Renthof

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Der Renthof in Kassel.
Der Renthof ist ein Gebäudekomplex in Kassel, der aus dem 13. Jahrhundert stammt. Er schließt direkt an die Brüderkirche an; es handelt sich um die Reste eines Karmeliterklosters. Das Gebäude liegt am Steinweg.

Das Gebäude

  • Das Gebäude besteht aus drei Flügeln, die zusammen mit der Brüderkirche einen Innenhof, den früheren Kreuzgang der Brüderkirche, umschließen. Der Bau geht auf ein gotisches Karmeliterkloster zurück und wurde von Landgraf Moritz als Collegium Mauritianum ausgebaut.
  • Westflügel und Südflügel entsprechen weitgehend dem baulichen Zustand von 1830, enthalten aber viel Substanz aus der Renaissancezeit. Das Treppenhaus zur Hoffront ist die einzige in Kassel erhaltene Fachwerkarchitektur.
  • Das Treppenhaus selbst ist ein hervorragendes Zeugnis spätbarocker Schreinerkunst. Der Zwischenbau zwischen Südflügel und Brüderkirche wurde 1964 errichtet. Früher vorhandene Zugänge vom Innenhof zur Brüderkirche sind nicht mehr nutzbar.[1]
  • Es handelt sich auch um das einzige Ensemble höfischer Renaissancearchitektur, das in Kassel erhalten ist.

Ursprünge

Der Apollo-Brunnen
  • Das Kloster, das gleichzeitig mit der Kirche erbaut worden war, wurde 1598/99 zur Hofschule umgebaut. Berühmtester Schüler der neuen Hofschule war Heinrich Schütz (1585 - 1672), der von 1612-1617 Organist der Kasseler Hofkapelle war. In der von Landgraf Moritz im Jahre 1595 eingerichteten Hochschule, dem Collegium Adelphicum Mauritianum wurden vor allem junge Adelige, aber auch Bürgerliche in Rhetorik, Dialektik und Physik unterrichtet.
  • 1617/18 erfolgte ein erneuter Umbau zur Ritterakademie.
  • Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nahm das Gebäude mehrere hessische Oberbehörden und Gerichte auf, als Erweiterung des angrenzenden Kanzleigebäudes (an der Fulda).

Am Renthof steht der älteste erhaltene Brunnen in Kassel. Der sog. Apollo-Brunnen stand bis 1872 im Innenhof des Gebäudes und war ursprünglich farbig bemalt. Die Stilformen weisen eher in die Zeit 1620, so dass er beim Umbau zur Ritterakademie 1617/18 entstanden sein dürfte; der damalige Hofbildhauer (Nachfolger von Wilhelm Vernukken) ist namentlich allerdings noch nicht bekannt. Am gesamten Brunnen sind Musikinstrumente aus der Zeit des Landgrafen Moritz wiedergegeben, die Figur soll entweder Apollo oder Orpheus darstellen. Das stark verwitterte Brunnenbecken wurde 1991 durch eine Nachbildung ersetzt; besonders der obere Aufbau mit der Figur befindet sich weiterhin (2010) in einem sehr schlechten Zustand. [3]

Universität

Am Renthof in Kassel
  • Von 1633 bis 1653 an bestand an der Hofschule die Universität Kassel. Landgraf Wilhelm V. richtete sie hier ein, nachdem Marburg mit seiner Universität vorübergehend bei Erbauseinandersetzungen an Hessen-Darmstadt gefallen war.
  • Es ist nicht verwunderlich, dass diese Universität in Kassel im 30-jährigen Krieg keine große Blüte erlebte. Selbst in den besten Jahren erreichte die Zahl der eingeschriebenen Studenten nie 100. Das ungünstigste Jahr war 1640, als nur noch zwei Studenten in Kassel immatrikuliert waren.
  • 1653 ging die Universität dann nach 20-jährigem Wirken wieder in der niederhessischen Universität Marburg auf.
  • Das Renaissanceportal am heutigen Eingang zum Alters- und Pflegeheim zeigt das Doppelwappen des Landgrafen Moritz und seiner zweiten Ehefrau Juliana Gräfin von Nassau und trägt die Jahreszahl 1617. Der im Hof befindliche Apollo-Brunnen stammt vermutlich aus derselben Zeit, ebenso ist die Inschrift über dem Torbogen zur Kettengasse auf 1618 datiert. Den Trakt parallel zur Fulda hatte Landgraf Wilhelm IV. als sein Kanzleigebäude (Rentamt) im 16. Jahrhundert errichten lassen.
  • Für den gesamten Baukomplex ist die Bezeichnung Renthof geläufig; sie leitet sich von den früheren hessischen Verwaltungsbehörden ab.

Nutzung des Renthofs nach dem Zweiten Weltkrieg

  • Nach der teilweisen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus der Sozialgruppe Kassel, damals noch "Verein für Volkswohl" überlassen. Seitdem werden im Renthof pflegebedürftige alte Menschen betreut. Vorraussichtlich 2012 will die Sozialgruppe den Renthof aufgeben und in die neu gebaute Alteneinrichtung am Unterneustädter Kirchplatz ziehen. [4]
  • Nach dem Auszug des Altenheims soll aus dem Renthof an der Fulda ein Haus der Musik werden. Eine Initiative um die Kasseler Musikverlegerin Barbara Scheuch-Vötterle (Bärenreiter) setzt sich dafür ein, das Gebäude als kulturelle Einrichtung zu nutzen.[5]

Kasseler Gulden und Münzstätte

Ein 340 Jahre alter Doppelgulden aus dem Flussgold der Eder wechselte im Oktober 2012 auf einer Auktion in Osnabrück für 100.000 Euro den Besitzer. Das Goldstück ist das einzige seiner Art und wurde seinerzeit von der Kasseler Münzstätte geprägt, die im Renthof beheimatet war. Das Unikum hatte Landgraf Karl von Hessen-Kassel 1677 in Auftrag gegeben. Nun ist es in den Händen eines anonymen Privatsammlers.

Der Gulden zeigt auf einer Seite die Flusslandschaft der Eder samt ruhendem Flussgott. Auf der anderen Seite sind zehn Zeilen eingeprägt - lateinisch und in Abkürzungen - die Titel und Daten zu Landgraf Karl beinhalten. Darunter steht der Schriftzug AEDERA AVRIFLVA (goldführende Eder).

Die Geschichte des Doppelguldens beginnt am Ederufer bei Obermöllrich, heute ein Stadtteil von Fritzlar. Was für Nordamerikas Goldschürfer der Klondike River war, war in Hessen die Eder. Sie gilt als nördlichster deutscher Fluss, der bis heute Gold führt – allerdings nur noch in minimalen Mengen. In Münzen und Medaillen wurden knapp vier Kilo Edergold in der Kasseler Münzstätte verprägt. Dies macht den versteigerten Gulden so wertvoll. Der reine Goldwert der 6,45 Gramm schweren Münze liegt nur bei 280 Euro.[6]

siehe auch

Der Apollo-Brunnen in Kassel

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. HNA.de vom 14. November 2010: Mehrere Initiativen wollen den Renthof am Steinweg zum Haus der Musik machen- Kleinod im Herzen Kassels
  2. HNA.de vom 14. November 2010: Mehrere Initiativen wollen den Renthof am Steinweg zum Haus der Musik machen
  3. HNA.de vom 8. November 2010: Renthof: Ältester erhaltener Brunnen in Kassel vom Verfall bedroht
  4. HNA.de vom 25. Mai 2010: Erste Überlegungen für neue Nutzung des Renthofs nach Auszug der Sozialgruppe
  5. Aus HNA.de vom 27. Juni 2010 Schülerzahlen in Kassel steigen seit Jahren stark - Leitung fordert ein eigenes Gebäude
  6. Aus HNA.de vom 31. Oktober 2012: Kasseler Gulden versteigert

Weblinks