Roland Freisler

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Roland Freisler

Roland Freisler (* 30. Oktober 1893 in Celle; † 3. Februar 1945 in Berlin) war Jurist und seit seiner Ernennung im August 1942 bis zu seinem Tod 1945 der Präsident des Volksgerichtshofes. Am 1. Januar 1924 kam er als junger unbekannter Gerichtsassessor für ein halbes Jahr ans Homberger Amtsgericht.

In seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit als Präsident des Volksgerichtshof verurteilte Freisler fast 2.500 Menschen zum Tode. Zu den bekanntesten seiner Prozesse gehört der gegen die Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose 1943 und der gegen die Attentäter vom 20. Juli im Jahr 1944. Im Februar 1945 kam er bei einem Bombenangriff auf Berlin ums Leben.

Während der Prozesse gegen die "Nazi-Verbrecher" wird über Roland Freisler in einem amerikanischen Militärgericht gesagt, er sei der düsterste, brutalste und blutigste Richter der gesamten deutschen Justizverwaltung gewesen.

Werdegang

Roland Freisler wurde am 30. Oktober 1893 in Celle bei Hannover geboren. Sein Vater Julius Freisler (20. August 1862 zu Klattendorf - 18.November 1937 in Kassel) ehelichte Freislers Mutter Charlotte Auguste Florentine geb. Schwertfeger (30. April 1863 - 20. März 1932 in Kassel). Die Familie zog zunächst von Celle nach Hannover und kurz darauf nach Hameln, wo Freislers Bruder Oswald am 29. Dezember 1895 geboren wurde.

Julius Freisler, vom Beruf Diplomingenieur, arbeitete am 31. Januar 1896 beim Hafenbauamt in Duisburg und vom 1. April 1901 bis zum 1. Oktober 1908 als Oberlehrer an der kgl. Baugewerbeschule.

Am 29. September 1908 zog die Familie nach Kassel um.

Roland Feisler besuchte das Gymnasium, welches er 1912 mit dem Abitur verließ. Nach dem Abitur begann Freisler Rechtswissenschaften an der Universität Jena zu studieren, musste dies aber wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges unterbrechen. Am 4. August 1914 trat er als Fahnenjunker in das Ersatzbataillon des Infanterie-Regiments 167 in Kassel ein.

Nach der Grundausbildung kam Roland Freisler 1914 an die Ostfront. Bei Stanitschitsche im Raum von Stochod-Styr wurden zwei Kompanien des Regiments, unter ihnen Freisler, von den Russen eingeschlossen. Bei Befreiungsveruschen konnten sich die Deutschen bis nach Kolski durchschlagen, hierbei geriet Freisler in russische Gefangenschaft. In den drei Jahren seiner Gefangenschaft erlernte er die russische Sprache und beschäftigte sich intensiv mit den Lehren des Marxismus. Bei dem Ausbruch der Oktoberrevolution lösten sich die Kriegsgefangenenlager selbst auf, hierbei wurde Roland Freisler bolschewistischer Kommisar.

Am 23. Juli 1920 traf Freisler in Kassel ein. Nach Wiederaufnahme seines Studiums der Rechtswissenschaften 1920 an der Universität Jena bestand Freisler sein juristisches Doktorexamen.

Aufstieg innerhalb der Partei

Zeit in Homberg und Kassel

Am 10. April 1924 agierte Freisler zum ersten Mal im Namen des "Völkisch-Sozialen Blocks" im Gasthaus „Zur Krone“ in Homberg, wenig später auch im Waltherschen Saal.

Freisler erschien auf den Stimmzetteln der Parteien zur Reichstagswahl am 4. Mai 1924 in Homberg. Der große Erfolg im hiesigen Wahlkreis ging auch auf seinen persönlichen Einsatz zurück. Auf Anhieb erreichte er mit seiner Organisation in Homberg 89 Stimmen, das waren 5,1 Prozent der abgegebenen Stimmen. In Borken erreichte er 175 Stimmen, das waren 21 Prozent in der Wählergunst. In Berndshausen wurde der "Völkisch-Soziale Block" mit 35 Stimmen zur zweitstärksten Partei. Dort erzielte er 26 Prozent der Wählerstimmen.

Ungeachtet dieser Erfolge zog es Freisler zurück nach Kassel. Zusammen mit seinem Bruder Oswald eröffnete er noch 1924 am Königsplatz eine eigene Kanzlei. Hierbei waren die Aufgabenbereiche strikt geteilt. Während Oswald die Zivilsachen übernahm, bearbeitete Roland ausschließlich die Strafsachen.

Bei den Wahlen Ende 1924 zum Deutschen Reichstag finden sich von Freisler keine Spuren mehr in Homberg. Umso mehr aber in Kassel, wo er als Abgeordneter des Völkisch-Sozialen Blocks in der Stadtverordnetenversammlung agierte. Doch hielt er weiter Kontakte nach Homberg. Freisler trat auf zahlreichen Wahlkampfkundgebungen auf, zuletzt im März 1936. Da war er schon zwei Jahre Staatssekretär im Reichsjustizministerium.

Im selben Jahr wurde Freisler als Stadtverordneter ins Kasseler Stadtparlament, später in den Hessisch-Nassauischen Landtag gewählt.

Freisler trat im Jahr 1925 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) bei. Er wurde des Weiteren zum stellvertretenden Gauleiter von Hessen-Nassau Nord ernannt.

Während dieser Zeit vertrat Freisler vor allem straffällig gewordene Parteigenossen juristisch. Über antisemitische Neigungen Freislers während dieser Zeit ist jedoch nichts bekannt. Er folgte seinem Weg als Einzelgänger und guter Redner, enge Kontakte zum linken Flügel der Partei konnten allerdings nicht bestätigt werden, obwohl Freisler auch Otto Strasser in einem Prozess vertrat. Karl Weinrich, Gauleiter von Hessen-Nassau, äußerte sich, wahrscheinlich auch deshalb, eher negativ über die Arbeit Roland Freislers innerhalb der Partei, wie dieses Schreiben Weinrichs an die NSDAP-Führung aus dem Jahr 1927 zeigt:

Rhetorisch ist er einer unseren besten Rednern gewachsen, wenn nicht überlegen. Besonders auf die große Masse hat er Einfluss, von denkenden Menschen wird er innerlich meist abgelehnt. Parteigenosse Freisler ist nur als Redner verwendbar. Für jeden Führerposten ist er ungeeignet, da er unzuverlässig ist und zu sehr von Stimmungen abhängig. [1]

1932 wurde Freisler in den preußischen Landtag gewählt.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde Freisler zum Ministerialdirektor des preußischen Justizministeriums ernannt. In dieser Funktion „säubert“ Freisler die preußische Justiz im Sinne der NSDAP. Freisler übernahm im Herbst 1933 die Leitung der Strafrechtabteilung der „Akademie für Deutsches Recht“. Bereits im Februar 1934 wird Freisler zum Staatssekretär im Reichsjustizministerium benannt. Daraufhin verfasst er unzählige Schriften, die für eine Anpassung der Gesetzestexte an die nationalsozialistischen Ideologien fordern, bereits in Hinblick auf die später durchgesetzten „Nürnberger Rassegesetze“ 1935. Unter anderem forderte Freisler 1936 („Das neue Strafrecht als nationalsozialistisches Bekenntnis“, zusammen mit Justizminister Franz Gürtner) eine Änderung der Prozessordnung, um eine drastische Verbrechensbekämpfung zu gewährleisten; neue Richter mussten außerdem bei ihrem Amtsantritt einen Schwur auf die Partei und den Führer ablegen.

Im Jahr 1939, nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, erklärte Freisler, dass sich die deutsche Rechtsprechung der „Notwendigkeit der Bekämpfung des Bolschewismus“ unterzuordnen habe.

Der Präsident des Volksgerichtshofes

Der Blutrichter Freisler
Das berühmte Opfer Sophie Scholl

Am 20. August 1942 ernannte Adolf Hitler Roland Freisler, als Nachfolger Otto Thieracks, zum Präsidenten des Volksgerichtshofs. Dieses höchste Gericht des NS-Staates für politische Strafsachen errichtete Hitler 1934 zur Verurteilung von Hoch – und Landesverrätern. Freisler fungiert offiziell als Richter und führte Prozesse gegen so genannte Defätisten, die Menschen, die kundgaben, nicht mehr an den Endsieg zu glauben, gegen politische Gegner, Widerstandskämpfer und andere von den Nationalsozialisten unerwünschte Personen. Mit seiner Amtsübernahme stieg die Zahl der Todesurteile sprunghaft an. Etwa 90% seiner Prozesse endeten mit der Todesstrafe oder lebenslanger Haft. Insgesamt verurteilte er in seiner dreijährigen Amtszeit ca. 2600 Menschen zu Tode. Freisler verhängte unter anderem Todesstrafen gegen die Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, sowie gegen die Hitlerattentäter um Stauffenberg.

Rechtssprechung

Die von Roland Freisler geführten Prozesse waren zum größten Teil reine Schauprozesse, die mit unabhängiger Rechtssprechung nichts zu tun hatten. In den meisten Fällen stand das Todesurteil der Angeklagten von vorneherein fest. Es ging Freisler nicht um die tatsächliche Aufklärung der Fälle und er bemühte sich nicht um eine objektive Beurteilung der Angeklagten. Er brachte weder die angemessene Zeit, noch den nötigen Aufwand auf, um ein gerechtes Urteil fällen zu können. Die Prozesse waren nichts weiter als von Hitler und anderen höchsten Politikern befohlene Schnellverfahren, deren Ziel es war, der äußeren Form halber das Bild einer unabhängigen Justiz zu wahren, sowie die Gründe der Verurteilung in die Öffentlichkeit zu tragen und somit Angst und Schrecken zu verbreiten. Freislers Aufgabe war es, die nationalsozialistische Regierung durch Verfolgung und Vernichtung von Gegnern zu unterstützen und zu sichern. Als fanatischer Nationalsozialist und Gleichgesinnter Hitlers bekämpfte er skrupellos alle Personen, die sich dem totalitären System widersetzten und sprach dem Volk jegliches Recht auf Kritik ab. Er manipulierte das Recht zu Gunsten des Systems.

Prozessführung

In Verhandlungen fungierte Freisler mehr als Ankläger, denn als Richter. Angebliche Tatbestände oder Ermittlungsergebnisse trug er aggressiv im Stile feststehender Tatsachen vor. Angeklagte wurden kategorisch von Freisler um ihr Verteidigungsrecht beraubt. Kaum ein Angeklagter konnte sich zusammenhängend äußern, jeden Versuch einer Erklärung unterbrach Freisler mit wüsten Beleidigungen. Er schrie Angeklagte lautstark nieder, beschimpfte sie zynisch und demütigte sie mit verletzendem Spott.

Eine wirkliche Vernehmung fand nicht statt. Durch die Verhörmethoden der Gestapo augenscheinlich gequält und gefoltert, lieferten die Angeklagten in seelisch und körperlich zermürbter Verfassung nur die Stichworte für die primitiven Beschimpfungen und Erniedrigungen Freislers. Brutal und erbarmungslos wies er jede Diskussion zurück. Die Angeklagten des 20. Juli machte er lächerlich, in dem er ihnen Gebiss und Hosenträger nahm und ließ sie auch bei ihrem eigenen Schlusswort vor ihrem Tod nicht ausreden.

Ein Augenzeuge berichtete: „Nie in der deutschen Geschichte sind Angeklagte mit einer solchen Brutalität, mit solch einer fanatischen Rücksichtslosigkeit verurteilt worden.“

Jüdische Abstammung

In Roland Freislers Leben gab es des Öfteren Anspielungen auf eine eventuelle jüdische Abstammung. Er wurde oft von politischen Gegnern auf sein "nicht gerade arisches Aussehen" angesprochen, auch die Tatsache, dass die Brüder Freisler durch ungewöhnliche Geschäftigkeit schnell zu Großverdienern wurden und Roland bei einem der wenigen jüdischen Anwälte (Theodor und Alfred Dellevi) unter den vielen nichtjüdischen während seiner Referendarszeit arbeitete, ist bis heute kein Beweis.

Im "NS-Führerlexikon" von 1934 werden fast alle prominenten Nationalsozialisten aufgeführt. Der Vermerk "arischer Abstammung" wird bei allen Namen hinzugefügt, die auf eine jüdische Abstammung hinweisen könnten. So heißt es bei Oswald Freisler:"...Sohn des Professors Julius Freisler, arischer Abstammung", und bei Roland heißt es lediglich: "...Vater mährischer Deutscher, Mutter Niedersächsin." Der Großteil der in Mähren wohnenden Deutschen waren Juden.

Privatleben

Am 24. März 1928 heiratete Roland Freisler Marion Russegger, mit der er zwei Söhne – Harald und Roland – zeugte.

Tod

Über den Tod Roland Freisler gab es verschiedene Versionen. So hieß es in der Zeitung „Hessische Nachrichten“ vom 24. Juli 1948, Freisler sei in den letzten Kriegsjahren aufgrund eines Verfolgungswahns durch Berlin geirrt und dort von zwei jungen Offizieren in einem Luftschutzbunker erhängt worden wäre.

Während des bis dahin stärksten Angriffes der Alliierten auf Berlin am 3. Februar befindet sich Freisler noch bei Minister Thierack in der Wilhelmsstraße, doch beschließt er schnell sich im Volksgerichtshof in Sicherheit zu bringen. Beim Versuch über den Hof in den Keller des Gerichtes zu flüchten, wird er von Bombensplittern getroffen. Nach dem Ende des Angriffes wird ein Arzt gerufen, um Roland Freisler zu helfen. Bei dem Arzt handelt es sich um den Oberarzt Dr. Schleicher, dessen Bruder am Vortag noch von Freisler zum Tode verurteilt wurde. Doch dieser kann nur noch Freislers Tod feststellen und weigert sich den Totenschein auszustellen.

43 Jahre nach seinem Tod bekommt der Fall Freisler noch einmal hohe Aufmerksamkeit. Es wurde bekannt, dass seine Frau, Marion Freisler, die derzeitig unter falschem Name in München lebte, zu ihrer hohen Rente noch 400 DM Erhöhung bekam. Dies wurde vom Versorgungsamt als Schadensausgleich begründet, da Roland Freisler nach Ende des Krieges weiter in einem hohen Amt hätte weiterarbeiten können. Da dies aber nicht mit der öffentlichen moralischen Meinung übereinstimmte, war dieser Fall in allen Zeitungen zu lesen. Daraufhin wurde eine Nachprüfung dieses Falles angeordnet, allerdings hörte man hiervon nichts mehr. Im Jahr 1997 starb Freislers Frau Marion und wurde neben ihrem Mann beerdigt.

Erst 1997 gab es eine Gesetzesänderung, die besagte, dass fortan Kriegsgeschädigte und Hinterbliebene, die während der nationalsozialistischen Regierungszeit gegen die Grundsätze der Menschlichkeit und der Rechtstaatlichkeit verstoßen hatten, von einer Versorgung ausgeschlossen sind.

Einzelnachweise

  1. Breuning, Stephan: Roland Freisler. Rechtsideologien im III. Reich. Neuhegelianismus kontra Hegel. Hamburg: Kovac 2002 (=Schriftenreihe Studien zur Zeitgeschichte 27).

Sonstige Quellen- und Literaturangaben

  • Buchheit, Gert; 1968; Richter in roter Robe; List
  • Breuning, Stephan: Roland Freisler. Rechtsideologien im III. Reich. Neuhegelianismus kontra Hegel. Hamburg: Kovac 2002 (=Schriftenreihe Studien zur Zeitgeschichte 27)

Links

[1] [ http://de.youtube.com/watch?v=jTBYy_eCPdM#GU5U2spHI_4]