Schöneberg

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schöneberg
Schöneberg-Hugenottenkirche.JPG
Die Hugenottenkirche in Schöneberg

Schöneberg ist ein Stadtteil von Hofgeismar mit etwa 600 Einwohnern.

Das Dorf liegt im Landkreis Kassel in Nordhessen.

Der Ort in seiner heutigen Form enstand ab 1699 als "Kolonie" für französische Glaubensflüchtlinge.

Geografie

Das Straßendorf liegt westlich am Rande des Reinhardswalds.

Durch den Ort führt die Bundesstraße B 83 (von Kassel nach Bremen), im Ort: "Bremer Straße".

Geschichte

Der Bereich um das heutige Schöneberg blickt auf eine lange Siedlungsgeschichte zurück. Wo im Mittelalter das Dorf Büngheim (auch: Bünichheim) lag - urkundlich bereits im Jahre 965 erwähnt - siedelte Landgraf Carl ab dem Jahre 1700 französische Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) an und es wurde mit der Errichtung des Strassendorfs in seiner heutigen Form begonnen.

Burg Schöneberg

An die ehemalige Burg auf dem 323 m hohen "Schöneberg" unweit des Dorfes erinnern heute nur noch wenige Überreste der ehemals umfangreichen Burganlage. Im Jahre 1589 sollen die letzten Steine der Burg bei der Errichtung des Mauerparks am Fuße der Sababurg Verwendung gefunden haben.

Die Burg Schöneberg (auch: Schoeneberg oder Schonenburg) wurde im Jahre 1151 im Auftrag von Graf Hermann von Winzenburg auf dem damals noch unbewaldeten Berg errichtet. Dieser wurde nur kurze Zeit nach der Errichtung der Burg ermordet. Danach war die Burg der Sitz der Herren von Eberschütz, deren Herrschaft sich bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts über diesen Teil des Diemel- und Essetals erstreckte und die sich später "von Schoeneberg" nannten. Als letzter der Herren von Schoeneberg wird in alten Urkunden der Edelherr Heinrich von Schoeneberg genannt, der 1428 ohne männliche Erben verstarb.

Das Dorf Schöneberg

Straßendorf Schöneberg

Die Gründung des heutigen Straßendorfs Schöneberg erfolgte im Jahre 1699 für Glaubensflüchtlinge aus Frankreich. Landgraf Carl von Hessen-Cassel gab ihnen im 17. Jahrhundert auch in der Umgebung der Stadt Hofgeismar neuen Siedlungsraum, nachdem sie durch das Edikt von Fontainebleau und die Aufhebung der Religionsfreiheit in Frankreich im Jahre 1685 ihre Heimat verloren hatten. Ebenso fanden hier waldenser Flüchtlinge eine neue Heimat, die 1698 auf Befehl Ludwig XIV. aus Frankreich vertrieben worden waren.

Im Bereich des ehemaligen Dorfs Büngheim (auch: Bünichheim) - urkundlich bereits im Jahre 965 erwähnt - bestimmte Landgraf Carl von Hessen für 24 "Réfugiés" einen Platz für die Anlage einer "Kolonie" im Nordosten von Hofgeismar, mit deren Bebauung ab 1700 begonnen wurde.

Viele Erstsiedler kamen aus dem Pragelas- und Queyrastal nach Zwischenaufenthalten in der Schweiz und in der Pfalz nach Schöneberg. Für die Ortsplanung in Schöneberg war Paul du Ry verantwortlich, der - ebenfalls hugenottischer Glaubensflüchtling - 1685 von Landgraf Carl zum Hofbaumeister berufen worden war. Aus den Gründerjahren stammt auch die Hugenottenkirche in Schöneberg, die in den Jahren 1705 und 1706 erbaut wurde.

Das neu gegründete Dorf entstand durch die Ansiedlung von 24 Familien. Bei einer Volkszählung achtzig Jahre später - im Jahre 1779 - hatte sich die Zahl der Dorfbewohner noch nicht wesentlich verändert. Verständlich wird dies durch die damals hohe Kindersterblichkeit, zudem hatten sich einige Nachkommen aus den Hugenotten-Siedlungen in Kelze, Schöneberg und Gewissenruh inzwischen in der neu gegründeten Siedlung Friedrichsdorf am Wattberg niedergelassen.

Zeugen hugenottischer Vergangenheit:

Neben 16 französischen Haushalten mit 76 Personen wohnten im Jahre 1779 bereits 12 deutsche Familien mit 48 Personen in Schöneberg. Die Dorfbewohner waren vorwiegend in der Landwirtschaft tätig. Im Laufe der Jahre waren aber auch eine tonverarbeitende Ziegelei, einige Töpfereien sowie andere Handwerksbetriebe hinzu gekommen, darunter ein Strumpfwirker, zwei Schneider, zwei Schumacher oder ein Seifenmacher.

Landgasthaus in Schöneberg

Schon seit dem Jahre 1730 wurde die ursprünglich durch den Nachbarort Hümme führende alte Bremer Poststraße, die heutige "Bremer Strasse", über Schöneberg geleitet, offenbar um den neu entstandenen Hofgeismarer Stadtteil Bad Gesundbrunnen an diese Strasse anzubinden.

Erneut siedelten sich lange Jahre später - nach dem Zweiten Weltkrieg - Heimatvertriebene in der damals noch selbständigen Landgemeinde an. In die Amtszeit des damaligen Landrats Karl Höhner fiel die Aufnahme von etwa 25.000 Flüchtlingen in das Gebiet des ehemaligen Kreises Hofgeismar, von denen viele hier eine neue Heimat fanden.

Das ehemals selbständige Dorf Schöneberg wurde im Rahmen der hessischen Gebietsreform zum 1. Dezember 1970 ein Stadtteil der angrenzenden Stadt Hofgeismar.

Die evangelische Kirchengemeinde in Schöneberg gehört heute zum Kirchspiel Gesundbrunnen und zum Gesamtverband der evangelischen Kirchengemeinden in Hofgeismar.

Literatur

Der Schöneberg im Winter

Literatur zur Ortsgeschichte

  • Kreis Hofgeismar, Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen III, Marburg/ Lahn 1966, S. 192
  • Jochen Desel, Hugenottenkirchen in Hessen-Kassel, Bad Karlshafen 1992, S. 52 ff.
  • Gerhard Selb, Fachwerkkirchen im Landkreis Kassel, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 1978, S. 67 ff.
  • Hermann Rudolph/ Helmut Burmeister, Schöneberger Bilder-Geschichte - Ein Fotoalbum zum 300. Gründungsjahr des Hugenotten- und Waldenserdorfes Schöneberg, Hofgeismar 1999
  • Region Kassel Land e.V. (Hrsg.), Unterwegs im Reinhardswald - 52 Wege und Ziele, Wolfhagen 2011

Literatur zur Geschichte der Hugenotten und Waldenser

  • Jochen Desel, Französische Dörfer - deutsche Zuwanderer 1669 - 1779: 300 Jahre Kelze und Schöneberg, Band II, Hofgeismar 1999
  • Jochen Desel, „Hugenotten und Waldenser in und um Hofgeismar“ in: Hessische Heimat – Sonderheft Hofgeismar, Marburg 1978, S. 70 ff.

Unterhaltungsliteratur

  • Friedemann Seiler, "Ein Licht in der Finsternis" - Die Flucht der Hugenotten und Waldenser nach Nordhessen, MuNe Verlag Paderborn 2009
    (Der historische Regional-Roman erzählt die Geschichte von Etienne Pinatel und seiner Frau, die im Jahre 1710 ein Haus in Schöneberg bauten, das heute noch vorhandene Hugenottenhaus an der Bremer Straße.)

Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten am Ort

  • Die Hugenotten-Fachwerkkirche in Schöneberg an der Bremer Strasse:
Schöneberg - Innenraum der Kirche

Die Kirche wurde in schlichter Saalbauweise errichtet. Ihr Baustil gleicht der Hugenottenkirche im nahegelegenen Dorf Kelze.

Die Kirche in Schöneberg wurde in den Jahren 1705 und 1706 erbaut und am 24. Oktober 1706 von Pfarrer Jacques le Fèvre eingeweiht (die an der Kirche angebrachte Tafel nennt das Jahr 1705).

Auf dem Dach der Kirche wurde ein verschieferter Dachreiter platziert mit einer leicht geschweiften Haube und einer Wetterfahne (aus jüngerer Zeit).

Zum Eingangsportal führt eine kleine Freitreppe. Auf einem der Querbalken im oberen Giebelbereich heißt es in einer französischen Inschrift "Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden". Mit einer weiteren Inschrift über dem Eingang aus dem Jahre 1705 (offenbar das Jahr des Richtfestes) wird die Großherzigkeit des Landgrafen Karl gerühmt.

Im Innern befindet sich hinter dem schlicht gehaltenen Altar die Kanzel. Gegenüber gelegen ist die Orgelempore unterhalb der man in die Kirche eintritt.

Nach rund drei Jahren mit umfangreichen Renovierungs-Arbeiten wurde die Kirche am Sonntag, 18.11.2011 mit einem Festgottesdienst wieder eingeweiht.

  • Das Dorothea Viehmann - Denkmal an der Brüder Grimm - Straße:
Datei:D.Viehmann-Denkmal.JPG
Dorothea Viehmann - Denkmal

Das von der Künstlerin Karin Bohrmann-Roth geschaffene Denkmal erinnert an die bekannte nordhessische Märchen-Erzählerin der Brüder Grimm, die aus einer Schöneberger Familie stammte.

Dorothea Viehmann, geborene Pierson, wurde am 8. November 1755 in Rengershausen geboren. Die Vorfahren väterlicherseits waren Hugenotten, die nach der Aufhebung des Edikts von Nantes Ende des 17. Jahrunderts in die Landgrafschaft Hessen-Kassel gekommen waren.

Katharina Dorothea Pierson, so ihr vollständiger Name, war die Urenkelin von Isaac Pierson (1663-1741), dem ersten Schöneberger Greben (Dorfvorsteher), der im Jahre 1699 mit anderen Glaubensflüchtlingen in diesem Bereichs des alten mittelalterlichen Dorfers Bünichheim angesiedelt worden war.

Das Denkmal in Schöneberg zeigt Isaacs Sohn Jean Frédéric Pierson (1698-1777), der durch Einheirat Brauherr auf der „Knallhütte" in der Nähe von Kassel geworden war, wie er seiner Enkelin Dorothea das Märchen von Dornröschen erzählt.

Aufgrund der Herkunft von Dorothea Viehmann fanden also auch eine Reihe von französischen Märchenvariationen Eingang in die Märchensammlung der Gebrüder Grimm.

  • Restauriertes Hugenottenhaus an der Bremer Straße:

Das Haus ist ein sichtbares Zeugnis der hugenottischen Vorfahren am Ort. Friedemann Seiler erzählt in seinem Roman "Ein Licht in der Finsternis" von der Flucht der Hugenotten nach Nordhessen und von Etienne Pinatel und seiner Frau, die im Jahre 1710 ein Haus in Schöneberg bauten - das heute noch vorhandene Hugenottenhaus an der Bremer Straße.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

siehe auch

Schöneberg - restauriertes Hugenottenhaus

Tradition

  • Schützenfest am ersten Wochenende im Juli
  • Kirmes in der ersten Novemberhälfte

Vereine und Verbände

Die Bremer Straße in Schöneberg

Freiwillige Feuerwehr

DRK Ortsverein

Landfrauenverein

SPD-Ortsverein

Wandern

Blick über Hofgeismar zum Schöneberg

Hugenotten- und Waldenserpfad

Die Route des ca. 1800 Kilometer langen Kulturwanderwegs führt von Südfrankreich über Italien und die Schweiz nach Südwestdeutschland und weiter bis nach Bad Karlshafen in Nordhessen. Verbindendes Element ist die Geschichte der Hugenotten und Waldenser, die als französische Protestanten Ende des 17. Jahrhunderts ihr Heimatland Frankreich aus Glaubensgründen verlassen mussten.

In Nordhessen verläuft der Pfad durch den Burgwald, den Kellerwald und das nordhessische Bergland.

Er verläuft im Bereich der Eder über Wiesenfeld und Louisendorf, weiter über Leckringhausen nach Hofgeismar (mit den Dörfern Carlsdorf, Friedrichsdorf, Kelze und Schöneberg) und über Gottstreu und Gewissenruh nach Bad Karlshafen.

Märchenlandweg

Etappe 25 des Märchenlandwegs verläuft von Hofgeismar über Schöneberg, Carlsdorf und Hombressen zur Sababurg im Reinhardswald.

Weblinks