Reformation

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Unter Landgraf Philipp I. wurde die Landgrafschaft Hessen 1526 in Folge der Homberger Synode protestantisch. Hessen gehörte neben Sachsen und Württemberg zu den mächtigen Vorkämpfern der Reformation im Deutschen Reich.

Inhaltsverzeichnis

Die Homberger Synode

Am 21. Oktober des Jahres 1526, einem Sonntag, begann in der Homberger Stadtkirche "St. Marien" die Homberger Synode.

Initiator war Landgraf Philipp I. von Hessen, der die Reformation auch in seinem Herrschaftsgebiet einführen wollte, darüber hinaus aber auch weitergehende Reformen plante. An der Synode nahmen sowohl Vertreter der Geistlichkeit als auch weltliche Vertreter der Landgrafschaft teil. Infolge der Synode wurde die Landgrafschaft protestantisch, da die Mehrheit der Anwesenden die Vorhaben des Landgrafen unterstützten.

Nach Auffassung von Stolze (vgl. Hans-Dieter Stolze, Die Lutheraner in Kassel - Ein Stück Stadt- und Kirchengeschichte, Evangelischer Medienverband Kassel) war Martin Luther der geistliche Vordenker und Landgraf Philipp I. (genannt der Großmütige) der politische. Mit dem hessischen Landgrafen Philipp, der nicht nur Luther, sondern auch den Reformator Melanchthon kennengelernt hatte, wurde auch die Bevölkerung der Landgrafschaft lutherisch.

Schon etwa vier Monate zuvor, am 26. Juni 1526 ließ Graf Philipp IV. in der Stadtkirche Waldeck einen lutherischen Gottesdienst halten und führte damit offiziell die Reformation in der Grafschaft Waldeck ein (siehe dazu auch: Volkhardinghäuser Synode).

Geschichte

Die Reformation war nicht zuletzt deshalb erfolgreich, weil sie das landesherrliche Kirchenregiment förderte und so den Bestrebungen vieler Reichsfürsten um die Festigung ihrer Unabhängigkeit von kaiserlicher Herrschaft entgegenkam.

Im Schmalkaldischen Krieg von 1546 bis 1547 wandte sich Kaiser Karl V. gegen den Schmalkaldischen Bund - einem seit 1531 bestehenden Bündnis protestantischer Landesfürsten und Städte unter der Führung von Kursachsen und der Landgrafschaft Hessen - und die reichsrechtliche Anerkennung des Protestantismus, nachdem bereits in zahlreichen Gebieten und Städten des Reichs die Reformation eingeführt worden war.

Die Unruhen im Reich konnte auch der Sieg von Kaiser Karl V. im Jahre 1548 nicht beenden. Mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 fand Europa aber vorerst zu einer labilen Ruhe zurück. Fortan war dem jeweiligen Landesherrn die Konfession für sein Land und seine Untertanen freigestellt.

Lange Jahre später verfügte dann Kaiser Ferdinand II. im sog. Restitutionsedikt, einer am 6. März 1629 erlassenen Verordnung, die Rückgabe aller von den Protestanten eingezogenen geistlichen Güter und erklärte die "Declaratio Ferdinandea" des Augsburger Religions- und Landfriedens von 1555 ("cuius regio, eius religio") für ungültig. Nach der weiteren Ausbreitung der Reformation gegen Ende des 16. Jahrhunderts und dem gleichzeitigen Wiedererstarken des Katholizismus in der Gegenreformation kam es mit dem Dreißigjährigen Krieg wegen des Streits um die politische Vorherrschaft und zugleich wegen religiöser Gegensätze zu einem ausgesprochen blutigen Konflikt. Der Dreißigjährige Krieg war zugleich ein Religionskrieg und ein Staatenkonflikt zwischen den damaligen Mächten Europas, der von 1618 bis 1648 zwischen der Katholischen Liga auf der einen und der Protestantischen Union auf der anderen Seite tobte und ganze Landstriche verheerte und entvölkerte.

In der Landgrafschaft Hessen-Kassel erhielten in den zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zahlreiche französischen Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) Asyl, die aus ihrem Land wegen ihres protestantisch Glaubens geflohen waren. Landgraf Karl sicherte ihnen wirtschaftliche Unterstützung, Glaubensfreiheit sowie den Gebrauch der eigenen Sprache in der Kirche und der Verwaltung zu.

Ganz uneigennützig war dies nicht, denn der Dreißigjährige Krieg hatte auch in der Landgrafschaft Hessen-Kassel für einen enormen Aderlass an Handwerkern und Baumeistern gesorgt. Da kamen die Hugenotten mit ihren Fähigkeiten gerade recht. Nirgendwo sonst in Deutschland wurden sie im Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung so zahlreich aufgenommen wie in Nordhessen.

siehe auch

Der Philippstein in der Klosterkirche in Haina (ein Steinrelief von Philipp Soldan aus Frankenberg) zeigt Landgraf Philipp I. und seine Ahnfrau Elisabeth von Thüringen.

Wussten Sie schon, dass ...

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