Portal: B.Braun Melsungen

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Die B. Braun Melsungen AG ist ein international tätiger Medizintechnikhersteller mit Stammsitz im nordhessischen Melsungen. Das Unternehmen feiert 2014 sein 175-jähriges Bestehen. Am 23. Juni 1839 erwarb Julius Wilhelm Braun die Rosenapotheke in Melsungen und legte damit den Grundstein für den Konzern mit Niederlassungen in 61 Ländern und 50.000 Mitarbeitern weltweit.


Wie alles begann
Blick in die Anfänge der Produktion.

Die B. Braun Melsungen AG entstand aus der Melsunger Rosenapotheke. Im Jahr 1839 erwirbt Julius Wilhelm Braun die Rosenapotheke. Außerdem beginnt er mit einem Versandhandel für heimische Kräuter.

Sein ältester Sohn Bernhard Braun übernimmt 1867 die väterliche Apotheke. Er beginnt mit der Produktion pharmazeutischer Erzeugnisse. Hierzu zählen Pflaster und Migränestifte. Bernhard Braun teilt sein Unternehmen in zwei Abteilung auf. Die Apotheke bildet die Abteilung A, während die Erzeugung pharmazeutischer Artikel die Abteilung B bildet. Darüber hinaus lässt er die Firma als B. Braun in das Handelsregister eintragen.

1900 bis 1924
Carl Braun

Im Jahr 1900 übernimmt Carl Braun, Sohn von Bernhard Braun, die Firma seines Vaters. Ab 1908 wird Katgut, medizinisches Nahtmaterial, aus Hammeldärmen hergestellt. Dieses hatte den Vorteil, dass es vom Körper nach einigen Tagen aufgenommen wurde und die Fäden daher nicht gezogen werden mussten.

1914 werden bei B. Braun erstmals chirugische Schienen, einfache Extensionen und Blutdruckmessapparate hergestellt. Hierzu wurde eine medico-mechanische Werkstatt eingerichtet. 1916 erscheint die erste Ausgabe der "Melsunger Medizinischen Mitteilungen".

1923 gründet die Firma B. Braun eine eigene Betriebskrankenkasse für ihre Mitarbeiter.

Kuhn, Braun und das Katgut

Der Kongress war nicht ergiebig für Carl Braun. Viel Interessantes hatte der Apotheker aus Melsungen auf dem Treffen der Ärzte und Naturforscher 1908 in Köln gehört, aber nichts war von direktem Nutzen für ihn. Seine große Stunde schlug auf der Rückfahrt. Im Speisewagen des Zuges traf er den Mann, mit dem er vom Pharmazeuten zum Industriellen wurde: den Chirurgen Dr. Franz Kuhn. Der Chefarzt des Elisabeth-Krankenhauses in Kassel hatte ein Verfahren zur sterilen Produktion von Katgut, medizinischem Nahtmaterial aus Hammeldarm, entwickelt und erprobt. Ihm fehlte jedoch ein Partner für die Fertigung im großen Stil. Carl Braun stieg ein.

Katgut hatte den Vorteil, dass es resorbierbar ist, sich im Körper also nach einiger Zeit auflöst, galt aber als Keimüberträger. Chirurgen schlossen Wunden zu dieser Zeit meist mit Seide, Zwirn, Pferde- oder Menschenhaar. Die Firma B. Braun war das erste deutsche Unternehmen, das chemisch steriles Katgut herstellte. Im Katalog von 1910 wurde das Sterilkatgut Kuhn zum ersten Mal angeboten, schon in den folgenden Katalogen stand es an erster Stelle.

1925 bis 1949
Otto Braun

Die erste ausländische Niederlassung entsteht 1925 im italienischen Mailand. 1929 stirbt Carl Braun und sein Sohn Otto Braun übernimmt die Leitung des Unternehmens. Zur Erinnerung an Carl Braun wird die Carl-Braun-Gedächtnisunterstützungskasse gegründet. Sie unterstützt Mitarbeiter der Firma B. Braun die in Not geraten sind.

1930 wird die modifizierte Tyrodelösung Sterofundin entwickelt. Sie bildet die Basis für alle später entwickelten Infusionslösungen. Ab 1935 wird mit der Produktion von Synthofil A, einem unresorbierbaren synthetischen Nahtmaterial begonnen. 1936 tritt der jüngste Sohn von Carl Braun, Dr. Bernd Braun, als wissenschaftlicher Leiter in das Unternehmen ein. 1939 feiert das Unternehmen sein 100-jähriges Bestehen. Zu diesem Zeitpunkt arbeiten bei B. Braun ca. 500 Menschen.

1949 wird Supramid-Braun, ein chirurgisches Nahtmaterial auf Nylonbasis, entwickelt.

HNA-Artikel zu B.Braun
Geschäftssparten

Die B. Braun Melsungen AG ist in vier Sparten aktiv:

  • Hospital Care: Infusions- und Injektionslösungen und andere Produkte der medizinischen Einmalversorgung für Krankenhäuser
  • Out Patient Market (OPM): Medizinischer Bedarf außerhalb des Krankenhauses sowie für chronisch Kranke und Langzeitpatienten
  • Aesculap: Chirurgiebedarf, Produkte für Orthopädie und Traumatologie, Wirbelsäulenchirurgie, Neurochirurgie und Gefäßtherapie
  • Avitum: Produkte und Dienstleistungen für die Blutbehandlung
Konzern - Zahlen, Daten, Fakten
Historische Aufnahme aus der Produktion

Zahlen zu B.Braun

  • Mitarbeiter weltweit: 55.719 (zum 31.12.2015)
  • Mitarbeiter in Melsungen: 6500
  • Umsatz weltweit: 6.129,8 Mio. Euro
  • Standorte weltweit: 65

Daten und Fakten zu B.Braun

  • Der Melsunger Heimat- und Verschönerungsverein hatte schon einen Vorgänger, der 1902 gewissermaßen zum zweiten Mal gegründet worden war. Zu seinem Vorsitzenden wurde der Apotheker Carl Braun gewählt.
  • 1908 schafft der Betrieb die erste Schreibmaschine im Altkreis Melsungen an.
  • Der Spangerweg in Melsungen wurde 1953 in Carl-Braun-Straße umbenannt. Die Straße ist nach dem Apotheker und Konzernbegründer Carl Braun benannt. Dort befindet sich auch der riesige Industriebau des Unternehmens.
  • An der Carl-Braun-Straße wurde die bundesweit erste Gammabestrahlungsanlage zur Sterilisation von Medizinprodukten in Betrieb genommen. Diese ermöglichte es, die Produkte in der Verpackung zu sterilisieren.
  • B.Braun startete seinen Weg zum Weltkonzern durch Hammeldarm. Der sterile Hammeldarm - als Katgut bezeichnet - wurde als chirurgisches Nähmaterial verwendet.
  • In den 1930er-Jahren begann B. Braun, die Infusionslösung Sterofundin herzustellen und in Ampullen und Glasflaschen abzufüllen, die in einer eigenen Glasbläserei hergestellt wurden.
  • 1951 brachte B. Braun die „Dauerinfusions-Spritze nach Dr. Hess“ auf den Markt. Damit war es erstmals möglich, durch in die Pumpe eingesetzte Glasspritzen gleichmäßig einen Milliliter Flüssigkeit pro Minute abzugeben. Der Markenname Perfusor wurde zum Synonym für Spritzenpumpen.
  • Ab 1961 produzierte B. Braun alle Produkte mit Ausnahme von Medizintechnik und Nahtmaterial im Werk A. Dazu gehörten unter anderem Infusionslösungen und Braunülen.
  • Neben dem Perfusor wurde noch der Name eines weiteren B. Braun-Produktes zum Gattungsbegriff: die Braunüle. Im Jahr 1962 brachte B. Braun diese erste einteilige Kunststoffkanüle der Welt auf den Markt.
  • „Die Schwester“, die heute meistabonnierten Pflegezeitschrift „Die Schwester/Der Pfleger“ wird von B. Braun erstmals 1962 herausgegeben.
Vorstand
Heinz-Walter Große


Werk Pfieffewiesen
Weblinks zu B. Braun