Robert Matthias

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Und dann wird aufgedreht - Schwalm-Eder-Rekorde

Eigentlich müsste Robert Matthias Ohren wie Blumenkohl haben. Denn der 77-Jährige nennt nicht nur die umfangreichste Jazz-Sammlung des Schwalm-Eder-Kreises sein eigen, er hat seine tausende Tonträger auch mehrfach gehört. „45 000 Stunden oder sieben Jahre“, rechnet er vor. Mindestens.

Damit hält er wahrscheinlich den Rekord im Dauerhören im Landkreis. Sicher aber ist, dass er die größte Sammlung von Tonträgern mit Jazzmusik besitzt. „Wie viele es genau sind, weiß ich nicht. Dann müsste ich ja alle zählen“, sagt Matthias. Mehr als 5000 werden es wohl sein. Die Regale stehen jedenfalls voll mit CDs, Schallplatten, Mini-Discs und Videokassetten. Seine Schellack-Platten musste er aus Platzgründen ausquartieren.

Jazz ist Freiheit

In seinem Studio im Souterrain des Hauses reihen sich Verstärker, Plattenspieler, Tonbänder und andere Abspielgeräte aneinander. „Der beste Sound kommt aber vom Hifi-Videorekorder“, überrascht der Jazzexperte, der gerade eine Frank-Sinatra-Scheibe auflegt. „Jazz ist Freiheit und Lebenselixier“, sagt er. „Als die Amis kamen, lief Glenn Miller vom Panzer. „Unvorstellbar für uns.“ Solche Musik musste man bis dato heimlich hören. Die Besatzungsmächte brachten den Jazz in Matthias’ Leben.

Und dann ging es los: Die erste Platte, Count Basie, Kansas-City-Blues, bekam er von einem amerikanischen Soldaten geschenkt. „Von da an hat mich der Jazz nicht mehr losgelassen.“

Mit den Amerikanern kam aber auch Leben in die Bude: Marlene Dietrich und Bob Hope spielten zur Truppenbetreuung in Fritzlar und Robert Matthias hat es in die Welt gezogen. New York, New York schätzt er nicht nur als Stück vom unvergessenen Frank Sinatra. „Leider ist er nicht mehr unter uns.“ Auch die Stadt mit ihren kleinen Jazz-Kaschemmen hatte es ihm angetan. „Jetzt würde ich die Stadt aber nur noch mit einem Ballermann besuchen“, sagt er. Scheibe für Scheibe wächst seine Sammlung - bis heute. Musikproduktionen mit dem Hessischen und Westdeutschen Rundfunk folgten: „Ich habe schon mal mit der einen oder anderen Platte ausgeholfen.“

Ahnung von Musik hat der ehemalige Betreiber eines Spiel- und Musikwarengeschäfts. In deutschen Jazzkreisen weiß man, wer Robert Matthias aus Fritzlar ist, dessen besondere Leidenschaft die Musik der Big Bands ist.

Regelmäßige Treffen mit Freunden aus den 50er-Jahren, den Zeiten des Empty Ballrooms, eines Jazzclubs im Fritzlarer Café Köhler, finden noch heute in seinem Studio statt. Dann sitzen sie zusammen und drehen die Anlage auf. „Bei mir können wir wenigstens in der richtigen Lautstärke hören“ sagt er und lächelt verschmitzt.