Roger M. Buergel

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Roger Martin Buergel Foto: Fischer

Roger M. Buergel (Jahrgang 1962) ist Ausstellungsmacher, Kritiker und Dozent. Er war künstlerischer Leiter der documenta 12. Buergel wurde in Berlin geboren und arbeitet im österreichischen Wien.

Werdegang

Er besuchte das Alte Gymnasium in Bremen, machte 1982 Abitur und studierte von 1983 bis 1987 an der Akademie der bildenden Künste Wien. Von 1986 bis 1989 studierte er zudem Philosophie und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Wien.

Er begründete die Kunstzeitschrift Springerin mit, für die er als Autor mit den Schwerpunkten Filmtheorie und feministische Theorie sowie Übersetzer arbeitete, und machte sich in den Fachkreisen als Kurator durch die Verbindung von künstlerischer Theorie und ästhetischer Praxis einen Namen.

Buergel wird Chefkurator und stellvertretender Programmleiter des Miami Art Museums. 2012 wird der von den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron entworfene Neubau des Museums eröffnet.[1]

Buergel und die documenta

Im Dezember 2003 stellte die internationale Findungskommission Buergel als Leiter der documenta 12 in Kassel im Jahr 2007 vor. Der laut ZEIT (11. Dezember 2003) bis dato "selbst in der Kunstszene kaum bekannte" Buergel kündigte für Kassel überwiegend zeitgenössische Kunst "mit historischer Tiefe" und eine stärkere Anbindung der Schau an soziale und politische Kontexte an. In der Presse versprachen sich Kommentatoren vom neuen documenta-Chef eine im Vergleich zu den eher theorielastigen documenta-Ausstellungen von Catherine David (1997) und Okwui Enwezor (2002) eine stärkere Rückbesinnung auf die Kunst.

Artikel aus der HNA vom 5. Dezember 2003: Außenseiter macht das Rennen

Auch im Jahre 2007 kehrt die documenta nicht zu dem Ausstellungscharakter zurück, den sie bis 1992 hatte. Die Großausstellung als Erlebnisraum, in dem man den neuesten und attraktivsten Kunstwerken der verschiedenen Bereiche begegnet, ist in Kassel auch weiterhin kein Thema. Das ist die vielleicht wichtigste Botschaft, die sich mit der Berufung des in Berlin geborenen und in Wien lebenden Kritikers und Ausstellungsmachers Roger M(artin) Buergel verbindet.

Der 41-Jährige, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, sucht die Kunst nicht dort, wo sie sich laut aufdrängt, sondern bevorzugt die Nebenwege und Außenseiter. Wenn man Buergel, der selbst einmal als Künstler gearbeitet hatte, erlebt und sprechen hört, dann denkt man eher an einen Theoretiker und auch an einen Schöngeist, wie er sich selbst einordnet. Aber im Verlauf des Gesprächs besteht er darauf, dass die Ausstellungen, die er gemacht hat und die er machen will, nicht durch die Theorie wirken und verstehbar werden sollen, sondern unmittelbar erlebbar seien.

Die Kunstwerke selbst sollen im Mittelpunkt stehen. In der Beziehung denkt er wie Jan Hoet, der 1992 die documenta leitete. Trotzdem werden Welten zwischen Hoets überbordender Schau und Buergels kommender documenta liegen. Wenn man versucht, Buergel innerhalb der documenta-Geschichte zu verorten, dann wird man ihn eher in der Nähe zu Okwui Enwezor ansiedeln können. Enwezor hatte die Kasseler Ausstellung im Jahre 2002 endgültig für den globalen Kunstdialog geöffnet. Und Buergel hat sicher Recht, wenn er meint, hinter diese Position könne man nicht mehr zurück. Mit Enwezor verbindet ihn aber auch der Grundansatz, den Blick auf die Kunst aus den gesellschaftlich-politischen und allgemeinen kulturellen Fragestellungen zu richten.

Gespannt darf man folglich darauf sein, wie es ihm gelingt, dieses theoretisch begründete Konzept so unmittelbar in Anschauung zu übersetzen, dass sich die Theorie nicht zwischen Werk und Betrachter schiebt. Wichtig ist jedenfalls die Beobachtung, dass Buergel, wenn er an Kunst denkt, ebenso selbstverständlich den Film oder andere Medien einbezieht wie seine Vorgänger Catherine David und Okwui Enwezor.

Deshalb tauchen in den Listen seiner Ausstellungsprojekte auch immer wieder Namen solcher Künstler auf, die wir 1997 und 2002 in Kassel erlebt haben: Peter Friedl, Harun Farocki, Allan Sekula und Andreas Siekmann. Mehrere seiner Ausstellungen hat er mit Ruth Noack gemeinsam organisiert, die sich durch ihre engangierte Auseinandersetzung mit dem feministischen Film einen Namen gemacht hat. Insofern ist es vorstellbar, dass in der documenta12 die politisch-gesellschaftlich motivierten Arbeiten eine noch größere Rolle spielen. Aber bei allem Ernst in der Untersuchung aktueller Probleme und ihrer Spiegelung in den Werken von Künstlern und Künstlergruppen hat Buergel selbst eine Neigung zum Spielerischen.

Ein Lieblingsthema war für ihn bisher, mit Ausstellungstiteln zu jonglieren, Erwartungshaltungen aufzubauen, um dann mit anderen Arbeiten zu überraschen. Auf diese Weise hat er mehrfach das Ausstellen selbst thematisiert. Unter Roger M. Buergel wird sich die documenta, und das ist gut und wichtig für sie, weiterhin nicht dem Markt und seinen Gesetzen unterordnen. Wenn Buergel daran denkt, in den Stadtraum zu gehen, kleine Ausstellungseinheiten der großen Superschau vorzuziehen, dann hat er keine Ausstellung im Visier, die man im schnellen Durchgang erledigen kann. So könnte die documenta12 vielleicht im Jahre 2007 einlösen, was Manfred Schneckenburger 1987 vorschwebte, aber nicht erreichte, und was sich 2002 mit den Projekten von John Bock und Thomas Hirschhorn im Außenbereich abzeichnete.

Artikel aus der HNA vom 13. Juni 2007: Erstmals Audio-Guides zu entleihen

Vermittlung wird großgeschrieben in der documenta 12. Die Besucher können Gruppenführungen buchen, sie können sich auch individuell leiten lassen. Und wer könnte durch die Ausstellung besser führen als derjenige, der die Ausstellung verantwortlich organisiert hat?

Die documenta hat in Zusammenarbeit mit der Sparkassen-Finanzgruppe eine Audio-Führung entwickelt, die Roger M. Buergel gesprochen hat und die jeder Besucher in Anspruch nehmen kann. Eine Führung von Buergel geht durch das Fridericianum, die documenta-Halle, die Neue Galerie und den Aue-Pavillon. Sie dauert 70 Minuten. Allerdings sind die Audio-Guides nicht als Bilderklärer anzusehen, mit deren Hilfe man Werk für Werk abschreiten kann. Buergel geht es darum, auf die Ausstellung einzustimmen, Beziehungen zwischen Werkgruppen vorzustellen und die Besucher zur Entfaltung ihrer Fantasie zu ermutigen. Außerdem werden Führungstexte zu den Leitmotiven angeboten. Darüber hinaus gibt es Service-Infos. Die Führung von Buergel ist in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch und Türkisch zu hören.

Man kann die so genannten S-Guides für drei Euro und gegen Vorlage des Personalausweises ausleihen.

Die S-Guides (iPods) werden an den S-Guide-Containern auf dem Friedrichsplatz und am Aue-Pavillon ausgegeben. In den Containern gibt es auch Download-Stationen, an denen man sich die Führungen kostenlos auf den eigenen MP3-Player runterladen kann. Die Führungen sollen außerdem im Internet unter www.documenta.de, www.sparkasse.de und www.dsgv.de abrufbar sein.

siehe auch

Weblinks und Quellen

  1. Interview mit Buergel: "EIN BISSCHEN WÄRME WIRD MIR GUT TUN"