Pit Morell

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Pit Morell (* 4. Januar 1939 in Kassel; auch Jean Pit Morell) ist ein heute in Worpswede ansässiger Maler und Erzähler.

Aus Leben und Werk

Pit Morell wuchs während des Zweiten Weltkriegs u. a. bei einer Tante im Reinhardswald auf, später in Hohenkirchen, bevor er im Jahr 1951 nach Sielen und dann nach Hümme umzog, wo er erste künstlerische Anregungen auch durch den Maler und Bildhauer Wilhelm Hugues erhielt. Nicht weit von Hümme entfernt, in Kelze, lebten seit dem Ende des 17. Jahrhunderts die hugenottischen Vorfahren der Familie Morell.

Besonders die Erinnerung an den Ort seiner Kindheit in Hümme bestimmt zahlreiche Arbeiten des Künstlers. Eine Ausstellung in den Jahren 2005/ 2006 trug den Titel „Rückkehr nach Humi“. „Humi“ ist überall dort, „wo sich das Große im Kleinen zu erkennen gibt, Humi heißt das Phantasie- und Traumland von Jean Pit Morell“, hieß es dazu in einem Presseartikel (siehe dazu: „Welt – online“ vom 6.12.2005).

Nach dem Grafik-Studium an der Staatlichen Werkkunstschule Kassel bei Prof. Hüffner ist Morell seit 1964 als freischaffender Künstler in Worpswede ansässig und tätig. Er ist Träger zahlreicher Auszeichnungen und war Teilnehmer an der documenta6 in Kassel (1977).

Morell gilt als Vertreter des Phantastischen Surrealismus. Neben Zeichnungen und Radierungen entstanden aber auch Lyrikbände, im Jahre 1963 sein erster Gedichtsband „Tschikeung“ und 1966 der Lyrikband „Signale“.

Mit Ehefrau Rosmarie (geb. Ellerlage) hat er mehrere Kinder. Ihr ältester Sohn Maurice Morell ist als PR-Berater tätig.

Erinnerungen an ein Haus voller Leben

Artikel aus der HNA - Hofgeismarer Allgemeine vom 2.3.2013

Der Künstler Pit Morell, der seine Jugend in Hümme verbrachte, erinnert sich: „In der Bahnhofsgaststätte, die Onkel August Nendzig (um 1951) übernommen hatte, gab es kleine Gerichte, warme Würstchen, Suppe (Eintopf) und zweimal die Woche ein Menü. Am Tresen wurden Zigaretten, Zeitungen, Süßigkeiten, Getränke, Bier vom Faß, die ersten Comics wie Cisco, Batman, Tarzan, Rip Korby, Wildwestromane, Billy Jenkins, Tom Mix und andere verkauft.

Ich half oft, musste in den Keller, um Flaschen zu sortieren. Häufig habe ich die hohen Bogenfenster an der Bahnsteigseite geputzt. Wir stellten zwei der stabilen Wartesaaltische mit Buchenholzplatte, die immer blank gescheuert waren, übereinander, darauf einen Stuhl, und ich kletterte nach oben wie ein Artist mit Eimer und Tuch zum Fensterputzen. (...) Wir bemerkten gar nicht mehr die vielen Güterzüge, die schnellen D-Züge, die durch den Hümmer Bahnhof donnerten. Es waren sicher 100 und mehr am Tag. Die Gerüche von feuchtem Dampf und Kohlengestank, das war unser Lebensparfüm.

Oben im 1. Stock des Bahnhofs, links von Treppen- und Uhrturm, hatte ich eine Kammer. Es passte ein Bett hinein und ein paar Bücher und ein Stuhl. Da oben in meiner Studierkammer, die ich bis 1959 bewohnte, als ich in Kassel schon ein Zimmer hatte, dort entstanden Zeichnungen, Plastiken und Malerei. In der Kammer am Uhrenturm entstanden Gedichte. Dort war auch das Ticken der Bahnhofsuhr zu hören, das war kein übliches Ticken, es war eine elektrische Uhr. Sie schob ihre Zeiger mit einem undefinierbaren „Klack, Plup,Ruck“ weiter.

Einmal rasierte ich mich noch, als der Zug um 6.40 Uhr aus Eberschütz einlief. Ich rannte durch den Wartesaal, die Sperre, am Mann mit der roten Mütze vorbei. Es war seltsam, der Zug wartete und wartete. Erst als ich im Waggon saß, fuhr der Zug an. Meine Tante Hedwig hatte mit dem Fahrdienstleiter gesprochen, der sie mochte, und der hatte den Zug solange warten lassen.“(tty)

HNA-Artikel

Sammlung aus dem Nachlass Hugues in Hümme

Das Künstlerehepaar Pit und Rosemarie Morell schenkte im April 2010 der Initiative Hümme "Unser Dorf" eine Sammlung mit Werken von Wilhelm Hugues, der in Hümme beheimatet war. "Wir geben Sie an den Ort ihrer Entstehung zurück", wird Pit Morell in der HNA - Ausgabe Hofgeismar zitiert. Die Initiative verpflichtete sich im Gegenzug, die Kunstwerke in Hümme zu belassen und sie in Abständen in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

In Zusammenarbeit mit dem Hümmer Geschichtskreis wurden im Gasthaus Busch am 13. März 2011 erstmals Werke von Wilhelm Hugues gezeigt. Im Gasthaus von Wilhelm Busch finden sich auch Zeichnungen von Pit Morell.

siehe auch

Weblinks