Samuel Beckett

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Das documenta-Lexikon
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Dass sich der irische Autor und spätere Literaturnobelpreisträger Samuel Beckett (1906-1989) in einer frühen aber entscheidenden Phase seines Lebens oft in Kassel aufhielt, wusste bis vor wenigen Jahren kaum jemand, mit Ausnahme derer, die Beckett noch persönlich kannten, einiger Autoren und Literaturkenner, Historiker und Journalisten. Auch in den Beckett-Biographien war das Thema "Beckett in Kassel" bis 1992 weitgehend unerschlossen, bis zur Herausgabe seines Romans "Dream of Fair to Middling Women" ("Traum von mehr bis minder schönen Frauen", erschienen im Suhrkamp-Verlag), den Beckett bereits 1932 verfasst hatte, der aber erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde. Dieser Roman beschreibt in nahezu autobiographischer Form Becketts erste große Liebe, Peggy Sinclair, die auch seine Cousine war, weitere ihm nahestehende Personen in Kassel und etliche Erlebnisse in dieser Stadt am Ende der zwanziger Jahre.


Samuel Becket

Der irische Schriftsteller und Dramatiker Samuel Beckett wurde 1906 in Dublin geboren und lebte seit 1937 in Frankreich. Sein bekanntestes Werk ist das Drama "Warten auf Godot". 1969 wurde er mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. Er starb am 22. Dezember 1989 in Paris.

Beckett und Kassel

Zwischen 1928 und 1932 hat sich Beckett mindestens acht Mal in Kassel aufgehalten, zum Teil über mehrere Wochen. Er lebte jeweils bei der Familie Sinclair in der Landgrafenstraße 5, der heutigen Bodelschwinghstraße. Mit Cissie Sinclair (Becketts Tante väterlicherseits) und ihrem Mann William Sinclair verbanden ihn vielfältige künstlerische Interessen, Malerei, Literatur und Musik. Mit Peggy Sinclair, der zweitältesten Tochter der Sinclairs, verband ihn sein erstes intensives Liebesverhältnis, in den Jahren 1928 bis 1930. Mit den Besuchen Kassels erschloss sich ihm das Interesse an der deutschen Sprache, an deutscher Kunst und Kultur. In Kassel hielt er sich im Vorderen Westen auf, aber auch etliche Gaststätten, Bars und Restaurants der Alt- und Oberneustadt waren ihm vertraut. Er besuchte den Wochenmarkt auf dem Königsplatz, fuhr Boot auf der Fulda und liebte Spaziergänge in der Karlsaue, sowie im Park Wilhelmshöhe. Am Ufer der Fulda in Spiekershausen/Kragenhof verbrachte er mit den Sinclairs 1929 einen Sommerurlaub. Sicher kannte er auch die Kasseler Museen, Kunstausstellungen und Galerien. Kassel bedeutete für ihn auch eine Art Refugium - die Erholung von Widrigkeiten und Problemen in seinem noch jungen Leben zwischen Dublin und Paris. Aus Kassel verschickte er das Telegramm zur Kündigung seiner Universitätskarriere, zugunsten einer damals noch ungewissen schriftstellerischen Zukunft.

Die Familie Sinclair

Die Sinclairs waren 1922 mit fünf Kindern nach Kassel gekommen, wegen Williams Interesse an der deutschen avantgardistischen Malerei, und verließen die Stadt 1933 nach elf Jahren Aufenthalt wieder, um nach Dublin zurückzukehren. Der unter den Nazis zunehmende Antisemitismus bewog sie ebenso zur Rückwanderung wie die schwieriger werdende wirtschaftliche Lebensgrundlage. Kurz zuvor war Peggy an Lungentuberkulose gestorben - für Beckett war dies Anlass, nach dem Fortzug der Sinclairs nie mehr nach Kassel, an den Ort seiner ersten Liebe, zurückzukehren.

Die Erinnerung an Beckett

Eine zweite Beziehung zu Kassel ergab sich aber aus der Freundschaft mit Dr. Gottfried Büttner, viele Jahre später, zwischen den 60er Jahren und Becketts Tod. Seit 2003 wird erstmalig begonnen, die Bezüge Samuel Becketts zu Kassel systematisch aufzuarbeiten. Eine erste Dokumentation wurde erstellt, Stadtspaziergänge "auf Becketts Spuren in Kassel" werden angeboten. In neuen Kasseler Stadtplänen erscheint bereits die "Samuel Beckett Anlage" als zukünftiges Straßennetz zwischen geplanten Wohnbauten im Inneren des Geländes der ehemaligen Bereitschaftspolizei-Kaserne an der Friedrich-Ebert-Straße - in unmittelbarer Nähe der Bodelschwinghstraße 5, wo Beckett einst wohnte. Den Beschluss zu dieser Namensgebung fasste der Ortsbeirat West. Im Gehweg vor dem Haus wurde am 31. Dezember 2005 eine Gedenkplatte eingeweiht, finanziert ebenfalls durch den Ortsbeirat.

Träger der Aktivitäten zur Erinnerung an Becketts Aufenthalte in Kassel war zuerst der „Arbeitskreis Beckett in Kassel“, aus dem heraus im August 2005 die „Samuel-Beckett-Gesellschaft e.V.“ gegründet wurde. Sie spricht Beckett-Interessierte nicht nur in Kassel und Nordhessen an. Weil die Kasseler Erfahrungen für Beckett den ersten Kontakt zum deutschen Kulturraum darstellten, trägt die Gesellschaft auch zur Vernetzung der deutschen Beckett-Gemeinschaft bei. Ihre erste Aktivität war die Durchführung der Auftaktveranstaltung zur Eröffnung des Beckett-Jahres 2006 am Silvestertag des Jahres 2005.

Literatur

  • Samuel Beckett Gesellschaft (Hrsg.); Samuel Beckett und Kassel 1928 - 1932. Kassel 2006


Links

Die Links funktionieren alle nicht. Bitte löschen. Eine neue Webstite der Beckett-Gesellschaft ist in Planung.