Schöne Aussicht

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Schöne Aussicht auf einer Ansichtskarte von 1890

Die Schöne Aussicht liegt am Hang über der Karlsaue in der nordhessischen Großstadt Kassel.

Die Kasseler Bellevue wurde als Straße mehrfach umbenannt. Sie hieß Weinbergstraße, dazwischen auch Prinz-Georg-Straße und schließlich Schöne Aussicht.

Inhaltsverzeichnis

Eine repräsentative Wohnstraße

Dabei galt die Bellevue dank ihrer Lage als eine der schönsten Straßen Deutschlands. Vor allem im 18. Jahrhundert entstand auf der Höhe über der Karlsaue jene besonders repräsentative Häuserfront, die sie zur schönsten Wohnstraße der Stadt machte. Neben hohen Staatsbeamten haben hier die Brüder Grimm, also Jacob und Wilhelm Grimm gewohnt, die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Malwida von Meysenbug, die Malerfamilie Tischbein, der Komponist Louis Spohr und der Chemiker Robert Wilhelm Bunsen.

In alten Schriften wird der Auehang noch als „wüster Berg“ geführt. Doch mit dem Beginn der Bebauung wird auch ein Terrassengarten gestaltet, der die 350 Meter von der Friedrichsstraße bis zum Friedrichsplatz schnell zur Promenade der Stadt erhebt.

Geschichte

Den Anfang machte das Palais Bellevue, 1714 als Sternwarte für Landgraf Karl erbaut. Dicht gefolgt vom Bellevue-Tempel und vom kurfürstlichen Marstall, der schon 1874 dem Bau der Gemäldegalerie weichen musste. Hier entstanden die Häuser der Reichen und vieler hugenottischer Glaubensflüchtlinge.

Im Krieg zerstören Bomben alle Bauten der Bellevue. Bis auf das Palais Bellevue, das heute das Brüder-Grimm-Museum beherbergt. Das Haus Schöne Aussicht Nummer 9, also das alte Wohnhaus der Familie Grimm aus dem Jahr 1734, wird nach dem Krieg von einem Bäckermeister namens Emde aus den Trümmern originalgetreu wieder aufgebaut. Ebenfalls zerstört und wieder aufgebaut: die Neue Galerie.

Doch eine gigantische Baulücke bleibt. Die Zeitung „Hessische Nachrichten“ macht 1954 einen Vorschlag für Kassels Prachtstraße: ein stilvolles Hotel mit blumengeschmücktem Dachgarten und einem Boulevard-Café mit lustigen Markisen auf dem Trottoir. Bekommen hat die Schöne Aussicht den Justizgebäude-Komplex, reichlich Parkplätze und ein jahrelanges Gezerre ums Café Rosenhang.

Palais Bellevue

Schöne Aussicht nach einer Ansichtskarte

Das abseits stehende Palais Bellevue war bis 1714 als Observatorium errichtet worden – ganz bewusst in größerer Entfernung zu der Häuserfront, um deren Symmetrie mit der Kirche in der Mitte nicht zu stören. Ebenso endete auch die Fahrbahn der Bellevue an der Fünffensterstraße, und das Palais Bellevue stand bis ca. 1811 inmitten eines großen Gartens.

Am Auehang waren zunächst Terrassengärten geplant, die durch unterirdische Gänge mit den Kellern der jeweiligen Häuser verbunden werden sollten. Allerdings wurde nur der Garten des Eckhauses Bellevue / Georgenstraße 6 in dieser Weise ausgeführt (seit 1922 Kurhessische Kriegergedächtnisstätte); der übrige Hang wurde im Laufe der Zeit in fürstliche Gärten umgewandelt. Ursprünglich hatten sie an die Fahrbahn herangereicht, bis im Königreich Westphalen (1807-13) ein breiter Fußweg oberhalb der Hangkante angelegt wurde. Berichtet wird auch über Planungen jener Zeit, die gesamte Straße in einen Denkmäler-Boulevard mit Statuen und Büsten berühmter Franzosen zu verwandeln, doch gelangte davon nichts zur Ausführung.

Das Eckhaus Nr. 12 wurde 1926 von der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) erworben, 1941 beschädigt und beim Großangriff 1943 zusammen mit Nr. 11 vollständig zerstört. Bei Kriegsende standen zwischen Georgenstraße und Friedrichsplatz nur noch Reste von Nr. 9 und das ausgebrannte Haus Nr. 10; während Nr. 9 wieder aufgebaut wurde, wurde Nr. 10 abgebrochen, und anstelle der Häuser Nr. 10-12 entstand in den Jahren 1956/57 ein Neubau der AOK, nach Plänen von Konrad Proll.

Ursprüngliche Straßenfront

An der Ostseite des Friedrichsplatzes, mit Blick auf die Bellevue

Die eigentliche Straßenfront erstreckte sich zwischen Fünffensterstraße und Friedrichsplatz; genau in der Mitte führte die Georgenstraße zum Hauptportal der Oberneustädter Kirche. Links der Georgenstraße standen mehrere Palais hessischer Würdenträger aus den Jahren 1690-1709, während die Wohnhäuser Nr. 7-12 zwischen Georgenstraße und Friedrichsplatz 1715-38 errichtet worden waren. Diese jüngeren Wohnhäuser gehen auf Hofbaumeister Johann Nicolaus Prizier zurück, der das vordere Eckhaus Nr. 12 (errichtet 1715-20) selbst bezog.

Die Gebäude hatten ursprünglich nur zwei Geschosse, allein die beiden Häuser Nr. 11 und 12 waren dreigeschossig, um das Gefälle der Straße aufzufangen; eine geschickte Staffelung sorgte für eine einheitliche Wirkung der gesamten Front: So erhielten Nr. 9-10 einen höheren Sockel, der bei Nr. 11-12 zum Erdgeschoss wurde. Letzteres bedingte wiederum ein schrittweises Ansteigen der Traufhöhe von Nr. 7-8 bis Nr. 11-12. Um die Höhensprünge zu verschleiern und die Mitte der Häuserzeile zu betonen, erhielten Nr. 9-10 höhere Geschosse, zusätzliche Seitenrisalite mit Giebelaufbauten und in den Mittelachsen Balkone.

Seit dem späten 18. Jahrhundert bauten die Eigentümer von Nr. 7-12 jedoch nach und nach die Mansarddächer aus und setzten teilweise neue Giebel auf, was die Silhouette veränderte. Auch die Balkone der Häuser Nr. 7-8 und 11-12 und zusätzliche Schmuckelemente an Nr. 11-12 sind jüngere Ergänzungen.

Mahnmal

An der Schönen Aussicht befindet sich das Ehrenmal für die umgekommenen Soldaten beider Weltkriege; darunter eine Gedenktafel für die, die den Kriegsdienst für die NS-Gewaltherrschaft verweigerten.

Schöne Aussicht und die documenta

Granitblock (von Ulrich Rückriem), Frühstückstempel und Neue Galerie

Die Schöne Aussicht wurde auch schon als Ausstellungsort für die documenta in Kassel genutzt. Im Jahr 1992 erschuf der Künstler Max Neuhaus die Klanginstallation Three to one, die bis heute Teil der Schönen Aussicht ist.

siehe auch

Weblinks

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