ihr Vater, Heinrich Henne, hatte die Fabrik zuletzt geführt. Die Bilder von damals haben sich ihr ins Gedächtnis gebrannt. In den letzten Kriegstagen hatte die Wehrmacht die Brücke gesprengt, die das Dorf mit der Werft am anderen Ufer verband. "Alles war dahin", sagt die 80-jährige Volle. Von dem Schicksalsschlag sollte sich die Fabrik nicht wieder richtig erholen. Das letzte Lattenschiff baute Heinrich Henne 1956.

Holz gab es genug
Gertrud Volles Sohn, Hans-Georg, nimmt an, dass Ende des 18.Jahrhunderts mit dem Bau von Schiffen in Gieselwerder begonnen worden war. Allerdings hatte dieses Unternehmen nur wenig mit dem seiner Vorfahren zu tun. Als Tutenwerft taucht sie in den Annalen des Dorfes auf und gibt noch heute Hinweis auf die Namen der Firmenbesitzer. Neben der Familie Tute waren dies die Herren Storck (Werftgründer) und Arensburg. Etwa einhundert Jahre lang verabeiteten sie das Holz der umliegenden Wälder zu Schiffen.

Die Zeit für den Schiffsbau konnte günstiger nicht sein - die Flüsse waren damals Transportweg Nummer eins. Wer mit Waren handelte, verlud sie aufs Schiff. Der Kreis der Werft-Kunden erstreckte sich von Minden an der Weser bis Bad Wildungen nahe der Eder und von Treffurt an der Werra bis ins Leinetal nach Salzderhelden.

Gebaut wurden in Gieselwerder ausschließlich Holzschiffe. Bis zum Schluss. Volle geht davon aus, dass es sein Großvater Heinrich und dessen Bruder Georg, die Inhaber der zweiten Werft, versäumt hatten, Eisenschiffe zu fertigen, die von Kunden zunehmend mehr gefragt waren. Damit hatten sie wohl einen Anteil am wirtschaftlichen Niedergang des Betriebes. Die Geschichte der Werft, die nur wenige Meter neben der Tutewerft errichtet worden war, hatte Ende des 19. Jahrhunderts begonnen.

Fähren, Lastenschiffe, Personenschiffe und Lattenschiffe für die Fischerei wurden in Gieselwerder vom Stapel gelassen. Ihr Bau war zeitaufwändig. Allein 20 Jahre musste das Holz lagern, ehe es verarbeitet werden konnte. Da bot es sich an, zudem mit Holz zu handeln. Eine Dampfmaschine, so Hans-Georg Volle, habe die großen Sägen angetrieben. Bis zu 50 Mitarbeiter waren hier beschäftigt. Die Hennes bauten nicht nur Schiffe, sie reparierten diese auch. In den letzten Jahren der Werft nahm die Reparatur einen weitaus größeren Raum ein als der Schiffsbau. Für ein weiteres Standbein sorgte der Bau der Eisenbahn: Die Werft lieferte die Schwellen für die Hessische Nordbahn.


Traglast bis 500 Tonnen
Vor allem die Fertigung der Stevenbock, ein für das Ende des 19. Jahrhunderts innovativer Schiffstyp, forderte jeden Einzelnen der Belegschaft. Der Kahn konnte bis zu 500 Tonnen Güter transportieren. Aber auch kleine Schiffe mit einer Traglast von 100 Tonnen, wie die so genannten Bullen, fanden Absatz. Für die Firma Oppermann in Hedemünden wurden Kiesschiffe gebaut. Stolz muss die Mitarbeiterschaft auch auf den Bau eines Schwimmbaggers gewesen sein, der auf dem Landweg unter Zuhilfenahme einer Dampfmaschine an den Diemelsee gebracht wurde. Denn Bagger gehörten nicht ins Standardprogramm in der Produktpalette. (ant)


Stichwort: Lattenschiffe
Lattenschiffe waren der gängigste Schiffstyp, den die beiden Werften vom Stapel ließen. Ein letztes Exemplar hat Hans-Georg Volle in seinem Garten aufgestellt. Er hat es von Karl Ebel aus Gimte (Hann. Münden). Lattenschiffe haben sich vermutlich aus den Einbäumen entwickelt, mit denen seit dem 9. Jahrhundert die Flüsse befahren wurden. Die Lattenschiffe wurden gerudert oder gestakt. Als Volle das Schiff allerdings nach Gieselwerder holen wollte, war niemand mehr in der Lage, es zu steuern. So wurde es auf einem Lkw transportiert. (ant)

Kanufahren auf der Oberweser

Weißehütte - Kanuanleger und Campingplatz

Zahlreiche Kanuanleger entlang der Oberweser mit Ein- und Ausstiegsstellen bieten Informationstafeln und Rastplätze für Wasserwanderer (auch für Paddler).

Schiffermuseum

Der Geschichte der Schifffahrt in Gieselwerder widmet sich das Schiffermuseum, in der ehemaligen Grundschule "In der Klappe 11" (nahe dem Freibad "An der Klappe").

Themen wie "Das Schiff als Arbeitsplatz und Lebensraum", "Lade-/ Löschstellen und Werften im Bereich der Oberweser", "Schiffe aus Gieselwerder und ihre Geschichte" und "Reedereien an der Oberweser" werden hier behandelt.

Am Schifferplatz in Gieselwerder (Krämerstraße) zeugen Anker und Schiffsschrauben von der Zeit, als noch viele Gieselwerderer Schiffer im Haupterwerb die Weser befuhren.

Von Ufer zu Ufer - Gierseilfähren auf der Oberweser

Ohne den Antrieb von Motoren oder Segeln gleitet eine Gierseilfähre von einem Ufer zum anderen. Die Fähre hängt an dicken Stahlseilen und die Strömung der Weser sorgt für den erforderlichen Schub, den der Fährmann ausnutzt, um mit Hilfe seines Ruders das andere Flussufer zu erreichen.

  • Wegen der Lage im Wesertal und der beschaulichen Gierseilfähre sind zum Beispiel die Orte Veckerhagen (in Nordhessen) und Hemeln (in Südniedersachsen) beliebte Ausflugsziele. Seit inzwischen 666 Jahren - also seit dem Jahre 1342 - hieß es in einem Artikel in HNA-online am 10.1.2008 werden inzwischen mit der Fähre Menschen, Güter und Tiere (heute allerdings vorwiegend Autos) von einem Ufer der Weser zum anderen befördert.
  • Eine weitere Fähre wird seit 1834 einige Flusskilometer weiter in Oedelsheim betrieben. 1934 wurde hier nach dem Ausbau der neuen Fährstelle eine Gierseilfähre angeschafft und inzwischen eine neue Fähre in Dienst gestellt.
  • Aus dem Jahre 1981 stammt die Gierseilfähre „Märchenfähre“, die Lippoldsberg mit dem Vorwerk verbindet. Bereits im Jahre 1300 wurde hier erstmals eine Fähre erwähnt.
  • Die Gierseilfähre zwischen Bodenfelde - Wahmbeck und Gewissenruh nahm bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihren Dienst auf, seit 1957 verkehrt eine Auto- und Personenfähre.

Weserflößer

Weserfloß 2008 bei Gieselwerder

In den waldreichen Regionen am Reinhardswald und am Solling wurde die Weser seit Menschengedenken auch als Wasserstraße genutzt, um Holz in waldärmere Regionen zu flößen.

Etwa 8 Tage brauchte im Jahre 2008 ein Gruppe von Weserflößern, um mit einem Floß von Reinhardshagen - Veckerhagen (nördlich von Hann. Münden gelegen) bis nach Bremen zu gelangen. Mit dieser Aktion wurde an das uralte Gewerbe der Weserflößer erinnert und eine historische Flusslandschaft neu entdeckt.

Der Fluss bot einst einen preisgünstigen Transport, bis in den 1960-er Jahren Schwertransporter die Holzstämme preisgünstiger und schneller an ihr Ziel beförderten und die Arbeit der Weserflößer ersetzten.

siehe auch

Weblinks