Scheidemannplatz

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Scheidemannplatz 2006 R Stiehl klein.jpg
Der Scheidemannplatz im Zentrum von Kassel an den oberen Bereich der denkmalgeschützten Treppenstraße von 1953 angrenzend, präsentiert sich nach seinem Umbau seit dem Sommer 2005 mit Stilelementen der 50er Jahre.









Geschichte

Friedrich-Wilhelms-Platz nach einer Ansichtskarte
Der Scheidemannplatz hat viel durchgemacht. Vor dem Zweiten Weltkrieg hieß er Friedrich-Wilhelms-Platz, nach dem letzten Kurfürsten (Regent von 1831 bis 1866). In seiner Mitte auf einer Grünfläche, umgeben von Bäumen, prangte der Löwen- oder Vierflüssebrunnen. Gestiftet von Konsul Schmidt, einem Kasselaner in Paris. Gestaltet vom Dresdner Bildhauer Professor Echtermeyer, der die in Muschelnischen stehenden weiblichen Sandsteinfiguren - Allegorien der hessischen Flüsse Fulda, Werra, Lahn und Eder - schuf.

Aufgestellt wurde der Brunnen 1881, und sofort mährten die Kasseler: Er passe mit seinem Renaissance-Stil nicht zu den Häusern. Das waren anfangs: Das Hotel Prinz-Friedrich-Wilhelm (später Schirmer), die Kunstgewerbeschule, das Haus des Hofzahnarztes Zimmer (unten befand sich die Musikalienhandlung Kuprion) und das Thoméesche Wohnhaus. Hier hinein zog später die Handwerkskammer. Später kam noch der Kasseler Hof dazu, dort wo er stand, lag vorher ein „ergiebiges Kartoffelfeld“.

Der ehemalige Friedrich-Wilhelms-Platz bildete mit seinem Kreisverkehr den Schlusspunkt der Friedrich-Wilhelm-Straße (heute Ständeplatz), die als großzügige, doppelreihig bepflanzte, boulevardähnliche Allee beschrieben wird. In den Scheidemannplatz mündet vom "Lutherplatz"(Lutherkirche) kommend die Rudolf-Schwander-Straße ein; am anderen Ende des Ständeplatzes beginnt nach Westen führend die Friedrich-Ebert-Straße und von Südosten "kommt" die Fünffensterstraße vom "Weinberg" heran.

Nach dem Krieg wurde alles anders. Der Platz wurde 1947 umbenannt, nach dem Kasseler Sozialdemokraten Philipp Scheidemann (u.a. Reichsministerpräsident während der Weimarer Republik und Oberbürgermeister in Kassel, geboren 1865, gestorben 1939 im Exil in Kopenhagen).

Ab 1952 war der Platz gar keiner mehr: „Scheidemannplatz verschwand aus dem Straßenbild“ titelt die Kasseler Post am 22. Juli 1953. Alte Buchen wurden gefällt. Der Löwenbrunnen wurde abgebaut, auf dem städtischen Bauhof gelagert, was ihm nicht gut tat: In den 70er-Jahren wurde entschieden, dass er zu marode sei, um wieder aufgebaut zu werden. Wo auch? Der Scheidemannplatz war ja zu einem Teil der Ringstraße degradiert, und damit die freie Fahrt noch freier wurde, mussten die Fußgänger verschwinden. 1968 wurde aufwändig untertunnelt: „Sechs Ein- und Ausgänge, über 300 Meter lang, ermöglicht die neue Unterführung jetzt eine vom Fahrzeugverkehr ungestörte Fußgängerverbindung vom Hauptbahnhof bis zur Karlsaue. In der weiträumig angelegten Fußgängerpassage sind auch Geschäftsräume und Wandvitrinen untergebracht, die dem Tunnel eine freundliche Note geben“, jubelte die Presse. Auf dem Ständeplatz wurden dafür viele Bäume gefällt. Nur die Linde vor der Handwerkskammer hat überdauert.

Auch den Umbau im Sommer 2005: Die großartige autofreundliche Gestaltung der 50er- und 60er-Jahre (Kostenpunkt 12 Millionen Mark) wurde abgemildert. Die Tunnel wurden mit 2600 Kubikmetern Beton dichtgemacht. Schachbrettmuster-Platten, Lichtstelen, runde Rasenflächen: Der Platz darf wieder ein Plätzchen sein und hat sogar Bäume bekommen.

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