Römerlager Hedemünden

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Römerfest in Hedemünden
Foto: Antje Thon

Auf einer Hochfläche oberhalb der alten Werrafurt liegt eine im Volksmund früher als "Hünenburg" bezeichneter Ringwall. Das Römerlager Hedemünden war eine frühzeitliche Befestigungsanlage, deren Reste sich auf dem heute bewaldeten Burgberg am Rand des Ortes Hedemünden finden.

Das mehrteilige Lager diente vermutlich von 9 vor bis 9 nach Christus als Versorgungsstützpunkt für die von Drusus durchgeführten Feldzüge gegen die Germanen in Richtung Elbe.

Drusus gelangte mit seinen jeweils 4000 Mann starken Legionen von Mainz aus entlang an Lahn, Fulda und Leine bis nach Magdeburg. Er konnte sich auf eine im schwach besiedelten Germanien bereits bestehende Infrastruktur stützen. Für die angestrebte Provinzialisierung Germaniens waren insbesondere der Getreidenachschub und der Handel mit Salz und Metallen Voraussetzung.

Geschichte

Reichhaltige Bodenfunde

Reichhaltiges Fundmaterial römischer Herkunft lässt auf ein römisches Militärlager aus der Zeit kurz vor Christi Geburt schließen.

Schon ein Jahr nach Entdeckung des etwa 2000 Jahre alten römischen Militärlagers am Burgberg bei Hedemünden im Jahre 2004 hatte Kreisarchäologe Dr. Klaus Grote neue Funde präsentiert.

Unter den insgesamt über 600 Einzelstücken gelten 300 Metallobjekte als definitiv römisch. Bei bis zu 150 Stücken ist eine römische Herkunft sehr wahrscheinlich. Der Rest hat eine jüngere Geschichte. In die unter Wissenschaftlern geachtete Sammlung zählen Münzen, Lanzenspitzen, Katapult-Pfeilspitzen, das Fragment eines Kurzschwertes, eine Pionierschaufel und eine Pferdetrense.

„Teilweise müssen wir bis Pompeji schauen, um parallele Stücke zu finden“, stellte Grote die Einzigartigkeit der Funde heraus. Ein Hammer etwa sei komplett erhalten. Von einem Kummetbügel (Bestandteil des Ziehgeschirrs bei Maultieren), wie er in Hedemünden ausgegraben wurde, seien insgesamt vielleicht zwei, drei vergleichbare Stücke gesichert.

Das Römerlager bei Hedemünden gilt als das besterhaltene Militärlager nördlich der Alpen und außerhalb des römischen Reichsgebietes. Es ist der einzige römische Stützpunkt östlich der Weser. „Vielleicht gibt es noch östlichere Lager. Aber die sind bislang noch nicht entdeckt“, sagte der Archäologe.

Das niedersächsische Kulturdenkmal besteht aus einem 3,2 Hektar großen Vorratslager und zwei Marschlagern (zehn und 1,5 Hektar groß). Probegrabungen an den Befestigungen lieferten Hinweise auf Innenbebauungen mit Zelten. Auch Hinweise auf Holz-Lehm-Bauten liegen vor. Zudem lüftet sich das Geheimnis um die vor einem Jahr noch als „auffällig“ bewerteten Hangterrassen am Burgberg. Zumindest die obere Terrasse ist Bestandteil des Lagers.

Grote hält es für wahrscheinlich, dass sich der historische Fundort in seiner Größe über die jetzt gesicherten Grenzen hinaus ausdehnt. Er vermutet im Gewerbegebiet Hedemündens und auch im zwei Kilometer entfernten Oberode Spuren der Römer. Seine Annahmen stützt der Experte auf luftbildarchäologische Befunde.

Gefunden ist inzwischen auch die antike Fluss-Übergangsstelle an der Werra. Gemeinsam mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden ist Grote im Januar den Fluss abgefahren. Dabei wurde mit Echolot ein Tiefenprofil der Werra erstellt. An einer Stelle, an der der Fluss ursprünglich nur knietief ist, hat Grote die Furt entdeckt: „Selbst die Brückenköpfe kann man sehen.“

Dieser Bereich soll noch stärker untersucht werden. Auf der Suche ist Grote nach einer Schiffanlandestelle. Denn die Versorgung der zum Teil mehreren tausend Legionäre habe nicht allein über die Bevölkerung gesichert werden können. Lebensmittel mussten zudem auf der Werra ins Lager transportiert worden sein.

Quelle:

  • aus der HNA vom Februar 2005, Autorin: Antje Thon

Marschwege der Legionäre

Göttinger Kreisarchäologe Dr. Klaus Grote

Nach einem Artikel in der HNA im April 2010 konnte inzwischen eine acht Kilometer lange Marschroute der römischen Legionäre rekonstruiert werden, die im Römerlager stationiert waren. Die Forscher profitierten von einer Besonderheit der damaligen Sandalen, die mit 40 bis 60 Nägeln bestückt waren, von denen sich immer wieder einzelne lösten und über 2000 Jahre hinweg im Boden liegen blieben.

Mehr als 2000 Funde wurden inzwischen restauriert, neben hunderten Sandalennägeln auch Pfeil- und Lanzenspitzen, Pionieräxte, ein Legionärsdolch, Keramikreste und Schmuck.

Eine weitere Fundgrube stellte dabei ein aufgefundenes romisches Kleinlager im Kaufunger Wald dar, das etwa 4000 qm umfasste.

Quelle:

  • aus der HNA vom April 2010, Autorin: Heidi Niemann

Römische Magie am Wall

Neuer Fund im Hedemündener Römerlager weist auf rituellen Ring um die Anlage hin

Hedemünden. Die 2000 Jahre alte römische Pionier-Axt, die jetzt im Römerlager in Hedemünden gefunden wurde, gehört wahrscheinlich zu einem Opfer-Ritus, mit dem die Römer ihr Militärlager vor Unheil und bösen Mächten schützen wollten.

Das ist der Schluss, den der Göttinger Kreisarchäologe Dr. Klaus Grote nach dem weiteren sensationellen Axt-Fund auf dem Gelände zieht. Danach vergruben die Römer in den Fundamenten für den Schutzwall alle 50 bis 70 Meter teures Eisen-Werkzeug wie Hämmer und Äxte. Die ungewöhnlich gut erhaltene eiserne Pionieraxt, die Grote in der vergangenen Woche mit einem Metalldetektor auf dem Ausgrabungsgelände aufgespürt hat, lag etwa 50 Zentimeter tief im Waldboden und stammt aus der Zeit um 11 nach Christus.

Dass in einem Lager gleich mehrere Pionieräxte auf engstem Raum zu finden waren, sei mehr als ungewöhnlich, so der Archäologe. Sechs seien bei den Ausgrabungen in dem Lager insgesamt entdeckt worden. Für ihn sei bald klar gewesen, dass es sich nicht um Zufall, sondern um etwas Rituelles handeln müsste. Äxte seien Zeichen für Donner und Blitzabwehr, erläuterte Grote.

Bau-Opfer an sich seien nichts ungewöhnliches. Aber eines, das aus Äxten und Hämmern besteht sei für die Römerzeit bisher einmalig. Das Römerlager von Hedemünden und der Außenposten in Oberode haben sich für Grote bereits in den vergangenen Jahren als hochkarätige Fundgruben erwiesen. Herausragenden Einzelstücke im vergangenen Jahr waren eine römische Fessel aus Metall sowie ein Legionärsdolch. Insgesamt legten die Archäologen 3000 römische Metallfunde frei.

Das 2003 entdeckte Römerlager stammt aus der Zeit des Kaisers Augustus (27 v. bis 14 n. Chr.).

Quelle:

  • aus der HNA vom August 2010, Autor: Ekkehard Maaß

siehe auch

Weblinks