Schäferei Eschbach

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Links Wohnhaus Eschbach (Aufnahme aus den 1950er Jahren)

Geografische Lage

Der Bereich der ehemaligen Schäferei Eschbach, welcher heute landwirtschaftlich genutzt wird, war ehemals eine bewaldete Fläche. Sie liegt zwischen Großenengliser Interessentenwald und Fritzlarer Stadtwald, in der Gemarkung Großenenglis. Benannt ist sie nach dem in unmittelbarer Nähe fließenden Bächlein Eschbach.

Grundstücke und Gebäude gehörten ursprünglich zum Großenengliser Gut, wechselten dann 1930 als Vorwerk zum Rittergut Kalbsburg.

Geschichte

Burkhardt von Wildungen, Amtmann von Borken, bekam vom Landgrafen von Hessen, Landgraf Wilhelm IV., im Jahre 1585 "100 Acker Gehöltz beym Eschbach" übereignet, dazu auch das damit verbundene Jagdrecht.

Skizze F. Döring: Eschbach 1935

Im Jahr 1890 kaufte der Großenengliser Ökonomierat und Gutsbesitzer Friedrich Neutze den Bereich der Eschbach und rodete den Wald. Er legte dort um 1910 eine Obstplantage an. Nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Verkauf 1930 wurde hier von seinem Schwiegersohn Braun eine Hühnerfarm betrieben . Hühnerfarm und Obstplantage versorgten nun den stets steigenden Bedarf an frischen Eiern und Obst in der unweit gelegenen, aufstrebenden Kurstadt Bad Wildungen. Zwei mal pro Woche lieferte ein Pritschenwagen Eier, Fleisch, Milch und Obst in die Badestadt.

Der Rittergutsbesitzer der Kalbsburg, Paul Hoppstaedter, kaufte die Eschbach 1930, baute 1932 einen Schafstall und Wohngebäude und richtete eine Schäferei sowie Wohnungen für Bedienstete des Rittergutes ein. Der Schäfermeister Peter Zarges, erster und einziger Schäfer auf der Eschbach, trat 1933 seinen Dienst an. Der Schafbestand stieg nun stetig, und schließlich wurden mehr als 500 Tiere gehalten. Schaffelle und Schafwolle hatten besonders während des Zweiten Weltkrieges eine enorme Bedeutung als "kriegsnotwendige Stoffe" und Schaffleisch trug außerdem zur Versorgung der Bevölkerung bei. Die Zuchterfolge des Schäfermeisters waren weit über die heimatlichen Grenzen bekannt, bis nach unerfreulichen Ereignissen (Schafseuche) der Bestand der Tiere erheblich reduziert wurde.

Gastempfang auf der Eschbach

1968 verließ Peter Zarges - nach 35 Jahren - mit Frau und Familie seine Wirkungsstätte und verzog nach Mandern. Sämtliche Gebäude der Schäferei Eschbach wurden im Sommer 1969 abgebrochen und eingeebnet. Lediglich die gleichnamige Flurbezeichnung erinnert noch heute an die "Eschbach".

Sonstiges

Anzumerken ist, dass die Kinder der Eschbachbewohner die Schule in der Nachbargemeinde Kleinenglis besuchten, während für den Nachwuchs der Kalbsburg Großenenglis zuständig war.

Unzähligen Besuchern aus Nah und Fern bleibt das gesamte Areal der Eschbach bis heute als beliebtes Wanderziel der 50-er und 60-er Jahre in Erinnerung. Besonders in den Sommermonaten und an Feiertagen hielten sich zahlreiche wandernde Bewohner umliegender Orte mit ihren Gästen dort gern auf. Hier konnte man zu bürgerlichen Preisen bei Bier und Bockwurst in geselliger Runde schöne Stunden verbringen.



Literatur

  • Friedrich Döring
 - Werner Ide, Von Adorf bis Zwesten 1972, Seite 94  
 - Waldemar Küther, Historisches Ortslexikon Heft 2, Seite 78
 - LAGIS Hessen, Historischhes Ortslexikon - Eschbach -

Siehe auch