Rathaus Kassel

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Das Kasseler Rathaus

Das Rathaus befindet sich im Stadtzentrum Kassels an der Oberen Königsstraße und ist auch an Fünffensterstraße, Karlsstraße, Karlsplatz und Wilhelmsstraße gelegen.

Bauwerk

1901 hatte die Stadt Kassel einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben, nachdem das Rathaus an der Oberen Karlsstraße zu klein geworden war für eine wachsende Verwaltung. 119 Entwürfe wurden vorgelegt, den Zuschlag erhielt der Architekt Karl Roth, damals noch Assistent an der Technischen Hochschule Darmstadt. Nach seinen Plänen wurde der Neubau in der Oberen Königsstraße errichtet, mit Haupt- und Seitenflügeln, Balkonen, Erkern, breiter Freitreppe, Säulen mit ionischen Kapitellen und einem Uhrenturm als Dachreiter über dem Hauptportal.

Das symmetrisch-H-förmige Altgebäude aus Gelbsandstein wurde im niederländischen Barock mit Renaissance-Einfluss ("Neubarock") in den Jahren 1905 bis 1909 errichtet.

Es lädt mit seiner großen von zwei goldenen Löwen "bewachten" Treppe zum Betreten ein.

Nachdem das Rathaus im Zweiten Weltkrieg völlig ausgebrannt und stark zerstört worden war, baute man es 1950 mit vereinfachter Dachform wieder auf.

Im Foyer des Rathauses sowie in der Karl Branner-Seitenhalle finden regelmäßig Ausstellungen statt.

Vor dem Rathaus befinden sich der Henschel-Brunnen von H. Everding (1912) und der versenkte Aschrottbrunnen von H. Hoheisel (1987).

Geschichte

Das "französische Rathaus" - Rathaus für ganz Cassel von 1837-1909

Altstadt - Unterneustadt - Freiheit

Um 1180 wurde in der Altstadt von Kassel ein erstes Rathaus gebaut. Später hatten alle Stadtgemeinden - Altstadt, Unterneustadt und Freiheit - eigene Rathäuser.

Im 15. Jahrhundert errichtete man ein gemeinsames Rathaus am Altmarkt.

Das "französische Rathaus" in der oberen Karlsstraße, damals schräg gegenüber dem heutigen Rathausstandort, war Rathaus für ganz Cassel von 1837-1909.

Gegenüber dem Oberneustädter Rathaus öffnete sich einst bis zur Oberen Königsstraße hin der Messeplatz. Mit regem Markttreiben und allerlei Amüsement.

Damit war Schluss, als 1905 auf diesem Platz das neue und heutige Rathaus entstand.

Das Oberneustädter Rathaus wurde 1809 geräumt. In die ehemaligen Amtsstuben zog das erste Mädchengymnasium der Stadt ein, das Lyceum mit Studieranstalt, das seinerseits zur Keimzelle für die spätere Malvida-von-Meysenbug- und heutige Heinrich-Schütz-Schule wurde.

Das "neue" Rathaus

Das jetzige “Neue Rathaus“ ist das sechste der Stadt und wurde für 3,2 Millionen Mark zwischen 1905 und 1909 nach Plänen des Architekten Karl Roth (später bekannt durch weitere große Rathausbauten in Dresden, Wuppertal und Bochum) an die Stelle eines Ausstellungsgebäudes gebaut, als das Rathaus an der Oberen Karlsstraße zu klein geworden war.

Rathaus - Seiteneingang

Das neue Rathaus wurde 1905-09 errichtet. In einem Wettbewerb hatte Karl Roth aus Darmstadt den 1. Preis erhalten, und bald darauf bekam er auch den Bau des Dresdener Rathauses übertragen. Die modernen Barockformen fügten sich gut in die Umgebung ein, und die schlossartige Konzeption mit Ehrenhof unterschied sich von allem, was in der deutschen Rathausarchitektur bislang üblich war.

Die Einweihungsfeier war am 9. Juni 1909.

Ein wahrer Palast der Bürgerschaft war entstanden: Wo in einem Barockschloss der Festsaal lag, befand sich der prachtvolle Sitzungssaal der Stadtverordneten; und an die Stelle der üblichen Empfangsräume traten die Haupthalle, die Lese- und Kommissions¬zimmer sowie der Magistratssaal.

Statt fürstlicher Wohnappartements lagen sich in den Seitenflügeln des Ehrenhofs die Räume von Oberbürgermeister und Bürgermeister gegenüber. Die prächtig ausgestatteten Säle konnten besichtigt werden, und man verkaufte Postkarten und Rathausführer. Das Uhrentürmchen (Gesamthöhe: 58 m) diente als Aussichtspunkt, und seit 1937/38 erklang hier ein Glockenspiel.

In einem alten Heimatkundebuch, herausgegeben vom Hessischen Volksschullese-Verein, aus dem Jahre 1929, gedruckt in Kassel von Weber und Weidemeyer, mit dem Titel "Mein Hessenland, Heimatkunde von Hessen-Nassau", steht zum Rathaus Kassel im Rahmen eines Fußwegs vom Königsplatz her Folgendes beschrieben:

Rathaus-gedenkblatt.jpg

"...von hier führt uns nach Südwesten die Obere Königsstraße an dem neuen Rathaus vorbei. Es ist eines der schönsten Rathäuser in Deutschland. Den Abschluß der Oberen Königsstraße bildet der Wilhelmshöher Platz, an dem das Hessisches Landesmuseum und das Oberpräsidium (Verwaltungsgebäude des Oberpräsidenten) stehen".

Das Repräsentationsgebäude mit symmetrischem, H-förmigem Grundriss, gegliedert durch vor- und zurücktretende Baukörper, zierten Balkone, Altare, Erker und der nachträglich aufgesetzte Uhrturm. Es wurde damit dem Barock der hugenottischen Oberneustadt angepasst.

Die aufwändige Ausstattung des Rathauses wurde auch durch zahlreiche Schenkungen Kasseler Bürger ermöglicht. So stifteten die Industriellen Karl Henschel und Sigmund Aschrott zwei Brunnen für den Ehrenhof, Henschel zudem die beiden Fahnenmasten. 1939 zerstörten Nationalsozialisten jedoch den rund 12 m hohen rechten Brunnenaufbau, da Aschrott Jude gewesen war.

Beim Großangriff 1943 brannte das Rathaus aus, wurde aber sogleich notdürftig wieder benutzbar gemacht. baute man es 1950 mit vereinfachter Dachform und ohne Turm wieder auf. Später wurden moderne Anbauten rechtwinklig angefügt, sodass ein Innenhof entstand.

1947 ließ man den beschädigten Eisendachstuhl des Mittelteils bereits wieder instandsetzen, schrieb 1949 jedoch einen Wettbewerb aus.

Umgesetzt wurde übrigens der 3. Preis: Die Kasseler Architekten Catta und Groth hatten die geringsten Eingriffe in den Bestand vorgesehen; allerdings wurden die erhaltenen Giebel aufwändig abgebrochen und der Mittelbau vereinfacht. Als Ausgleich für die entfallenen Mansardenräume fügte man neue Seitenflügel an, und um 1975 kam ein Erweiterungsbau an der Rückseite hinzu.



Zusatz: Der ehemaliger Kasseler Oberbürgermeister Philipp Scheidemann (von 1920 bis 1925) verkündete nach Ende des Ersten Weltkriegs mit bevorstehender Abdankung von Kaiser Wilhelm II. und dessen Gang ins Exil nach Holland, am 9. November 1918 in Berlin die Republik; die dann als so genannte "Weimarer Republik", nicht eben erfolgreich und auch nicht ganz rühmlich in die Geschichte einging; 1933 vom selbsternannten "Dritten Reich" (1933-1945) - der "Nazizeit" - quasi "hinweggefegt" wurde!

- H.-J.Schulz,14.4.06 -

Eröffnungsfeier mit Herkules-Suppe und Fuldatunke

Neues Rathaus ca. 1912 nach einer Ansichtskarte

Nach achtjähriger Planungs- und Bauzeit wurde 1909 das neue Kasseler Rathaus feierlich eröffnet.

Zur Feier der Einweihung des Neuen Rathauses der Residenzstadt Cassel am 9. Juni 1909 beehrt sich einzuladen der Magistrat der Residenz... Wer eine solche Einladung, verziert mit dem Stadtwappen und der Ansicht des Neubaus erhalten hatte, der war dabei, als um elf Uhr 150 Sänger aus allen Kasseler Gesangvereinen auf der großen Treppe zum ersten Stock "Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" anstimmten. "Mit Gottes Hilfe ist das Werk jahrelanger Mühe und Arbeit, hingebender Sorge und eilfertigen Strebens, das größte Bauwerk, das jemals die Stadt Kassel unternommen, zum glücklichen Ziele gebracht", sagte Oberbürgermeister August Müller in seiner Festansprache.

1901 hatte die Stadt einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben, nachdem das Rathaus an der Oberen Karlsstraße zu klein geworden war für eine wachsende Verwaltung. 119 Entwürfe wurden vorgelegt, den Zuschlag erhielt der Architekt Karl Roth, damals noch Assistent an der Technischen Hochschule Darmstadt. Nach seinen Plänen wurde der Neubau in der Oberen Königsstraße errichtet, mit Haupt- und Seitenflügeln, Balkonen, Erkern, breiter Freitreppe, Säulen mit ionischen Kapitellen und einem Uhrenturm als Dachreiter über dem Hauptportal.

Das Kasseler Rathaus 2006

Nachdem das Rathaus im Zweiten Weltkrieg völlig ausgebrannt und stark zerstört worden war, baute man es 1950 mit vereinfachter Dachform wieder auf.

Doch daran dachte bei den Einweihungsfeierlichkeiten noch niemand. Nach dem Festakt traf man sich zum Frühschoppen im Ratskeller und am Abend wurde in den Prunksälen ein Festmahl serviert. Der Ratskellerwirt hatte seine kulinarischen Kreationen auf das Ereignis abgestimmt, es gab "Herkules-Suppe", "Rheinlachs mit Fuldatunke", ein "Kasseler Mischgericht" und ein "Ratsherreneis". Als Tafelmusik spielte die Kapelle des Infanterieregiments 167 klassische Ouvertüren und Walzerweisen. Kasseler Bürger, die nicht zu den geladenen Gästen gehörten, flanierten den ganzen Tag in großen Scharen über die festlich geschmückte Königsstraße und ließen sich von der Kapelle des Infanterieregiments 83 unterhalten.

Zur Eröffnungsfeier hatte Kaiser Wilhelm II. als Geschenk sein Bild geschickt, das künftig den Sitzungs- und Festsaal zieren sollte. Das Parlament, das hier tagte, war noch kein volksvertretendes im heutigen Sinn. Es galt das Dreiklassen-Wahlrecht, was den Kasseler Sozialdemokraten und Mundartdichter Philipp Scheidemann zu dem Vorschlag veranlaßte, folgende Inschrift anzubringen: "Kasseler Dreiklassenhus! Was hodd das for’n Sinn? De armen Luder bliewen drus’, die Reichen kommen ’nin."

Seit 1835 gab es in der Residenzstadt Kassel Oberbürgermeister, die kurhessische Gemeindeordnung hatte es so festgelegt. Scheidemann wurde 1920 das zehnte Stadtoberhaupt.

Aschrottbrunnen vor dem Rathaus

Der Aschrottbrunnen -heute als Negativ - befindet sich vor dem Kasseler Rathaus

Zum Neubau des Rathauses stiftete der Geheime Kommerzienrat Sigmund Aschrott einen Brunnen. Rathausarchitekt Karl Roth sollte ihn entwerfen. Als Gegenstück zum prunkenden Henschelbrunnen auf der anderen Seite des Rathausvorplatzes entstand er, um in den rechten Vorhofteil etwas Gliederung zu bringen, "etwas zu füllen", wie Roth formulierte.

Mehr als 30 Jahre prägte der Wasserbau das Bild vor dem Rathaus. Die Bürger waren stolz auf die imposante Anlage. Bis zum 9. April des Jahres 1939, dem Jahr, in dem im September mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg begann. An diesem Tag demolierten nationalsozialistische Aktivisten den Judenbrunnen - Sigmund Aschrott war mosaischen Glaubens.

Der Hass der Nationalsozialisten auf alles Jüdische wurde damit auch im Herzen der Stadt, direkt neben dem Rathaus, sichtbar. Stehen blieb nach der Zerstörung nur das Brunnenbecken, das fortan als Blumenbeet genutzt wird.

Löwe und Stadtwappen Kassel
(Foto: Günther Pöpperl)

Erst im Jahre 1963, kurz nach der Einweihung der neuen Fußgängerzone in der Oberen Königsstraße sprudelte im Sandsteinbecken des Aschrott-Brunnens vor dem Rathaus wieder das Wasser.

Anfang der 1980er-Jahre dachte man dann über Rekonstruktion und Wiederaufbau des Brunnens nach.

Der Künstler Horst Hoheisel entwickelte die Idee, den Brunnen in seiner ursprünglichen Gestalt wieder herzustellen, ohne seine Zerstörung zu verdrängen.

Nach seinem Vorschlag sollte die Pyramidenform wieder hergestellt und im Boden versenkt werden als Negativ einer endgültig verlorenen Form.

Dazu meinte Hoheisel: "Das eigentliche Denkmal ist der Passant, der darauf steht und darüber nachdenkt, warum hier etwas verloren ging."

Der Kasseler Magistrat stimmte dem Projekt 1986 zu, im documenta-Jahr 1987 wurde der Brunnen realisiert. So wurde der Brunnen vor dem Rathaus zu einem Mahnmal, das die Erinnerung an die Verfolgung der Juden auch in dieser Stadt wach hält.

Ein Modell des von Hoheisel neu gestalteten Aschrottbrunnens ist seit 1998 in der Gedenkstätte Yad Vashem im Jerusalem ausgestellt.

Der Stadtverordnetensaal

Der Stadtverordnetensaal von Kassel wurde 1952 nach der Kriegszerstörung wiederhergestellt. Eingeweiht wurde der Saal am 28. Januar 1952. Der ehemals prunkvolle Saal wurde zu einem eher funktionalen Saal umgebaut. Entstanden ist der Raum nach Entwürfen von Wilhelm Noell.

Früher: Bei seiner Eröffnung 1909 zierten ornamentaler Stuck, Marmorsäulen und eine Deckenmalerei den Stadtverordnetensaal.
So sah der Saal aus, als er 1952 wiedereröffnet wurde. Bis heute hat sich dort kaum etwas verändert.

Bis zum Jahr 2012 fanden bereits 700 Sitzungen im Stadtverordnetensaal statt. Seit 1952 haben sich 15 Stadtverordnetenversammlungen konstituiert.

Nach der Bombennacht stand Kassel ohne Stadtverordnetensaal dar. Getagt wurde in der weniger beschädigten Stadthalle. Die Parlamentarier kamen im dortigen Blauen Saal und im Hochzeitssaal zusammen.

siehe auch

Weblinks


Rosmarie Stiehl