Rundgang 7, Station 7

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Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel. Standort: auf der Osthälfte des Königsplatzes, mit Blick auf Königsplatz 34 und Königsstraße 32, um 1905–1911; ganz links Untere Karlsstraße 7 und 9
Das Palais Hessen-Rotenburg (vgl. Station 3) hatte am Königsplatz nur die westliche Hälfte des Baublocks eingenommen. Die Osthälfte wurde wegen des schlechten Baugrunds erst um 1780 bebaut. Dieses Privathaus bildete äußerlich zwar eine weitgehend symmetrische Ergänzung, war aber angesichts der Gründungsprobleme nur in leichterer Fachwerkbauweise errichtet, verblendet und verputzt.

Das Palais der Landgrafen von Hessen-Rotenburg war nicht der erste Kasseler Stadtsitz dieser Seitenlinie, die neben Rotenburg an der Fulda auch weitere einzelne Gebiete in den hessischen Territorien besaß. Diese sogenannte Rotenburger Quart war 1627 eingerichtet worden, um die Söhne aus der zweiten Ehe des Landgrafen Moritz (mit Juliana von Nassau) materiell abzusichern. Als Nebensitz in Kassel diente zunächst der Nassauer Hof an der Schlagd (der frühere Oberstenhof), den die Landgräfin als Witwensitz genutzt hatte. Um 1769 war die Hofanlage jedoch schon seit längerem unbewohnt, und Landgraf Friedrich II. erwarb sie von Konstantin von Hessen-Rotenburg, um dort verschiedene Behörden und ein Warenlager für den Handel unterzubringen. Dabei machte Friedrich II. zur Bedingung, dass Konstantin von dem Kaufpreis ein Palais an der neuen Königsstraße errichte. 1834 erlosch die Rotenburger Seitenlinie, und ihre hessischen Territorien fielen an Kurhessen zurück.

Nachdem das Palais Hessen-Rotenburg bereits 1813 als Ministerialgebäude angekauft worden war, erwarb der Staat um 1864 auch das Nachbarhaus Nr. 34 hinzu. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 war es naheliegend, das bisherige „Kurhessische Staatsministerium“ als Regierungspräsidium weiterzunutzen, aber bereits 1875 wurde ein zeitgemäßerer Neubau an der Fulda begonnen (1881/82 vollendet).

1911 fiel der gesamte Baukomplex am Königsplatz dem Abbruch zum Opfer, und der Hessische Bankverein errichtete an seiner Stelle ein neues Geschäftshaus. Der Bankverein war 1908 als Zusammenschluss der Bankhäuser J.C. Plauth & Co. in Eschwege und Leopold Plauth & Co in Kassel entstanden und hatte sich durch die Übernahme weiterer Banken auf weitere Städte und Orte ausgedehnt. 1922 wurde er von der Commerzbank AG übernommen.

Aus dem alten Palais Hessen-Rotenburg hatte man das Geländer des Treppenhauses teilweise in den Neubau übernommen, wo es beim Brand des Hauses in der Bombennacht 1943 unterging. Einzelne Brüstungsgitter des Palais waren dem Landesmuseum überwiesen worden, wo sie sich noch heute befinden, und zwei Vasen der Dachbalustrade stehen im Park Schönfeld, unterhalb des Schlösschens.


Rundgang 1: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Wilhelmsstraße | Station 2: Engelsburg | Station 3: Wolfsschlucht 5-11 | Station 4: Opernstraße 15 | Station 5: Gnadengässchen | Station 6: Theaterstraße | Station 7: Wolfsschlucht 19-21 | Station 8: Theaterstraße 4 und 2 | Station 9: Blick auf das Friedrichsgymnasium | Station 10: Wolfsschlucht / Kölnische Straße
Rundgang 2: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 11: Obere Karlsstraße 32 | Station 12: Obere Karlsstraße 26-28 | Station 13: Obere Karlsstraße bis Friedrichsplatz | Station 14: Obere Karlsstraße bis Weinbergstraße | Station 15: Hercules Bierbrauerei | Station 16: Karlskirche | Station 17: Wilhelmsstraße 15 | Station 18: Stadtpark | Station 19: Garde-du-Corps-Straße | Station 20: Garde-du-Corps-Platz
Rundgang 3: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Karl Bernhardi Straße | Station 2: Dock 4 auf der Seite Oberste Gasse | Station 3: Porzellanhaus Hornschu in der Obersten Gasse 5 - Teil 1 | Station 4: Porzellanhaus Hornschu in der Obersten Gasse 5 - Teil 2 | Station 5: Fingerz Kleidung & Accessoires Entenanger 2 | Station 6: Jugendbücherei Oberste Gasse 24 - Teil 1 | Station 7: Jugendbücherei Oberste Gasse 24 - Teil 2 | Station 8: Hochzeitsatelier Oberste Gasse 30 | Station 9: Druselplatz 3 | Station 10: Reformhaus Kräuterhilde Martinsplatz 1
Rundgang 4: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Martinsplatz | Station 2: Martinsplatz nach dem Abbruch des Tuchhauses | Station 3: Das Säulenportal am Martinsplatz | Station 4: Mittelgasse | Station 5: Das Grimmsche Märchenhaus | Station 6: Barockhaus von Oberst Georg du Mont | Station 7: Der Freiheiter Durchbruch | Station 8: Laubengänge am Freiheiter Durchbruch | Station 9: Kassels erste Fußgängerzone | Station 10: Der untere Abschnitt der Marktgasse
Rundgang 6: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Café Nenninger, Friedrichsplatz 8 | Station 2: Brillen Vesper, Friedrichsplatz 6 | Station 3: Köhler Herrenbekleidung, Obere Königsstraße 37 (I) | Station 4: Köhler Herrenbekleidung, Obere Königsstraße 37 (II) | Station 5: Sinn Leffers, Friedrichsplatz 19-20 (I) | Station 6: Sinn Leffers, Friedrichsplatz 19-20 (II) | Station 7: AOK Geschäftsstelle, Friedrichsplatz 14 (I) | Station 8: AOK Geschäftsstelle, Friedrichsplatz 14 (II) | Station 9: Laufladen, Friedrichsplatz 12 (I) | Station 10: Laufladen, Friedrichsplatz 12 (II)
Rundgang 7: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Haus Königsstraße 45 | Station 2: Lyceum Fridericianum, Am Friedrichsplatz 19-20 | Station 3: Das Palais der Landgrafen von Hessen Rotenburg um 1910 | Station 4: Der Königsplatz nach Nordosten 1820, ehem. Kaskade | Station 5: Brühlsches Haus um 1890 | Station 6: Obere Königsstraße und Kölnische Straße, um 1898–1905 | Station 7: Königsplatz 34 und Königsstraße 32, um 1905–1911 | Station 8: Die Baugruppe Nr. 38–46, um 1888–1890 | Station 9: Die Baugruppe Königsplatz 57–59, vor 1898 | Station 10: Das Posthaus am Königsplatz vor 1878