Pilotprojekt Mundensis

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Pilotprojekt Mundensis

Gelehrtenschule in Münden war Vorbild für alle Lateinschulen im Fürstentum

Farbenfrohe Erinnerung: Eine späte Anerkennung ihrer schulischen Verdienste erfuhr Elisabeth 1926 durch die Stiftung der Aulafenster mit ihrem Portrait im damaligen Schulhaus des Gymnasiums, heute Schule am Botanischen Garten. Von diesem Fenster gab es damals sogar eine Postkarte. Foto: Radke

Eindrucksvoll fand Ulrich Kratz, Dipl. Mathematiker und Studienrat am Mündener Gymnasium, die Elisabeth-Ausstellung im Städtischen Museum. Ein Aspekt werde jedoch vernachlässigt: Herzogin Elisabeth habe sich große Verdienste um das Mündener Schulwesen erworben. Der Lehrer berichtet:

„Bekanntlich hatte Münden schon jahrhundertelang eine Gelehrtenschule, man könnte auch nach heutigem Sprachgebrauch Gymnasium dazu sagen, welche sich in städtischer Trägerschaft befand und 1376 erstmals erwähnt wurde. Es handelt sich damit wohl um eine der ältesten - vielleicht sogar die älteste noch bestehende - nichtkirchliche Gelehrtenschule im deutschsprachigen Raum.

Im 14. und 15. Jahrhundert muss sie sehr erfolgreich gewesen sein, denn es finden sich Mündener Absolventen in den Matrikelnummern der Universitäten von Prag (gegründet 1348), Heidelberg (gegr. 1386) und Erfurt (gegr. 1378) bereits zu dieser frühen Zeit. Ein Mündener Absolvent wird 1400 in Erfurt sogar Rektor der dortigen Universität.

Neben den von der Stadt eingesetzten Lehrern lehrten an der Mündener Schule natürlich auch die Geistlichen der Kirche. Nachdem Elisabeth in Münden die Reformation durchgesetzt hatte, verließen die (katholischen) Geistlichen natürlich Stadt und Schule. Um den Standard des Instituts aber zu bewahren, ersuchte die Regentin 1541 die Stadt um Neuordnung des Schulwesens. Als sie keinen Erfolg sah, bemühte sie sich selbst um neues Lehrpersonal und setzte ihren Chorleiter der Schlosskapelle „Andreas“ als neuen Schulleiter ein. Außerdem ermahnt sie die Stadt wiederholt, das Schulhaus instand zu setzen, damit es „nicht einmal den Knaben uff die Kopffe falle und vieler Unrath verhutt pleibe.“ Leider entschloss sich die Stadt erst 1585 für einen Neubau, seinerzeit errichtet zwischen St. Blasii-Kirche und Rathaus.

Lehrer als Gäste im Schloss

Die Mündener Ratsschule konnte durch Elisabeths Anstoß jedoch an ihr hohes Niveau anknüpfen, was schon allein daraus ersichtlich wurde, dass Herzog Julius, dem die Regentschaft nach dem Tode Erich II zufiel, Richtlinien für alle Lateinischen Schulen nach dem Muster der Schola Mundensis erließ. Auch um die - meist schlecht bezahlten - Lehrer machte sich Elisabeth Gedanken, indem sie diese in regelmäßigen Abständen zum Essen aufs Schloss einlud. Dass das Mündener Lyzeum 1954 anlässlich seines 75-jährigen Bestehens in Herzogin-Elisabeth-Schule umbenannt wurde, war sicherlich eine späte Anerkennung. Allerdings musste dies von Stadtdirektor Bode und Ludwig Dörfler in Hannover beim Ministerpräsidenten Kopf mühsam und mit großer Beharrlichkeit erkämpft werden, da das Kultusministerium das Ansinnen zuvor abgelehnt hatte („Wenigstens die Herzogin müsse man weglassen“).

Nachdem die Herzogin-Elisabeth-Schule aber seit 1969 der Vergangenheit angehört (Zusammenlegung mit dem Gymnasium für Jungen), haben wir seit ungefähr derselben Zeit wenigstens eine Herzogin-Elisabeth-Straße.“

siehe auch