Rundgang 7, Station 1

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Alle drei Wochen sammelte sich in gespannter Erwartung eine Menschenmenge vor dem Haus Königsstraße 45. Militärposten sicherten den Eingang, die drei Fenster des Mittelsaals waren geöffnet, und im Saal stand auf einer erhöhten Tribüne ein Glücksrad. Aus dem Fenster über dem Torbogen war ein grünes Tuch gehängt, mit einer blauen Tafel und der goldenen Überschrift: „Die heute aus dem Glücksrad gezogene Nummern sind“.

Nach dem Vorbild aus Genua wurden 5 aus 90 Zahlen gezogen. War eine Gewinnzahl ermittelt, so traten Trompeter und Pauker in Aktion, und die Zahl wurde auf der Tafel befestigt. Die Erlöse kamen dem Kasseler Armen-, Waisen- und Findelhaus zugute. Das Kasseler Lotto bestand allerdings nur kurze Zeit: 1771 war es von Landgraf Friedrich II. eingerichtet worden, und bereits 1785 stellte sein Nachfolger Wilhelm IX. das Glücksspiel wieder ein.

Ebenso wie Friedrichs- und Königsplatz war dieser Abschnitt der Königsstraße nach der 1767 begonnenen Schleifung der alten Kasseler Festungswerke angelegt worden, um die Oberneustadt mit der alten Kernstadt zu verbinden. Bauherr des Hauses Königsstraße 45 war um 1770 der Regierungsrat Robert gewesen, der den teuren Neubau jedoch bald wieder zum Kauf angeboten hatte.

Nach Einstellung des Lottos 1785 diente das Gebäude als Sitz des Kriegskollegiums, an dem 1805/06 auch Jacob Grimm als Sekretär tätig war. Während der Französischen Fremdherrschaft (18061813) war hier das Finanzministerium untergebracht. Danach nutzte man die Räume für Kanzlei und Kabinett des Kurfürstentums, seit 1850 als Wohnung für die Söhne des Kurfürsten, die Fürsten von Hanau; das Gebäude erhielt daher den Namen „Fürstenhof“.

18741877 wohnten hier die preußischen Prinzen Wilhelm (der spätere Kaiser Wilhelm II.) und Heinrich; während dieser das Realgymnasium in der Schomburgstraße besuchte, ging Wilhelm auf das Friedrichsgymnasium, das in der Wolfsschlucht stand und dort an das Hintergebäude und den Garten des Fürstenhofs angrenzte. Kurzerhand legte man dabei eine Holztreppe an, über die der Prinz aus dem Garten direkt auf den Schulhof gelangen konnte. Später wohnten im Fürstenhof Herzog Paul von Mecklenburg-Schwerin und Prinz Leopold von Preußen, zuletzt Prinz Joachim von Preußen.

Nach 1918 diente das Gebäude als Arbeitsamt, dann wieder zu Wohnzwecken, 19291934 als Provinzialschulkollegium, danach als Wehrkreisverwaltungsamt IX. Beim Großangriff 1943 brannte es aus und wurde anschließend abgebrochen. Nach dem Ersten Weltkrieg aus staatlichem in städtischen Besitz übergegangen, wurde das Grundstück nun aufgeteilt; die Front an der Königsstraße verkaufte man an Privatleute, auf dem rückwärtigen Grundstücksteil an der Wolfsschlucht entstand ein Neubau für die Hessische Heimstätte.


Rundgang 1: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Wilhelmsstraße | Station 2: Engelsburg | Station 3: Wolfsschlucht 5-11 | Station 4: Opernstraße 15 | Station 5: Gnadengässchen | Station 6: Theaterstraße | Station 7: Wolfsschlucht 19-21 | Station 8: Theaterstraße 4 und 2 | Station 9: Blick auf das Friedrichsgymnasium | Station 10: Wolfsschlucht / Kölnische Straße
Rundgang 2: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 11: Obere Karlsstraße 32 | Station 12: Obere Karlsstraße 26-28 | Station 13: Obere Karlsstraße bis Friedrichsplatz | Station 14: Obere Karlsstraße bis Weinbergstraße | Station 15: Hercules Bierbrauerei | Station 16: Karlskirche | Station 17: Wilhelmsstraße 15 | Station 18: Stadtpark | Station 19: Garde-du-Corps-Straße | Station 20: Garde-du-Corps-Platz
Rundgang 3: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Karl Bernhardi Straße | Station 2: Dock 4 auf der Seite Oberste Gasse | Station 3: Porzellanhaus Hornschu in der Obersten Gasse 5 - Teil 1 | Station 4: Porzellanhaus Hornschu in der Obersten Gasse 5 - Teil 2 | Station 5: Fingerz Kleidung & Accessoires Entenanger 2 | Station 6: Jugendbücherei Oberste Gasse 24 - Teil 1 | Station 7: Jugendbücherei Oberste Gasse 24 - Teil 2 | Station 8: Hochzeitsatelier Oberste Gasse 30 | Station 9: Druselplatz 3 | Station 10: Reformhaus Kräuterhilde Martinsplatz 1
Rundgang 4: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Martinsplatz | Station 2: Martinsplatz nach dem Abbruch des Tuchhauses | Station 3: Das Säulenportal am Martinsplatz | Station 4: Mittelgasse | Station 5: Das Grimmsche Märchenhaus | Station 6: Barockhaus von Oberst Georg du Mont | Station 7: Der Freiheiter Durchbruch | Station 8: Laubengänge am Freiheiter Durchbruch | Station 9: Kassels erste Fußgängerzone | Station 10: Der untere Abschnitt der Marktgasse
Rundgang 6: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Café Nenninger, Friedrichsplatz 8 | Station 2: Brillen Vesper, Friedrichsplatz 6 | Station 3: Köhler Herrenbekleidung, Obere Königsstraße 37 (I) | Station 4: Köhler Herrenbekleidung, Obere Königsstraße 37 (II) | Station 5: Sinn Leffers, Friedrichsplatz 19-20 (I) | Station 6: Sinn Leffers, Friedrichsplatz 19-20 (II) | Station 7: AOK Geschäftsstelle, Friedrichsplatz 14 (I) | Station 8: AOK Geschäftsstelle, Friedrichsplatz 14 (II) | Station 9: Laufladen, Friedrichsplatz 12 (I) | Station 10: Laufladen, Friedrichsplatz 12 (II)
Rundgang 7: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Haus Königsstraße 45 | Station 2: Lyceum Fridericianum, Am Friedrichsplatz 19-20 | Station 3: Das Palais der Landgrafen von Hessen Rotenburg um 1910 | Station 4: Der Königsplatz nach Nordosten 1820, ehem. Kaskade | Station 5: Brühlsches Haus um 1890 | Station 6: Obere Königsstraße und Kölnische Straße, um 1898–1905 | Station 7: Königsplatz 34 und Königsstraße 32, um 1905–1911 | Station 8: Die Baugruppe Nr. 38–46, um 1888–1890 | Station 9: Die Baugruppe Königsplatz 57–59, vor 1898 | Station 10: Das Posthaus am Königsplatz vor 1878