Rundgang 4, Station 8

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rundgang 1: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Wilhelmsstraße | Station 2: Engelsburg | Station 3: Wolfsschlucht 5-11 | Station 4: Opernstraße 15 | Station 5: Gnadengässchen | Station 6: Theaterstraße | Station 7: Wolfsschlucht 19-21 | Station 8: Theaterstraße 4 und 2 | Station 9: Blick auf das Friedrichsgymnasium | Station 10: Wolfsschlucht / Kölnische Straße
Rundgang 2: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 11: Obere Karlsstraße 32 | Station 12: Obere Karlsstraße 26-28 | Station 13: Obere Karlsstraße bis Friedrichsplatz | Station 14: Obere Karlsstraße bis Weinbergstraße | Station 15: Hercules Bierbrauerei | Station 16: Karlskirche | Station 17: Wilhelmsstraße 15 | Station 18: Stadtpark | Station 19: Garde-du-Corps-Straße | Station 20: Garde-du-Corps-Platz
Rundgang 3: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Karl Bernhardi Straße | Station 2: Dock 4 auf der Seite Oberste Gasse | Station 3: Porzellanhaus Hornschu in der Obersten Gasse 5 - Teil 1 | Station 4: Porzellanhaus Hornschu in der Obersten Gasse 5 - Teil 2 | Station 5: Fingerz Kleidung & Accessoires Entenanger 2 | Station 6: Jugendbücherei Oberste Gasse 24 - Teil 1 | Station 7: Jugendbücherei Oberste Gasse 24 - Teil 2 | Station 8: Hochzeitsatelier Oberste Gasse 30 | Station 9: Druselplatz 3 | Station 10: Reformhaus Kräuterhilde Martinsplatz 1
Rundgang 4: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Martinsplatz | Station 2: Martinsplatz nach dem Abbruch des Tuchhauses | Station 3: Das Säulenportal am Martinsplatz | Station 4: Mittelgasse | Station 5: Das Grimmsche Märchenhaus | Station 6: Barockhaus von Oberst Georg du Mont | Station 7: Der Freiheiter Durchbruch | Station 8: Laubengänge am Freiheiter Durchbruch | Station 9: Kassels erste Fußgängerzone | Station 10: Der untere Abschnitt der Marktgasse
Rundgang 6: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Café Nenninger, Friedrichsplatz 8 | Station 2: Brillen Vesper, Friedrichsplatz 6 | Station 3: Köhler Herrenbekleidung, Obere Königsstraße 37 (I) | Station 4: Köhler Herrenbekleidung, Obere Königsstraße 37 (II) | Station 5: Sinn Leffers, Friedrichsplatz 19-20 (I) | Station 6: Sinn Leffers, Friedrichsplatz 19-20 (II) | Station 7: AOK Geschäftsstelle, Friedrichsplatz 14 (I) | Station 8: AOK Geschäftsstelle, Friedrichsplatz 14 (II) | Station 9: Laufladen, Friedrichsplatz 12 (I) | Station 10: Laufladen, Friedrichsplatz 12 (II)
Rundgang 7: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Haus Königsstraße 45 | Station 2: Lyceum Fridericianum, Am Friedrichsplatz 19-20 | Station 3: Das Palais der Landgrafen von Hessen Rotenburg um 1910 | Station 4: Der Königsplatz nach Nordosten 1820, ehem. Kaskade | Station 5: Brühlsches Haus um 1890 | Station 6: Obere Königsstraße und Kölnische Straße, um 1898–1905 | Station 7: Königsplatz 34 und Königsstraße 32, um 1905–1911 | Station 8: Die Baugruppe Nr. 38–46, um 1888–1890 | Station 9: Die Baugruppe Königsplatz 57–59, vor 1898 | Station 10: Das Posthaus am Königsplatz vor 1878


Station 8: Hochzeitsatelier Oberste Gasse 30

Der Druselturm

Der Druselturm ist der letzte erhaltene Rundturm der mittelalterlichen Stadtmauer Kassels. In den Jahren 1414/1415 wurde er nachträglich in den Mauerring eingefügt. Der Zugang erfolgte nur über den Wehrgang der Stadtmauer. Unterhalb befand sich ein gewölbtes Verlies, und im obersten Geschoss wohnte ein Turmwächter.
In der Obersten Gasse, mit Blick auf Druselplatz und Druselturm, 1910. Links vorne das Eckhaus Druselplatz 6 / Oberste Gasse, im Hintergrund fällt der Blick auf die Hauptpost am Königsplatz. Im Rücken des Photographen führt die Druselgasse den Hang hinab bis zum Graben.
Das Mauerwerk war weiß verputzt, und am Turmhelm erhob sich über jedem der obersten sechs Fenster ein Wichhaus mit spitzem Helm. Diese Aufbauten wurden allerdings 1686 beseitigt, als man den Turmhelm erneuerte.

In der Neuzeit wurde der Druselturm funktionslos und diente zuletzt als Lager, bis er 1905 ausbrannte. Nur mit einer Stimme Mehrheit entschied sich der Magistrat gegen den Abbruch, und 1906 erfolgte der Wiederaufbau. Dabei erhielt der neue Turmhelm vier Wichhäuschen (statt der einstigen sechs), die allerdings beim Großangriff 1943 untergingen. Nach 1945 nutzte zunächst der Fotograph W. Thieme die Ruine als Atelier. Beim Wiederaufbau errichtete man wieder einen schlichten Helm nach dem Vorbild von 1686. Die letzten Reste des mittelalterlichen Verputzes wurden erst in jüngster Zeit abgeschlagen.

Die Druselleitung

Der Druselturm erhebt sich am höchsten Punkt des damaligen Stadtgebiets und schützte zugleich eine Schwachstelle der Stadtbefestigung: die Mündung des Druselkanals in die Stadt.

Um die Wasserversorgung Kassels sicherzustellen, war dieser insgesamt über vier Kilometer lange Kanal offenbar schon bei Gründung der Freiheit angelegt worden. Bei Wahlershausen zweigte er von der Drusel ab, führte drei Kilometer lang durch Äcker und Wiesen und traf am heutigen Königstor auf einen natürlichen Bachlauf. Dieser Bach floss ursprünglich zwischen Steinweg und Ziegengasse den Hang hinab (vgl. Station 5), wurde nun aber derart umgeleitet, dass er – durch das Druselwasser verstärkt – an den beiden höchsten Punkten das Stadtgebiet erreichte: einmal am Zwehrener Turm und einmal am heutigen Druselplatz.

Von dort aus wurde das Wasser auf ein Rinnensystem verteilt, das sämtliche Straßen der Freiheit und einen Großteil der Altstadt mit Wasser versorgte. Ein Hauptverteiler floss durch die Druselgasse, die genau über den Hangrücken verlegt war; von hier aus wurde das Wasser nach beiden Seiten auf Oberste Gasse, Mittelgasse und Graben verteilt und floss schließlich durch die Kettengasse in die Fulda ab. Zugleich mit dem Bau des Druselturms wurde auch der Druselplatz angelegt, durch Abbruch einer Mühle. An ihrer Stelle schuf man einen Sammelteich, der 1541 als Bassin neu gemauert wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts ersetzte man den Teich durch eine unterirdische Zisterne. Ein weiterer Teich auf dem Martinsplatz diente als Pferdeschwemme.

Für die Unterhaltung des Leitungsnetzes war der sogenannte Druselmeister zuständig, dessen Wohnung im 16. Jahrhundert im obersten Geschoss des Druselturms bezeugt ist. Jeder Kasseler hatte eine Abgabe zu entrichten, das sogenannte Druselgeld; die Tarife waren unterschiedlich festgesetzt, indem die Brauer, Leinweber und Priester eine höhere Gebühr zu zahlen hatten, erst recht die Badestuben und das Elisabeth-Hospital; auch bei den übrigen Bürgern gab es noch einmal verschiedene Staffelungen. Die Fischereigerechtigkeit im offenen Graben vor der Stadt stand dem städtischen Rat zu, und noch am Ende des 18. Jahrhunderts lieferten Stadtdiener und Forstmeister Grundeln und Krebse aus dem Graben dem jeweiligen Bürgermeister ab. Im Winter musste Eis gehackt werden, und einmal jährlich wurde der Graben auf Kosten der Stadt gereinigt. Auch gegen Wasserdiebe musste vorgegangen werden, die vor der Stadt die Dämme des Grabens durchbrachen und Wasser für ihre Äcker und Wiesen abzweigten.

Allerdings bargen die offenen Rinnen innerhalb und außerhalb des Stadtgebiets die Gefahr von Verschmutzungen, so dass man das Druselwasser hauptsächlich als Brauchwasser sowie zum Backen, Brauen und Kochen nutzte, für die Trinkwasserversorgung aber (soweit möglich) auf Brunnen zurückgriff. Auch die Verhängung von Bußen bot nur unzureichende Abhilfe, etwa wenn in die Drusel gekehrt oder in den Rinnen gewaschen wurde. 1645 beschwerten sich die Anwohner der Kastenalsgasse und der abzweigenden Knickgasse, dass die Töpfer mit ihren Scherben die Rinnen verstopften. Außerdem hatte in der Knickgasse der dortige Bader seinen Saukoben über die Drusel gesetzt. Aus dem 18. Jahrhundert ist überliefert, dass vor der Stadt „Schweine und Schafe in und durch den Druselgraben getrieben, tote Tiere, Schafgerippe, Lumpen und anderes darin aufgefunden wurden“, außerdem wuschen und badeten sich Menschen darin und „wiederholt und besonders von den Müllern des Dorfes Wahlershausen wird gesagt, dass sie Abtritte über dem Druselbach aufgestellt hätten und mit deren Inhalt das Wasser verpesteten. Noch im Jahr 1816 berichtete der Stadtbaumeister von vier Abtritten, die in Wahlershausen über dem Druselbache ständen und fügt hinzu, dass ein Müller einen Hund im Bache tot geschlagen habe.“ [1]

In der Barockzeit verlegte man innerhalb der Stadt unterirdische Rohrleitungen, wobei die offenen Rinnen (Druseln genannt) aber weiterhin bestehen blieben: Zum einen konnte man im Brandfall das Wasser aus den Sammelteichen gezielt zur Brandstelle leiten, zum anderen ließ man fortan mehrere Stunden am Tag Druselwasser zur Straßenreinigung durch die Straßengossen fließen. Das Leitungsnetz verfügte weiterhin über mehrere, gebührenpflichtige Hausanschlüsse und vor allem über zahlreiche öffentliche Laufbrunnen, die sogenannten Freizaiten („Zaite“ oder „Zeute“ bezeichnete in Kassel den Ausguss einer Kanne oder eben einer Brunnenleitung). 1731 wurden alleine in Altstadt und Freiheit 91 Zaiten gezählt, darunter 34 Freizaiten und 18 Brauerei-Anschlüsse, in der ganzen Stadt 155 Zaiten, darunter sechs weitere Freizaiten und ebensoviele Brauerei-Anschlüsse in der Oberneustadt, die übrigen Anschlüsse in Schloss und Aue. Zugleich legte man 52 unberechtigte Anschlüsse still.

Die Drusel war damals auch schon durch weitere Zuflüsse verstärkt worden. Das Schloss und andere herrschaftliche Gebäude wurden zu jener Zeit auch durch das sogenannte Schlosswasser (oder Prinzenwasser, aus der Prinzenquelle) versorgt, ebenso durften einige Staatsbeamte dieses Wasser mitbenutzen, und in jüngerer Zeit gab es auch einige öffentliche Ausläufe mit Prinzenwasser in Altstadt und Oberneustadt.

Erst mit dem Bau der modernen Niestewasserleitung 1870-1872 verlor die Drusel ihre jahrhundertealte Bedeutung für die Kasseler Wasserversorgung.

Das Haus Druselplatz 6

Das große Eckhaus links (dessen Grundstück bis zum Druselturm reichte) wurde 1651 von der Familie Bourdon errichtet. Der Kaufmann Thomas Bourdon (1596-1640) aus Metz gehörte zu jenen französischsprachigen Reformierten aus Paris und der von Frankreich annektierten Reichsstadt Metz, die bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach Hessen eingewandert waren; und bis in die 1660er-Jahre sind weitere französischsprachige Einwanderer aus Straßburg, Metz und Sedan überliefert – deutlich vor der großen Einwanderungswelle ab 1685.

Thomas Bourdon erhielt 1628 das Kasseler Bürgerrecht und wurde in die Kaufmannsgilde aufgenommen, außerdem heiratete er in jenem Jahr eine Tochter des Kasseler Ratsherrn Caspar Werner. Nach deren Tod ehelichte er 1639 eine Tochter des Weinhändlers Johann Hille aus Marburg. Der ersten Ehe entstammte der Bauherr jenes Hauses, Samuel Bourdon (1631-1688). Er hatte eine juristische Ausbildung erhalten, wurde 1667 ebenfalls Mitglied der Kaufmannsgilde, in den Jahren 1667 bis 1669 dreimal nacheinander zum Bürgermeister gewählt und war zuletzt Regierungsrat und Advocatus Fisci (staatlicher Vertreter bei zivilrechtlichen Streitigkeiten). In erster Ehe hatte er 1659 eine Tochter des Kammerrats Caspar Wiegand aus Kassel geheiratet, nach deren Tod eine Tochter des Vizekanzlers Nicolaus Müldener. In der ersten Hälfte / Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Haus umgebaut, aufgestockt und verputzt, außerdem errichtete man den Seitenflügel am Druselplatz und modernisierte und erweiterte das angrenzende Hinterhaus (Druselplatz 5).

siehe auch

Quellen und Links

  1. Zitate aus: NOËL, L[udwig] v[on]: Die ältere Wasserversorgung der Residenzstadt Cassel. Historisches und Technisches, Cassel 1890, S. 16f.).