Rosenzweig und Baumann

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Historisches Foto aus dem 19. Jahrhundert: So sah das Labor auf dem Firmengelände neben dem Bahnhof Wilhelmshöhe damals aus.
Die jüdische Firma Rosenzweig & Baumann hatte zwei Standorte in Kassel am Ende der Holländischen Straße kurz vor der Stadtgrenze und am Bahnhof Wilhelmshöhe. Dort, wo inzwischen ein IC-Hotel steht, wurden früher Farben und Lacke hergestellt. Das Firmengrundstück ging bis zur Kohlenstraße. Gegründet wurde das Unternehmen von Ernst Baumann und Franz Rosenzweig.

Geschichte

Das Unternehmen bestand in der Zeit zwischen 1818 bis 1989. Der letzte Geschäftsführer war Prof. Winfried Jacob, der Sohn Heinrich Jacobs.

Georg Rosenzweig (18571918) hatte die von seinem Großvater aufgebaute Drogerie zu einer Farben- und Lackfabrik erweitert. Er gehörte zu den wohlhabenden und angesehenen Bürgern der Stadt. Er war Stadtverordneter und später Stadtrat.

Heinrich Jacob machte zufällig Karriere bei Rosenzweig & Baumann. Die Firma hatte für Neuentwicklungen enge Kontakte mit der Kölner Universität. Bei einem Besuch in Kassel war ein Kölner Professor auf den Lehrling Heinrich Jacob aufmerksam geworden. Er hatte einige Ordner für die Besprechung gebracht. Dabei hinterließ er offenbar einen guten Eindruck. Obwohl er nur einen Volksschulabschluss hatte, bekam er die Chance zum Studium. Er wurde wurde Chemiker und stieg bis in die Unternehmensführung auf. Seinem Mentor, Firmeninhaber Dr. Ernst Baumann, war er ein Leben lang dankbar.

NS-Zeit

Mit der Machtübernahme der Nazis im Jahr 1933 wurde die Lage für die jüdische Firma immer schwieriger. Öffentliche Aufträge gab es nicht mehr. 1935 wurde das Unternehmen zwangsarisiert.

Vor einer Hausdurchsuchung durch die SS hatte man gerade noch Zeit, Rezepturen für Lacke und Farben zu verstecken. Ein Schulfreund von Heinrich Jacob hatte die Familie gewarnt. Die Abschriften der Rezepturen hatte die SS nicht gefunden. Mit diesem Schatz im Gepäck fing Dr. Ernst Baumann in Südafrika neu an. Er kehrte 1948 nach Kassel zurück. Mit Heinrich Jacob leitete er die Firma bis zu seinem Tod im Jahr 1952.

In der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 wurde auch das Bürogebäude der Firma am Spohrplatz in der Kasseler Innenstadt zerstört.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Winfried Jacob setzte die Familientradition bis 1989 fort. Das Unternehmen gehörte damals zum AEG-Konzern und lieferte unter anderem Rostschutzfarbe für Fabriken von Krupp sowie eine große Gaspipeline von Sibirien nach Deutschland. Bundesweit war die Kasseler Firma lange Marktführer und auch international aktiv.

Franz Rosenzweig

Aus der Unternehmerfamilie Rosenzweig ging auch der berühmte jüdische Historiker und Philosoph Franz Rosenzweig hervor.

siehe auch

Weblinks und Quellen