Schützengilde 1539 Twiste

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Unter den etwa 30 historischen Schützengilden und Schützengesellschaften in der ehemaligen Grafschaft Waldeck zählt die Schützengilde 1539 Twiste zu den älteren Gilden.


Geschichte

Hans von Twiste gründete im Interesse des heimatlichen Schutzes die Twister Schützengilde. Das genaue Gründungsdatum ist nicht bekannt. Vermutlich wurde die Gilde im Laufe der zwanziger Jahre des 16. Jahrhunderts gegründet. Ein Anhaltspunkt ist, dass Philipp von Twiste bei der Gründung dabei war, und er 1530 starb. da bei alten Urkunden rechtmäßig die Jahreszahl angegeben werden musste, ist nach erstmaliger urkundlicher Erwähnung in den Wald. ält. Kanzeleien 115/244 das Jahr 1539 festgelegt worden.

Nach alten familienkundlichen Urkunden des Adelsgeschlechtes „von Twiste“ waren bis zu seinem Aussterben mit Leopold Friedrich von und zu Twiste (1716) sämtliche männliche Nachfahren, soweit sie auf dem adligen Hofe verblieben, Mitglieder der Twister Schützengilde.

Weitere Schützengilden entstanden in den Dörfern mit Unterstützung und Förderung der Obrigkeit. Dies erwies sich als notwendig, denn die Grafschaft Waldeck konnte sich zu dieser Zeit noch keine größere stehende Truppe leisten. Als am 14. Mai 1703 ein Reiterregiment des dänischen Obersten Dithmar den Durchmarsch durch das Waldecker Land zu erzwingen versuchte, waren die Schützengilden des nördlichen Teils der Grafschaft Waldeck gezwungen, für sich allein ihre Nordgrenze zu verteidigen. Bei Hörle kam es zu einem erbitterten Gefecht. Im Sterberegister des ersten Twister Kirchenbuches ist unter dem 14. Mai 1703 vermerkt, dass vier Twister Schützen hierbei ihr Leben lassen mussten.

Eine Blütezeit erlebte das waldeckische Schützenwesen im 18. Jahrhundert. Dies fand seinen Niederschlag in zahlreichen Neugründungen und in den regelmäßigen Freischießen. In Twiste feierte man zu jener Zeit alle zwei bis drei Jahre ein solches Fest.

Fürst Carl August Friedrich zu Waldeck (1704-1763) erließ am 28. Juli 1741 eine Schützenordnung für die Gemeinde Twiste. Diese befindet sich im Staatsarchiv Marburg und umfasst 37 Artikel. Im gleichen Jahr beschenkte der Fürst die Schützengilde Twiste mit einem großen Schützenschild von 12 Lot Silber, das noch heute oben am Schützenkleinod geführt wird.

Nach 1804 ist über die napoleonischen Wirren das Schützenwesen in Twiste in Vergessenheit geraten. Friedrich Schäfer, der 1804 König geworden war, blieb es somit 33 Jahre. Im Jahre 1837 wurde auf Vorschlag des damaligen Schützenkönigs, Gastwirt und Vorsteher Friedrich Happe, die turnusmäßige Abhaltung der Freischießen auf vier Jahre festgelegt.

Das Freischießen 1848 war das letzte, das in Twiste gefeiert wurde. Zwar hatte man laut Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 10. April 1858 beantragt, es nach zehn Jahren wieder feiern zu dürfen, doch der Antrag wurde nach mehrmaligen Vertagungen und Vertröstungen durch den damaligen Twister Bürgermeister Theodor Herrmann von der Tagesordnung gestrichen. Schließlich wurde die Schützengilde als nicht mehr zeitgemäß verboten. Damit hatte Twiste sein bish dahin ältestes Heimatfest verloren.

Erst die im Jahre 1960 abgehaltene 1100-Jahrfeier des Dorfes war Anlass, die über 100 Jahre ruhende Schützengilde wieder aufleben zu lassen. Nachfahren des einstigen Bürgermeisters Theodor Herrmann standen mit den Schützengilden aus Korbach, Mengeringhausen und Mühlhausen Pate bei der Wiedergründung. Seit 1964 werden in Abstand von sieben Jahren Freischießen gefeiert.

siehe auch

Weblinks