Kloster Ahnaberg

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Der Marienaltar der Stiftskirche St. Marien

Das Kloster Ahnaberg war ein Prämonstratenserinnen-Stift auf dem Ahnaberg in Kassel.

Vor 1148 wurde das Kloster zur Zeit des ludowingischen Grafen Heinrich Raspe von diesem und seiner Mutter am Nordrand der damaligen Siedlung gegründet, bis der Konvent im Rahmen der Reformation 1527 durch Landgraf Philipp I. dem Großmütigen aufgelöst und die Klosteranlage eingezogen wurde. 1878 wurden die letzten Reste des Klosters abgebrochen. An der Stelle steht heute die Max-Eyth-Schule Kassel.

Ahnaberg

Der Ahnaberg ist ein Ausläufer des Möncheberges in Kassel und hat seinen Namen von dem Flüsschen Ahna. Aus nördlicher Richtung kommend, floss es ursprünglich, auf der westlichen Seite des Möncheberges entlang, südlich um den Ahnaberg herum, um anschließend zwischen Zuchtberg und Altmarkt in die Fulda zu münden.

Südlich des Ahnaberges lagen einige Höfe und die Siedlung Kassel, welche bereits zur Zeit Kaiser Karls des Großen existierte, wie Ausgrabungen 2007 bewiesen.

Nach Anlegung des Klosters Ahnaberg ab 1143 und dessen spätere Einbindung in die Stadtanlagen, wurde die Ahna zweimal umgeleitet. Heute fließt sie nicht mehr um den Ahnaberg herum, sondern nördlich der Stadtmauer in Richtung Fulda. Durch den Bau des Klosters, der Festungsanlagen, der Artillerie-Kaserne und durch die Anhebung des Bodenniveaus der Altstadt ist der Berg als solcher nur noch teilweise erkennbar.

Der Name des Ahnaberges ging nicht nur auf das Kloster über, sondern auch auf die dortige Festungsbastion und das integrierte Stadttor an der Weserstraße. Nach Niederlegung der Festungsanlagen nach 1763, wurde dort, wo die Weserstraße die Ahna überquerte, das Weser-Tor angelegt. Die Weserstraße führte aus der Altstadt heraus in die Stadterweiterung „Vor dem Wesertor“. Heute sind beide Bezirke in dem Kasseler Stadtteil Wesertor vereinigt. Wo einst die beiden Tore standen, befindet sich heute die Haltestelle „Katzensprung“.

Stiftung

Bereits vor der offiziellen Erhebung zum Stift gab es auf dem Ahnaberg eine Kommunität von frommen Männern und Frauen.

Um 1143 kam es in dem Gebiet des Grafen von Gudensberg zu verschiedenen Klostergründungen. So wurden im heutigen Frielendorf-Spieskappel (Stiftskirche St. Johannis Baptistae) und in Germerode zwei Prämonstratenser-Chorherren-Stifte nach der Regel des Augustinus angelegt. Durch die Landgräfin Hedwig von Thüringen angeregt, nahm auch die Kommunität auf dem Ahnaberg diese Regel an.

Als Kloster St. Marien wurde das Ahnaberger Stift vor dem 15. Februar 1152 erstmalig erwähnt. Erzbischof Heinrich von Mainz bestätigte dem Stift das Patronat (Investitur) über die Marktkirche von Kassel, welches vom Grafen Heinrich Raspe II. von Gudensberg ("grave Henrich zcu Hessen"), mit Zustimmung König Konrads III., erteilt wurde. Außerdem erhielten die Brüder das Recht, frommen Personen das Begräbnis bei sich zu gewähren.

Am 3. Mai 1154 bestätigt König Friedrich I. den Schwestern eine Landschenkung des Grafen Heinrich Raspe II. von Gudensberg, der diesmal mit seiner bereits verstorbenen Mutter Hedwig von Thüringen als Stifter des Klosters bezeichnet wurde. Bei dem Land handelte es sich um das Gebiet zwischen der Ahna und der Fulda, sowie einem Grundstück am Marställer Platz, wo später ein Hof gebaut wurde. Die Gründung und Ausstattung der Stiftung wurde nach beiden Quellen erst um 1154 abgeschlossen.

Das Stift bestand aus einem Doppelkonvent, nach der Regel des Augustin, einem Stiftsgebäude und der Stiftskirche St. Marien. Die Chorherren erhielten die Aufsicht über die Marktkirche von Kassel und durften Fremde im Stift beerdigen.

Stifter

Die Landgräfin Hedwig von Thüringen (*1098; †1148) war einzige Tochter des Grafen Giso IV. von Gudensberg (*1070; †1122) und dessen Ehefrau Kunigunde von Bilstein († 1138/40). 1110 heiratete Hedwig den späteren Landgrafen Ludwig I. von Thüringen (†1140). Aufgrund dieser Ehe fielen dem Landgrafen bis 1140 die Besitzungen beider Familien (Grafschaften Oberlahn, Maden/Gudensberg und Bilstein/Meißner) zu.

Während der erstgeborene Sohn als Landgraf Ludwig II. Thüringen und die Oberherrschaft über das gesamte Gebiet übernahm, erhielt der zweitgeborene Sohn Heinrich Raspe II. als Graf von Gudensberg die Besitzungen in Hessen. Der Zeitraum zwischen 1140 und 1148 ist also der Zeitraum, in dem Hedwig und ihr Sohn Heinrich Raspe II. gemeinsam die Möglichkeit zur Gründung eines Stiftes hatten. Es ist außerdem anzunehmen, dass Heinrich durch die Gründung von Klöstern und den Ausbau von Burgsitzen seine Grafschaft zu festigen suchte.

Besitzungen

Im Verlauf der historischen Entwicklung des Stiftes erhielt der Konvent umfassende Ländereien in Kassel und Umgebung. Neben dem Ahnaberg gehörte dem Stift auch der Möncheberg, der Fasanenhof, der Kragenhof, der Schäferhof, der Quellhof und Höfe in Kassel, Weimar, Wichdorf, Simmershausen, Rimedehausen und Obermöllrich. Als Klostermühle diente dem Stift die „Kleine Ahnaberger Mühle“, die angelegt wurde, nachdem die Ahna ihr heutiges Bett erhielt. Zudem gehörten dem Stift auch das Wehr an der Fulda und die sich dort befindlichen Mühlen. Es waren die Große Ahnaberger Mühle, die Unterneustädter Mühle und die Walkmühle.

Stift Eppenberg

Am 03.03.1219 bestätigt Erzbischof Siegfried von Mainz die Gründung des Klosters Eppenberg bei Gensungen und nahm es unter seinen Schutz. Die Zahl der Chorfrauen des Stiftes Ahnaberg wurde auf 40 festgesetzt und die überzähligen 16 Chorfrauen gingen nach Eppenberg. Das Verhältnis zum Mutterhaus scheint aber nicht ohne Probleme gewesen zu sein. 1223 betonen der Propst und der Konvent vom Stift Ahnaberg ihre Rechte in Eppenberg. Am 17.02.1224 bestätigte Erzbischof Siegfried von Mainz die Vorrechte des Ahnabergs. 1250 verweigerte die Priorin vom Eppenberg offen die Vorrechte des Stiftes Ahnaberg. Warum es diese Auseinandersetzungen gab ist unklar. Vor Ort ist heute eine Klosterchronik zu finden, die den Zeitraum 1219-1440 für den Aufenthalt von Prämonstratenserinnen im Stift angibt. Dort wird erwähnt, dass es sich beim Stift Eppenberg um eine Filiale vom Stift Ahnaberg handelte und beide unter der Schutzherrschaft der Abtei Spieskappel gestanden hätten. Ebenfalls wird erwähnt, dass 1269 die Gründung des Prämonstratenserinnenstiftes in Homberg/Efze (Stiftskirche St. Georg) von Eppenberg ausging.

Ordensregel

Aus den im Staatsarchiv Marburg aufbewahrten Urkunden geht hervor, dass das Stift Ahnaberg bis 1184 ein Doppelstift und anschließend ein Augustiner-Chorfrauen-Stift war. Lediglich eine Urkunde scheint nicht in dieses Bild zu passen: Papst Innozenz IV. verfügte zum Jahreswechsel 1250/51, das der Propst das Gewand der „canonici regulares“ zu tragen hat und nicht das der Prämonstratenser. Er soll also die Ordenstracht der Augustiner-Chorherren tragen. Hinzu kommt, dass es gute Gründe gibt anzunehmen, dass die Gemeinschaft ursprünglich ein Doppelstift der Prämonstratenser war. Der Orden der Prämonstratenser hat ebenfalls die Regel des Augustinus und von den zur gleichen Zeit gegründeten Stifte in Spieskappel und Germerode ist überliefert, dass dort Prämonstratenser waren. Das gleiche wird vom Stift Eppenberg behauptet. Der Orden der Prämonstratenser gibt an, dass das Stift Ahnaberg zwischen 1222-1399 eines ihrer Frauenklöster war. Urkunden geben weitere Hinweise: 1184 hatten die Chorfrauen von Papst Lucius III. das Recht der Propstwahl erhalten. Dies ist ein Beleg für die Auflösung des Doppelstiftes, wobei der Propst die Aufgaben der Chorherren übernahm. Ihm zur Seite stand eine Priorin. Zwischen 1184 und 1518 gab es dann Probleme im Zusammenhang mit dem Patronat über die Kirche von Kassel und hinsichtlich der Vorrechte am Stift Eppenberg. So verweigerten die dortigen Prämonstratenser-Chorfrauen die Vorrechte des Ahnaberger Stiftes. Der Propst des Prämonstratenser-Chorherren-Stiftes Spieskappel erkannte den Propst des Stiftes Ahnaberg als solchen nicht an. Die Chronik in Eppenberg gibt auch an, dass Spieskappel eine Schutzherrschaft über Ahnaberg beanspruchte. In Kassel wurden Stimmen laut, die das Patronat über die Kirche von Kassel anzweifelten. Mehrere päpstliche und erzbischöfliche Urkunden suchten schließlich die Rechtes des Propstes und die Vorrechte des Stiftes zu festigen. Die Hinweise, dass das Stift Ahnaberg ursprünglich ein Doppelstift der Prämonstratenser gewesen war und sich aus dem Verband löste, können nicht ignoriert werden. Um die Frage der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Orden aber abschließend beantworten zu können, fehlen entsprechende Urkunden. Eine förmliche Bestätigung des Kloster hat es seitens der Päpste nie gegeben.

Grablege

Die ehemalige Stiftskirche (1483-1878) mit Soldaten des Train-Bataillons Nr. 11

In der Gruft der Stiftskirche St. Marien sind mehrere Angehörige des Landgrafenhauses Hessen beerdigt worden. Nach Holtmeyer waren es:

  • Johann I. Landgraf von Hessen (*1278; †1311)
  • Adelheid von Braunschweig-Göttingen (*1290; †1311), Ehefrau Johann I.
  • Elisabeth von Hessen (†1339), Tochter Landgraf Johann I.
  • Otto I. Landgraf von Hessen (*1271; †1328)
  • Adelheid von Hessen (*1323; †1371), Tochter Landgraf Heinrich II., Ehefrau König Kasimir III. von Polen
  • Jutta von Hessen (†1374/76), Tochter Landgraf Heinrich II.

Die Stiftskirche wurde um 1335 umgebaut und musste 1483 einem Neubau weichen. Diese neue Kirche wurde nach der Aufhebung des Klosters umgebaut und diente teilweise als Pferdestall. Das Gebäude hatte keinen Turm und war etwas höher als das Hauptgebäude. Es wurde mit diesem 1878 abgebrochen.

Kaserne

Das ehemalige Kloster Ahnaberg als Kloster-Kaserne (1512-1878) kurz vor dem Abriss

Mit der Reformation in Hessen wurde auch das Ahnaberger Kloster aufgelöst. Das Klostergebäude, erst 1512 neugebaut, ging 1527 in den Besitz der Landgrafen über und wurde bis 1763 als Pferdestall und Fruchtmagazin genutzt. Zusammen mit dem Zeughaus war es ein Teil der Kasseler Festungswerke. 1763 wurde die Anlage zur ersten Kaserne der Garde du Corps und der Artillerie umgebaut. Das Hessen-Kasselsche Garde du Corps wurde 1619, zur Zeit des Landgrafen Moritz des Gelehrten, erstmalig mit 50 Kürassieren erwähnt. Die Garde blieb aber nur bis 1797 in der Kloster-Kaserne. Der Platz der heutigen Oskar-von-Miller-Schule diente als Reitbahn.

Die bereits 1741 erwähnte selbständige Hessen-Kasselsche Artillerie war bis 1918 auf dem Gelände untergebracht. Das Zeughaus diente bereits der Festungsartillerie als Magazin und wurde nach Schleifung der Festung nach 1763 zum Teil der Kloster-Kaserne. Damals befanden sich auf der anderen Seite der Weserstraße weitere Gebäude, so z.B. Anlagen zur Herstellung von Salpeter, Stallungen und die landgräfliche Gießerei, in der Kanonen gegossen wurden. Dort wurde 1810 die Firma Henschel & Sohn gegründet. Die Kloster-Kaserne genügte aber bald nicht mehr den Anforderungen und ab 1829 wurde ein Neubau geplant. Obwohl das Gebäude der Kloster-Kaserne tatsächlich noch bis 1878 existierte, wurde es im Stadtplan von 1830 (Koppen) aufgrund der Neuplanung bereits voreilig durch ein anderes Gebäude ersetzt. 1832 war die alte Kloster-Kaserne nur noch Teil der neuen Artillerie-Kaserne. Aus dieser Kaserne, die zuletzt dem 1. Kurhessischen Feldartillerie-Regiment Nr. 11 diente, gingen nicht nur alle späteren hessischen Artillerieverbände hervor, sondern auch das Train-Bataillon Nr. 11 (Train-Kaserne an der Weserspitze in Kassel) und das Pionier-Bataillon Nr. 11 (Hann. Münden).

Literatur

Dersch, W.: Hessisches Klosterbuch, Nachdruck der 2. ergänzten Auflage, Marburg 2000

Holtmeier, A.: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel, Band VI, Kreis Cassel-Stadt, Text Erster Teil, Cassel 1923

Schultze, J.: Klöster, Stifter und Hospitäler der Stadt Kassel und Kloster Weißenstein, Regesten und Urkunden, Marburg 1913

IBF-Kassel, März 2007