Philippinenburg

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Ortseingang von Philippinenburg

Philippinenburg ist ein Stadtteil von Wolfhagen und entstand - wie Philippinenthal - ab 1778 unter der Herrschaft von Landgraf Friedrich II.. Philippinenburg entstand auf der alten Wüstungsfläche des ehemaligen Dorfs Hildegersen, Philippinenthal wurde auf der Fläche des früheren Dorfes Oedelsen angelegt. Bekannt sind die Dörfer als Kolonie und haben zusammen 182 Einwohner (Stand: Oktober 2011). Nicht ganz ein Drittel davon, etwa 50, leben in Philippinenthal, der Rest in Philippinenburg.

Die dritte Kolonie Philippinendorf heißt heute Gasterfeld.

In den beiden nur noch im Nebenerwerb landwirtschaftlich strukturierten Dörfern gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel,Back-, Fleisch- und Wurstwaren. Gastronomische Betriebe existieren ebenfalls nicht. Dafür gibt es einen Friseurladen sowie ein Unternehmen für technische Geräte und eines,das sich auf die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte (Kartoffeln) spezialisiert hat.

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

Einer der Hauptgründe für das Ende der ehemaligen Dörfer Gasterfeld, Hildegersen und Oedelsen war die Neugründung der Stadt Wolfhagen. Die Wolfhager Bevölkerung stammte zunächst überwiegend aus den umliegenden Dörfern, deren Menschen in die neugegründete Stadt abwanderten.

Auch der Siebenjährige Krieg hatte noch einmal kurz vor der Gründung der drei Kolonien zu weiteren Bevölkerungsverlusten geführt, so dass die damalige Fläche der heutigen Gemarkungen Philippinendorf, – thal und –burg fast nur noch brach lag. Solche Brachflächen ließ Landgraf Friedrich II. erfassen, um sie neu zu besiedeln.

1778 begann die Besiedlung von Philippinenburg und Philippinenthal mit jeweils neun Familien. Ausgewählt wurden die ins Wolfhager Land gekommenen Kolonisten vom Steuerkollegium in Kassel. Jeder Bewerber musste eine beglaubigte Aufstellung seines Vermögens, ein Leumundzeugnis und den Taufschein vorlegen. Letzteres war von außerordentlicher Wichtigkeit. Heißt es doch in den historischen landgräflichen Dokumenten, dass es darauf ankommt, ob einer „protestantischer Religion sei. Denn keinen anderen kann ich annehmen“. Anstelle der Baumaterialien für den einheitlichen Häuserbau bekam jeder Kolonist 500 Taler aus der Kriegskasse geschenkt, zudem noch weitere 100 Taler aus der Generaldepositen- und Landassistentenkasse zur Anschaffung des nötigen Viehs. Zudem wurden die Siedler drei Jahre von Steuerabgaben und der Militärpflicht befreit.

So entstanden bei Wolfhagen die drei „Philippinen-Kolonien“, benannt nach der zweiten Frau des Landgrafen, Philippine von Brandenburg-Schwedt. Obwohl es natürlich auch schwarze Schafe gab, die - wie es in der Chronik heißt - vorher ein Luderleben geführt und ihr Vermögen verprasst hatten und auch nicht mit Grund und Boden umzugehen wussten, lässt sich feststellen, dass aus dieser Kolonistenmischung ein zukunftsfähiges Gemeinwesen entstanden ist.

Almabtrieb

Almabtrieb

Seit 1995 findet Philippinenburg und -thal der alpenländische Brauch des Almabtriebs statt. Das Spektakel bestaunen jährlich hunderte von Zuschauern aus Nah und Fern. Das im Mai auf die Weide getriebene Rindvieh des Landwirtsehepaar Werner und Ingrid Döhne kehrt jedes Mal nach durchgängiger Sommerfrische im Freien in den heimatlichen Stall zurück. Die Leittiere sind mit alpenländischer Kuhglocke und Blumenkränzen geschmückt. Der Kolonisten-Almabtrieb ist stets ein großes Fest mit Essen und Getränken sowie Spiel und Spaß für junge und alte Zuschauer.

Fränkische Häuser

Beim Aussehen orientierte man sich vornehmlich am fränkischen Haustyp, wie er in der Wolfhager Gegend bereits in der Hugenottensiedlung Leckringhausen erprobt war.Es gibt heute in Philippinenburg und Philippinenthal (und auch in Philippinendorf)kein Haus mehr, das exakt noch so aussieht, wie bei der Gründung der Wolfhager Kolonien vor 233 Jahren. Alle damals errichteten Häuser glichen sich und waren so geplant, dass jeweils nur entlang einer Straßenseite gebaut wurde. Zwischen den einzelnen Häusern betrug der Abstand etwa 21 Meter. Die Gebäudetiefe betrug 13, die Breite 18 Meter. Die Gründung der Kolonie belegt ein Mauerstein mit der Jahreszahl 1778, der heute über dem Scheunentor von Ortsvorsteher Horst Pflüger eingemauert ist.

Vereine

Das rege sportliche, kulturelle und gesellschaftspolitische Leben im Ort prägen neben einer intakten und harmonischen Dorfgemeinschaft die 1982 gegründete Tauziehgruppe und die 1971 aus der Taufe gehobene und zur Wolfhager Wehr gehörende Löschgruppe der Feuerwehr, die mit einem Jahr Verspätung 2012 ihr 40-jähriges Bestehen feiern wird, außerdem die Helfenberg-Musikanten und die Jagdgenossenschaft.

Tauzieh-Gruppe

Die starken Männer der Kolonie

Begonnen hatte alles bei der Tauziehgruppe Philippinenburg und -thal am 8. Mai 1982 mit der Teilnahme an einem Tauzieh-Hobbyturnier in Balhorn. Von da an waren die Kolonisten unheilbar vom Virus Tauziehen befallen. Sie wollten diese frühere olympische Sportart nicht nur aus Spaß betreiben, sondern sich in offiziellen Wettkämpfen messen. Deshalb hob man noch im gleichen Jahr einen Verein aus der Taufe. 2012 feiert der Verein sein 30-jähriges Bestehen mit der Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft auf dem neuen Multifunktionsplatz.Seit Bestehen führt Herbert Döhne den Verein. Die „starken Männer von der Kolonie“ – inzwischen stehen aber auch Frauen in den verschiedenen Wettkampfmannschaften (600, 640, 680 und 720 Kilogramm) zusammen mit ihren männlichen Teamkameraden ihren Mann am Seil – zogen sich schnell in die Ligaspitzen. Die bisherige Erfolgsbilanz ist rekordverdächtig:Zwei Mal Deutscher Meister, drei Mal nationaler Vizemeister sowie über 70 Titelgewinne bei den Landes- und länderübergreifenden Ligameisterschaften.

Freiwillige Feuerwehr

siehe auch

Eco-Pfad - Streckenverlauf

Wandern

Weblinks




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